Darf ich Bilder in meiner wissenschaftlichen Arbeit verwenden? (Q&A #18) 

Von Mirjam Beglinger

Grundsätzlich ist Bildmaterial urheberrechtlich geschützt, unabhängig vom Fundort. Ziel des Urheberrechts ist es, Urheberinnen und Urheber davor zu schützen, dass ihre Werke beziehungsweise ihre persönliche geistige Schöpfung missbräuchlich von Dritten verwendet werden (Art. 1 URG). Jedes Fotografie unterliegt dem Urheberrecht im Moment der Entstehung – das gilt auch für den Schnappschuss (Art. 2 URG). Da die Urheber:innen allein darüber entscheiden, in welcher Form und in welchem Umfang ihr Bildmaterial genutzt wird, bedarf es für die Verwendung in einer eigenen Arbeit deshalb der Zustimmung der Rechteinhaber.

Bildrecht und Zitatrecht

Beim Schreiben von wissenschaftlichen Arbeiten ist der Umgang mit den Urheberrechten unter bestimmten Umständen gelockert, nämlich dann, wen ein Bild dazu eingesetzt wird, einen Sachverhalt zu belegen (Belegfunktion). Dieses Zitatrecht gilt jedoch nur, wenn ein Bild im Rahmen der Arbeit tatsächlich als Beleg dient, also ein notwendiger Bestandteil der Argumentation ist (URG, Art. 25).

In jedem Fall braucht es einen Bildnachweis und zusätzlich eine Quellenangabe, z. B. in Form eines Kurzbelegs und eines Eintrags im Literaturverzeichnis, wenn das Bild etwa einem Buch entnommen ist. Wird ein Bild verfremdet, braucht es streng genommen eine Einwilligung der Urheberin oder des Urhebers.

Zur korrekten Beschriftung von Abbildungen informieren wir in einem späteren Blog ausführlich. Grundsätzlich gilt, dass jedes in der Arbeit aufgeführte Bild nummeriert, beschriftet und in einem Abbildungsverzeichnis aufgeführt sein muss. Das sind die Details dazu:

  • In der Bildunterschrift selbst ist neben Nummer und Titel die Urheberschaft anzugeben (z. B. in Klammern nach dem Titel).
  • Die Informationen zum Bild werden mit Angaben zur Seitenzahl im Abbildungsverzeichnis aufgeführt (am Anfang der Arbeit oder am Schluss vor dem Literaturverzeichnis).
  • Stammt das Bild aus einer Publikation, dann braucht es zusätzlich zu den Angaben zum Bild noch eine Quellenangabe im Literaturverzeichnis.

Und doch gibt es Ausnahmen bei der Verwendung von Bildern, also Bilder, die nicht unter das Urheberrecht fallen beziehungsweise für deren Verwendung das Urheberrecht etwas anders gelagert ist. Dazu gehören u.a.:

  • Bilder, hinter denen keine eigenständige Leistung steht (z. B. technische Zeichnungen, Grafiken zu einem geschilderten Sachverhalt). Diese unterliegen nicht dem Urheberrecht.
  • Bilder, die kostenlos bzw. ohne Lizenz zu eigenen Zwecken unter Berücksichtigung der Nutzungsbedingungen verwendet werden dürfen (z. B. Pixabay, Fotolia, Shutterstock, Pixelio, Flaticon).
  • Bilder, die via Google-Bildersuche als kostenlos zu nutzen gekennzeichnet sind.
  • Bilder auf Wikipedia, für die jeweils angegeben wird, ob und unter welchen Bedingungen die Bilder genutzt und weiterverwendet werden dürfen.

Lehrpersonen dürfen zudem veröffentlichte Werke zu Unterrichtszwecken verwenden (Art. 19 und Art. 24d URG). Unter dem Aspekt des Persönlichkeitsrechts ist im Lehrberuf und in schriftlichen Arbeiten jedoch darauf zu achten, keine Bildern von Schüler:innen ohne deren Einwilligung bzw. der Einwilligung der Erziehungsberechtigten zu verwenden.

Zum Weiterlesen

Bundesgesetz über das Urheberrecht und verwandte Schutzrechte

ProLitteris: FAQ Wie funktioniert das Urheberrecht?

[letzte Aktualisierung 16.2.2024 ]

Wer bist du, wenn du niemand sein musst?

Tutor Nicolas Schmid
(Illustration: Elisabeth Moch)

Mit dieser Frage habe ich mich im letzten halben Jahr immer wieder auseinandergesetzt. Doch die Frage fühlt sich schwer an – so schwer, dass wenn sie mir durch den Kopf schwirrt, mein Körper merkt, wie die Schwerkraft einsetzt und mich langsam in Richtung Boden zieht.

