Q&A Zitieren #6: Kann ich auch das Zitat vom Zitat?

Lieber nicht. So genannte Sekundärzitate – also Textstellen, die schon der Verfasser aus einer anderen Quelle zitiert hat – sollten tunlichst vermieden werden. Es sieht dann bald mal nach Bequemlichkeit aus. Besser ist es in jedem Fall, die Originalquelle aufzutreiben und direkt daraus zu zitieren. Das bringt Freude und fördert die Recherchekompetenz.

Weitere Infos finden Sie im A–Z zum Zitieren.

Q&A Zitieren #5: A–Z zum wissenschaftlichen Schreiben

Chicago_Leporello_cover_webNach wie vor erreichen uns viele Anfragen rund ums Zitieren. Oft geht es lediglich um formale Finessen oder Details, für die sich mit etwas Kreativität und in Anlehnung an ähnliche Beispiele auf der Zitierseite ohne Weiteres eine Lösung finden liesse. Wichtig ist und bleibt, dass die zitierte Quelle sinnvoll und vertrauenswürdig ist, dass sie genau bezeichnet wird und nach Möglichkeit auch für andere Leserinnen und Leser einsehbar ist.

Unter der Rubrik «Spielregeln des wissenschaftlichen Schreibens«A–Z» entsteht im Studiweb ein kleines Nachschlagewerk zu Spezialfällen und häufigen Fragen des wissenschaftlichen Zitierens.

Wie sehen die Angaben zu einem Lehrmittel aus? Was ist eigentlich «graue» Literatur? Muss ich alle 15 Autorenangaben aufführen? Braucht es bei einem Blockzitat Anführungszeichen? Wie zitiere ich aus dem Volksschulgesetzt oder einem Modulskript der PH Zürich? Was bedeutet et al. und wo wird die Abkürzung verwendet? Darf ich auch Fussnoten setzen, wenn ich nach dem Autor-Jahr-System arbeite? Weitere Beispiele zu Internetquellen, Kursivsetzung und Selbstplagiaten folgen.

Q&A Zitieren #4: Kann ich auch E-Books?

Immer häufiger spielen beim Lesen und für die Recherche elektronische Bücher eine Rolle. E-Books habe viele Vorteile. Sie können online konsultiert, auf mobilen Geräten gespeichert, mit Notizen versehen und dank Volltextzugriff durchsucht werden.
Zahlreiche Bibliotheken bieten bereits kostenlos Zugriff auf E-Ressourcen unterschiedlicher Fachverlage.

E-Books können analog zu gedruckten Werken in die Literaturliste übernommen werden. Am Ende des Eintrags sollte allerdings – gleich wie bei DVDs, Hörbüchern und Audio-CDs – in einem Zusatz das Medienformat genannt werden (PDF-E-Book, Kindle Edition oder Ähnliches). Ein Beispiel:

Gladwell, Malcolm. 2009. Überflieger: Warum manche Menschen erfolgreich sind – und andere nicht. Aus dem Englischen von Jürgen Neubauer. Frankfurt/M.: Campus. E-Book (ePub).

Blick_ins_Buch_Amazon_GladwellSelbstverständlich kann man aus solchen digitalen Veröffentlichungen ebenso zitieren wie aus gedruckten Büchern. Da E-Books in der Regel aber keine fixe Seiteneinteilung (Paginierung) aufweisen, sollte beim Zitieren auf das jeweilige Kapitel oder den nummerierten Buchabschnitt verwiesen werden.
Eine Ausnahme bilden PDF-E-Books mit identischer Paginierung wie das gedruckte Exemplar oder ePub-Ausgaben, in denen die Seitenzahlen der Printausgabe (in Klammern oder grauer Schrift) in den Text eingefügt sind, wie das im folgenden Beispiel der Fall ist:

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In einem Kurzbeleg im Text würde diese Passage als Zitat wie folgt ausgewiesen:
«Allmählich sah Wolf ein, dass das Geheimnis von Roseto weder Sport noch Ernährung noch die Gene oder die gesunde Umwelt waren. Es musste also an Roseto selbst liegen» (Gladwell 2009, 14–15).

Da die meisten E-Books gleichzeitig als Printversion erhältlich sind, empfiehlt es sich, in einer wissenschaftlichen Arbeit mit der gedruckten Ausgabe zu arbeiten. Die im eigenen Text verwendeten Zitate werden am Schluss einfach im Exemplar der Bibliothek nachgeschlagen und lassen sich so mit exakter Seitenangabe belegen. 

