Livemusik gibt der Stadt bitter nötige Lebendigkeit. Kunst lokaler Musizierenden lässt Lokale beben. Töne, Klänge, Gesänge, Harmonien. Eins, zwei, drei, vier und los. Und ab dem Los ist alles anders. Ab dem Los ist alles freier. Alles so viel angenehmer. Emotionen fliessen durch den Körper aufs Instrument und die Stimme. Tanzende Menschenmengen geben den Musizierenden Ansporn noch mehr zu geben. Noch mehr Emotion. Noch mehr Passion. Bis zum letzten Stück. Zu-ga-be. Zu-ga-be. Und die Band kommt wieder zurück auf die Bühne. Auf ein letztes Mal. Danke für alles. Bis zum nächsten Mal Das Licht geht aus und alles ist wieder normal. So wie vorher.
PH Goes Poetry zum Achten – wer kürt sich zur Koryphäe der literarischen Kunst der PH Zürich und der PH Graubünden?
Die Jury des diesjährigen Schreibwettbewerbs hat die Finalist:innen nominiert, die sich am literarischen Showdown duellieren werden. In diesem Jahr sind viele neue Talente mit dabei, die ihr auf keinen Fall verpassen solltet. Von der PH Graubünden mit einem Text auf Italienisch Alessia Castelli, mit einem Text auf Deutsch Lara Horal und Leonardo Keller sowie Milena Felix mit einem Text auf Rätoromanisch. Für die PH Zürich treten neue Talente wie Marcel Fässler, Jeannette Bücheler und Flurina Kunz mit jeweils einem Text auf Deutsch an. Nebst neuen Talenten wird ein bekanntes Gesicht wie Martina Meienberg ihren Text zum Besten geben (3. Platz 2021).
Der Poetry-Slam findet am 7. November 2024 im Kafi Schnauz statt, wo die Bühnenpoet:innen um Ruhm und Ehre kämpfen. Wer hat das Zeug dazu, die Menge zu überzeugen und den Titel zu holen? Mit eurer Stimme bestimmt ihr, wer sich am Ende des Abends über Applaus und Preisgeld freuen darf und sich Gewinner:in des Poetry-Slam-Finals nennen darf.
Damit ihr euch vor dem Showdown aufwärmen könnt, öffnet das Kafi Schnauz (in der PHZH-Mensa) seine Bar bereits um 17 Uhr seine Pforten, um euch auf das literarische Kräftemessen einzustimmen, bevor um 18.30 Uhr das grosse Finale beginnt. Deswegen seid mit dabei, wenn Worte zur Melodie werden und die Bühne zur Arena der Poesie, und es wieder heisst: «PH Goes Poetry»!
Ich ghöre s Auf-die-Plätze durch d Lutsprecher hinter mim Startblock. Mini Bei fühled sich glähmt ah und s Herz schlaht rasant. Ich lauf 2 Schritt und gahn in Startblock. «10 Hürde, zersch 17 Schritt, denn de Schritt lang bhalte und denn 18 Schritt, maximal 19, ja nöd meh, susch verlüri alles Tempo, denn ischs eh gsi.» Mini Händ zittered wo ich sie an Bode tuen. D Haar hanged links und rechts vom Gsicht abe und lenked mich vode Nervosität ab. «Etz gahts denn gad los», denki mer. «Ich wird so sterbe, wieso mach ich das?». Fertig ertönt dur d Lutsprecher. Ich streck mini Hüft id Höchi – «chli wiiter füre mitem Oberkörper» – alles zitteret und min Chopf dreht dure. Ich ghör de Schuss. «Los, etz Bei usstosse, beschleunige, damit a die erst Hürde anechunsch.» Ich sprinte los. «Chnü höch, schnell über d Hürde, Nachziehbei füreneh. – Shit, die uf de Innebahn lauft scho uf! Egal, ich lauf mis Renne.» Scho überqueri die dritt Hürde. De Rhythmus stimmt immerno, d Bei fühled sich guet ah. D Chnü sind höch, d Ärm schwinged. «Okay, uf die foifti Hürde nomal en 17er, susch stimmts nüm».
