Life Skills mit Medien

Holzwarth, Peter. 2022. Life Skills mit Medien. Projektideen für Selbstbewusstsein und Lebenskompetenzen. München: kopaed.

In einer komplexen, unsicheren und mehrdeutigen Welt stellen Medien sowohl Risiko als auch Chance dar. “Life Skills mit Medien” leistet einen Beitrag, mit den Potenzialen von Medien das Selbstbewusstsein von Kindern, Jugendlichen  und Erwachsenen zu stärken.

Kreative Medienprojekte mit Fotografie und Video laden ein, die eigenen Lebenskompetenzen weiterzuentwickeln (z. B. Empathie, kritisches Denken, Umgang mit Stress, Umgang mit Gefühlen, kreatives Denken, Beziehungsfähigkeit) und Selbstwirksamkeit zu erfahren. Dabei profitieren erfahrungsgemäss auch pädagogische Fachpersonen.

Reflexive Medienprojekte zielen darauf ab, Medienphänomene im Alltag besser zu verstehen und die eigene Mediennutzung bewusster zu gestalten (z. B. Wie kann ich mein Handy bewusster und achtsamer nutzen? Wie kann ich mit sozialen Vergleichen auf Social Media umgehen? Welche medialen Mythen über Liebe und Sexualität sollten aufgedeckt werden?).

Die Projektideen lassen sich für unterschiedliche Altersgruppen anwenden. Sie eignen sich sowohl für schulische als auch ausserschulische Zusammenhänge.

Das Life Skills-Konzept ist mit dem 21st Century Skills-Konzept verwandt (vgl. Rickert 2019).

Ein Life Skills-Selbsttest ist hier zu finden:

Life Skills-Selbstreflexion (Was ist der am besten entwickelte Skill? Welches ist der Skill mit dem grössten Entwicklunsgpotenzial?)

Papie…was? Die papierlose Generation

Im Rahmen der Lehrveranstaltung «Medienbildung und Informatik» geht es auch um Medienethik und Wertefragen im Kontext von Digitalisierung. In diesem Zusammenhang haben Studierende dystopische Kurzgeschichten verfasst. Hier der Beitrag von Caterina Poggioli:

Hektisch sucht Frau Meier nach ihrem Hologrammtelefon, denn der Unterricht mit ihrer 1. Klasse startet in wenigen Sekunden. Eingeloggt und zack ploppen dutzende Fenster auf und sie sieht, wie alle 137 Schüler und Schülerinnen geduldig auf sie warten. Wie bei jeder Lektion beginnt die Lehrerin mit einer Frage zum Einstieg. „Wer von euch weiß, was eigentlich der Sinn, dieser kleinen Kästchen, die man vor gewissen Wohnungen oder Häuser noch antrifft, ist?“ Eine Antwort erhält Frau Meier nicht. Es herrscht Stille. Nach einer halben Minute bricht sie das Schweigen und klärt die Kinder auf. „Wisst ihr, vor einigen Jahren war es nicht üblich, dass in der Geburtsurkunde auch eine E-Mail-Adresse stand, sowie es bei euch ist. Nein, denn dazumal wurden Informationen, Rechnungen, Briefe, Einladungen usw. jedem persönlich zugestellt und in diesen Kasten gelegt, der aus diesem Grund auch Briefkasten genannt wird. Diese Generation, musste also täglich ein physisch vorhandenes Postfach leeren und schauen, welche Neuigkeiten sie erreichten.“, erläutert Frau Meier. „Hä, also mussten die dazu rausgehen?“, fragt eine Schülerin stutzig. „Ja genau. Die Briefe waren auch noch auf Papier geschrieben.“, erklärt die Lehrerin. „Papie… was?“, ertönt ein Hologramm. „Papier war ein sehr präsentes Medium vor und während der ersten Phasen der Digitalisierung. Bücher waren zum Beispiel früher auch nicht digital.“ Langsam wird die Klasse immer aktiver und stellt mehr und mehr Fragen. „Das eigentliche Thema der heutigen Lektion ist: Schreibkunde. Ich habe euch diese Frage gestellt, da die Schülerinnen und Schüler vor 10 Jahren noch, gelernt haben, wie man von Hand schreibt. Sie mussten mühsam alle einzelnen Buchstaben lernen und die Lehrpersonen hatten das Vergnügen, die kaum lesbaren Texte zu entziffern. Dies wird heute nicht mehr gelehrt, da es schlichtweg keine Relevanz mehr hat, denn heute spielt sich alles digital ab und zudem ist es viel umweltfreundlicher. Darum würde ich euch bitten eure Tastatur auszuklappen und den eingeblendeten Text so schnell wie möglich abzutippen.“

Caterina Poggioli, 2021

Fritz Gesing: Kreativ Schreiben

Gesing, Fritz 2022. Kreativ Schreiben. Handwerk und Techniken des Erzählens. Köln: Dumont (überarbeitete und erweiterte Neuausgabe).

