Pädagogik unter dem Diktat der Ökonomie

VerhaegheIn einer Zeit, in der Gott tot ist, Politiker Futter für Satiresendungen und alle Menschen Künstlerinnen und Künstler sind, liefert die Wirtschaft mit ihrem Leistungsdenken die einzige Erzählung, die unhinterfragt bleibt. Von dieser Prämisse geht der Psychologe Paul Verhaeghe in seiner Analyse der durchökonomisierten Gesellschaft aus. Leistung gilt per se als gut. Wie gut sie ist, kann nur definiert werden, wenn sie messbar wird. Verhaeghe beschreibt die Nebenwirkungen dieses scheinbar einleuchtenden Denkens in verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen. Ausgeklügelte Tarifsysteme, detaillierte Lehrpläne, umfangreiche Prüfungsverordnungen und Reglemente von Ethikkommissionen fordern Aufmerksamkeit und halten von der eigentlichen Arbeit ab. Wie dies Einzelne belastet, erlebt er als Psychoanalytiker täglich. Ein Paradigmenwechsel ist fällig … bevor die Gesellschaft je zur Hälfte aus Therapeuten und Therapierten besteht. – Kurzrezension von Thomas Hermann aus den Medientipps der Zeitschrift «Akzente» 2 (2014): S. 35.

Paul Verhaeghe
Und ich? Identität in einer durchökonomisierten Gesellschaft.
München: Verlag Antje Kunstmann, 2013. 252 Seiten.

Tutorinnen und Tutoren schreiben für «Akzente»: Die Studi-Kolumne 2/2014

PH Akzente 2/2014Seit 2009 schreiben die Tutorinnen und Tutoren des Schreibzentrums für das Magazin der PH Zürich (neu: «Akzente»). Im aktuellen Heft zum Thema «Medienbildung» beobachtet Marcel Flütsch auf Seite‎ 25, wie Frustrierte und Busfahrer ihrem Leben einen Sinn geben, und staunt.

Ausstudiert – die Studierenden-Kolumne:
Marcel Flütsch: «Die Extrarunde des Busfahrers»

Ist das Urheberrecht am Ende? Und sind die digitalen Medien an allem schuld?

Theisohn: Literarisches EigentumIn seinem hellsichtigen Essay Literarisches Eigentum fragt Plagiatsexperte Philipp Theisohn, wie es im medientechnischen Zeitalter um die Ethik geistiger Arbeit und das Urheberrecht bestellt ist. Wer Ideen und Wörter nicht nur borgt und durch Quellenangabe wieder zurückgibt, begeht eine Untat. Aber, wie Theisohn zeigt, führt die Plagiatshysterie auch dazu, dass Texte auf messbare Daten reduziert und Schreiben zur variativen Verwertung vorhandener Werke degradiert wird.

Philipp Theisohn.
Literarisches Eigentum: Zur Ethik geistiger Arbeit im digitalen Zeitalter. Essay.
Stuttgart: Alfred Kröner Verlag, 2012. 137 Seiten.
www.kroener-verlag.de/details/product/literarisches-eigentum/

Write my Fire – #15: Miranda

Write My Fire!«Miranda sass an der Bar des Striplokals, in dem sie arbeitete und massierte sich ihre schmerzenden Füsse. Morgens um 6 Uhr hatte der letzte Gast den Club verlassen und die Musikbox spielte endlich etwas Entspannenderes… Bei Johnny Cash wurde Miranda immer etwas nostalgisch. Als sie noch jünger gewesen war, wollte sie die Bühnen dieser Welt erobern. Nun war sie seit sechs Jahren in diesem etwas siffigen Lokal und entblösste sich für fünf Dollar die Stunde vor sabbernden Typen.»

(Geschrieben zu: Johnny Cash – «Ring of Fire»)

Unter dem Motto «Write my Fire!» und inspiriert von den feurigsten Songs der letzten 50 Jahre schrieben Studierende und Mitarbeitende der PH Zürich gemeinsam Geschichten, Minidramen, Chats, Dialoge und vieles mehr. Dies anlässlich unseres Schreibevents zur Schweizer Erzählnacht 2012.

Bereits seit 2009 entsteht so jedes Jahr ein Büchlein. Die Vernissage des aktuellen Werks «Write My Fire!» begeisterte mit Lesungen und Live-Musik der Lokalband «November’s Fall» und fand am 10. April 2013 anlässlich unseres Jubiläumsfests in der PH Zürich statt. Gedruckte Exemplare aller Jahre können weiterhin zu je CHF 2.– beim Schreibzentrum erworben werden.