Zuelaufe!, ghöri mini Trainerin vom Rand schreie. Das machi. 17 Schritt und scho bini bi 200 Meter anglangt, d Hälfti isch gschafft. Langsam wirdi müed. «Shit, etz mussi Bei wechsle. Aber ja nöd zviel Schwung verlüre, susch bisch gsi. Fuck, es hett mi verdreht.» Ich renne wiiter, de Rhythmus isch nüm nach Plan. Ich han en Schritt z viel gmacht, aber ändere chanis etz nüm. «Defür mussi etz umso meh pushe», denki. Scho bini uf de Zielgerade. «Nur no drü Hürde!» D Bei schmerzed, d Ärm schmerzed. Ich gspür nüm viel, de Chopf macht weh. « Zuelaufe, ja kein 20er! Denn chasch d Ziit gad vergesse.»
«Okay ich bin glich uf wie die andere, es isch nöd so schlecht.» Die Letzti Hürde chunnt. «Nur nöd umgheie, lupf s Nachziehbei! – Und etz renne, eifach renne, gad hesches gschafft, riss di zeme!» Alles macht weh. Ich setze für die letzte paar Schritt s einte Bei vor s andere, d Vorlag wird immer meh. Als wüssti nüm, wie laufe. Ich büge mich vor und schmeiss mich is Ziel. «Gschafft, es wiiters Mal». Ich liide sicher 30 Minute, aber s Guete isch: Morn hanis scho wieder vergesse und nöchst Wuche wiedeholt sich das Ganze.
Dieser Text ist im Rahmen des Musik-/Theaterprojekts „OlymPiano – ein musikalischer Zehnkampf“ von und mit Sek-Studierenden entstanden.
Im Rahmen der Lehrveranstaltung «Medienbildung und Informatik» geht es auch um Medienethik und Wertefragen im Kontext von Digitalisierung. In diesem Zusammenhang haben Studierende dystopische Kurzgeschichten verfasst. Hier der Beitrag von Joram Ruijter:
Der Winter brach herein und ich sass nackt vor dem Fernseher. Nackt. Nackt nicht, weil ich keine Kleider trug oder weil ich das Bedürfnis hatte, meine Freizügigkeit in meiner Wohnung auszuleben. Nackt, weil wir das Jahr 2024 schreiben und die ganze Stadt jetzt weiss, was ich weiss. Weil die ganze Stadt die Gedanken kennt, die in meinem Kopf sind. Gedanken an vergangene Liebesnächte, an sexuelle Vorlieben, an Geldsorgen, die mich nachts nicht schlafen lassen, an Lügen, die ich meiner Freundin erzählt habe und die nun ans Licht kommen. Und vieles mehr. Jeder in der Stadt weiss jetzt, was ich weiss, denke und getan habe. Und das alles nur, weil ich die Nutzungsbedingungen dieser neuen App nicht gelesen habe. Hätte ich sie nur nicht akzeptiert, wie ich es sonst immer tue. Ich bin völlig nackt. Mein Arbeitgeber hat mir vor 10 Minuten geschrieben, dass ich nicht mehr kommen muss, weil ich mir jedes Mal auf der Toilette Dokus reinziehe. Meine Mutter hat mir vor 9 Minuten geschrieben, dass sie mich nicht mehr sehen will, weil ich ihr immer einen Zwanziger aus dem Portemonnaie gezogen habe. Vor 8 Minuten rief mich meine Freundin an, die jetzt meine Ex ist. Vor 7 Minuten hat mich meine Bank angerufen und mein Konto gekündigt, weil ich ihren Namen verunglimpft habe. Vor 6 Minuten kam die Nachricht meiner Versicherung, dass ich ihr noch 10.000 Franken schulde, weil ich mir nie wirklich das Bein gebrochen habe. Vor 4 Minuten kam meine Nachbarin vorbei und spuckte mich an, weil ich sie beim Duschen beobachtet habe. Vor 3 Minuten rief mein Vater an und gratulierte mir zum erfolgreichen Diebstahl des Geldes. Vor 2 Minuten schrieb mir mein guter Freund und beschimpfte mich, weil ich seine Freundin begehre. Vor 1 Minute wurde mir meine Wohnung gekündigt. Vor 10 Sekunden nahm ich meine Waffe. Vor 3 Sekunden habe ich sie mir in den Mund gesteckt. Vor 1 Sekunde drückte ich ab. Tod.
I rush down into the depths and visit places and people and faces fresh in my mind — moments vivid and always speaking, always moving — them and me and how we used to be.
Earth colours, sunshine and poverty.
I rush down into the past and into the arms of loved ones — running in the grass and wildflowers.
Familiar voices and the sound of Swahili — I’m holding hands, ice cream and Nairobi.
Immer wieder liest und hört man den Begriff „Medienkonsum“, auch im Zusammenhang mit der Rezeption von Nachrichten („Newskonsum“).
