Soirée Lernforum, 16.11.2023, 17-20 Uhr im Lernforum

https://phzh.sharepoint.com/sites/intranet/Seiten/GuK/Lernforum/Veranstaltungen.aspx?accordion=2028&highlight=phzh%20soiree

„Das Lernforum, bestehend aus Schreibzentrum, Digital Learning, Bibliothek, Methodenbüro und Zentrum für Hochschuldidaktik und -entwicklung, zeigt an diesem Abend sein vielfältiges Unterstützungsangebot für Studierende und Mitarbeitende der PH Zürich. Diverse Beratungs- und Kursformate werden vorgestellt. Das Rahmenprogramm besteht aus Apéro, Poetry Slam und Schreibwettbewerb.

Spezifische Angebote der einzelnen Einheiten und Ressorts des Lernforums an diesem Abend:

  • Schreibberatung und KI-Workshop (Schreibzentrum);
  • Bücherturm und Tabletstation mit Lernobjekt (Bibliothek);
  • Walk-in-Methodenberatung und 15-Minuten-Workshops (Methodenbüro);
  • I-Pad-Band, Ausleihe (Digital Learning);
  • Beratungen zu Lehr- und Lernphilosophie (Zentrum für Hochschuldidaktik und -entwicklung).

Zudem können sich Interessierte an den Informationstischen zu den Lernforumsangeboten erkundigen.

17 Uhr Einlass, Apéro

17 Uhr Schreiben mit KI: Mit ChatGPT Ideen finden und weiterverarbeiten (Workshop, Leitung: Alex Rickert)

18.15 Uhr Poetry Slam

19 Uhr Kreatives Schreiben, Anregungen für den Schreibwettbewerb (Workshop, Leitung: Peter Holzwarth)

20 Uhr Ende

Für den Anlass ist keine Anmeldung nötig.“

Medienwirkung

Im Rahmen der Lehrveranstaltung «Medienbildung und Informatik» geht es auch um das Thema Medienwirkung. In diesem Zusammenhang haben Studierende Kurzgeschichten verfasst (vgl. Holzwarth 2022, S. 160-161). Hier der Beitrag eines Studenten.

Was schikt mir dTanja wieder sonen Artikel vo de WOZ? «Wem gehört das Stadtbild», aber buah han doch ghat kei bock zum lese. Aber suscht denkt tanja wieder ich interessier mich ned für politik und bezieh kei stellig, aber sie schickts mer ja au numme zum zeige dass sie list, isch jetzte ja ned so, dass das thema «Stadtbild» mega zu mine interesse ghört. Jä wobie verpassi ja eppis wennis ned lise und vlt hett sis mer ja scho usemene grund gschickt denn luegi doch mal um was es ghat…. Hä was kei werbig ide urbane Öffentlichkeit? Und was isch mitem ganze Geld wo vo de Werbig produziert wird? Und was isch mitem Roger und de Carol wo die Werbe branche schaffet? Aber wie würd denn dStadt usgseh? Wer ja schono cooli vorstellig, irgendwie no schwirig sich zvorstelle. Aber werbig ghat ja ned verlore eh etze wo soviel werbig online isch. Ich han zgfühl ich gseh gar ned so viel werbig, aber vlt fallts mer gar ned uf. Hmm was selli etze de Tanja schicke? Ganz hanni de Artikel ja ned glese? Sie findets sicher voll cool, dass das diskutiert wird aber glaube gitt ja scho au negativi aspekt devo aber wüsst etze au ned ghat welli. Aber wenni etze da degege bin hett sie sgfühl ich bin wieder so antiprogressiv. Aber dWOZ het ja scho reccht. Chan sie mer ned eifach mal es scheiss meme oder es reel schicke, wott doch ned ghat mal kei verwantwortig überneh. Egal etze hett sie eh scho gseh, dassi de link ufgmacht han und wenni ned zruggschriebe denkt sie ich bin voll langsam im lese. Ich schriebe ihre eifach «mega spannend» .

Medienwirkung

Im Rahmen der Lehrveranstaltung «Medienbildung und Informatik» geht es auch um das Thema Medienwirkung. In diesem Zusammenhang haben Studierende Kurzgeschichten verfasst (vgl. Holzwarth 2022, S. 160-161). Hier der Beitrag von Lea Widmer.

