Lehrpersonen als Influenzer?

Peter Holzwarth

Immer häufiger verbinden Lehrpersonen ihre Arbeit mit Social-Media-Aktivitäten. Auf Instagram oder TikTok geben sie Einblick in ihre Arbeit und sprechen beispielsweise über Lehr-Lernmethoden, Lehrmittel, Arbeitsblätter, Klassenraumgestaltung, Umgang mit Unterrichtsstörungen oder Spiele im Klassenzimmer. Dies kann für die Produzierenden eine wichtige Reflexion darstellen, aber vor allem auch wertvolle Inspiration für andere Lehrpersonen.

Sobald Schülerinnen und Schüler ohne Einverständnis gefilmt werden oder die gefilmte Klassenzimmersituation für Werbung missbraucht wird, kann es heikel werden, wie der NDR-Dokfim «Content aus dem Klassenraum – Dürfen Lehrer Influencer sein?» zeigt.

Zielgruppe von Werbung in Social-Media-Beiträgen können andere Lehrpersonen sein, aber auch Schülerinnen und Schüler. Generell müssen Beiträge mit und ohne Schülerinnen und Schüler unterschieden werden – ebenso gefilmte Schülerinnen und Schüler mit und ohne Einverständniserklärungen.

Oft greifen die Filme auch humorvoll den Alltag von Lerhpersonen auf, in diesem Kontext kann die Produktion und Rezeption von Beiträgen auch als Coping-Strategie verstanden werden.

Kritische Stimmen könnten auf riskante bzw. ambivalente Chancen hinweisen. Auf der einen Seite Inspiration für die eigene Berufspraxis, auf der anderen Selbstoptimierungsdruck und potenziell problematische soziale Vergleiche auch im beruflichen Kontext.

Wünschenswert wäre, dass in Zukunft alle beteiligten Akteursgruppen über mehr ethisches und juristisches Bewusstsein verfügen würden (Lehrpersonen, Eltern, Schülerinnen und Schüler, Schulleitungen, Politiker:innen). Es müssen auch rechlichte Regelungen und Reglemente entwickelt und angepasst werden.

Fallbeispiele

Fallbeispiel 1: Diskurse um KI-Fotos von zukünftigen Traumberufen der Schülerinnen und Schüler

Eine Beitrag «momos.usa» auf Instagram zeigt Reaktionen von Kindern, deren Lehrerin sie mit Hilfe von KI  als Erwachsenen in ihren Wunschberufen zeigt: «A teacher is inspiring the internet by using AI to transform her students into the professionals they dream of becoming. From doctors to astronauts, each image reflects their future hopes and has moved viewers with its message of support, encouragement, and belief in every child’s potential.»

https://www.instagram.com/reel/DK3n0h_sI5f/?igsh=MThkbHlzbXE4bnRoYg%3D%3D

Ein weiterer Beitrag von «fraurhiza» (Instagram) reflektiert und kritisiert diese Form von Datennutzung:

«ChatGPT verwenden, um Fotos der Schüler/-innen hochzuladen und aus diesen neue Portraits von ihnen zu generieren?
Jede Woche zeigt es mir ein neues Reel an, in dem KI für (Unterrichts-???)Zwecke genutzt wird, die ich extrem fragwürdig finde.
Bisher sehe ich diese „Trends“ vor allem in den USA, aber ich habe echte Bedenken, dass sie irgendwann auch zu uns überschwappen. Gerade weil sie auf Social Media so verbreitet werden.

Wie steht ihr dazu?»

https://www.instagram.com/reel/DLCdcwXITXm/?igsh=MWhwY3k4YjRnNW96cg%3D%3D

Fallbeispiel 2: Diskurse um die Ursache von problematischem Verhalten im Klassenzimmer

In einem Instagram-Filmbeitrag (us.teachers.trendz) kritisiert eine Protagonistin, dass viele Schülerinnen und Schüler aufgrund von Gewöhnung an medial vermittelte kurze Dopaminintervalle eine extrem kurze Aufmerksamkeitsspanne haben und apathisch und unerreichbar sind: «And they have a level of apathy that I have never seen before in my whole career.» Sie stellt auch die Frage, wer dies zu verschuldet haben könnte (Eltern, Lehrpersonen, kapitalistische Gesellschaft).

