Bring es lieber
heute Nacht als morgen früh zu Ende!
Die «Lange Nacht der aufgeschobenen Arbeiten» findet am 12. November von 18 Uhr bis Mitternacht bereits zum fünften Mal statt. Wieder bietet sich die Gelegenheit, ewig verspätete und liegen gebliebene Arbeiten vorwärts zu treiben. Bei Fragen rund ums Schreiben beraten Mitarbeitende und Tutorinnen und Tutoren des Schreibzentrums. Frisch gemixte Drinks, heisse Pizzas und schnelle Slam-Poet*innen (mit Joël Perrin, Finalist der Deutschsprachigen Meisterschaften 2018) helfen den fleissigen Schreiberlingen, wieder in die Gänge zu kommen. Weitere Infos und den Flyer gibt es hier.
Maschinen führen ein Eigenleben. Manchmal hilft gut zureden oder ein Neustart. Aber was tun, wenn der menschliche Roboter Gefühle und Bewusstsein entwickelt und seinen eigenen Willen durchsetzt?
Vor solchen Fragen steht Charlie in Ian McEwans Maschinen wie ich (Diogenes 2019). Es sind die frühen Achtzigerjahre. In der kontrafaktischen Realität, die der Autor erfindet, weichen die Ereignisse allerdings von der historischen Vergangenheit ab. England steckt politisch in der Krise, dafür ist die Technologie ihrer Zeit weit voraus. Vom mütterlichen Erbe hat sich Charlie einen Androiden gekauft und muss nun mit ansehen, wie dieser sich in die gleiche Frau verliebt, ihr Gedichte schreibt und kurzerhand den Reset-Knopf deaktiviert, um sein Recht auf Selbstbestimmung zu behaupten.
Ein ähnliches Szenario entwirft der Spielfilm Zoe (Drake Doremus 2018). Cole (Ewan McGregor) entwickelt beziehungsfähige Androiden, seine Mitarbeiterin Zoe (Léa Seydoux) stellt jungen Paaren Prognosen für deren gemeinsame Zukunft. Schwierig wird es, als sich die beiden zaghaft auf eine Beziehung einlassen und der neu erschaffene Ash dazwischenfunkt. Was ist echt? Zu wie viel Leben und Leid ist ein synthetischer Körper fähig?
Die Grenzen des Machbaren lotet auch der überspannte Science-Fiction-Thriller Replicas aus (Jeffrey Nachmanoff 2018). Ein Forscher (Keanu Reeves) versucht das Bewusstsein von Verstorbenen auf Roboter zu übertragen und setzt sich über ethische Grundsätze hinweg, als seine Familie bei einem Unfall ums Leben kommt.
Mit offenen Sprechstunden über Mittag, in Einzelberatungen und Online-Coachings durch studentische Tutorinnen und Tutoren setzt das Schreibzentrum der PHZH bewusst auf Peer-Feedback. Das Angebot wird von Studierenden denn auch rege genutzt und als niederschwellige Unterstützung überaus geschätzt. Aber wie steht es eigentlich um die Wirksamkeit? In seinem Beitrag im Lifelong-Learning-Blog geht Maik Philipp dieser Frage nach und stellt Ergebnisse einer Metaanlyse zu Peer-Feedback beim wissenschaftlichen Schreiben vor.
Zeigeblockade überwinden und Feedback auf entstehende Texte bekommen.
Was haben Fussballspielen und Dozieren gemeinsam? Beides ist Handeln in komplexen Situationen. Das heisst, es geht oft darum, in kürzester Zeit die richtige Entscheidung zu treffen. Wie gelingt das ohne physikalische Formeln und pädagogisch-psychologische Modelle? Antworten und Denkanstösse gibt Yves Furers Beitrag im Lifelong Learning Blog.
Wörtliche Zitate und inhaltliche Übernahmen aus anderen Texten müssen Sie in Ihrer (wissenschaftlichen) Arbeit eindeutig kennzeichnen und alle verwendeten Quellen am Schluss in einem alphabetischen Literaturverzeichnis auflisten. So verlangen es die Spielregeln des wissenschaftlichen Schreibens.
An der PH Zürich ist hierfür das Chicago Manual of Style (nach dem Autor-Jahr-System) massgebend. Ähnlich wie der Duden für Rechtschreibung und Grammatik sollen die formalen Vorgaben des CMoS sicherstellen, dass die Informationen vollständig, korrekt und einheitlich wiedergegeben werden.