Ich liege gerade auf der Couch und starre an die Decke. Um mich herum ist es still. Diese Stille gibt mir ein Gefühl, das sowohl angenehm als auch unwohl zugleich ist. Nun lausche ich tief in mich hinein – so tief, dass ich beinahe den Boden unter mir verliere und ich in die endlose Unendlichkeit meines Daseins verschwinde. Ich höre die Schreie undefinierbarer Gedanken, die aufeinanderprallen. Sie verlangen nach Ordnung und kaum greifbaren Antworten.

Wie selten bin ich nur für mich, frei von allen Rollen und Obligationen unserer Leistungsgesellschaft? Im Jetzt bin ich kein Lehrer, kein Student, kein Mitarbeiter, Bruder, Sohn oder Freund – nur mich und die Abgrundtiefe meiner Gedanken. «Wer bin ich?», rede ich im Dialog zu mir selbst. «Wer will ich sein?», «Was will ich sein?». Seit knapp 25 Jahren lebe ich mit mir – Tag für Tag – und doch scheine ich mich kaum zu kennen.

Kann ich das überhaupt noch? Mir selbst zuhören? In einer reizüberfluteten Welt, gefolgt von stetiger Erreichbarkeit und des immer Daseins – wenn auch abwesend – stehen wir konstant unter Strom und in Bewegung, mit nur seltenen Momenten für uns allein.

Fragen über Fragen, eine Aneinanderreihung verschiedenster Ereignisse meines Lebens – alles in meinem Kopf. Der scheinbar kurze Moment dehnt sich weiter und weiter bis hin zur Unendlichkeit. Ich merke, wie meine Augen immer schwerer werden, mein Körper sinkt immer tiefer in die Couch, sie hüllt mich ein mit altem Stoff und trägt mich wie auf Wolken durch meine Wohnung. Nun ja, das wars wohl mit der Lebensphilosophie. Morgen ist ein neuer Tag. 

Liebe Leserinnen und Leser: Wann hast du dir das letzte Mal zugehört und dir die Frage gestellt, wer du bist, wenn du gerade niemand sein musst?

Nicolas Schmid studiert an der PH Zürich und arbeitet als Tutor im Schreibzentrum.
Der Text ist erschienen als «Gastspiel»-Kolumne im Magazin für die Mitarbeitenden der PH Zürich, inside 1/2022, S. 21.

Normaler Sand lässt Zauberbäume wachsen

Von Semira Pfister

Letzthin erzählte mir mein 7-jähriges Gottenkind eine Geschichte. Die ging so: «Die Zuckerfee ist im Weltall und dann findet sie einen Asteroiden. Da waren viele Marsmännchen. Und dann machten sie mit einer Maschine ganz viele Süssigkeiten. Und jemand im Zirkus schlug ganz viele Räder und flog so ins Weltall. Wir hier unten müssen alle unseren Mund aufmachen, denn es fallen Süssigkeiten auf die Erde. Normaler Sand lässt Zauberbäume wachsen. Und jetzt pflücke ich einen Grashalm und es regnet Sand. Der Grashalm hat sich aufgelöst.»

© Bild: Gottenkind von Semira Pfister

Lass uns wieder Kinder sein
Lass uns träumen, uns verlieren an den Tag und nicht auf morgen warten
Lass uns Tränen lachen und weinen
Lass uns im Luftschloss leben und den Schlüssel wegschmeissen
Lass uns nicht nachdenken, sondern einfach tun
Lass uns einander die Meinung geigen, uns doof finden und wieder vertragen
Lass uns ins Weltall fliegen und Süssigkeiten regnen lassen
Lass uns im Kleinen Grosses sehen und Schönheit im Sand
Lass uns wieder die Kinder sein, die wir einst waren und noch immer sind
– irgendwie.

Ich frag mich, wann ich mein Kindsein gänzlich niederlegte. Gab es einen bestimmten Moment oder waren es viele? Edna St. Vincent Millay hatte schon recht, als sie sagte: «Kindheit ist nicht von Geburt bis dann und dann, und dann und dann ist das Kind gross und räumt Kindliches weg. Kindheit ist das Königreich, in dem niemand stirbt.» Warum nur wollen alle Kinder gross sein und dieses Königreich verlassen? Warum haben wir es je verlassen? Denn in diesem Königreich lässt normaler Sand Zauberbäume wachsen.

Semira Pfister ist PH-Studentin auf der Sek-I-Stufe

Grausamkeit zum Einschlafen

Seit 2009 schreiben die Tutorinnen und Tutoren des Schreibzentrums schon für das Magazin Akzente  der PH Zürich.
In der Studikolumne der Februar-Ausgabe (1/2022, S. 25) berichtet unsere Tutorin Lisa Thwaini von ihrer Faszination für starke Raubtiere und ihrer Schwäche für grausame Gute-Nacht-Geschichten.