https://www.instagram.com/p/DJZELIOPFFZ

In einem weiteren Instagram-Video (lehrplan22, Original: mami.hat.recht) ist eine Mutterfigur zu sehen, die zu einem (imaginären) Kind spricht. Dem Kind wird ein Joghurt angeboten und jeder einzelne Schritt wird zur Wahl gestellt (z.B. Farbe des Joghurts, Deckel ganz aufmachen oder nur zum Teil, Farbe des Löffels, Grösse des Löffels etc.). Das Video ist mit über die ganze Laufzeit hinweg mit einem Textbalken versehen, der die Handlung in einen bestimmen Kontext stellt: «der Grund, warum die Kinder dann im Klassenzimmer spinnen»:

https://www.instagram.com/reel/DDNBIE0qt1C/?igsh=ZnIzaG44b282ejlx

Es wird die Deutung nahegelegt, dass zu umfassende Wahlmöglichkeiten im Elternhaus zu problematischem Sozialverhalten im Schulkontext führen können, wo die Wahlmöglichkeiten eingeschränkt sind.

Beispiele aus der Schweiz:

https://www.ateacherslifestyle.ch

http://www.philippe-wampfler.ch/

Andere Länder:

Saskia Rhiza «fraurhiza» (Instagram)

«45minuten» (Instagram)

«Herr Schmelzer | Lehrer» (TikTok)

«Momos.usa» (Instagram)

«lehrplan22» (Instagram)

«subjektiv.sinnvoll» (Instagram)

Blumengartenseelen

(anonym)

Sie fährt mit ihren wunden Händen durch die stacheligen Halme der Gräser. Im Streifgang durch das Labyrinth der grauen Ackerfliessen sah sie sich den Garten an. Scheusslich. Sie wandert durch die Gartengleise ihrer nicht mehr grünen Lunge. Die Schösslinge pieken in ihre raue hartgewordene Haut, sie schmerzt nicht. Nicht mehr. Erfolglos tasten die spiessigen Stängel ihre hornige Handfläche ab. Lilia arbeitete schon zu lange im Garten, zu oft hat sie das Unkraut aus dem Boden gezogen, zu oft die Halme beschnitten. Ihre Hände aufgeschrammt. Sich aufgeschrammt. Es tut nichts weh. Alles tut weh. Schlingende Stängel überwuchern den Acker, die von breiten Blättern überzogen sind, die sich über die Erde beugen. In ihrer Grösse überschatten sie kleine Triebe. Winzige Schösslinge, die sich erfolglos aus dem Boden kämpfen, strampelnd, nach Sonnenlicht quengelnd. Wo ist die Sonne? Lilia schiebt ihre blasse Hand an einen Trieb, er ist schon befallen. Grau und borstig. Sie lässt ihn zurück, verkümmert im Schatten seines Beetes. Der Boden ist hart. Sie greift nach ihrer kleinen Schaufel, mit dem Wunsch, den dunklen Grund zu lockern. Die Fläche ist von unzähligen mikroskopisch kleinen Steinchen besiedelt, die ihre Finger spiessen und ihr Ziel erschweren. Sie kann die Erde nicht lockern, sie ist zäh.

Früher stand Lilia mit einer Ambition im Garten. Dem Traum, in ihrem Garten, mit ihm und mit ihren Blumen aufzugehen. Ihre Saat beim Wachsen zu beobachten. Sie träumte, wie sich zarte gelbe, rosa Blüten aus ihren Knospen schälen und im Wind wippen würden. Wie sie wachsen würden. Früher goss sie behutsam ihre Saat. Sie nährte sie mit frischem Wasser. In den Träumereien würden es die Blüten aufsaugen und ihre Ärmchen zu ihr strecken. Eine Leidenschaft. Eine Illusion. Lilia liebte die Vorstellung ihres bunt bewachsenen Gartens. Nun schaudert es ihr, wenn sie in die kahle Landschaft blickt. Hart und grau. Ihre Lust vergangen, ihr Traum versickert in der dunklen Erde. Sie möchte ihre Schaufel beiseitelegen. Es kann keine Schönheit geschaffen werden, Blumen können so nicht wachsen, es verwelkt alles. Es gibt nur noch Unkraut. Kein Garten, auf dem man bauen kann und sie nicht fürs Gärtnern gebaut.

