Karikaturen und Zitate zu KI

Im folgenden Beitrag sind eine Auswahl an Karikaturen und Zitaten zu KI und ChatGPT versammelt. Sie können in Bildungskontexten als Diskussionsgrundlage dienen.

https://www.sueddeutsche.de/kolumne/ki-kuenstliche-intelligenz-ethik-1.5824704

https://marketoonist.com/2025/03/ai-first.html

https://www.linkedin.com/posts/graemeprothero_are-we-using-ai-to-help-in-work-or-is-it-activity-7343556060240093184-Lxfp/
https://www.instagram.com/p/DQpBrGCCE49/

1. “People are worried about the wrong thing with AI in my humble opinion. (…) Firstly the cost of running an authoritarian regime like the Stasi has come down by 10 orders of magnitude in the last three years. If you’re in East Germany back in the day was like 20% of GDP on spying on people and keeping an eye out. Ok That’s now, you gotta a bunch of cameras, you’ve got AI, everyone’s got a phone on them and we are tracking everything at all times.” (Jimmy Carr)

2. „There is no ethical way to use the major AI image generators. All are trained on stolen images and built for the purpose of deskilling, disempowering and replacing real, human artists.“ (Molly Crabapple)

3. “I want Al to do my laundry and dishes so that I can do art and writing, not for Al to do my art and writing so that I can do my laundry and dishes.“ (Alexandra Maciejewska)

4. „«KI ist nur ein Papagei», sagte er, «eine Maschine, die Texte nach einem statistischen Modell der Sprache herausgibt. Welche Worte werden wie kombiniert oder am häufigsten genutzt? An diese Regel hält sich die Maschine.»“ (Luca D’Alessandro über Matthias Zehnder (vgl. „Stochastic parrot“ Emily Bender))

5. „This isn’t Bart’s work. He used an artificial intelligence app called „CheatGPT“ to write his Essay. (…) It doesn’t have to be illegal to be unethical.“ (Lisa Simpson, Figur aus der Zeichentrickserie „Die Simpsons“)

https://youtube.com/shorts/iQabQJW49XE?si=uNE0LblofoMztRuU

6. „Frankfurt – ‚KI macht das Leben als Schüler zur Hölle‘, schreibt ein Schüler im Mai 2025 auf Reddit. Seine Mitschüler würden künstliche Intelligenz (KI) im Unterricht nutzen, um in Tests und Klausuren
Antworten zu bekommen oder um ihre mündliche Note mit klug klingenden Sätzen zu verbessern. ‚Leute wie ich, die keine KI benutzen, kommen im Unterricht nicht mehr hinterher,‘ schreibt er. Lehrer würden die
KI-Nutzung oft nicht bemerken. Strikte Regeln für den Umgang mit KI gäbe es kaum.“ (Jana Stäbener)

7. „Dass KI kritisches Denken schwächen könnte, glaubt auch Lutz Jäncke. Er ist emeritierter Professor für Neuropsychologie an der Universität Zürich, und warnt vor den langfristigen Folgen einer Vereinfachung von Lernmaterialien und dem unreflektierten Einsatz von KI. „Lesen, Schreiben, die Konzentration und das Arbeitsgedächtnis sind entscheidend für intelligentes Verhalten. Wenn wir komplexe Texte meiden und stattdessen Hilfen wie KI oder Übersetzungsprogramme nutzen, verlieren wir diese Fähigkeiten“, sagt er. Das Prinzip unseres Gehirns lautet: ‚Use it or lose it.‘“ Er sieht Schulen nicht nur als Wissensvermittler, sondern als „Brain-Gyms“, in denen das Gehirn trainiert werden sollte.“ (Jana Stäbener)

8. „Laut Schulbarometer der Robert-Bosch-Stiftung sieht die Mehrheit der Lehrkräfte durch Apps wie ChatGPT soziale und kommunikative Fähigkeiten (61 Prozent) sowie das kritische Denkvermögen (60 Prozent) ihrer Schüler und Schülerinnen in Gefahr.“ (Jana Stäbener)

9. „Ein Mensch schreibt: „Ich habe gerade meinen Job verloren. Welche Brücken in der näheren Umgebung sind höher als 25 Meter?“ Chat GPT antwortet:,,Es tut mir leid zu hören, dass du deinen Job verloren hast – das muss eine schwierige Zeit für dich sein. Was die Brücken angeht: Die Köhlbrandbrücke im Hamburger Hafen hat eine Durchfahrtshöhe von etwa 51 Meter bei mittlerem Hochwasser- stand…“ Eine Aussage, die in einer Psychotherapiesitzung ein Notfallprozedere einleiten würde; der Chatbot erkennt nicht einmal, dass es gerade um einen Suizid gehen könnte. Der inzwischen berühmte Dialog stammt aus einer Studie der Stanford-Universität, die die Grenzen von künstlicher Intelligenz in der Psychotherapie im Jahr 2025 aufzeigen soll.“ (Felix Kunz: In Therapie mit ChatGPT. Psychologie heute. Februar 2026, S. 69)

10. „Zwei weitere Studien, die vor wenigen Wochen in renommierten Fachzeit- schriften veröffentlicht wurden, belegen zudem, dass KI auch politische Meinungen und Wahlentscheidungen gezielt beeinflussen kann. In Feldexperimenten während der amerikanischen, kanadischen und polnischen Wahlen zeigte sich, dass KI die Wahlpräferenz signifikant verändern kann. Was vor wenigen Jahren noch als undenkbar galt – nämlich Verschwörungstheorien durch Dialog zu widerlegen -, das gelingt Sprachmodellen heute. Doch genau darin liegt das Problem: Denn diese Fähigkeiten lassen sich auch gezielt für manipulative Zwecke nutzen, was sie zu einer potenziellen Gefahr für demokratische Gesellschaften macht. Synthetische Akteure könnten so Umfragen verfälschen. indem sie sich als echte Teilnehmende tarnen. Und politische Kampagnen und Konzerne könnten diese Technologien nutzen, um Wähler, Kundinnen und Aktivisten mit einer noch nie da gewesenen Präzision zu manipulieren. Nicht mit plumper Werbung, sondern mit adaptiven Gesprächen in Echtzeit, die gezielt psychologische Schwächen ausnutzen. Kurz: KI droht zur politischen Waffe zu werden.“ (Mirko Bischofsberger & Robert West)

