Autorschaft: Vom Genie zu Copy-and-paste?

Autorinnen und Autoren saugen sich nicht alles aus den Fingern. Sie stützen sich auf Vorarbeiten von anderen, beziehen sich auf existierende Texte und schreiben auch mal wörtlich ab. Was sagt uns der Blick hinter Zitierregeln und Plagiatsvorwürfe über den Begriff der Autorschaft?, fragt Aurel Jörg in seinem Radiobeitrag «Autorschaft: Vom Genie zu Copy-and-paste?» in der Sendung Reflexe auf Radio SRF 2.
Im Gespräch: Philipp Theisohn, Professor am Deutschen Seminar der Universität Zürich, der  immer wieder als Sachverständiger zu Wort kommt, wenn es um Plagiate und literarisches Eigentum geht.

Asoziale Netzwerke?

Disconnect_012-1_webZwei Jugendliche geben sich im Chat als freizügiges Girl aus und setzen damit leichtfertig das Leben eines Mitschülers aufs Spiel. Ein Ehepaar spricht seit dem Tod seines Babys kaum noch miteinander. Sie sucht in einem Selbsthilfeforum Trost, er lenkt sich online mit Pokerspielen ab. Eine engagierte TV-Reporterin möchte einem Cam-Boy helfen, scheint ihn aber ebenso für ihre Zwecke zu missbrauchen wie der Betreiber der Porno-Website. In seinem Spielfilm Disconnect verwebt Regisseur Henry-Alex Rubin persönliche Schicksale und Parallelgeschichten zu einem Sittenbild der digitalisierten Gesellschaft – und er zeigt, dass «Soziale Medien» unser Zusammenleben nicht einfacher machen.
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Glaube, Liebe und Gesetz

McEwan KindeswohlKindeswohl ist ein Gerichtsdrama in Romanform: In fünf Kapiteln entfaltet sich die Handlung nachgerade lehrbuchmässig entlang der «Technik des Dramas». In der Exposition lernen wir die Heldin Fiona Maye und ihren Gatten Jack an einem Sonntagabend zu Hause kennen. Ein ehelicher Eklat macht den Auftakt, daneben erfahren wir viel über Fionas Alltag als Richterin am High Court, wo sie täglich diffizile Entscheidungen in Familienrechtsfragen fällt. Ein Anruf ihres Sekretärs kündigt den Fall an, um den es im Buch vor allem gehen wird: Ein Spital verlangt ein Eilverfahren und einen richterlichen Entscheid, damit ein 17-jähriger Leukämiepatient mittels Bluttransfusion behandelt werden darf. Die Eltern sowie der Jugendliche sind Zeugen Jehovas und lehnen die Behandlung aus religiöser Überzeugung ab.

Ausführliche Besprechung von Thomas Hermann in der NZZ vom 13. Jan. 2015, S. 41.

Ian McEwan
Kindeswohl
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Aus dem Englischen von Werner Schmitz.
Zürich: Diogenes, 2015. 224 Seiten.

Diogenes-Hörbuch, 5 CDs, 6 Std. 17 Min. Gelesen von Eva Mattes.
Hörprobe:

 

Reflexion im Portfolio

bräuer_Portfolio als Reflexionsmedium_coverDie Begriffe ‹Reflexion› und ‹Portfolio› lösen nicht nur positive Reaktion aus – sowohl bei Studierenden als auch bei Dozierenden. Indem angehende Lehrpersonen Praxis und Theorie verknüpfen, sollen sie zu lebenslangem Lernen angeregt werden. Auch Schreibpädagoge Gerd Bräuer geht von dieser Idealvorstellung aus und skizziert in seinem Vademecum schreibdidaktische Szenarien zu einer reflexiven Praxis. Er differenziert hierarchische Ebenen der Reflexion, welche die Studierenden auf ihrem Weg durchlaufen. In der wiederkehrenden Rubrik «Ideen für Ihre Lehre» gibt Bräuer praxiserprobte Vorschläge, wie Reflexionen in Lehrveranstaltungen eingesetzt und weiterentwickelt werden. Grossen Wert legt der Autor darauf, E-Portfolios anzupreisen. Diese schaffen seiner Meinung nach einen Mehrwert, indem sie unterschiedliche Dokumenttypen vereinen und neue Zusammenhänge erschliessen lassen. – Kurzrezension von Yves Furer aus den Medientipps der Zeitschrift «Akzente» 4 (2014): S. 35.