«Mama, Mama guck mal!», kreischt Charlotte und Mama Nina schaut – durch die Kamera. Die Bilder– mal mit Quatsch im Kopf, mal frustriert, wie ein Kind eben ist, im Schwimmbad, zuhause, im Spiel, im Alltag. Die Bilder auf Insta – gelikt und kommentiert von Opa der nun endlich einen Grund hat, sich ‘das mit dem Handy’ beizubringen, von Götti und Gotte, die sich freuen über ihr liebstes Charlottelinchen. Von den Nachbarn, und deren Freunde, deren Arbeitskollegen und denen, das werden wohl Bekannte von jenen sein, oder einfach Menschen, denen der Algorithmus halt die Bilder vorschlägt. Menschen die Kinder mögen, es lieben, die süssen Bilder der Kleinen zu sehen. Und die, die kleine Kinder lieben.
30% der Bilder auf einer der grössten Kindsmissbrauchsdarstellungs-seiten stammen von Insta und Facebook. Charlotte weiss davon noch nichts. Nina auch nicht, nicht, naja, nicht wirklich. Und hey, es ist 2023 und wir betreiben kein Opferblaming mehr. Wir nehmen die Täter in die Verantwortung und die Opfer brauchen sich nicht zu schämen.
Nicht schämen. Nicht schämen. Denkt Charlotte später. Jahre später. In der Oberstufe und tut ihr Bestes, in ihrem Kopf das Kichern und Flüstern auszublenden. Das ist noch bevor Charlotte zum ersten Mal auf diese Seiten geraten wird, diese Seiten wo die Fotos kommentiert sind, mit genauen Beschreibungen, was die lieben Onkel mit der kleinen Maus zu tun gedenken.

„Beautiful German Words“ von „anneliese_leska“ auf Instagram

Achten wir im Alltag auf die Schönheit der eigenen Sprache? Oder finden wir diese nur in Sprachen, die uns fremd sind?

Annelise Leska eröffnet in ihren Instagram-Filmbeiträgen eine persönliche Perspektive auf „Beautiful German Words“, z. B. „Frohnatur“, „Weltschmerz“, „Alptraum“, „Lebensmut“, „beleidigte Leberwurst“, „Schmöker“, „Habseligkeiten“. Hier ein Beispiel:

https://www.instagram.com/reel/CrYtwdjrgQK/?igshid=MzRlODBiNWFlZA%3D%3D

Kann der fremde Blick dazu beitragen, die eigene Sprache neu zu entdecken?

Vergnügungen

Celina Sulger (Remake zu Bertholt Brecht)

der erste Blick aus dem Fenster am Morgen

müde Gesichter, aus der Traumwelt erwachen

Vogelgezwitscher, Energie versprühen

erhellend, kraftvoll

fröhlich, federleicht

Kontrast, Abwechslung

Neustart, doch wann

lebendig, real

eintönig, doch bequem

den grauen Alltag einfärben

Wärme, Vertrautheit

flauschiges,

liebenswertes Tier

klägliches Miauen

Gebrauchtwerden

sinnstiftend, den Traum leben

dankbar sein.

Das Gedicht entstand im Rahmen des Workshops „Kreatives Schreiben leicht gemacht: Das motivierende Prinzip «Remake»“ (FS 2023)

Vgl. Blogbeitrag „Kreatives Schreiben und Life Skills“ (Holzwarth 2023)

Narrative Kompetenz als Lebenskompetenz?

Im folgenden Zitat von Heiko Ernst kommt zum Ausdruck, dass Menschen über Narrationen biografische Sinnhaftligkeit herstellen können. Möglicherweise profitieren Menschen von literarischen Narrationskompetenzen für ihre umfassendere Biografie- und Identitätsarbeit.

„Erzählungen und Geschichten waren und bleiben die einzigartige menschliche Form, das eigene Erleben zu ordnen, zu bearbeiten und zu begreifen. Erst in einer Geschichte, in einer geordneten Sequenz von Ereignissen und deren Interpretation, gewinnt das Chaos von Eindrücken und Erfahrungen, dem jeder Mensch täglich unterworfen ist, eine gewisse Struktur, vielleicht sogar einen Sinn. […] Zwar sind wir nur in sehr geringem Maße Autoren unserer Geschichte – zu groß ist inzwischen die Macht der Außeneinflüsse und der Abhängigkeit von persönlichen und sozialen Ressourcen, um diese sich selbst überschätzende Rolle durchzuhalten –, aber wir können gute und verständnisvolle Erzähler unserer Geschichte sein und so den nötigen Sinn und Zusammenhang stiften“ (Ernst 1996, S. 202ff.).

Ernst, Heiko. 1996. Psychotrends. Das Ich im 21. Jahrhundert. München: Piper.