Klassenzimmer in Hokkaido

Schule-Japan-5Webcams dienen der Sicherheit, Kontrolle und Informationsvermittlung. Sie besitzen keine teure Optik und liefern oft unscharfe Bilder. Das verleiht ihnen Authentizität und manchmal malerische Qualität. Der Zufall spielt beim Entstehen eine grössere Rolle als sonst in der Fotografie. Die Bilder werden aus ungewohnten Perspektiven automatisch und unbemerkt aufgenommen. Das öffnet ungewohnte und ungewollte Sehweisen auf Vertrautes und Unvertrautes. Aus dem endlosen Bilderstrom, der durch Abertausende von Webseiten fliesst, fischt der Fotokünstler Kurt Caviezel überraschende Sujets und stellt die besten davon in Museen und Galerien aus.

In seinem Archiv von weit über drei Millionen Bildern gibt es fast nichts, was es nicht gibt, so auch ein paar Schulszenen, vorwiegend aus Japan. Der Einblick in ein Klassenzimmer aus Hokkaido wirft Fragen auf: Ist das eine Szene zwischen Lektionen? Ersetzt die Kamera die Lehr- oder Aufsichtsperson? Können Eltern ihre Kinder im Schulzimmer beobachten? Es ist ein rätselhaftes und ein starkes Bild. Kindliches Verhalten wird unverstellt sichtbar: im Hintergrund das abgewandt lesende Kind als ruhender Pol, im Vordergrund die herumalbernden Mädchen als Gegenpol, dazwischen die sich im Raum positionierenden Kinder. Die sechs Schülerinnen und Schüler sind – zufällig – zu einem Dreieck formiert. Das eindringende Tageslicht haucht dem Augenblick Leben ein und versperrt zugleich den Blick ins Freie. – Thomas Hermann in «Akzente» 2 (2014), S. 38.

Weitere Informationen zu Kurt Caviezel: www.kurtcaviezel.ch

Textdiagnose und Schreibberatung

Textdiagnose und SchreibberatungSchreibprofis sind nicht von Natur aus besser. Sie schreiben häufiger, verwen­den mehr Zeit auf ihre Texte und achten auf Aspekte, mit denen ungeübte Schreiberinnen und Schreiber oft überfordert sind. Damit bei der Betreuung schriftlicher Arbeiten etwas von den Experten an die Novizen übergehen kann, müssen Irritationen benannt und Lösungswege skizziert werden. Das von den Autorinnen entwickelte «Bietschhorn-Modell» liefert ein wirksames Instrument, mit dem sich entstehende Texte Schicht für Schicht abklopfen und optimieren lassen. Was funktioniert schon? Dient die Leseführung der thematischen Entfaltung? Passen Informationsdichte und Stil zur Text­sorte? Ausgehend von typischen Stolpersteinen beim Denken und Schreiben zeigen die Verfasserinnen, wie Texte inhaltlich und sprachlich in Form kommen. Ergänzende Ausführungen zum wissenschaftlichen Schreiben und zur Beratungspraxis machen den Titel für Fachdozierende zum nützlichen Hand- und Arbeitsbuch. – Kurzrezension aus den Medientipps der Zeitschrift «Akzente» 2 (2014): S. 34.

Marianne Ulmi, Gisela Bürki, Annette Verhein und Madeleine Marti.
Textdiagnose und Schreibberatung.
Opladen: Barbara Budrich, 2014. 275 Seiten.

Lesen Sie auch die Rezension von Gerd Bräuer in der Zeitschrift Schreiben.

Write my Fire – #14: 20 Minuten 8. November 2012

Write My Fire!«Am vergangenen Donnerstag vollzog sich an einem internationalen Kongress in Paris ein grauenhaftes Geschehen. Zwei Attentäter bewarfen den französischen Staatspräsidenten mit mehreren Zündhölzchen. Eines der Zündhölzchen trag den Präsidenten so sehr, dass er an einer starken Hirnblutung am Tatort verstorben ist.»

(Geschrieben zu: Mani Matter – «I han es Zündhölzli azündt»)

Unter dem Motto «Write my Fire!» und inspiriert von den feurigsten Songs der letzten 50 Jahre schrieben Studierende und Mitarbeitende der PH Zürich gemeinsam Geschichten, Minidramen, Chats, Dialoge und vieles mehr. Dies anlässlich unseres Schreibevents zur Schweizer Erzählnacht 2012.