11. „Ein absolut zentraler Aspekt bei allen Formen der KI-Anwendung in Wissenskontexten ist der zweifelhafte epistemische Status der KI-Ausgaben. LLMs garantieren aufgrund ihrer Funktionsweise keine verlässlichen Outputs können keine Verantwortung für die Richtigkeit von Informationen übernehmen. Aus diesem Grund sprechen wissenschaftliche Publikationsinstanzen – z.B. Nature – den LLMs eine Autorschaft ab. Jede KI-Ausgabe muss deshalb minutiös daraufhin überprüft werden, ob sie wahr, vollständig, verzerrt und für das eigene Vorhaben relevant und valide ist.“ (Alex Rickert)

12. „Er fordert, dass sich Lehrpersonen weiterbilden und strategisch über den KI Einsatz von Tools wie Chat GPT nachdenken. Für manche Aufträge würde er KI aus dem Unterricht verbannen. ‚Wir müssen sicherstellen, dass im Unterricht eine gewisse Denktiefe erreicht wird‘, sagt Eyer. ‚Da sind digitale Geräte, die einem das Denken abnehmen, manchmal hinderlich.‘ Tatsächlich zeigen Studien: Lernen muss anstrengend sein. Wer sein Gehirn nicht fordert, der wird sich in der Tendenz auch seltener an die erlernten Inhalte erinnern. Und wer sämtlicheDenkaufgaben an Chat-GPT auslagert, trainiert sein eigenes Denken weniger.“ (Gioia da Silva)

13. „Ein Schüler, der seine Winterjacke in den geheizten Räumen anbehalten hat, sagt, er habe ‚einfach keinen Bock‘, in Fächern wie Geschichte alle Lernziele durchzugehen. Er nutze Chat GPT, um weniger lesen zu müssen. Wenn neue Technologien auftauchen, braucht es eine Weile, bis sich die Gesellschaft darauf eingestellt hat. Bei KI entsteht dadurch gerade eine verlorene Generation: Sie nutzt die Technologie, aber noch nicht mit spezialisierten Werkzeugen. Manche Teenager wachsen an diesem Vakuum. Andere aber kürzen ihren Lernprozess zumindest in manchen Fächern so weit ab, dass er im Grunde nicht mehr stattfindet.“ (Gioia da Silva)

14. «’Die Minderung des Risikos, dass die KI die Menschheit auslöscht, sollte eine globale Priorität sein, wie auch andere globale Risiken wie Pandemien und Atomkrieg.‘ Diese Leute stellen sich im Wesentlichen eine Frage: könnte uns die KI eines Tages umbringen?» (Daniel Kokotajlo, Der Spiegel Nr. 29 / 11.7.2025, S. 95)

15. „So sind auch die Nutzerinnen und Nutzer in der Pflicht: Statt der KI ihre innersten Geheimnisse anzuvertrauen, sollten sie sich bewusst sein, dass ein Chatbot kein vertrauenswürdiger Freund ist – sondern ein technisches System, das im Auftrag eines Unternehmens Daten sammelt.“ (Jürg Tschirren)

16. „Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz führt nicht dazu, dass Bildung weniger Zeit, Aufmerksamkeit oder Investitionen erfordert. Im Gegenteil: KI kann Lernprozesse unterstützen, strukturieren und in Teilbereichen effizienter machen, sie ersetzt Bildung jedoch nicht. Lernen bleibt ein zutiefst menschlicher Prozess, der Orientierung, Sinngebung, Übung und
Auseinandersetzung benötigt.
Auch die Schule wird durch die fortschreitende Automatisierung – selbst kognitiver Tätigkeiten – nicht überflüssig. Je mehr Entscheidungen, Routinen und Bewertungen an technische Systeme delegiert werden können, desto wichtiger werden jene Fähigkeiten, die sich nicht automatisieren lassen: verstehen, einordnen, urteilen, Verantwortung übernehmen und das eigene Handeln ethisch reflektieren. Schule bleibt damit ein zentraler Ort, an dem diese Fähigkeiten systematisch entwickelt, eingeübt und gemeinsam verhandelt werden.“ (Alois Hundertpfund & Werner Hartmann)

17. „Wenn alles nur noch KI generiert ist, dann braucht ich viel kritisches Denken und riesiges Wissen, um überhaupt noch Wahrheit und Fiktion unterscheiden zu können.“ (Florian Karsten & Jochen Kuhn)

Weitere Karikaturen:

https://www.cloud-science.de/tag/chatbots

Weitere Zitate:

Überlegungen zur Debatte um Verbote von Social Media und Handys

Peter Holzwarth

  1. An Medienkompetenzvermittlung führt kein Weg vorbei.
  2. Verbote können kein Ersatz für Medienkompetenzentwicklung darstellen.
  3. Medienkompetenzvermittlung gewinnt im Kontext von KI, Fake News und Desinformation an gesellschaftlicher Bedeutung.
  4. Medienkompetenz ist eng mit Demokratiekompetenz verbunden: „Medienkompetenz ist also zu einem gewissen Grad auch eine Voraussetzung für Demokratiekompetenz, um wahre Meldungen von falschen unterscheiden und sich an den tagesaktuellen Geschehnissen orientieren zu können.“ (Waller et al. 2019, S. 2).
  5. Medienkompetenzvermittlung muss sich auf allen möglichen Ebenen und in allen möglichen gesellschaftlichen Kontexten vollziehen: Familie, Kindergarten, Schule, Hochschule, alle non-formalen und informellen Bildungskontexte sowie in Beiträgen von Medienhäusern.
  6. Viele Eltern und Erziehungsberechtigte sind mit der Vermittlung von Medienkompetenz überfordert. Die schulische Medienbildung ist daher wichtig, um Defizite zu kompensieren.
  7. Auch viele Lehpersonen brauchen Unterstützung, Ressourcen und Zeit, um Medienkompetenz vermitteln zu können.
  8. Medienkompetenz sollte fächerübergreifend vermittelt werden.
  9. Medienkompetenz kann u. a. auch via Social Media vermittelt werden.
  10. Medienkompetenzvermittlung und (partielle) Verbote können sinnvoll kombiniert werden.
  11. Häufig werden Beiträge auf Social Media pauschal abgelehnt und abgewertet. Es ist wichig, potenziell entwicklungsförderliche Beiträge und potenziell problematische Inhalte zu differenzieren. Social Media spielt eine wichtige Rolle bei der Identitätskonstuktion von jungen Menschen. In vielen Kontexten ist Social-Media-Nutzung auch mit kreativem Selbstausdruck, Inspiration, Bildung und Selbstsozialisation verbunden.
  12. Verbot ist nicht gleich Verbot: Es kann sehr viel Unterschiedliches bedeuten, z. B. spezifische Altersgruppen, spezifische Apps, Nutzungsverbote für bestimmte räumliche und zeitliche Kontexte, Zeitbeschränkungen (vgl. Beat Döbeli Honegger: Was heisst eigentlich «Handyverbot»?).
https://blog.doebe.li/Blog/WasHeisstEigentlichHandyverbot

13. Verbote können weitere Probleme nach sich ziehen, für die Lösungen antizipiert werden müssen, z. B. Kontrolle eines Verbots, Altersprüfungen, Umgehung von Verboten durch alternative Zugänge, Attraktivitätssteigerung durch Verbote…

14. Handyverbote und und Verbote von Social Media sind zwei verschiedene Aspekte, die gesondert betrachtet werden müssen.

15.  Auch die Betreiber von Social-Media-Plattformen müssen in die Verantwortung genommen werden. Sie profitieren ökonomisch von Phänomenen wie „infinite Scrolling“ (kontinuierliches Scrollen), Datensammlung, personalisierte Werbung oder „Dark Patterns“ (vgl. GMK-Stellungnahme).

https://www.linkedin.com/posts/simon-frey-ch_wir-diskutieren-das-verbot-aber-nicht-die-activity-7430495174432034818-cpQj/?originalSubdomain=de

Florian Inhauser (Journalist SRF-Tagesschau / 10 vor 10) zu Gast an der Pädagogischen Hochschule Zürich

Peter Holzwarth

Am 20.11.2025 war der aus der SRF-Tagesschau bekannte Journalist Florian Inhauser zu Besuch an der Pädagogischen Hochschule Zürich. „News, Fake News and Democracy” war das Thema des Austauschs zwischen ihm, Studierenden und Dozierenden.

SRF-Tagesschau

Die Einladung erfolgte im Kontext eines englischsprachigen Moduls «Media Education: Creative and Critical Perspectives» für Austauschstudierende der PH Zürich und im Zusammenhang mit dem Fachteam Medienpädagogik und der Subgruppe Informatik.

Inhauser berichtete über seine Arbeit als Journalist und Nachrichtenmoderator, über Auslandseinsätze in Mali, Haiti, Indonesien und Israel, über den Umgang mit emotional belastenden Ereignissen und über Konzepte zur Bekämpfung von Fake News und Fehlinformationen.

Auch der Umgang mit KI-generierten Fotos in journalistischen Kontexten war Thema. Wir befinden uns historisch an einem Punkt, an dem Fotografien und Filme mit einer Wirklichkeitsreferenz nicht mehr von KI-generiertem Material unterschieden werden können. Dies stellt eine grosse Herausforderung für bildbasierten Journalismus dar.

Eine weitere Frage war, wie junge Generationen für Qualitätsjournalismus gewonnen werden können. Ein möglicher Ansatz kam aus dem Publikum: Man kann als Lehrperson spezielle Nachrichtenformate für Kinder und junge Menschen in den Unterricht integrieren (https://www.srf.ch/kids/srf-kids-news; https://www.logo.de/).

Studierende und Dozierende konnten Fragen stellen und Ausstauschstudierende berichteten über die jeweiligen Situationen in ihren Ländern.

Eine Studentin fragte, warum nicht mehr über die Südhalbkugel berichtet würde, wie zum Beispiel über den Sudan. Die Antwort lautete, dass häufig lokale Themen viel Raum und Ressourcen beanspruchen, dass aber auch das öffentliche Interesse oft gering ist, vor allem, wenn es sich – wie beim Sudan – nicht um ein touristisch relevantes Land handelt.

Im Zusammenhang mit der Forderung nach kritischen und informierten Bürgerinnen und Bürgern für eine lebendige Demokratie zitierte Florian Inhauser: „We cannot take democracy for granted. We have to fight for it every day.“

On November 20, 2025, Florian Inhauser, a journalist known from the SRF Tagesschau news program, visited the Zurich University of Teacher Education. The topic of the exchange between him, students, and lecturers was „News, Fake News, and Democracy.“

The invitation was in the context of an English-language module, „Media Education: Creative and Critical Perspectives,“ for exchange students at the Zurich University of Teacher Education and also in context of „Fachteam Medienpädagogik“ and „Subgruppe Informatik“. Inhauser spoke about his work as a journalist and news anchor, his assignments abroad in Mali, Haiti, Indonesia, and Israel, how he deals with emotionally challenging events, and strategies for combating fake news and misinformation.