 

Auf dem Schulweg

Foto: © Odd Andersen, Keystone
Foto: © Odd Andersen, Keystone

«Auch der Schulweg bildet.» Das verspricht etwa die Webseite schulweg-bildet.ch. Kinder, die ihren Schulweg alleine oder mit ihren Peers zurücklegen, lernen Selbstverantwortung zu übernehmen, sich im Strassenverkehr selbständig zu bewegen und können sich «ungestört mit Gleichaltrigen austauschen», wie es auf
der Seite heisst. Wer möchte da widersprechen. Nicht überall auf der Welt stellt der Verkehr aber die grösste Gefahr dar. Das Bild mit den drei Buben zeigt, wie ein Schulweg in einem Kriegsgebiet aussehen kann. Das schöne Wetter und die Gelassenheit, mit der sich die Jungen auf dem Heimweg bewegen oder pausieren, kontrastieren scharf mit dem Trümmerfeld, das sie durchqueren. Was lernen diese Kinder wohl auf ihrem Schulweg?

Der Fotograf Odd Andersen hat das Bild am 10. Dezember 2001 aufgenommen. Sechs Tage zuvor wurden hier bei einem Luftangriff ein Polizist getötet, mehrere Schulkinder verletzt und dutzende Gräber zerstört, wie es in der Legende zum Foto bei Keystone heisst. Dass das Bild in Gaza aufgenommen wurde und dass die Gebäude und der angrenzende Friedhof von israelischen Kampfjets zerstört worden sind, spielt in diesem Zusammenhang eine untergeordnete Rolle. Die Liste von Kriegsgebieten ist derzeit so lange, dass die drei Buben stellvertretend für zahllose Kinder verschiedener nationaler oder ethnischer Gruppen stehen, die täglich massiven Bedrohungen ausgesetzt sind.

(Fotografisches Fundstück von Thomas Hermann aus der Zeitschrift «Akzente» 2 (2015): S. 42.)

Tutorinnen und Tutoren schreiben für «Akzente»: Die Studi-Kolumne 2/15

Akzente_2015-2_Blog_coverSeit 2009 schreiben die Tutorinnen und Tutoren des Schreibzentrums für das Magazin der PH Zürich. In Heft 2/2015 von «Akzente» zum Thema «Heterogenität – Umgang mit Vielfalt im Schulalltag» wundert sich Gabriel M. Sánchez auf Seite‎ 27 über ominöse ‹unisichtbare Hände›, die den Markt regulieren.

Ausstudiert – die Studierenden-Kolumne:
Gabriel M. Sánchez: «The Invisible Hand» (und als PDF hier).

Produktives Aufschieben

Voller Esprit und Selbstironie nimmt sich der amerikanische Philosoph John Perry in The Art of Procrastination (dt. Einfach liegen lassen) einer Schwäche an, die den meisten nur zu gut vertraut ist. Statt der Aufgabe, die wir uns vorgenommen haben, wenden wir uns lustvoll etwas anderem zu. Wir verplempern kostbare Zeit im Internet, starten ein neues Projekt oder widmen uns hingebungsvoll einer Mail-Anfrage, deren Beantwortung weder eilt noch in dieser Ausführlichkeit gerechtfertigt ist.Procrastination Workshop postponedWie Perry in seinem erfrischenden Plädoyer zeigt, hat das keineswegs mit Faulheit, Willensschwäche oder mangelnder Disziplin zu tun. Viele der strukturierten Aufschieber, wie er sie nennt, sind sogar ausgesprochen tüchtig und produktiv. Sie arbeiten einfach lieber an Dingen, die nicht zuoberst auf der Prioritätenliste stehen – zumindest so lange, bis etwas Unwichtigeres dazwischenkommt oder der Abgabedruck einer anstehenden Arbeit unerträglich wird. Das hat auch Vorteile, denn was wir liegen lassen, erledigt sich zuweilen von selbst.

Kurzrezension aus den Medientipps der Zeitschrift «Akzente» 2 (2015): S. 38.

Einfach liegen lassen von John Perry
John Perry
Einfach liegen lassen: Das Buch vom effektiven Arbeiten durch gezieltes Nichtstun.
München: Goldmann, 2015. 125 Seiten.

