«Um sieben Uhr würden sie kommen. Sie kommen immer am frühen Morgen, wenn sie etwas Ungutes vorhaben. Im Morgengrauen werden Verurteilte abgeholt. Rocco wusste nicht, wo er das gehört oder gelesen hatte. Ihm war nur, als ob er es wüsste: In der ersten Morgendämmerung finden jene, die Ungutes vorhaben, den geringsten Widerstand vor.»
Wenn ein kantiger Tessiner Altbauer in der Küche seines Hofes mit einem Militärkarabiner in der Hand auf das Ungute wartet, darf viel Helvetisches erwartet werden: Ein ordentlicher Schuss Grappa in einem Sennen-Quadratschädel und schweizerischer Wehrwillen gegen den Ausverkauf der Heimat. So wartet der Karabiner auf den rücksichtslosen Fabrikanten Korten, der seine Villa unbedingt auf der Schafswiese hinter seinem kleinen Hof hat bauen müssen und nun per Gerichtsbeschluss auch noch Roccos Lebensbaum fällen lassen will. Soll der speckige Fabrikant nur kommen!
Aber das Helvetische hat noch andere Nuancen: die Verschandelung der Heimat, sprich früher war alles besser. In gutschweizerischer Manier schreibt hier ein Deutschschweizer Autor von einem Tessiner Bergbauern, der sich gegen alles Neue sträubt: gegen den Stausee, gegen fliessend Wasser im Haus, gegen Strom. Ganz nach dem Motto: «Das hatte man früher nicht und brauchte es auch nicht.»
Zweifelsohne nicht ungut ist, wie Kauer von Ungutem erzählt. Im Gegenteil, gut kann er erzählen, der Kauer Walther, ausserordentlich gut sogar.
Wie’s rauskommt, soll hier nicht verraten werden. Aber nur so viel: Es gibt viel Ungutes am Ende, aber anders als erwartet und trotzdem irgendwie gleich.
Walther Kauer
Spätholz.
2. Auf. Basel: Lenos Pocket, 2015.
230 Seiten.





Wie Perry in seinem erfrischenden Plädoyer zeigt, hat das keineswegs mit Faulheit, Willensschwäche oder mangelnder Disziplin zu tun. Viele der strukturierten Aufschieber, wie er sie nennt, sind sogar ausgesprochen tüchtig und produktiv. Sie arbeiten einfach lieber an Dingen, die nicht zuoberst auf der Prioritätenliste stehen – zumindest so lange, bis etwas Unwichtigeres dazwischenkommt oder der Abgabedruck einer anstehenden Arbeit unerträglich wird. Das hat auch Vorteile, denn was wir liegen lassen, erledigt sich zuweilen von selbst.






Alle paar Wochen – so fühlt es sich an – erscheint ein neuer Ratgeber zum wissenschaftlichen Schreiben im Studium. Die durchwegs gut gemeinten Handreichungen beschäftigen sich mit der Vorbereitung und Strukturierung schriftlicher Arbeiten, der Literaturrecherche, dem Ausformulieren des Textes und der gewissenhaften Überarbeitung und Schlussredaktion. Angereichert wird das Ganze mit allerlei Tipps zur Zeitplanung, für die Layout-Gestaltung, das Zitieren oder den kreativen Umgang mit Schreibblockaden. Weil beim Verfassen einer grösseren Arbeit einiges an Anforderungen und Ansprüchen zusammenkommt, fühlen sich nicht alle Studierende dem wissenschaftlichen Schreiben gewachsen. Da tut Hilfe not.