Für viele Menschen hat der Begriff „Konsum“ eine negative bzw. kulturkritische Konnotation. Nutzende werden als passiv konzipiert. Der Gegenstand des Konsums gilt als eher minderwertig, z. B. „Zuckerkonsum“, „Heroinkonsum“ oder „Drogenkonsum“, bezogen auf Medien „Pornokonsum“ oder „Internetkonsum“.
Medieninhalte, die als kulturell hochwertig gelten, werden selten mit dem Begriff „Konsum“ in Verbindung gebracht, z. B. hört oder liest man kaum: ein Rilke-Gedicht konsumieren, ein Klavierkonzert von Mozart konsumieren, die NZZ konsumieren, ein Kinderbuch konsumieren, einen Hesse-Roman konsumieren oder ein Theaterstück konsumieren.
Viele Mediennutzungsformen können potenziell entwicklungsförderliche und problematische Aspekte beinhalten, je nach Person, Inhalt und Kontext. Es ist wichtig, bei jedem Medienphänomen eine differenzierte Sichtweise einzunehmen in Bezug auf Chancen und Risiken.
Ergebnisse der Mediennutzungsforschung zeigen immer wieder, dass bei rezeptiver Nutzung von Medien durchaus auch aktive Prozesse ablaufen, z. B. Selektion, selektive Aufmerksamkeitszuwendung, Bedeutungskonstruktion, Füllung von Leerstellen, Herstellung intertextueller Bezüge, Abgleich mit der eigenen biographischen Erfahrung, Reflexion über Plausibilität oder Anschlusskommunikation.
Um eine Vorverurteilung zu vermeiden, ist es sinnvoll, neutraler von „Mediennutzung“ zu sprechen und danach differenziert Chancen und Risiken zu analysieren und zu benennen.
Ich wusste nicht, wie man Rosen schneidet. Ja, da gibt es tatsächlich eine, wenn nicht mehrere Techniken dazu! Irgendwo ist bestimmt auch ein YouTube-Tutorial aufzufinden, da lege ich meine Hand ins Feuer. Wie dem auch sei, mein Kriterium war nur der Störfaktor.
Anfangs kitzelte, dann schnitt und letztlich schlitze mich der aufdringliche, ja eindringliche Zweig der Lieblingsrose meiner Grosstante (welcher meiner hellköpfigen Vorfahren kam eigentlich auf die grossartige Idee, diesen feindseligen Busch neben den Haupteingang zu pflanzen?), sodass ich kurzen Prozess ansagte. Ich knackte den Störenfried bis zur Hauptabzweigung ab, versuchte ihn abzudrehen, musste jedoch dann zur gewalttätigeren Variante des Abwürgens hinübergehen und rupfte den Zweig schlussendlich hasserfüllt vom Rest der knochigen Pflanze ab. Dabei fing sich mein Wollpullover etliche Laschen ein, mein Handrücken sah aus wie nach einer Partie „Füüfliiberle“ und irgendwie hatten sich auch ein paar Stacheln in meine Wade und Kniebeuge eingefressen. Handschuhe und Schere? Wozu? Na, um dem eingetroffenen Fall vorzubeugen; aber Nachsicht ist bekanntlich auch eine Tugend. Item, dieses komödiantische Schauspiel blieb nicht unbeobachtet, es resultierte in zweierlei Klopfen: das meiner Nachbarin ans Küchenfenster und gleich darauf, als mein Blick Frau E. hinter dem staubigen Glas erhaschte, das ihres Zeigefingers auf ihre faltige Stirn.
Verzwirbelt wie ein Kiwibaum stand ich da und liess meinen Blick die Hinterseite meiner Beine entlang herabwandern, um mich vom Nichtvorhandensein weiterer potenzieller Blutvergiftungserreger, wie ein Hypochonder sagen würde, zu vergewissern und als ich mich wieder entwirrte und den Pullover zurechtzupfte, hörte ich: „Buab, was tuasch?“ Eine rhetorische Frage, wie nur Elvira sie stellen kann, ohne dass ich vor Wut zu kochen beginne. Sie schleuderte mir zwei ihrer Gartenhandschuhe, die ledernen, nicht diejenigen mit den grünen Noppen, an die Brust und kniete sich auf die steinige Kante des Rosenbeets. Mit aller Geduld und mit grösstem Verständnis für meine Emotionalität zeigte sie mir, wie man Rosen, ich zitiere sie, „fachmännisch“ schneidet.
(c) Lawrence Beriger
Lawrence Beriger studiert an der PHZH und ist Tutor im Schreibzentrum.