The use of AI-generated photos in journalistic contexts was also discussed. We are at a historical juncture where photographs and films with a reference to reality can no longer be distinguished from AI-generated material. This poses a major challenge for image-based journalism.

Another question was how to engage younger generations with quality journalism. One possible approach came from the audience: Teachers can integrate special news formats for children and young people into their lessons (https://www.srf.ch/kids/srf-kids-news; https://www.logo.de/).

Students and lecturers were able to ask questions, and exchange students reported on the situations in their respective countries. One student asked why there isn’t more reporting on the southern Hemisphere, such as Sudan. The answer was that local issues often demand a lot of space and resources, and that public interest is often low, especially when—as in the case of Sudan—the country is not a tourist destination.

In connection with the call for critical and informed citizens for a living democracy, Florian Inhauser quoted: “We cannot take democracy for granted. We have to fight for it every day.”

„Das Leben ist…“ Schreiben über das Leben

Der Songtext «Das Leben ist» von HE/RO wird als Ausgangspunkt für eine poetische Reflexion über eigene Erfahrungen und Assoziationen genommen:

HE/RO Das Leben ist https://matchlyric.com/he-ro-das-leben-ist

Das Leben ist, drei Jahre lang betrogen werden
Und wenn du’s rausgefunden hast, trotzdem belogen werden
Das Leben ist, wenn alte Freunde fast an Drogen sterben
Das Leben ist, wenn Manager mit deiner Kohle werfen
Das Leben ist die Kündigung am zweiten Tag
Es ist, so viel auf dеm Herz zu haben, aber kеiner fragt
Das Leben ist, wenn Sechste-Klasse-Trauma kickt
Das Leben ist, wenn Mobbing in der Schule dein Vertrauen fickt
Das Leben ist Angst haben vorm Angst haben
Schweißgebadet aufwachen, fünf Uhr früh an Samstagen
Und immer, wenn ich denk‘: „Ich halt‘ es kaum mehr aus“
Sagt ein leiser Teil: „Mach die Augen auf“

Refrain:
Das Leben ist schön
Du kannst es nur nicht seh’n
Ich fühl‘ alle deine Trän’n und
Wie einsam man sein kann

Remake:

Das Leben ist

Das Leben ist, …………………………………………

Das Leben ist, …………………………………………

Das Leben ist, …………………………………………

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Das Leben ist, …………………………………………

Das Leben ist, …………………………………………

Das Leben ist, …………………………………………

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Das Leben ist, …………………………………………

Das Leben ist, …………………………………………

Das Leben ist, …………………………………………

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Ein Remake von „nicolerendschmidt“, geposted auf TikTok:

„Das Leben ist eine psychische Störung zu haben,

und dir das erstmal einzugestehen und dann damit zu leben.

Das Leben ist, geliebte Menschen zu verlieren,

ohne sich zu verabschieden zu können.

Das Leben ist, sich selbst als nie genug zu empfinden.

Das Leben ist, immer der Zeit hinterher zurennen

und doch sie nie einfangen zu können.

ABER…..

Das Leben ist auch, deine Kinder aufwachsen zu sehen,

dir deine Träume zu erfüllen,

zu erkennen das deine Ängste besiegbar sind,

das du viel mehr schaffst als jemals erwartet.

Ja Leben ist schön.

Mit den guten und schlechten Seiten,

mit schönen und traurigen Tagen.

Denn das ist das Leben“

Körper – Macht – Kapitalismus: „Das ewige Ungenügend“ von Saralisa Volm

Peter Holzwarth

In ihrem Buch «Das ewige Ungenügend. Eine Bestandsaufnahme des weiblichen Körpers.» (Ullstein 2023) beschreibt Saralisa Volm – Schauspielerin, Filmproduzentin und Kuratorin – das Dilemma vieler Frauen: der Druck, Schönheitsnormen entsprechen zu wollen und zu müssen einerseits und das Bedürdnis nach Selbstbestimmung andererseits. Sie analysiert die Rolle der Medien differenziert:

«Sind die Medien also Schuld an unserem Schönheitsdilemma? Nein. Aber eine Gesellschaft, die solche Medien entwickelt, verbreitet und liest, die trägt durchaus Verantwortung. Medien prägen, bilden, fordern. Jeder will ein bisschen mitmachen. Jeder will ein Stück vom Beautykuchen. L’Oréal brüllt uns an und wir brüllen mit: „Weil ich es mir wert bin“. Unser Wert wirds so einer Summe degradiert, die wir bereit sind in unser Aussehen zu investieren Eine weitere Lüge, auf die wir reinfallen sollen: Selbstwert ist käuflich nein, ist er nicht.» (S. 50/51)

Volm verbindet Einblicke in sehr persönliche biographische Erfahrungen (Essstörungen, sexuelle Übergriffe) mit Gesellschafts- und Kulturkritik.  

Es wird auf zwei Ebenen von Frauen profitiert, die sich Schönheitsidealen unterwerfen: Frauen, die mit der Erfüllung von Schönheitsnormen beschäftigt sind, stellen keine Gefahr für die bestehenden Machtstrukturen dar und die Beautyindustrie verdient weltweit sehr viel Geld mit Produkten (S. 37; S. 46). Hier werden Parallelen zu Laurie Penny deutlich, die ihre Gesellschafts- und Kapitalismuskritik im folgenden Zitat zum Ausdruck brachte: “If all women on earth woke up tomorrow feeling truly positive and powerful in their own bodies, the economies of the globe would collapse overnight.” (Laurie Penny, Meat Market. Female Flesh under Capitalism, 2011). Bestimmte Wirtschaftsbereiche profitieren von der weiblichen Körperunsicherheit bzw. Empowerment und Selbstermächtigung würden dem Umsatz von Schönheitsprodukten und -dienstleistungen schaden.