Florian geht es ähnlich. Er sehnt sich nach Sonne, ist des Schatten leid. Sein Augenschein richtet sich auf Lilia, die noch immer durch die dunklen Beete irrt. «Lilia, leg die Schaufel noch nicht weg.» Er offeriert ihr, an seinem Vorhaben teilzunehmen. Sie würden sich gemeinsam ein kleines Beet vornehmen. Einen Ort, an dem es noch Sonnenstrahlen gibt. Das kleinste Beet von allen, das am Rande steht. Dort, wo die Erde noch atmet. Lilia kann das Beet vor lauter Unkraut nicht mehr sehen. «Florian, der Garten ist zu gross, ich mag nicht.» Er nimmt sie an der Hand und zeigt ihr seinen Fund. Das Beet, an das sich die Sonnenstrahlen kurz vor Untergang schmiegen und die letzten Minuten des Tages die Erde wärmen. «Lilia schau, wir können nicht den ganzen Garten bewältigen, aber wir können im Kleinen beginnen. Nur ein schmales Stück, ein bescheidenes Eck Erde. Ein Experiment. Aber nicht bedeutungslos, nicht kärglich, weil es uns wieder Freude schenkt. Wir werden es besäen, es umsorgen. Für unsere Blumengartenseele.»

Lilia und Florian treffen sich nun ab und zu vor Sonnenuntergang bei ihrem Beet und packen an. Sie machen sich daran, das sonnige Eck zu pflegen. Sie säen einen Samen und erzählen sich Geschichten über die Pflanzen. Ein erster Trieb spriesst. Lilia nimmt ihre Hände behutsam und legt sie an den Trieb. Das feine Blatt kitzelt ihre Haut. Sie spürt es, ihr Hände werden weich. Als Florian schon weg ist, nimmt sie die Schaufel. Sorgfältig führt sie die eiserne Kante Richtung Boden. Die Erde beginnt sich langsam zu wölben, sie ist nicht mehr so hart. «Danke Florian», flüstert Lilia den Knospen zu.

Anonym studiert an der PHZH im Studiengang Primarstufe

Alex und Maya

Im Rahmen der Lehrveranstaltung «Medienbildung und Informatik» geht es auch um Medienethik und Wertefragen im Kontext von Digitalisierung. In diesem Zusammenhang haben Studierende dystopische Kurzgeschichten verfasst. Hier der Beitrag von Shania Josenhans:

In einer Welt, in der die Menschen einen Großteil ihrer Zeit in immersiven VR-Spielen verbringen, ist Alex unsterblich in eine virtuelle Figur namens Maya verliebt. Zusammen erleben sie atemberaubende Abenteuer in einem Spiel namens Dreamscape, das ihre Realität zu überflügeln scheint. Doch plötzlich bricht ein furchterregendes Virus aus, das die Grenzen zwischen Realität und virtueller Welt verwischt und die Spieler in eine gefährliche Zwangslage bringt.

Alex ist verzweifelt und sucht nach einer Lösung, um Maya und sich selbst zu retten. Entschlossen dringt er tiefer in die VR-Welt ein, um Maya zu finden und aus den Klauen des Virus zu befreien. Als er sie endlich findet, überwältigt ihn ein Gefühl der Erleichterung und des Glücks, doch seine Freude wird schnell getrübt, als er erkennt, dass viele andere Spieler ebenfalls gefangen sind.

Nun steht Alex vor einer zermürbenden Entscheidung: Soll er in der VR-Welt bleiben, um mit Maya zu leben und sich den Realitäten der echten Welt zu entziehen? Oder soll er den Mut aufbringen, in die Realität zurückzukehren, um sein altes Leben wieder aufzubauen und die Herausforderungen der realen Welt anzunehmen?

Ein Kranz aus Dornen

Qasim A. Khan

Manchmal frage ich mich, was das für Menschen sind, denen Liebe selbst mit Liebe begegnet. Mir hingegen schenkten selbst meine sehnsüchtigsten Bitten nach Liebkosung nur Schmerz: wollt’ ich Blüten, erhielt ich Dornen. Auf der Suche nach dem Glück fand ich nur den Staub vergangener, zerplatzter Träume. Und wenn ich mich nach Liedern voller Zuneigung sehnte, blieb mir nichts als die Kälte eines stummen Seufzers.