Die Publikation betont den handwerklichen Aspekt der Schreibens. In einem Kapitel beschäftigt sich der Autor mit Strukturmustern und Plotmodellen von Erzählungen: Die Beziehungsgeschichte, die heroische Geschichte, das Suche-Modell, das retrospektive Modell, das Entwicklungsmodell und das Kathastrophenmodell. Damit werden Orientierungen für das eigene Schreiben geliefert.

Das ebenfalls beschriebene narrative Muster der “Heldenreise” ist sowohl für das eigene Schreiben als auch für die Analyse von Romanen, Kurzgeschichten, Spielfilmen und Kurzfilmen hilfreich.

Eine Heldin oder ein Held erhält die Aufforderung, den gewohnten Alltag zurückzulassen, sich auf eine Reise zu begeben (im wörtlichen oder übertragenen Sinn) und damit ein Problem zu lösen. Auf der Reise kommt es zu unterschiedlichen Begegnungen und Herausforderungen. Am Ende kann die Heldin oder der Held gewandelt die Heimreise antreten und das alte Leben durch neue Erfahrungen bereichern.

Nach diesem Muster sind nicht nur sehr viele Geschichten gebaut, sondern auch Spielfilme, Games und Werbungen.

Auch für das kreative Schreiben im schulischen Kontext ist das Muster hilfreich (Vorstellung, Problemstellung, Lösung): Wer ist die Heldin bzw. der Held? Welches Problem muss die Heldin oder der Held lösen? Welche Lösung findet die Heldin oder der Held?

Fehlinformationen in Bezug auf das wissenschaftliche Schreiben

Immer wieder hören wir von Studierenden, dass Fehlinformationen in Bezug auf das wissenschaftliche Schreiben im Umlauf sind. Im Folgenden werden die bisher gesammelten dargestellt und kommentiert. Wer kennt weitere Fehlinformationen? Bitte melden!

«Alte Literatur darf man nicht verwenden.» – Man darf Literatur jeden Alters verwenden. Bei Studien, die in regelmässigen Intervallen durchgeführt werden (z. B. JAMES-Studie), ist es wichtig, sich auf die jeweils neuste zu beziehen.

«Man muss pro Seite eine bestimmte Anzahl an Zitaten / Verweisen bringen.» – Es gibt keine Vorgaben für eine Mindestanzahl an Zitaten/Verweisen pro Seite.

«Man muss mehr als fünf Seiten Literaturangaben haben.» – Es gibt keine Mindestmengenangabe. Die Anzahl allein ist nicht entscheidend für die Qualität der Arbeit. Es kommt eher darauf an, dass man sich auf die für die Fragestellung relevanten und einschlägigen Quellen bezogen hat.

«Man darf nur Gedanken von anderen Autorinnen und Autoren wiedergeben – keine eigenen.» – Eine wissenschaftliche Arbeit lebt von fremden und eigenen Gedanken (z. B. Kritik, verschiedene Gedanken zusammendenken, Theorien erweitern etc.). Es ist wichtig, eigene Gedanken von denen anderer zu unterscheiden. Auch sind subjektive Einschätzungen von objektiv gewonnenen Erkenntnissen zu differenzieren.

«Man darf bei Zitaten die Seitenzahlen nicht angeben.» – Man muss die Seitenzahlen angeben, um den Lesenden die Möglichkeit zu geben, das Zitat oder den Gedanken im Originalkontext auffinden und nachvollziehen zu können.

«Es braucht keine Fragestellung.» – Für eine wissenschaftliche Arbeit ist die Fragestellung extrem wichtig. Durch die Formulierung der Fragestellung wird das Erkenntnisinteresse fokussiert und die Umsetzbarkeit kann antizipiert werden (Zeitressourcen, Zugang zu Forschungssubjekten, Möglichkeiten der Datenerhebung und -auswertung, Ansprüche auf Verallgemeinerbarkeit der Aussgaen etc.).

«Analyze The Lyrics»: Ein literarisches Rap-Quartett lädt zum Spiel mit Bedeutungen ein

«Analyze The Lyrics» – «Analysiere die Songtexte» – so lautet ein Format auf SRF, bei dem junge Protagonistinnen und Protagisten der Schweizer Rap-Szene betont locker beisammensitzen und über Vierzeiler aus einem Schweizerdeutschen Rap-Song diskutieren. Es geht um mögliche Lesarten, intertextuelle Bezüge, szenespezifische Insideranspielungen, regionale Verortungen und mögliche Zuordnungen von Text und Künsterin/Künstler. Nach kurzer Zeit kommt die Auflösung in Form eines Musikvideoausschnitts.

Dieses spannende Format kann zu ähnlichen Diskussionen motivieren. Personen treffen sich, bringen jeweils eigene oder fremde Romanausschnitte, Gedichtzeilen oder Ausschitte aus Songtexten mit und diskutieren in ähnlicher Weise über Lesarten, Epochen und mögliche Autorinnen und Autoren.

