Hapert’s beim Lesen? Machen Sie den Selbsttest

Alex Rickert – Seitenblick

Das Lesen ist für viele Kinder, Jugendliche und auch Erwachsene eine Krux. Wollen Sie wissen, wie es um Ihre basalen Lesefertigkeiten steht? Machen Sie hier den Test. Zeichnen Sie sich mit dem Handy beim Lesen der folgenden Abschnitte auf. Lesen Sie laut und deutlich. Los geht’s. Starten Sie die Audioaufnahme jetzt.

Erinnern Sie sich an Leseerlebnisse, bei denen Sie als Kind oder in der Jugend gelitten haben? Mich quälte zum Beispiel das ständige laute Reihumlesen in der Klasse. Und als frischgebackener Lehrer habe ich bei meinen Schülerinnen und Schülern sogar selbst für negative Leseerlebnisse gesorgt. In Geschichte und Geografie habe ich Texte zur Wissensvermittlung lesen lassen. Woran ich nicht gedacht hatte: Man muss bereits gut lesen können, um aus Texten zu lernen. Als ich feststellte, dass gewisse Jungen und Mädchen selbst leichte und kurze Texte nicht verstanden, stand ich am Berg.

Viele Lehrpersonen investieren viel ins Lesen. Sie organisieren Autorenlesungen, vermitteln Lesestrategien, wählen interessante Lesetexte etc. Doch diese Massnahmen erreichen vor allem die fortgeschrittenen Leserinnen und Leser, die schwachen nicht. Diese haben nämlich oft ein anderes Problem. Sie lesen nicht flüssig genug, um einem Text Sinn zu entnehmen. Erst wenn die Lesegeschwindigkeit ca. 100 Wörter pro Minute erreicht und 95 Prozent der gelesenen Wörter korrekt gelesen werden, können Leserinnen und Leser lokale Kohärenz im Text herstellen. Die Bedeutung der Wörter muss schnell repräsentiert werden können, damit im Satzkontext der Zusammenhang zwischen Wörtern und schliesslich zwischen Sätzen hergestellt wird. Eine schnelle und sichere Worterkennung ist die Voraussetzung für das Verstehen von Texten.

Was also tun, wenn es um die Leseflüssigkeit schlecht steht? Viel lesen alleine nützt nichts. In der Leseforschung zeichnet sich ab, dass Lautleseverfahren positive Effekte auf die Leseflüssigkeit und dadurch auch auf das Textverstehen haben. Bei solchen Verfahren üben Lernende das laute Lesen kurzer Texte wiederholt und begleitet von einem lesestarken Peer. Hier endet der Selbsttest. Stoppen Sie die Audioaufnahme. Zur Auswertung: Die Leseflüssigkeit setzt sich zusammen aus Lesegenauigkeit, Automatisierung, Lesegeschwindigkeit und angemessener Betonung. Letzteres wird hier nicht ausgewertet. Die Leseflüssigkeit hängt natürlich auch von der Textschwierigkeit und dem Vorwissen der Lesenden ab. Zuerst zur Lesegenauigkeit und zur Automatisierung: Hören Sie die Aufzeichnung an und lesen Sie den Text parallel dazu mit. Markieren Sie im Text alle nicht korrigierten Lesefehler sowie alle stockend gelesenen Wörter. Ziehen Sie diese Wörter von der Gesamtzahl der Wörter (N=256) ab und berechnen Sie die Lesegenauigkeit. Der Richtwert dafür liegt bei 95% korrekt gelesener Wörter. Zur Lesegeschwindigkeit: Wie lange haben Sie für das Lesen gebraucht? Der Richtwert liegt bei 100 Wörtern pro Minute. Erwachsene kommen dabei auf 200–300 Wörter pro Minute. Dieser Test und alles, was man übers Lesen wissen muss, kann im Buch «Lesen kann man lernen» von Andreas Gold nachgelesen werden – am besten flüssig.

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Alex Rickert ist Leiter des Schreibzentrums der PH Zürich.