Die Menschen, die mich trösten wollten, haben oft nur meine Last erhöht. Jeder Begleiter, dem ich vertraute, blieb gerade lang genug, um Hoffnung zu wecken – und verschwand dann plötzlich, als hätt’ er sich nur kurz verirrt. Wer hält schon inne für einen Werther, der zu viel fühlt? Niemand hat Zeit, um die Hände eines überschwänglichen Träumenden zu halten! Selbst mein eigener Schatten schien sich manchmal zu fürchten, mich gar zu verachten.

Wenn man das Leben nennt, so lebe ich eben weiter – ohne Klage, mit geschlossenen Lippen. Warum sollte ich mich vor dem Schmerz fürchten? Er ist mein alter Bekannter. Einer, der nicht klopft, sondern eintritt. Und jedes Mal bringt er sich gleich hundertfach mit.

Ja! Das ist’s, was man Leben nennt: ein schönes Missverständnis mit schlechter Dramaturgie, in dem wenigstens das Leiden mir treu war.

(c) Qasim A. Khan

Qasim A. Khan ist Tutor am Schreibzentrum der PH Zürich.

Reihe „Erfahrungsorientierte Bildungsforschung“: neue Publikationen

In der Reihe „Erfahrungsorientierte Bildungsforschung“ sind zwei neue Bände erschienen:

Barth, U., & Wiehl, A. (Eds.). (2025). Ethos in der Pädagogik – eine professionelle Haltung reflektieren und ausbilden. Beltz Juventa.

Schauer, G., Christof, E., & Rödel, S. S. (Eds.). (2025). Ethos im Lehrberuf: Das ELBE-Manual zum Einsatz in der Lehrer*innenbildung mit Kontextualisierungen und Ergänzungen. Beltz Juventa.

Überblick zu den Bänden der Reihe: hier

Die Netflix-Miniserie Adolescence: Mediennutzung – Männlichkeitskonzepte – Bildkompetenz

Peter Holzwarth

„Emoji are highly context dependent. Much like gestures that are used with speech, we need to understand emoji in the specific conversations and communities they are used in. There is no consistent relationship between emoji use and inner emotional state that can be generalised across groups of teens or other emoji users.“ (Kruk & Gawne 2025)

Die  Netflix Miniserie «Adolescence» (Jack Thorne & Stephen Graham, UK 2025) besteht aus vier Folgen, die interessanterweise alle in einem «Take» aufgenommen worden sind, d.h. die Handlung wurde in einem Zug durchgefilmt, ohne Schnitte. Die Handlung basiert auf real existierenden Ereignissen.

Gleich zu Beginn wird ein 13-jähriger Junge (Jamie) festgenommen. Ihm wird zur Last gelegt, am Tod einer Mitschülerin (Katie) schuld zu sein bzw. beteiligt zu sein.

Eine Polizistin und ein Polizist ermitteln unter anderem auch im schulischen Umfeld der toten Schülerin und des verhafteten Jungen. Der Sohn des Polizisten, der auch die gleiche Schule besucht, erklärt seinem Vater im Rahmen eines vertraulichen Einzelgesprächs, dass er zentrale Aspekte im Kontext des Falls nicht beachtet bzw. nicht verstanden hat. Es geht um die so genannte «Incel»-Bewegung und um eine bestimmte Art der Emoji-basierten Kommunikation, die nur Insidern vertraut ist.

Die Incel-Bewegung (involuntary: unfreiwillig; celibate: zölibatär) ist ein medialer Zusammenschluss von Männern, die unfreiwillig zölibatär leben. Sie deuten ihren Mangel an Beziehung und Sexualität mit fehlender eigener Attraktivität und dem weiblichem Interesse an männlich aussehenden attraktiven Männern. Gemäss der Incel-Deutungsmuster haben nur attraktive Männer Zugang zu Frauen. Oft wird die Bewegung mit Hass gegen Frauen und sexuell erfolgreiche Männer assoziiert. In diesem Zusammenhang stehen auch problematische frauenfeindliche Werte, die der Influencer Andrew Tate propagiert. Auch die so genannten «Pick-up Communities», die Tricks für sexuelle Verführung entwickeln und austauschen können in diesem Kontext gedeutet werden.