Gerd Bräuer
Das Portfolio als Reflexionsmedium für Lehrende und Studierende.
Opladen: Verlag Barbara Budrich, 2014. 128 Seiten.

Hörspiel-Tipp: Biss ins Gewissen

In meinem Hals steckt eine Weltkugel (CD-Cover)In Gerhard Meisters Hörspiel ist die Welt ein Ekel. Auf der einen Hälfte ersticken fette Zyniker im Überfluss, auf der andern setzen Notleidende ihre Arbeit «in einer Kruste von Erbrochenem» fort. Im Stück besprechen vier Stimmen, wie man sich in dieser Welt verhalten soll: «Soll ich auf mein Handy verzichten, weil ich weiss, unter welchen Bedingungen in Afrika Koltan abgebaut wird?» An Themen wie Organhandel oder Wohlstandsstress werden moralische Dilemmata beurteilt und zwingen einen zu einer Haltung irgendwo zwischen Gleichgültigkeit, Mitgefühl und Aktion. Das ist ein starkes Stück. Die Zuspitzungen führen aber auch zu Pauschalisierungen: Hier reich und narzisstisch, dort arm und bedürftig. Kurzatmig getaktete Redebeiträge verstärken die bedrohliche Stimmung, die mit dunklen Bässen und Hintergrundtönen erzeugt wird. Tipp: Zum Hörspiel gibt es bei «Éducation 21» ein Begleitdossier für den Unterricht.

Hörprobe:

Gerhard Meister. In meinem Hals steckt eine Weltkugel. Ein Hörspiel.
Mit Peter Brombacher, Katja Reinke, Sebastian Rudolph, Bettina Stucky. Musik: Martin Schütz. Regie: Erik Altorfer. Technik: Mirjam Emmenegger. Dramaturgie, Redaktion: Fritz Zaugg. Illustration, Layout: Luca Schenardi. Produktion Hörspiel: SRF 2012.
Luzern: Der gesunde Menschenversand, 2013. Audio-CD, 52 Min.

Das Hörspiel wurde nominiert für den Prix Europa 2013 und den Grand Prix Nova 2014. Die Gestaltung des CD-Covers von Luca Schenardi wurde nominiert für Die Besten 2014 (Hochparterre) Kategorie Design.

(Medientipp von Alex Rickert aus der Zeitschrift Akzente 4 (2014): S. 34.

Schulklasse in Sambia

Foto: © Usula Schwarb, 2014
Foto: © Usula Schwarb, 2014

Unser erster Blick auf das Bild wird vom Kind im Vordergrund erwidert. Schauen wir genauer hin, stellen wir fest, dass gleich mehrere Augenpaare auf uns gerichtet sind. So lassen wir uns von Fotos gerne täuschen, denn die Kinder blicken ja nicht uns an, sondern die Fotografin. Wir nehmen ihre Perspektive beim Betrachten unweigerlich ein und fühlen uns vom Bild direkt angesprochen.

Die Fotografin Ursula Schwarb hat im Sommer 2014 im Rahmen eines Freiwilligeneinsatzes fünf Wochen lang in einer Schule in der Stadt Livingstone in Sambia gearbeitet. Dabei hat sie die Klassenlehrerin beim Unterrichten und die Kinder beim Lernen unterstützt. Wandtafel und Kinderzeichnungen wirken im Gegensatz zum Schulzimmer vertraut. Tatsächlich befinden sich die Kinder in einer Turnhalle, in der gleichzeitig zwei weitere Klassen unterrichtet werden. Wir können uns vorstellen, wie eine solche Lernumgebung manchmal zur Lärmumgebung wird. Ordnung ist deshalb besonders wichtig. Ursula Schwarb setzt diese Ordnung ins Bild. Sie nimmt die im Quadrat sitzenden Zweitklässlerinnen und Zweitklässler über eine Diagonale auf. Die linke Seite des Quadrats läuft auf die Wandtafel mit dem Schulstoff hin, die rechte Seite auf die offene Türe und das Licht. Die Klassenlehrerin steht als Dreh- und Angelpunkt des Unterrichts auf der Mittelachse des Bildes.