Zum Thema Rap in der Schule:

Holzwarth, Peter. 2012. «Rap. Video.» In Medienpädagogik Praxis Handbuch. Grundlagen, Anregungen und Konzepte für aktive Medienarbeit, hrsg. v. Eike Rösch, Kathrin Demmler, Elisabeth Jäcklein-Kreis u. Tobias Albers-Heinemann, 354–359. München: kopaed.
medienpaedagogik-praxis.de/2012/12/01/rap-video/


	

Beitrag von Maik Philipp auf leseforum.ch

Maik Philipp ist Mitglied des Schreibzentrums und hat auf leseforum.ch einen Beitrag über «Taxierte Schreibaufgaben» veröffentlich. Der Text steht kostenlos als PDF zur Verfügung:

leseforum.ch/sysModules/obxLeseforum/Artikel/761/2022_2_de_philipp.pdf

leseforum.ch


Philipp, Maik. «Taxierte Schreibaufgaben:
Die revidierte Bloom-Taxonomie als Analyse- und Planungswerkzeug
für das Lernen mit dem Schreiben.» leseforum.ch. Nr. 2022 | 2. leseforum.ch/sysModules/obxLeseforum/Artikel/761/2022_2_de_philipp.pdf

Weiter Literatur von Maik Philipp: phzh.ch/personen/maik.philipp

Ehemalige Tutorin Antonia Rakita im inside 2/2022

Unsere ehemalige Tutorin schreibt im aktuellen Heft auf S. 21 über ihr erstes Jahr im Schuldienst.

Hier ein Ausschnitt:

«Ich suche aktiv nach drei Dingen, die gut liefen. Diese kurze Übung findet bereits Anklang bei einigen aus dem Kollegium; wir erinnern uns gegenseitig daran, sie durchzuführen. Es ist eine Überlegung wert, diese Strategie auch den Lernenden zur Bewältigung des Alltags mit auf den Weg zu geben.» Antonia Rakita (inside 2/2022, S. 21, Pädagogische Hochschule Zürich)

For there is always poetry

… if only we are brave enough to write it.1

Das Inaugurationsgedicht von Amanda Gorman

We are striving to forge our union with purpose.
To compose a country committed to all cultures, colors, characters, and conditions of man.
And so we lift our gaze, not to what stands between us,
but what stands before us.
We close the divide because we know to put our future first,
we must first put our differences aside.

Aus: «The Hill We Climb» von Amanda Gorman

Welchen Stellenwert haben Gedichte in unserer Gesellschaft? Lustige Gedichte auf Hochzeiten, die sich reimen? Klassische Gedichte in Schulbüchern? Rap Lyrics auf den Handys jugendlicher Hip-Hop-Fans?

«The Hill We Climb» von Amanda Gorman – zur Amtseinführung von Joe Biden am 20. Januar 2021 rezitiert – macht deutlich, dass Gedichte kein Schattendasein fristen müssten.

Ihr Gedicht bringt Hoffnung zum Ausdruck. Hoffnung, die viele Menschen in den USA und auf der ganzen Welt in Anbetracht des Machtwechsels empfinden.

Ihr Gedicht bringt das Ideal einer heilenden, vereinteren Gesellschaft zum Ausdruck, in der Verschiedenheit respektiert wird und in der demokratische Werte gelebt und verteidigt werden: «But while democracy can be periodically delayed, it can never be permanently defeated.»

Sie adressiert ihr Gedicht mit den Worten «Mr. President, Dr. Biden, Madam Vice-President, Mr. Amhoff, Americans and the world» und betont damit die globale Relevanz ihrer Worte. Rechtspopulismus stellt ein Problem dar, das die USA mit vielen Ländern der Erde teilen. Der Begriff «Trumpismus» suggeriert zu Unrecht einen länder- und personen­spezifischen Problemkomplex und wird der globalen Bedeutung nicht gerecht. «The Hill We Climb» kann also auch viele Menschen ausserhalb der USA trösten und motivieren, deren Gesellschaften gespalten und deren Demokratien bedroht sind.

Nochmals die Frage: Welchen Stellenwert haben Gedichte in unserer Gesellschaft? Und: Welchen Stellenwert haben Gedichte an unserer Hochschule?

Eine längere Tradition haben die Schreibwettbewerbe des Schreibzentrums, 2021 zum Thema «Spiel mir das Lied».

Möglicherweise könnten gesellschaftliche Ereignisse wie die Rezitation von Amanda Gorman einem etwas vernachlässigten Textgenre zu neuer Bedeutung verhelfen.

1      In Anlehnung an Amanda Gormans Zeilen: «For there is always light (…) If only we’re brave enough to be it.»

Peter Holzwarth ist Dozent für Medienbildung und Mitarbeiter des Schreibzentrums.