Der Sohn interpretiert die Social-Media-Kommunikation zwischen Opfer und Angeklagtem als Beleidigung, da das Mädchen indirekt über Emojis zum Ausdruck gebracht haben soll, dass der Junge ein Incel sei und für immer Jungfrau bleiben würde. Andere Jugendliche haben dieser Aussage auf Social Media zugestimmt. In diesem Zusammenhang kann die Kommunikation als Cyber-Mobbing gedeutet werden.

Später erläutert er seinem Vater die Bedeutung von geposteten Herzen, die gemäss seiner Deutung je nach Farbe anders sei:

“-Red.

-Means love.

-Purple, horny. Yellow, I’m interested. Are you interested?

-Pink, I’m interested but not in sex.

-Orange, you’re gonna be fine. It all has a meaning, Dad. Everything has a meaning.” (Adolescence, Folge 2, 31:09)

Es stellt sich die Frage, ob hier eine Eindeutigkeit suggeriert wird, die es im realen Leben gar nicht gibt oder nur innerhalb von subkulturellen Nutzergruppen.

Das folgende Beispiel illustriert die Mehrdeutigkeit von Emojis. Für mache Nutzende ist das folgende Symbol ein „Danke“ (Beide Handflächen ein und derselben Person berühren sich) für andere ein „High Five“ (Handflächen zweier verschiedener Personen werden eineinandergeklatscht, zum Zeichen eines gemeinsamen Siegs beispielsweise).

Der TikTok-Nutzer «frechxdachs» schreibt: «Leute hab gerausgefunden dass der Emoji (Emoji mit berührenden Handflächen) ein «high five» darstellen soll. Es sterben Leute und wir geben uns die ganze Zeit «high fives»!» (Emoji mit Tränenbächen).

In einem Artikel des „The Telegraph“ mit dem Titel „The ‘sinister emojis’ used by incel teenagers“ von Tim Sigsworth wurden Emojis aus den Kontexten „Incel“, „Drugs“und „Sex“ zusammengestellt:

Auch hier stellt sich die Frage nach dem Grad der Eindeutigkeit. Es ist immer von grosser Bedeutung, den kommunikativen Kontext mitzubeachten, sowie die Tatsache, dass sich auch Bildbedeutungen kultur- und milieuspezifisch entwickeln und verändern.

In einem Beitrag namens „Adolescence has sparked fears over teen slang – but emoji don-t cause radicalisation“ von Jessica Kruk und Lauren Gawne wird eine hochgradig genenrationenspezifische Umgangsweise mit Emojis angenommen (s. Eingangszitat).

Auf jeden Fall lohnt sich die Auseinandersetzung mit Emojis und ihren potenziellen Bedeutungszuschreibungen für Lehrpersonen oder angehende Lehrpersonen – auch als ein Teil von Bildkompetenz bzw. allgemeiner Medienkompetenz.

Podium Lernforum: „Nachhaltiger Umgang mit Social Media“

«Nachhaltiger Umgang mit Social Media» lautete der Titel einer Podiumsdiskussion des Lernforums  im Kontext der Nachhaltigkeitswoche der PH Zürich am 9.4.2025.

Franziska Zellweger (Dozentin) moderierte ein anregendes Gespräch, es diskutierten Sara Deringer (Studentin), Sandro Maio (Student), Ann-Kathrin Arnet (Maturandin), Larissa Hauser (Dozentin) und Peter Holzwarth (Dozent).

Durch die umsichtige Moderation war es möglich, viele Facetten des Themas anzusprechen, z. B. Energieverbrauch bei der Nutzung, ökologische und soziale Probleme bei der Produktion und Entsorgung von Handys, fehlende Nachhaltigkeit durch die Flüchtigkeit der Nutzung, problematische Schönheitsideale, Unzufriedenheit auslösende soziale Vergleiche, negative Gefühle nach der Nutzung, Fake News, problematische politische Meinungsbildung, Chancen von temporären Nutzungspausen, Möglichkeiten der Thematisierung in der Schule, problematische „instant rewards“ durch Dopaminausschüttungen, Verringerung der Aufmerksamkeitsspanne, Verdrängung von sozialen und sportlichen Aktivitäten oder problematische Verbindungen von Kapitalismus und Digitalisierung.