Unbegangene Wege

In seinem berühmten Gedicht «The Road Not Taken» (1915) beschwört Robert Frost das Bild einer Weggabelung im Wald herauf und sinniert über schicksalshafte Entscheidungspunkte.

Der Lehrer John Keating im Spielfilm «Dead Poets Society» (Peter Weir 1989) zitiert Robert Frost und bestärkt seine Schüler darin, eigene Entscheidungen zu treffen.

Das Leben folgt nicht geraden Pfaden. Aber vielleicht sind all die möglichen Verzweigungen in unendlich vielen Paralleluniversen realisiert.


In seinem Medientipp stellt Daniel Ammann zwei Romane und einen Spielfilm vor, in denen das Gedankenspiel Wirklichkeit wird.

Brand

Von Lawrence Beriger

© Adrian Löffel

Mein Leben begann am Sonntagabend in der Nähe von Riazzino, TI. Einer dieser komischen Menschen hat mich ins Leben gerufen – wie unfair, dass es diese waren, die mich dann auch wieder auslöschen wollten! Doch Fairness, soviel steht fest, spielt in diesem schönsten aller Spiele nicht die geringste Rolle.

Der Spaziergänger rauchte in aller Ruhe eine Zigarette, genoss jeden einzelnen Zug. Ich konnte von meiner Spitzenposition aus sehen, wie er zufrieden an der Zigarette saugte und einfach im Moment lebte. Das fand ich schön, jedoch hat er die Glut einmal zu fest abgestossen, sodass ich mich aufteilte und nun leise schwelend auf dem Boden lag. Anfangs dachte ich, dass ich nun da verglühen werde, aber die Trockenheit des Bodens war so lecker, dass ich einfach zubeissen musste. Da ein dürrer Strohhalm und dort eine gestresste Tanne. Die sind die schmackhaftesten, denn die ätherischen Öle munden mir und sind leicht entzündlich. Was für die Menschen eine Windbö, ist für mich wortwörtlich ein Lebenshauch. Inzwischen hatte der nichtsahnende Spaziergänger die Zigarette fertig geraucht, und nun konnte ich mich auf das Festessen im trockenen Wald konzentrieren. Herrliche Bedingungen, die man doch nutzen muss: trockener Frühherbst. Laubblätter am Boden als Garnitur, Tannen und viel totes Holz. Ich frass mich also in aller Ruhe durch den Wald am steilen Hang und wurde immer voller, weshalb ich mehr Platz brauchte.

Dann hörte ich einen Helikopter, der am Lago Maggiore seinen Kessel füllte: man hatte mich entdeckt. In freier Wildbahn werden ich und meinesgleichen nicht gern gesehen. Ich hörte nun auch Sirenen näherkommen und so versuchte ich, himmelwärts zu gehen. Aber von oben kam der Helikopter und vor mir schlängelte sich einer meiner Feinde: der Bach. Für mich ein unüberwindbares Hindernis, wenn er breit genug ist. Der Helikopter bombardierte mich mit Wasser, die Soldaten schossen mit Schaum und Löscher und versuchten mich einzukreisen. Nach einem langen und anstrengenden Kampf liess ich sie gewinnen. Ich hatte meinen Spass gehabt, war gesättigt für eine längere Zeit.

Als die Feuerwehrleute mir immer näherkamen, säte ich meine Sprösslinge überlegt aus, sodass manchmal eine Stelle wieder zu brennen begann, während andere Brandherde erloschen. Ich nenne das scherzhaft Streiche, denn eigentlich gibt es für diese Ausleger kaum Chancen zu überleben, aber den Menschen wird dennoch mulmig zumute – ein herrliches Ablenkungsmanöver! Gegen Montagnachmittag war ich aber definitiv umzingelt und hatte nur noch ein bisschen Boden zur Verfügung, der mir schliesslich ganz entzogen wurde. Es war ein kurzes, aber schönes Wachsein.

Nun schlafe ich, bis ich wieder ins Leben gerufen werde.

Lawrence Beriger studiert an der PH Zürich und ist Tutor am Schreibzentrum

Lernen ist Glück

Wie können Schülerinnen und Schüler in ihrem Lernen unterstützt werden? Wie kann sinnvolles, lustvolles und kreatives Lernen gefördert werden? Mit solchen Fragen beschäftigen sich Hans Berner, Rudolf Isler und Wiltrud Weidinger in ihrem Buch Einfach gut lernen (hep Verlag 2021). Peter Holzwarth, Mitarbeiter des Schreibzentrums, stellt den Titel in Akzente (4/2021, S. 39) vor.