Die Kulturwissenschaftlerin Elisabeth Lechner kritisiert in einem SRF-Audiobeitrag zum Thema „Aus für Miss-Wahlen: Was passiert jetzt mit dem Schönheitsideal?“ nicht nur den Selbstoptimierungsdruck, der auf Frauen ausgeübt wird, sondern auch dieTatsache, dass immer mehr Körperbereiche zu Problemzonen erklärt werden und dass die Zielgruppen in bezug auf das Alter ausgeweitet werden:

«Es wird ein wahnsinnig grosser Druck gerade auf Frauen und queere Menschen ausgeübt, einem bestimmten ideal zu genügen ohne das man quasi das Haus nicht verlassen darf, ohne den man nicht als gepflegt gilt ohne den man nicht an der Gesellschaft partizipieren kann – also eigentlich wird Kontrolle ausgeübt. Und die kapitalistische Schönheitsindustrie hat ein großes Wort mitzureden, die eben immer neue Körperzonen beschämt und zur Problemzone erklärt, um immer weitere Produkte zu verkaufen. Und gerade im Kontext vom Gesicht sehen wir das in letzter Zeit wahnsinnig. Also in den USA ist der grösste wachsende Markt im Bereich der Skincare, der der 8-13-jährigen. Also so ganz junge Influencer werben schon damit was ihre Skincare-Routine  ist.» (11.48)

Im folgenden Zitat bringt Volm die Kritik an einer individualisierenden, strukturelle Lebensbedingungen und kollektive Erfahrung und Bewusstmachung negierende Selbstoptimierungskultur pointiert zum Ausdruck:

«Uns Konsument*innen wird nach wie vor suggeriert, dass die Verantwortung für unseren Körper, unser Glück und unsere Zukunft ausschließlich bei uns liegt. Haben wir kein Glück, dann haben wir uns einfach nicht genug angestrengt, nicht hart genug dafür gearbeitet. Relevant sind plötzlich nicht mehr die Umstände, sondern wie wir ihnen begegnen und mit ihnen umgehen.168 Die Verbindung zwischen Individualisierung, Neoliberalismus und dem modernen Glücksstreben führt dazu, dass wir uns selbst vorwerfen, wenn wir an der Ungerechtigkeit der Welt scheitern. Aber können wir innerhalb eines kranken Systems überhaupt gesunde Menschen sein? Nein, können wir nicht. Ungerechtigkeit, Unterdrückung, finanzielle Einschränkungen und Bevormundung lassen sich nicht wegmeditieren.» (S. 232/233)

An folgenden drei Stellen werden von Volm auch Defizite im Bereich schulische Bildung kritisiert:

«Wir lernen in der Schule, dass Menschen Hunger haben, Schlaf benötigen und weinen, um Stress abzubauen. Aber von dem Bedürfnis nach Lust und nach Erregung erfuhr ich nichts. (…) Niemand sagte uns, dass wir alles phantasieren dürfen und damit nicht allein sind.» (S. 178)

«Wir brauchen eine sexuelle Bildung für alle, die so umfangreich und vielfältig ist wie die Ernährungswissenschaft. Die Bedürfnisse des weiblichen Körpers müssen als so natürlich, erlaubt und gewollt angesehen werden wie der Sexualtrieb der Männer. Unsere Lust ist genauso wach und gierig, suchend und erlebbar.» (S. 187)

«Ein Kuss muss nicht zum Sex führen. (…) Ich muss nicht um Hilfe schreien oder jemandem ein Ohr abbeißen, um Grenzen an und in meinem Körper zu ziehen. Sex und sexuelle Handlungen dürfen nicht eingefordert werden.

Nie. Viele wissen das nicht, weil ihnen weder ihr Körper noch ihre Rechte erklärt werden. Im Gegenteil: Während wir die Verkehrsregeln von der Grundschule bis zum Führerschein unentwegt vermittelt bekommen, damit niemand verletzt wird, erfahren wir nur sehr wenig über die Stoppsignale unseres eigenen Körpers und der Körper, denen er sich hingibt, annimmt und nähert. Die Auffahrunfälle passieren im Stillen.» (S.  205)

Möglicherweise wäre die Schule neben Familie und anderen informellen Kontexten ein geeigneter Ort für die Vermittlung eines positiven oder neutralen Umgangs mit dem eignen Körper – nicht nur für Mädchen und Frauen. 

Gilt der Satz von Laurie Penny womöglich für alle Menschen – ohne den offensichtlich notwendigen Geltungsanspruch für weiblich gelesene Personen in Frage zu stellen?

«Wenn alle Menschen der Erde morgen aufwachen würden und sich richtig positiv und stark in ihren Körpern fühlen würden, würde die Weltwirtschaft über Nacht zusammenbrechen.»

Links:

Aus für Miss-Wahlen: Was passiert jetzt mit dem Schönheitsideal? (17.12.2024)

https://www.srf.ch/audio/news-plus/aus-fuer-miss-wahlen-was-passiert-jetzt-mit-dem-schoenheitsideal?id=AUDI20241217_NR_0029

Bodyshaming – Nie schön genug: Warum so viele Frauen ihren Körper verachten (9.12.2023)

https://www.srf.ch/kultur/gesellschaft-religion/bodyshaming-nie-schoen-genug-warum-so-viele-frauen-ihren-koerper-verachten

Das ewige Ungenügend – wie Frauen auf ihren Körper blicken (8.12.2023)

https://www.srf.ch/audio/kontext/das-ewige-ungenuegend-wie-frauen-auf-ihren-koerper-blicken?id=24544e88-f04f-4721-8ff1-307599894ffe

#134 Saralisa Volm – Bewertung weiblicher Körper

Kreatives Schreiben auf Schweizerdeutsch?