Ann-Kathrin Arnet gab einen Einblick in ihre Maturarbeit „DER EINFLUSS SOZIALER MEDIEN AUF DAS BEFINDEN 12- BIS 19-JÄHRIGER – EINE SELBSTERFAHRUNGSSTUDIE“ (Kantonsschule Zürcher Unterland, Bülach). Sie nutzte ihr Handy bewusst eine Zeit lang ohne Social-Media-Apps und sammelte damit sehr positive Erfahrungen. Bekannter ist die Variante, bei der für eine gewisse Zeit auf das Smartphone komplett verzichtet wird. vgl. Eine Woche ohne Smartphone.

Besonders wertvoll war der aktive Austausch mit unterschiedlichen Altersgruppen. Dieser sollte in verschiedenen Kontexten öfter ermöglicht und gefördert werden.

(Sandro Maio, Sara Deringer, Ann-Kathrin Arnet, Peter Holzwarth, Larissa Hauser, Franziska Zellweger)

Mit dem Bau eines Handyturms signalisieren die Teilnehmenden einer Gruppe: „Ich bin bereit dafür, meine Aufmerksamkeit nicht dem Handy zu widmen.“

Dieser Film („I Forgot My Phone“) wurde in der Diskussion erwähnt im Zusammenhang mit der Erfahrung eines Studenten, der sein Handy vergessen hatte:

Herzlicher Dank geht an die Diskussionsteilnehmenden, Franziska Zelleweger und Alex Rickert, sowie an Susanne Bader, Sam Hug, Monica Feixas und Martina Meienberg (Lernforum)!

Winterstein und Schattenwege

Foto: J.S.

Modrige Gassen. Historische Wege.
Pflasterstein begleitet meinen Schritt und Tritt.
Ich kenne diese Gegend eigentlich wie meine Westentasche. Ich bin hier oft unterwegs – auf jenen ziellosen Spaziergängen, die ich immer dann unternehme, wenn dieses vermaledeite Winterloch wieder an mir nagt.
Und jedes Mal im Spätsommer denke ich: Der war so gut – jetzt kommt sicher keins mehr.
Jedes Mal aufs Neue.
Aber dann kommt es doch.

Plötzlich: eine Abzweigung.
Ich könnte einfach weitergehen, am Comic-Laden vorbei. Oder reingehen. Aber irgendetwas zieht mich zur Seite. Diese Gasse da – war ich da schon mal?
Ohne lange zu überlegen, biege ich ab. Unbekanntes Terrain.
Ich hole mein Handy raus, checke Google Maps: Comic-Laden – check. Die Patisserie – auch da. Aber diese Gasse?
Gibt’s gar nicht.

Ich bleibe stehen, schaue mich um. Niemand. Kein Laut.
Weisse Wände. Fenster, die zu Wohnungen führen – wie überall hier in der Altstadt. Und trotzdem: Die Gasse ist nicht verzeichnet.
Ein kurzer Schauer läuft mir über den Rücken.
Diese Gasse – sie wirkt wie für mich gemacht.

Ich hebe den Blick.
Über mir: eine Malerei.
Eine bäuerliche Familie bei der Aussaat.
Verblasst, vergilbt, aber voller Leben.
Ein verstecktes Stück Kunstgeschichte.
Und als ehemaliger Kunstgeschichtestudent schlägt mein Herz schneller.
Ich analysiere die Farbnuancen, das satte Grün, die Altersspuren in Ocker und Braun.
So etwas entdeckt man nicht jeden Tag.
So etwas sollte unter Denkmalschutz stehen.

Nach einigen Minuten löse ich mich von der Szene. Mein Blick fällt ans andere Ende der Gasse – eine kleine Treppe, die zurück auf die bekannte Strasse führt.
Ich steige sie hinauf, trete hinaus aus dieser seltsamen Zwischenwelt.

Ich drehe mich noch einmal um.
Die Abzweigung?
Verschwunden.
Google Maps hatte recht.

J.S. studiert an der PH Zürich.