Jede «zitierfähige» Quelle – ob Buch, Zeitungsartikel, Filmbeitrag oder Internetseite – lässt sich in einem ersten Schritt als selbständige oder unselbständigeVeröffentlichung kategorisieren. Anschliessend muss dann nur noch entschieden werden, ob es sich bei einer selbständigen Publikation um ein Einzelwerk (eines oder mehrerer Autoren/-innen) oder um einen Sammelband (mit Herausgeberschaft) handelt.
Analog lässt sich bei den unselbständigen Quellen einerseits zwischen Artikeln aus Fachzeitschriften, Zeitungen, dem Internet etc. oder andererseits Beiträgen aus einem Sammelband unterscheiden.
Für jede der vier Möglichkeiten führt der Zitierkompass eine kleine Checkliste mit den erforderlichen Angaben sowie typische Einträge mit den entsprechenden Kurzbelegen auf. Wenn Sie sich an diesen Musterbeispielen orientieren, sind Sie auf der sicheren Seite.
Woher kommt die Traurigkeit in Astrid Lindgrens Kinderbüchern? Etwa wenn Pippi am Weihnachtsabend in den Himmel schaut und ihrer verstorbenen Mutter vorschwindelt, dass sie ganz viele Geschenke erhalten habe, nur damit sich diese keine Sorgen macht. Antworten finden sich im Film Astrid.
Dieser beleuchtet ein dunkles Kapitel in der Biografie der Kinderbuchautorin: Bei ihrer ersten Stelle verliebt sich Astrid in den verheirateten Herausgeber einer Lokalzeitung. Als sie schwanger wird, entscheidet sie sich gegen ein Leben in Sicherheit, gegen die Ehe mit dem Kindsvater und wählt den Weg gegen alle Konventionen ihrer Zeit. So wächst ihr Sohn Lasse zuerst bei einer Pflegemutter in Kopenhagen auf. Dort lebt er so lange, bis er Astrid als Mutter nicht mehr erkennt und nur widerwillig mit ihr nach Schweden zurückkehrt. Nach einer schwierigen Annäherung zwischen Mutter und Sohn erobert sie schliesslich sein Herz mit – wie könnte es anders sein – einer selbst erfundenen Geschichte.
Martina Meienberg
Astrid. Schweden/Dänemark 2018. Regie: Pernille Fischer Christensen. DVD Berlin: DCM Film Distribution, 2019.
Die Rezension ist erschienen in Akzente 3 (2019): S. 34.
Waguih Ghali hat in seinem kurzen Leben nur einen Roman geschrieben. 1964 erschienen, wurde Snooker in Kairo im Arabischen Frühling neu gelesen. In den Beschreibungen der postrevolutionären Zeit nach Nassers Militärputsch fanden die Demonstrierenden Parallelen zur politischen Gegenwart und zu ihrem Lebensgefühl.
Ram ist der komische und traurige Held dieses Romans. Er gehört der Oberschicht an, ist aber immer pleite. Er ist Kommunist und verachtet die Armen. Sein Englisch ist besser als sein Arabisch, jedoch hasst er die Kolonialmacht. Zynismus und Selbsthass sind seine Reaktion auf diese Widersprüche. Und der Alkohol hilft: Meist ist Ram betrunken oder auf der Suche nach dem nächsten Drink. Snooker in Kairo ist schnell und direkt, voller Situationskomik und bitterem Scharfsinn, zeitlos und von aktueller Brisanz. Ein Glück, dass das Meisterwerk der ägyptischen Literatur nun auf Deutsch vorliegt.
Drei Geschwister finden sich im Zimmer eines Sanatoriums wieder, in dem Thedor, der jüngere Bruder, behandelt wird. Altersmässig stehen sie mitten im Leben, die Situation erscheint aber Lorenz, dem älteren Bruder, «als wäre es wie früher». Und so vereint scheinen die drei nun zu sein, dass die Ich-Erzählung von Lorenz im kollektiven Wir endet.
Früher veränderte jedes Buch, das er las, sein Leben, jeder Film war grossartig und jede Freundschaft würde bestimmt ein Leben lang halten. Aber irgendwann hat sich da ein neues Gefühl eingeschlichen … In seinem Text «Distanz» fragt sich unser Tutor Peter Fäh, wie es zu diesem Riss zwischen früher und heute, zwischen ihm und der Welt gekommen ist.
Mehr über die Schreib-Events des Schreibzentrums gibt es hier. Gedruckte Exemplare der Erzählnachtbüchlein können weiterhin zu je CHF 2.– beim Schreibzentrum erworben werden.