 

arte-Beitrag über John Perry und «The Art of Procrastination» unter tracks.arte.tv/de/art-procrastination

Trittsteine zum effizienten Schreiben

mayer_300_Tipps_coverAlle paar Wochen – so fühlt es sich an – erscheint ein neuer Ratgeber zum wissenschaftlichen Schreiben im Studium. Die durchwegs gut gemeinten Handreichungen beschäftigen sich mit der Vorbereitung und Strukturierung schriftlicher Arbeiten, der Literaturrecherche, dem Ausformulieren des Textes und der gewissenhaften Überarbeitung und Schlussredaktion. Angereichert wird das Ganze mit allerlei Tipps zur Zeitplanung, für die Layout-Gestaltung, das Zitieren oder den kreativen Umgang mit Schreibblockaden. Weil beim Verfassen einer grösseren Arbeit einiges an Anforderungen und Ansprüchen zusammenkommt, fühlen sich nicht alle Studierende dem wissenschaftlichen Schreiben gewachsen. Da tut Hilfe not.
Philipp Mayer fügt den zahlreichen Leitfäden und Handreichungen kein weiteres Manual hinzu. Vielmehr fasst er das Wichtigste noch einmal zusammen und reiht seine 300 Tipps wie Kalendersprüche auf. Die kurzweiligen Merkpunkte und Gebote bringen vieles auf den Punkt, was es für Novizen wie Schreiberfahrene zu beherzigen und immer wieder zu üben gilt. Jedes der elf Kapitel schliesst zudem mit Lektüre-Empfehlungen zur weiteren Vertiefung.
Die Anregungen sind zwar thematisch gruppiert, aber ein Schlagwortregister wäre für den schnellen Zugriff dennoch von Nutzen. Ausserdem handelt es sich bei manch einem Tipp um eine Plattitüde, die im Schreiballtag nicht ohne Weiteres umzusetzen ist. «Lassen Sie Ihre Texte wachsen so wie Perlen wachsen», heisst es da fast poetisch. «Ergänzen Sie bei jeder Sitzung eine weitere Schicht.» – Schön und gut, aber wie das funktioniert, lässt sich nur durch kontinuierliche Praxis und Geduld entdecken.

Philipp Mayer
300 Tipps fürs wissenschaftliche Schreiben.
UTB 4311. Paderborn: Schöningh, 2015. 138 Seiten.

Q&A Zitieren #3: Wie genau ist genau?

Abschreiben ist ausdrücklich erlaubt – sogar erwünscht. Sie können sich ja in einer wissenschaftlichen Arbeit nicht alles aus den Fingern saugen. Nur dürfen Sie halt Anführungszeichen und Quellenangabe nicht unterschlagen. Aber damit nicht genug. Die Formel mit den «drei E» verlangt nämlich, dass Sie Zitate in Ihrer Arbeit nicht nur eindeutig und einheiltlich kennzeichnen, sondern den Originaltext möglichst exakt wiedergeben. Das betrifft zum einen die genaue Formulierung und Schreibweise, zum anderen die Bedeutung. Wenn Sie in einem zitierten Satz ein «nicht» weglassen und den Sinn  ins Gegenteil verwandeln, nützen auch die eckigen Klammern nichts. Das Gleiche gilt, wenn Sie den Kontext so beschneiden, dass die Aussage in einem anderen Licht erscheint.

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Q&A Zitieren #2: «Wer hat’s erfunden?»

In einem Lexikon, auf einer Webseite oder in einem Zeitschriftenartikel stossen Sie auf das Zitat eines Schriftstellers, einer Politikerin oder Philosophin. Wie müssen Sie vorgehen, wenn Sie die Textstelle in Ihre Arbeit übernehmen möchten? Reicht da die Angabe des Lexikons, der Internetseite oder ein Hinweis auf den Sternstunde-Moderator? – Wo denken Sie hin!

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Autorschaft: Vom Genie zu Copy-and-paste?

Autorinnen und Autoren saugen sich nicht alles aus den Fingern. Sie stützen sich auf Vorarbeiten von anderen, beziehen sich auf existierende Texte und schreiben auch mal wörtlich ab. Was sagt uns der Blick hinter Zitierregeln und Plagiatsvorwürfe über den Begriff der Autorschaft?, fragt Aurel Jörg in seinem Radiobeitrag «Autorschaft: Vom Genie zu Copy-and-paste?» in der Sendung Reflexe auf Radio SRF 2.
Im Gespräch: Philipp Theisohn, Professor am Deutschen Seminar der Universität Zürich, der  immer wieder als Sachverständiger zu Wort kommt, wenn es um Plagiate und literarisches Eigentum geht.