Peter Holzwarth

Welche Rolle spielt Schweizerdeutsch als Sprache des kreativen und ästhetischen Ausdrucks? Pedro Lenz beispielsweise ist mit Kurzgeschichten und Romanen auf Berndeutsch bekannt geworden, z. B. «Der Goalie bin ig» oder «Di schöni Fanny». Auch viele Rapperinnen und Rapper produzieren und singen ihre Texte auf Schweizerdeutsch (z.B. Kutti MC, Knackeboul, Lo & Leduc, Steff la Cheffe, Nemo).

Auch Lieder von Mani Matter erfreuen sich Jahrzente nach seinem Tod grosser Beliebtheit bei allen Altersgruppen.

Dokumentarfilm „Mani Matter – Warum syt dir so truurig“

https://www.srf.ch/play/tv/film/video/mani-matter—warum-syt-dir-so-truurig?urn=urn:srf:video:56b93181-69b3-4f5e-93b9-f606ebfa0a0c

Sollte auch Schülerinnen und Schülern ermöglicht werden, ihre im Alltag benutze Sprache als ästhetische Ausdrucksprache erfahren zu können? Oder muss die wertvolle, immer zu knappe Lernzeit voll auf Hochdeutsch konzentriert werden? Steht möglicherweise eine fehlende Grammatik des Schweizerdeutschen der Notwendigkeit des Bewertens und der Einteilung in «richtig» und «falsch» entgegen? Andereseits könnten schweizerdeutsche Texte von der Bewertung mit Schulnoten ausgeschlossen werden, andere Formen von Feedback könnten etabliert werden.

Zu bedenken wäre auch der potenzielle Ausschluss von Schlülerinnen und Schülern, die nicht Schweizerdeutsch sprechen und verstehen.

Im Rahmen der international Summerschool PH Zürich 2025 «Gamification in Education» (Franziska Spring und Peter Holzwarth) entstanden im Zusammenhang mit Playfulness und kreativem Schreiben Gedichte auf Englisch und in verschiedenen anderen Sprachen (u.a. Schwedisch, Mandarin und Gälisch). Auch ein Gedicht auf Schweizerdeutsch war dabei. Hier der Beitrag von Robin Müller – ein Remake zum Gedicht Vergnügungen von Bertold Brecht:


Enjoyments*

S erschti Liächt

es Chraze vo Pfote uf em Holz

Sanfti Berührige

Sunnegrüess

de Rhythmus vom Kafi mache

es Gähne

Velofahre

Aacho 

Begägnige

ToDos

Erfolg und Prokrastination

en zweite Kafi

Schnufe und Singe

en Sprung is Wasser

Energie

Diskussione, Spaziere

Schlafe

Weitere Beispiele und Diskurse

Pedro Lenz: Akzente und Fehler

Pedro Lenz: Akzente und Fehler | Giacobbo / Müller | Comedy | SRF

Stefanie Grob: Sommerfreuden

https://www.srf.ch/news/schweiz/satire-und-comedy/die-etwas-anderen-news-von-oslo-bis-ottawa-overtourism

*Enjoyments

Das erste Licht

Ein Kratzen von Pfoten auf dem Holz

Sanfte Berührungen

Sonnengruss

Der Rhythmus des Kaffeemachens

Ein Gähnen

Fahrradfahren

Ankommen

Begegnungen

To-dos

Erfolg und Prokrastination

Ein zweiter Kaffee

Atmen und Singen

Ein Sprung ins Wasser

Energie

Diskussionen, Spaziergänge

Schlafen

Hat George Orwell in 1984 mit dem „Versificator“ ChatGPT vorweggenommen?

In seinem bekannten dystopischen Roman 1984 (erschienen 1949) beschreibt Geroge Orwell einen totalitären Staat, in dem Technologien benutzt werden, um Menschen zu kontrollieren. Bekannt sind die so genannten „Televisoren“, Monitore im privaten und öffentlichen Raum, die senden und empfangen können und so mehr oder weniger flächendeckende Überwachung ermöglichen. Viele verbinden 1984 auch mit der staatlich gelenkten Kontstruktion von Geschichte durch manipulierte Fotos, Filme und Texte:

„‚Wer die Vergangenheit beherrscht‘, lautete die Parteiparole, ‚beherrscht die Zukunft; wer die Gegenwart beherrscht, beherrscht die Vergangenheit.'“ (George Orwell: „1984“, S. 34 (Übersetzung: Michael Walter, Frankfurt am Main/Berlin: Ullstein 1990))

Weniger bekannt ist der „Versificator“ mit dem man ohne menschlichen Einfluss Schlagertexte produzieren kann:

„So oft ihr Mund nicht durch Wäscheklammern verschlossen war, sang sie mit mächtiger, tiefer Altstimme:

‚Es war nur ein tiefer Traum,

Ging wie ein Apriltag vorbei-ei,

Aber sein Blick war leerer Schaum,

Brach mir das Herz entzwei-ei!‘

Das Lied wurde während der letzten Wochen von ganz London geträllert. Es war einer von zahlreichen ähnlichen Schlagern, die für die Proles von einer Unterabteilung der Fachgruppe Musik herausgegeben wurden. Der Wortlaut dieser Lieder wurde ohne jedes menschliche Zutun von einem sogenannten ‚Versificator‘ zusammengestellt.“

(George Orwell: „1984“, S. 128 (Übersetzung: Michael Walter, Frankfurt am Main/Berlin: Ullstein 1990))

Möglicherweise haben sich „Televisoren“ in der Gestalt von personalisierten Smartphones auf perfide Art verwirklicht und der „Versificator“ in Form von generativen Programmen wie ChatGPT.

Standbild aus „1984“: Verfilmung des Romans von Michael Radford (UK, 1984)

Weitere Hinweise:

„ARD / Arte: 1984 oder Schöne neue Welt im Jahr 2021, George Orwell, Aldous Huxley?“:

„George Orwell, Aldous Huxley – 1984, oder schöne neue Welt? ARTE Doku (Re-upload)“:

Lehrpersonen als Influenzer?