Bereits seit 2009 entsteht so jedes Jahr ein Büchlein. Die Vernissage des aktuellen Werks «Write My Fire!» begeisterte mit Lesungen und Live-Musik der Lokalband «November’s Fall» und fand am 10. April 2013 anlässlich unseres Jubiläumsfests in der PH Zürich statt. Gedruckte Exemplare aller Jahre können weiterhin zu je CHF 2.– beim Schreibzentrum erworben werden.

Stimmen aus dem Off

NZZ_Synchron_webWährend viele Kinogänger es vorziehen, untertitelte Originalfassungen von Filmen zu schauen, steigt der Marktanteil von Synchronfassungen. Die Übertragung der Dialoge bereitet indes mitunter beinahe unlösbare Probleme – etwa wenn die Sprachdifferenz Teil der Filmhandlung ist. Ein Blick hinter die Kulissen zeigt: Synchronisation von Filmen ist  mehr als Übersetzung. (Daniel Ammann in der NZZ vom 26.4.2014, S. 56)

Online lesen

Ein junger Pfarrer auf Abwegen

Der Beginn des Romans geht so: Leine_244771_MR.indd

«Die Witwe ist aus freiem Willen hier hinaufgegangen, niemand hat sie dazu gewzungen. Sie hat die Läuse aus ihren besten Kleidern geklopft und sich dann angezogen, ihr Haar im Urineimer des Gemeinschaftshauses gewaschen und hochgesteckt.»

Der Roman erzählt vom jungen Pfarrers Morten Falk, der nach katholischen Gesichtspunkten ein grosser Sünder ist. Er sucht das sexuelle Abenteuer mit einem androgynen Jungen, liest lieber in Rousseaus Schriften als in der Bibel, stiehlt und führt Abtreibungen durch. Nichtsdestotrotz ist einem der Pfarrer sympathisch. Getrieben von Lebenshunger und aufklärerischen Idealen reist er als Missionar am Ende des 18. Jahrhunderts von Kopenhagen in eine dänische Kolonie in Grönland, wo alles anders ist, als er es erwartet hatte.

Mit Humor und Tragik erzählt Kim Leine vom Schicksal eines modernen Menschen, dem es unmöglich ist, seine eigene Integrität zu wahren. Das Buch ist ein grosses Lesevergnügen.

Kim Leine: Ewigkeitsfjord (Hanser, 2014, 635 Seiten)

Mit Kim Leine zum Schauplatz des Romans gehen:
youtu.be/7t6Csz9XxK0

Write my Fire – #13: Vielleicht ist das so

Write My Fire!«Mira: Du bleibst dein ganzes Leben am gleichen Ort wie jetzt, weil es eigentlich ganz okay ist? Das ist der Unterschied zwischen uns beiden… Du… Du gibst dich einfach so verdammt schnell mit allem zufrieden.

Lars: Naja, nur weil ich nicht die ganze Zeit den Job wechsle und immer noch in der Stadt lebe, wo ich aufgewachsen bis…

Mira: Darum geht’s ja gar nicht. Ich will dich ja gar nicht ändern. Es ist, es ist halt nur… Schwierig. Ich wünschte mir manchmal…

Lars (schroff): Was? Dann wilst du ja trotzdem, dass ich mich ändere.

Mira (schweigt lange): Aber ich will es nicht wollen.»

(Geschrieben zu: Adele – «Set Fire to the Rain»)

Unter dem Motto «Write my Fire!» und inspiriert von den feurigsten Songs der letzten 50 Jahre schrieben Studierende und Mitarbeitende der PH Zürich gemeinsam Geschichten, Minidramen, Chats, Dialoge und vieles mehr. Dies anlässlich unseres Schreibevents zur Schweizer Erzählnacht 2012.

Bereits seit 2009 entsteht so jedes Jahr ein Büchlein. Die Vernissage des aktuellen Werks «Write My Fire!» begeisterte mit Lesungen und Live-Musik der Lokalband «November’s Fall» und fand am 10. April 2013 anlässlich unseres Jubiläumsfests in der PH Zürich statt. Gedruckte Exemplare aller Jahre können weiterhin zu je CHF 2.– beim Schreibzentrum erworben werden.