How to write an entire book with ChatGPT – Zukunft des Schreibens und Publizierens

Auf Instagram erklärt ein Mann, wie man mit Hilfe von Chat GPT ein ganzes Buch publizieren kann:

https://www.instagram.com/reel/CqmLXPTJk0J/?utm_source=ig_web_copy_link

– Vorschläge für Buchtitel zum gewünschten Thema machen lassen

– Vorschläge für die Titel der Unterkapitel machen lassen

– Grobkonzept für Unterkapitel entwickeln lassen

– Unterkapitel ausführlich ausformulieren lassen

– Alles kopieren und in ein Programm einfügen, das den KI-Charater verschleiert

Wer möchte solche Bücher lesen? Was ist mit Innovation und dem Beschreiten von Neuland? Welche Denk- und Lernprozesse finden bei der Produktion noch statt? Welche Qualitätskriterien braucht es für zukünftige Publikationen? Welche ethischen und rechtlichen Fragen sind zu klären (Autorenschaft, Plagiat, Recht am geistigen Eigentum etc.)?

Werbepause

Im Rahmen der Lehrveranstaltung «Medienbildung und Informatik» geht es auch um Medienethik und Wertefragen im Kontext von Digitalisierung. In diesem Zusammenhang haben Studierende dystopische Kurzgeschichten verfasst. Hier der Beitrag von Deborah Suter:

Ruhe ist etwas kostbares. Angeblich konnte man sich früher unbegrenzt und ungestört an einem ruhigen Ort aufhalten und geniessen. Kaum vorstellbar für die heutige Zeit. Ruhe wird hart erkämpft, eingelöst an den wichtigen Stellen.

Als es das erste Mal ruhig war fiel Adrian fast von seinem Stuhl. Mitten im Tag von keinen Werbungen berieselt zu werden war nicht nur ungewohnt, sondern gleichzeitig auch erschreckend und komisch. Es wurde ihm bewusst, wie sehr er sich das ständige Hintergrundgeräusch von auf ihn abgestimmten Werbungen gewohnt war.

Es stimmt, dass dies eigentlich das zu erwartende Ergebnis gewesen wäre, aber der Erfolg erschien ihm während seiner Nachforschungen und Versuchen trotzdem weit hergeholt. Seit mehreren Jahren hatte Adrian an einem Softwareprogramm, welches die Werbung in seinem Implantat blocken kann, gearbeitet. Sein plötzliches Gelingen zog verschiedene Konsequenzen mit sich, einige waren zu erwarten, andere kamen plötzlich aber ergaben bei genauerem Hinsehen Sinn.

Dies war auch der Grund für Adrians heutige Abendbeschäftigung. Nervös blickte er hin und her und zog seinen Hut tiefer über sein Gesicht. Ein lächerlicher Versuch unbemerkt zu bleiben, seine Daten waren schliesslich mit seinem Implantat für jeden erhältlich. So auch sein Aufenthaltsort, sollte jemand wirklich nach ihm suchen. Trotzdem war er so unauffällig wie nur irgend möglich gekleidet, wenn auch nur um ihm ein Gefühl von Sicherheit zu geben.

«Hast du die Kopien?»

Adrian zuckte zusammen. Die raue Stimme gehörte zu Nummer 86. Ein Offizieller. Seine eigentliche Aufgabe wäre es die Werbeeinstrahlung von verschiedensten Personen zu überwachen und wo nötig Anpassungen vorzunehmen. Bei einem Überzug der zur Verfügung stehenden 8 Stunden Werbepause pro Tag müsste Nummer 86 Nachforschungen anstellen und die Person wenn nötig in Gewahrsam nehmen.

Adrians erster Erfolg die Werbeeinstrahlung in seinem Implantat zu blocken war mit vielen Fehlern verbunden, für die er sich bis jetzt noch verfluchte. So hatte er vergessen in seinem Programm einen Sender einzusetzen, welcher eine Werbeeinstrahlung an die Zentrale weiterleitet.

Seine neu gewonnene Ruhe konnte Adrian nicht lange geniessen und bekam Angstzustände als Nummer 86 einen Tag später Kontakt zu ihm aufnahm. Bis Heute ist sich Adrian nicht sicher, ob er es als Glück oder Unglück bezeichnen soll, dass gerade Nummer 86 sein Überwacher war.

Als Antwort auf die Frage zog Adrian einen USB-Stick aus seiner Jacke hervor und nickte. Nummer 86 schnaubte auf und murmelte vor sich hin, während er Adrian in eine Nebengasse zog: «Ich verstehe wirklich nicht, warum du die Files auf so einem altmodischen Speichergerät mit dir herumträgst.» Dass sie auf allen aktuellen Speichergeräten sofort aufgefallen wären schien er dabei völlig zu vergessen.