(Fotografisches Fundstück von Thomas Hermann aus der Zeitschrift «Akzente» 4 (2014): S. 38.)

Doctorows Piratenkino

Pirate CinemaAutor, Blogger und Internetaktivist Cory Doctorow ist ein begnadeter Erzähler, der seine Anliegen auch in packenden Jugendromanen zum Thema macht. In seinem jüngsten Werk geht es um Filmkunst, Kreativität und Copyright im digitalen Zeitalter.
Der 16-jährige Ich-Erzähler Trent McCauley ist so etwas wie ein cineastischer DJ. Sämtliche Streifen seines Filmidols lädt er aus dem Netz herunter und montiert die Clips liebevoll zu neuen Abenteuern. Die Mashups finden eine schnell wachsende Fangemeinde, aber den mächtigen Filmstudios und ihren politischen Vasallen sind solche Machwerke ein Dorn im Auge. Selbst Teenager wandern hinter Gitter, wenn sich auf ihren Festplatten Songs und Filme finden, für die sie nicht bezahlt haben.
Der junge Remix-Künstler Trent sagt den Grosskonzernen auf kreative Weise den Kampf an und demonstriert der Welt, dass man auch ohne Kamera gute Filme produzieren kann.

Cory Doctorow
Pirate Cinema.
Aus dem Amerikanischen von Oliver Plaschka.
München: Wilhelm Heyne, 2014. 510 Seiten. Ab 14 Jahren.

Die ganze Rezension finden Sie in «Bücher am Sonntag» vom 7.12.2014, S. 14.

Tutorinnen und Tutoren schreiben für «Akzente»: Die Studi-Kolumne 4/2014

Akzente2014-4_cover_webSeit 2009 schreiben die Tutorinnen und Tutoren des Schreibzentrums für das Magazin der PH Zürich. In Heft 4/2014 von «Akzente» zum Thema «Beurteilung» denkt Annigna Carisch auf Seite‎ 25 über Klatsch und Tratsch und die Last der Listen nach.

Ausstudiert – die Studierenden-Kolumne:
Annigna Carisch: «Alles nur Klatsch?»

Ich lach dich tot – #3: Zoras Lachen

Ich lach dich tot«Zora war hässlich.

Zumindest gerade hässlich genug, um die Aufmerksamkeit eines verzweifelten Casanovas auf sich zu lenken, der für eine viel zu lange Zeit glücklos geblieben war und deshalb lieber seine Ansprüche verringerte, als sich ein Scheitern einzugestehen.

An jenem Abend war ich dieser glücklose Casanova – und habe Zora kennengelernt. Sie war hässlich, keine Frage, aber sie konnte lachen. Mein Gott, konnte Zora lachen.»

An einem milden Novemberabend wurden die Besucherinnen und Besucher der Therabierbar an der PH Zürich animiert, aus dem Stegreif eine Geschichte zu erzählen. Es folgten zwei Anlässe, an denen weitere Geschichten, Anekdoten und Gedichte gesammelt wurden. Das daraus entstandene Büchlein enthält ausgewählte heitere und makabere Beiträge, die schnell gesprochen und flott geschrieben wurden.

Bereits seit 2009 entsteht so jedes Jahr ein Büchlein. Gedruckte Exemplare aller Jahre können weiterhin zu je CHF 2.– beim Schreibzentrum erworben werden.

Ian McEwan im Nebel von Heidenreichstein

Literatur im Nebel 2014Wo kriegt man die Gelegenheit, sich zwei Tage lang in Anwesenheit eines international gefeierten Autors intensiv mit dessen Werk auseinanderzusetzen? – Im kleinen und ansonsten weitgehend unbekannten Heidenreichstein in Niederösterreich. Nach Grössen wie Salman Rushdie, Amos Oz oder Margaret Atwood beehrte dieses Jahr Ian McEwan die 4000-Seelen-Gemeinde.

Lesungen, Referate und Podiumsgespräche mit dem Autor selbst spannten einen Bogen über McEwans gesamtes Romanwerk von mehr als 35 Jahren. Thomas Hermann war dabei und hält in «Literarische Prominenz in der Provinz» (06.10.2014) im Journal21 Rückschau auf die sympathische Veranstaltung.