Produktives Aufschieben

Voller Esprit und Selbstironie nimmt sich der amerikanische Philosoph John Perry in The Art of Procrastination (dt. Einfach liegen lassen) einer Schwäche an, die den meisten nur zu gut vertraut ist. Statt der Aufgabe, die wir uns vorgenommen haben, wenden wir uns lustvoll etwas anderem zu. Wir verplempern kostbare Zeit im Internet, starten ein neues Projekt oder widmen uns hingebungsvoll einer Mail-Anfrage, deren Beantwortung weder eilt noch in dieser Ausführlichkeit gerechtfertigt ist.Procrastination Workshop postponedWie Perry in seinem erfrischenden Plädoyer zeigt, hat das keineswegs mit Faulheit, Willensschwäche oder mangelnder Disziplin zu tun. Viele der strukturierten Aufschieber, wie er sie nennt, sind sogar ausgesprochen tüchtig und produktiv. Sie arbeiten einfach lieber an Dingen, die nicht zuoberst auf der Prioritätenliste stehen – zumindest so lange, bis etwas Unwichtigeres dazwischenkommt oder der Abgabedruck einer anstehenden Arbeit unerträglich wird. Das hat auch Vorteile, denn was wir liegen lassen, erledigt sich zuweilen von selbst.

Kurzrezension aus den Medientipps der Zeitschrift «Akzente» 2 (2015): S. 38.

Einfach liegen lassen von John Perry
John Perry
Einfach liegen lassen: Das Buch vom effektiven Arbeiten durch gezieltes Nichtstun.
München: Goldmann, 2015. 125 Seiten.

 

arte-Beitrag über John Perry und «The Art of Procrastination» unter tracks.arte.tv/de/art-procrastination

0

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.