Peter Holzwarth

Immer häufiger verbinden Lehrpersonen ihre Arbeit mit Social-Media-Aktivitäten. Auf Instagram oder TikTok geben sie Einblick in ihre Arbeit und sprechen beispielsweise über Lehr-Lernmethoden, Lehrmittel, Arbeitsblätter, Klassenraumgestaltung, Umgang mit Unterrichtsstörungen oder Spiele im Klassenzimmer. Dies kann für die Produzierenden eine wichtige Reflexion darstellen, aber vor allem auch wertvolle Inspiration für andere Lehrpersonen.

Sobald Schülerinnen und Schüler ohne Einverständnis gefilmt werden oder die gefilmte Klassenzimmersituation für Werbung missbraucht wird, kann es heikel werden, wie der NDR-Dokfim «Content aus dem Klassenraum – Dürfen Lehrer Influencer sein?» zeigt.

Zielgruppe von Werbung in Social-Media-Beiträgen können andere Lehrpersonen sein, aber auch Schülerinnen und Schüler. Generell müssen Beiträge mit und ohne Schülerinnen und Schüler unterschieden werden – ebenso gefilmte Schülerinnen und Schüler mit und ohne Einverständniserklärungen.

Oft greifen die Filme auch humorvoll den Alltag von Lerhpersonen auf, in diesem Kontext kann die Produktion und Rezeption von Beiträgen auch als Coping-Strategie verstanden werden.

Kritische Stimmen könnten auf riskante bzw. ambivalente Chancen hinweisen. Auf der einen Seite Inspiration für die eigene Berufspraxis, auf der anderen Selbstoptimierungsdruck und potenziell problematische soziale Vergleiche auch im beruflichen Kontext.

Wünschenswert wäre, dass in Zukunft alle beteiligten Akteursgruppen über mehr ethisches und juristisches Bewusstsein verfügen würden (Lehrpersonen, Eltern, Schülerinnen und Schüler, Schulleitungen, Politiker:innen). Es müssen auch rechlichte Regelungen und Reglemente entwickelt und angepasst werden.

Fallbeispiele

Fallbeispiel 1: Diskurse um KI-Fotos von zukünftigen Traumberufen der Schülerinnen und Schüler

Eine Beitrag «momos.usa» auf Instagram zeigt Reaktionen von Kindern, deren Lehrerin sie mit Hilfe von KI  als Erwachsenen in ihren Wunschberufen zeigt: «A teacher is inspiring the internet by using AI to transform her students into the professionals they dream of becoming. From doctors to astronauts, each image reflects their future hopes and has moved viewers with its message of support, encouragement, and belief in every child’s potential.»

https://www.instagram.com/reel/DK3n0h_sI5f/?igsh=MThkbHlzbXE4bnRoYg%3D%3D

Ein weiterer Beitrag von «fraurhiza» (Instagram) reflektiert und kritisiert diese Form von Datennutzung:

«ChatGPT verwenden, um Fotos der Schüler/-innen hochzuladen und aus diesen neue Portraits von ihnen zu generieren?
Jede Woche zeigt es mir ein neues Reel an, in dem KI für (Unterrichts-???)Zwecke genutzt wird, die ich extrem fragwürdig finde.
Bisher sehe ich diese „Trends“ vor allem in den USA, aber ich habe echte Bedenken, dass sie irgendwann auch zu uns überschwappen. Gerade weil sie auf Social Media so verbreitet werden.

Wie steht ihr dazu?»

https://www.instagram.com/reel/DLCdcwXITXm/?igsh=MWhwY3k4YjRnNW96cg%3D%3D

Fallbeispiel 2: Diskurse um die Ursache von problematischem Verhalten im Klassenzimmer

In einem Instagram-Filmbeitrag (us.teachers.trendz) kritisiert eine Protagonistin, dass viele Schülerinnen und Schüler aufgrund von Gewöhnung an medial vermittelte kurze Dopaminintervalle eine extrem kurze Aufmerksamkeitsspanne haben und apathisch und unerreichbar sind: «And they have a level of apathy that I have never seen before in my whole career.» Sie stellt auch die Frage, wer dies zu verschuldet haben könnte (Eltern, Lehrpersonen, kapitalistische Gesellschaft).

https://www.instagram.com/p/DJZELIOPFFZ

In einem weiteren Instagram-Video (lehrplan22, Original: mami.hat.recht) ist eine Mutterfigur zu sehen, die zu einem (imaginären) Kind spricht. Dem Kind wird ein Joghurt angeboten und jeder einzelne Schritt wird zur Wahl gestellt (z.B. Farbe des Joghurts, Deckel ganz aufmachen oder nur zum Teil, Farbe des Löffels, Grösse des Löffels etc.). Das Video ist mit über die ganze Laufzeit hinweg mit einem Textbalken versehen, der die Handlung in einen bestimmen Kontext stellt: «der Grund, warum die Kinder dann im Klassenzimmer spinnen»:

https://www.instagram.com/reel/DDNBIE0qt1C/?igsh=ZnIzaG44b282ejlx

Es wird die Deutung nahegelegt, dass zu umfassende Wahlmöglichkeiten im Elternhaus zu problematischem Sozialverhalten im Schulkontext führen können, wo die Wahlmöglichkeiten eingeschränkt sind.

Beispiele aus der Schweiz:

https://www.ateacherslifestyle.ch

http://www.philippe-wampfler.ch/

Andere Länder:

Saskia Rhiza «fraurhiza» (Instagram)

«45minuten» (Instagram)

«Herr Schmelzer | Lehrer» (TikTok)

«Momos.usa» (Instagram)

«lehrplan22» (Instagram)

«subjektiv.sinnvoll» (Instagram)

Reihe „Erfahrungsorientierte Bildungsforschung“: neue Publikationen

In der Reihe „Erfahrungsorientierte Bildungsforschung“ sind zwei neue Bände erschienen:

Barth, U., & Wiehl, A. (Eds.). (2025). Ethos in der Pädagogik – eine professionelle Haltung reflektieren und ausbilden. Beltz Juventa.