Mittlerweile war sich Adrian an die Reihenfolge eines solchen Abends gewöhnt. Heimlich auf der Strasse treffen, Kopien machen, unauffällig wieder nach Hause laufen. Dieser Ablauf war üblich bei jedem Mal, wenn Nummer 86 einen oder eine Interessente/n fand und in das Schwarzmarktgeschäft hineinzog.

In der Nebengasse wartete auch schon der heutige Kunde auf sie. Nervös umherblickend wuschelte er sich durch die Haare. Der Anblick von Nummer 86 und Adrian schien noch mehr aus der Fassung zu werfen, er fing sich jedoch schnell wieder und schenkte den Beiden ein unsicheres Lächeln.

Adrian fiel in seine Routine zurück und zusammen mit Nummer 86 installierte er das Programm im Implantat des Kunden. Die Reaktion auf die Ruhe war das Einzige, was Adrian nicht von den illegalen Machenschaften abhielt. Überraschung, Unsicherheit und schliesslich Entspannung.

Entspannung war das, was Adrian sich am meisten durch das Softwareprogramm gewünscht hat. Geniessen konnte er sie nur für die Zeit bis Nummer 86 ihn gefunden hat.

Seine Arbeit hatte ebenfalls mit Softwareprogrammen zu tun. Die Fähigkeiten, die er für die Arbeit brauchte, befähigten ihn auch das eigene Programm zu entwickeln. Während der Arbeit hat er heimlich an seinem Programm gearbeitet. Still und leise, darauf bedacht nicht aufzufallen.

Gelungen ist es ihm nicht, seine Mitarbeiterin entlarvte ihn nach etwa einem Jahr. Sie war eine seiner ersten Kunden. Hannah entwickelte das Programm so weiter, dass es noch weniger auffällt, seither konnten Adrian und Nummer 86 bedeutend mehr Kunden dafür gewinnen.

Der Kunde verabschiedete sich schnell. Wenn Adrian mehr darauf geachtet hätte, wäre ihm vielleicht aufgefallen, dass die Nervösheit des Kunden nicht nachgelassen hat, sondern sich eher noch vergrösserte.

So schloss Adrian aber einfach die Augen und wartete bis Nummer 86 das Geschäftliche erledigte. Als er von einigen Geldscheinen auf die Hand geschlagen wurde, öffnete er die Augen wieder und seufzte laut auf. Er schnappte sich seinen Anteil und versorgte ihn schnell in seiner Brieftasche.

«Wenn das so weitergeht, kann ich mir bald die neue Version leisten.»

Nummer 86 lachte dreckig und fächerte sich mit seinen eigenen, deutlich mehr, Geldscheinen Luft zu. Wahrscheinlich redete er wieder von einem neuen Auto. Adrian verdrehte die Augen und drehte sich zum Gehen um.

«Du könntest mir ruhig mehr vertrauen, wir arbeiten schon über sieben Monate miteinander.»

«Du hast das Implantat doch bereits umprogrammiert, wozu brauchst du das Programm?»

«Ganz einfach, falls dir was zustösst. Und wir sind Partner, hast du jemals davon gehört, dass ein Partner eines Projektes kein Zugriff darauf hat?»

«Mir geschieht nichts, Nummer 86 hat mich ja damals erwischt, er untersucht meine Spuren und verwischt sie.»

«Mach nicht auf blöd, gib mir einfach eine Kopie.»

Bevor Adrian noch die Seitengasse verlassen konnte, hörte er Sirenen und wurde von mehreren Offiziellen umzingelt. In der Mitte stand sein heutiger Kunde, der Zeigefinger auf Adrian und Nummer 86 gerichtet und die Augen weit aufgerissen.

Es war zwecklos wegzurennen. Hinter ihm befand sich eine Sackgasse, Beweise lagen in seiner Jackentasche und im Implantat des Kunden.

Nummer 86 ruf aus, fluchte, schob die ganze Schuld auf Adrian, aber es war zwecklos. Auch er wurde von den Offiziellen festgenommen. Die Blicke die er zugeworfen bekam fast noch böswilliger als die auf Adrian. Er hatte das Vertrauen seiner Mitarbeitenden missbraucht.

Adrians letzter Gedanke galt Hannah und der Kopie, welche er ihr eine Woche zuvor doch noch zukommen hatte lassen. Was sie damit anstellen würde konnte er nicht ahnen, genauso wie Hannah niemals wissen würde, was mit ihm passiert ist.

Deborah Suter, 2021