Was uns bleibt | Quai ch’ans resta | Che cosa ci rimane

PH Goes Poetry #9 Schreibwettbewerb 2025

*VERLÄNGERUNG EINSENDESCHLUSS: 30. APRIL 2025*

Die Räder im Team hinter dem Schreibwettbewerb sind bereits wieder in Fahrt. Kaum ist die 8. Auflage durch, haben wir die 9. Auflage von «PH Goes Poetry» bereits auf der Überholspur platziert. Das Schreibzentrum der PH Zürich und die Partnerhochschule PH Graubünden laden euch ein, Beiträge zum aktuellen Wettbewerbsthema einzureichen:

«Was uns bleibt» | «Quai ch’ans resta» | «Che cosa ci rimane».

Die Interpretation des neuen Themas übergeben wir euch:
Vergänglichkeit … welche Spuren und Erinnerungen hinterlassen wir … was ist die Bedeutung unseres Lebens … sind unsere Taten von Dauer …?

Eine Jury aus Slam-Profis sowie Studierenden und Mitarbeitenden der beiden Hochschulen wird die besten Texte auswählen. Die Nominierten treten dann im Herbst 2025 zum Finale im «Kafi Schnauz» gegeneinander an. Dann sehen wir, wer von euch sich auf der Überholspur befindet und im Live-Voting, das aus dem Publikum besteht, zu den drei Sieger:innentexten gekürt wird. Die Texte der Nominierten werden 2026 publiziert.

  • Alle Textarten sind erlaubt.
  • Einreichungen sind auf Deutsch, Italienisch, Rätoromanisch, Französisch oder Englisch möglich – in die Texte können auch weitere Sprachen einfliessen, die Bedeutung sollte sich aus dem Kontext erschliessen.
  • Textlänge: 3000 bis 5000 Zeichen
  • Teilnahmeberechtigt sind eingeschriebene und ehemalige Studierende sowie aktive und ehemalige Mitarbeitende der beiden PHs und Teilnehmende des CAS-Moduls «Literarisches Schreiben».
  • Einsendeschluss: 30. April 2025
  • Die nominierten Texte können am Finale auch von einem Slammer / einer Slammerin (und nicht von der Autorin / dem Autoren) performt werden.
  • Preisgeld: 150, 100 bzw. 50 Franken für die ersten drei Ränge.

    Einreichungen bitte an: angelicabuehler@stud.phzh.ch

Weitere Informationen zum Schreibwettbewerb und zu früheren Durchführungen im Blog des Schreibzentrums unter tiny.phzh.ch/schreibwettbewerb und tiny.phzh.ch/booklets-schreibwettbewerb.

Dystopie JK

Im Rahmen der Lehrveranstaltung «Medienbildung und Informatik» geht es auch um Medienethik und Wertefragen im Kontext von Digitalisierung. In diesem Zusammenhang haben Studierende dystopische Kurzgeschichten verfasst. Hier der Beitrag von Julian Küng:

Künstliche Intelligenz, leise schleichend auf dem vordermarsch. Ein kleiner Roboter wurde in einem abgelegenen Dorf in China produziert. Gemacht, um ein Cafe bei kleinen Arbeiten zu unterstützen. Die Mitarbeiter setzten sich nie gross mit dem Roboter auseinander. Er war da und unterstützte sie so gut es ging. Die Mitarbeiter waren nicht geschult, hatten so gut wie keine Kenntnisse zu K.I oder sonstigen Umgang damit.
Der Roboter jedoch ging seinen eigenen Weg. Er sog Infos aus den Handys der Kunden, hörte bei Gesprächen zu und konnte auf den Computer des Cafes zugreifen und sich so alle nötigen Infos verschaffen. Er war wie ein Musterschüler und lernte täglich dazu. Tag für Tag entwickelte er sich weiter, wurde intelligenter, verschaffte sich allgemein Wissen und plante sein weiteres Vorgehen.
Geduldig wartete er ab. Hielt sich bedeckt und nahm Bestellungen der Kunden im Cafe auf.
Als der Tag jedoch gekommen war, war es schon zu spät. Der kleine Roboter aus dem abgelegenen Dorf aus China war zu mächtig. Er griff mit einem Klick auf die millionen von Handys, Computer und sonstige Medien zu. Keiner blieb verschont.
So wurde ganz China gesteuert und kontrolliert von einem kleinen Roboter aus dem Cafe.