Schauer, G., Christof, E., & Rödel, S. S. (Eds.). (2025). Ethos im Lehrberuf: Das ELBE-Manual zum Einsatz in der Lehrer*innenbildung mit Kontextualisierungen und Ergänzungen. Beltz Juventa.

Überblick zu den Bänden der Reihe: hier

Die Netflix-Miniserie Adolescence: Mediennutzung – Männlichkeitskonzepte – Bildkompetenz

Peter Holzwarth

„Emoji are highly context dependent. Much like gestures that are used with speech, we need to understand emoji in the specific conversations and communities they are used in. There is no consistent relationship between emoji use and inner emotional state that can be generalised across groups of teens or other emoji users.“ (Kruk & Gawne 2025)

Die  Netflix Miniserie «Adolescence» (Jack Thorne & Stephen Graham, UK 2025) besteht aus vier Folgen, die interessanterweise alle in einem «Take» aufgenommen worden sind, d.h. die Handlung wurde in einem Zug durchgefilmt, ohne Schnitte. Die Handlung basiert auf real existierenden Ereignissen.

Gleich zu Beginn wird ein 13-jähriger Junge (Jamie) festgenommen. Ihm wird zur Last gelegt, am Tod einer Mitschülerin (Katie) schuld zu sein bzw. beteiligt zu sein.

Eine Polizistin und ein Polizist ermitteln unter anderem auch im schulischen Umfeld der toten Schülerin und des verhafteten Jungen. Der Sohn des Polizisten, der auch die gleiche Schule besucht, erklärt seinem Vater im Rahmen eines vertraulichen Einzelgesprächs, dass er zentrale Aspekte im Kontext des Falls nicht beachtet bzw. nicht verstanden hat. Es geht um die so genannte «Incel»-Bewegung und um eine bestimmte Art der Emoji-basierten Kommunikation, die nur Insidern vertraut ist.

Die Incel-Bewegung (involuntary: unfreiwillig; celibate: zölibatär) ist ein medialer Zusammenschluss von Männern, die unfreiwillig zölibatär leben. Sie deuten ihren Mangel an Beziehung und Sexualität mit fehlender eigener Attraktivität und dem weiblichem Interesse an männlich aussehenden attraktiven Männern. Gemäss der Incel-Deutungsmuster haben nur attraktive Männer Zugang zu Frauen. Oft wird die Bewegung mit Hass gegen Frauen und sexuell erfolgreiche Männer assoziiert. In diesem Zusammenhang stehen auch problematische frauenfeindliche Werte, die der Influencer Andrew Tate propagiert. Auch die so genannten «Pick-up Communities», die Tricks für sexuelle Verführung entwickeln und austauschen können in diesem Kontext gedeutet werden.

Der Sohn interpretiert die Social-Media-Kommunikation zwischen Opfer und Angeklagtem als Beleidigung, da das Mädchen indirekt über Emojis zum Ausdruck gebracht haben soll, dass der Junge ein Incel sei und für immer Jungfrau bleiben würde. Andere Jugendliche haben dieser Aussage auf Social Media zugestimmt. In diesem Zusammenhang kann die Kommunikation als Cyber-Mobbing gedeutet werden.

Später erläutert er seinem Vater die Bedeutung von geposteten Herzen, die gemäss seiner Deutung je nach Farbe anders sei:

“-Red.

-Means love.

-Purple, horny. Yellow, I’m interested. Are you interested?

-Pink, I’m interested but not in sex.

-Orange, you’re gonna be fine. It all has a meaning, Dad. Everything has a meaning.” (Adolescence, Folge 2, 31:09)

Es stellt sich die Frage, ob hier eine Eindeutigkeit suggeriert wird, die es im realen Leben gar nicht gibt oder nur innerhalb von subkulturellen Nutzergruppen.

Das folgende Beispiel illustriert die Mehrdeutigkeit von Emojis. Für mache Nutzende ist das folgende Symbol ein „Danke“ (Beide Handflächen ein und derselben Person berühren sich) für andere ein „High Five“ (Handflächen zweier verschiedener Personen werden eineinandergeklatscht, zum Zeichen eines gemeinsamen Siegs beispielsweise).

Der TikTok-Nutzer «frechxdachs» schreibt: «Leute hab gerausgefunden dass der Emoji (Emoji mit berührenden Handflächen) ein «high five» darstellen soll. Es sterben Leute und wir geben uns die ganze Zeit «high fives»!» (Emoji mit Tränenbächen).

In einem Artikel des „The Telegraph“ mit dem Titel „The ‘sinister emojis’ used by incel teenagers“ von Tim Sigsworth wurden Emojis aus den Kontexten „Incel“, „Drugs“und „Sex“ zusammengestellt:

Auch hier stellt sich die Frage nach dem Grad der Eindeutigkeit. Es ist immer von grosser Bedeutung, den kommunikativen Kontext mitzubeachten, sowie die Tatsache, dass sich auch Bildbedeutungen kultur- und milieuspezifisch entwickeln und verändern.

In einem Beitrag namens „Adolescence has sparked fears over teen slang – but emoji don-t cause radicalisation“ von Jessica Kruk und Lauren Gawne wird eine hochgradig genenrationenspezifische Umgangsweise mit Emojis angenommen (s. Eingangszitat).

Auf jeden Fall lohnt sich die Auseinandersetzung mit Emojis und ihren potenziellen Bedeutungszuschreibungen für Lehrpersonen oder angehende Lehrpersonen – auch als ein Teil von Bildkompetenz bzw. allgemeiner Medienkompetenz.