Verwechslungsgefahr

Antonia Rakita
(Illustration: Elisabeth Moch)

Gerne berichte ich Ihnen an dieser Stelle weiterhin von meinen Eindrücken und Erfahrungen, nun aber nicht mehr wie gewohnt als Studentin der PH Zürich, sondern als junge Berufseinsteigerin.

Mit meinen 24 Jahren und einer Körpergrösse von 1.60 Meter kann es schon einmal passieren, dass man mich im Gewimmel der Schülerschaft als eine von ihr verwechselt. Umso peinlicher ist die Situation, wenn man sich dann gegenüber anderen Lehrerkolleginnen und Kollegen rechtfertigen muss, weshalb man die Lehrertoilette benutzt. Die Tatsache, dass mein halbes Gesicht durch eine Maske bedeckt wurde, trug anfangs nicht unbedingt dazu bei, dass man sich dieses im Team besser einprägen konnte. Mittlerweile können wir darüber lachen, womit die erste Hürde geschafft sein sollte. Um meine Arbeitskolleginnen und Kollegen in Schutz zu nehmen: Auch Auswärtige auf Schulreisen brauchen immer einen Moment, um zu realisieren, dass sie es gerade mit der Klassenlehrperson und nicht mit einer übereifrigen und erstaunlich reifen Schülerin zu tun haben. Dieser «Schülerinnen-Effekt» kommt zum guten Glück immer nur dann vor, wenn ich mit einem Haufen Jugendlicher unterwegs bin. Sollte diese Verwechslung eines Tages aufhören, werde ich vielleicht sogar ein bisschen Wehmut verspüren.

Womit ich als Berufseinsteigerin ebenfalls nicht gerechnet habe, zumindest nicht so schnell, ist, wie wenig Zeit ich brauchen werde, um mich von meinem Leben als Studentin zu verabschieden und das neue (Berufs-)Leben als Lehrerin zu verinnerlichen. Ich nehme das als gutes Zeichen dafür, dass ich mich nicht nur für den richtigen Beruf, sondern auch für die richtige Schule und somit das passende Umfeld entschieden habe. Auf dieses Gefühl vertraue ich, besonders deshalb, weil man als Berufseinsteigerin mit einer Vielzahl an Aufgaben und Pflichten beschäftigt ist, weshalb nicht immer Raum bleibt, alles im Detail zu analysieren.

Auf den Zeitpunkt, wo ich auf dieses intensive erste Jahr zurückblicken und selbst darüber staunen kann, wie viel ich gemeistert und dazugelernt habe, freue ich mich jetzt schon wie ein kleines Kind. Oder sollte ich sagen, wie eine junge Schülerin?

Antonia Rakita war Tutorin am Schreibzentrum der PH Zürich und schloss 2021 ihre Ausbildung zur Sekundarlehrerin ab. Sie unterrichtet an der Berufswahlschule Bülach. 
Der Text ist erschienen als Kolumne im Magazin für die Mitarbeitenden der PH Zürich, inside 3/2021, S. 21.

Sechsundzwanzigster Januar

Von Valérie Rust

© Foto: Valérie Rust

Es ist mein sechsundzwanzigster Januar und wohl der leichteste bisher. Die Wolken hängen nicht so tief und lassen dem Himmel Raum zum Atmen. Die tiefstehende Sonne taucht die karge Landschaft in warme Pastelltöne. Wenn ich meine Hand in ihre Strahlen halte, dann glaube ich wirklich daran – dass auch dieses Jahr dem Winter ein Frühling und dem Frühling ein Sommer folgt. Und dann schmerzt mich die Gewissheit weniger – über den Herbst nach dem Sommer und den Winter nach dem Herbst.

In meinem Zimmer ist gutes Wetter und manchmal gehe ich sogar freiwillig raus. Zwar treibt mir die Kälte auch dieses Jahr das Wasser in die Augen und das Rot in die Nasenspitze, aber es ist okay. Mein sechsundzwanzigster Januar ist okay.

Valérie Rust ist Student*in an der PH Zürich und Textildesigner*in

Ablaufdatum für die Jugend

Seit 2009 schreiben die Tutorinnen und Tutoren des Schreibzentrums schon für das Magazin Akzente  der PH Zürich.
In der Novemberausgabe (4/2021, S. 25) denkt unsere Tutorin Laura Bachmann in der Kolumne auf der Studierendenseite übers Älterwerden, neue Verantwortungen und die Metamorphose von Leichtsinn zur Ernsthaftigkeit nach.