FAQ – Evergreens aus der Schreibberatung – #18

FAQHäufig gestellte Frage: «Wie werde ich Member des Schreibzentrums?»

Unsere Antwort: Du meldest dich im Studiweb als Member des Schreibzentrums an. Am einfachsten geht es folgendermassen: Logge dich zuerst in «Mein Studium» ein, gehe dann auf «Dienstleistungen» und dort auf die Seite des Schreibzentrums. Den Link für die Anmeldung findest du auf der Startseite des Schreibzentrums. Nachdem du dich angemeldet hast, wirst du eine Rechnung über 25 Franken erhalten, ein symbolischer Beitrag dafür, alle Dienste des Schreibzentrums nutzen zu können.

Ian McEwan im Nebel von Heidenreichstein

Literatur im Nebel 2014Wo kriegt man die Gelegenheit, sich zwei Tage lang in Anwesenheit eines international gefeierten Autors intensiv mit dessen Werk auseinanderzusetzen? – Im kleinen und ansonsten weitgehend unbekannten Heidenreichstein in Niederösterreich. Nach Grössen wie Salman Rushdie, Amos Oz oder Margaret Atwood beehrte dieses Jahr Ian McEwan die 4000-Seelen-Gemeinde.

Lesungen, Referate und Podiumsgespräche mit dem Autor selbst spannten einen Bogen über McEwans gesamtes Romanwerk von mehr als 35 Jahren. Thomas Hermann war dabei und hält in «Literarische Prominenz in der Provinz» (06.10.2014) im Journal21 Rückschau auf die sympathische Veranstaltung.

Utopische Reise

Reise nach Kalino«Seit Julius Werkazy zurückdenken konnte, teilte er Probleme in zwei Kategorien ein: in solche, denen er ausweichen konnte, wie unbezahlte Rechnungen, und in solche, die er wohl nie loswerden würde, wie seinen eigenen Namen.» Bald hat der Detektiv alter Schule noch ganz andere Probleme am Hals. In der geheimnisvollen und futuristischen Stadt Kalino, in der die ewig jungen Menschen keinen Tod kennen, wurde ein Mord verübt. Der Gründer höchstpersönlich lädt Werkazy ins abgeschottete Paradies ein, um den Fall zu lösen. Aber wie sich zeigt, verbergen sich hinter den glücklich-oberfächlichen Fassaden auch dunkle Abgründe. Werkazy hält sich nichts ans Protokoll und mischt sich gleich am ersten Tag unters Volk. Wissen die Kalinianer, wie ihnen geschieht? Leben sie tatsächlich in einem Himmel auf Erden oder sind sie in einem seelenlosen Höllenlimbus gefangen?

Radek Knapp spielt geschickt mit utopischen Motiven und Elementen der Science-Fiction, erzählt aber eine altmodische Detektivgeschichte, die auf verblüffende und verstörende Weise den Irrsinn unserer Welt spiegelt.

Radek Knapp
Reise nach Kalino.
München u. Zürich: Piper, 2012.
255 Seiten

Ich lach dich tot – #2: Plié

Ich lach dich tot«Ich war nervös. Meine Lippen waren wund, weil ich auf ihnen herumkaute. Eigentlich war dies unangenehm, aber lassen konnte ich es trotzdem nicht. Ich sass im Zug, schaute aus dem Fenster und fragte mich, ob man mir meine Anspannung ansah.»

An einem milden Novemberabend wurden die Besucherinnen und Besucher der Therabierbar an der PH Zürich animiert, aus dem Stegreif eine Geschichte zu erzählen. Es folgten zwei Anlässe, an denen weitere Geschichten, Anekdoten und Gedichte gesammelt wurden. Das daraus entstandene Büchlein enthält ausgewählte heitere und makabere Beiträge, die schnell gesprochen und flott geschrieben wurden.

Bereits seit 2009 entsteht so jedes Jahr ein Büchlein. Gedruckte Exemplare aller Jahre können weiterhin zu je CHF 2.– beim Schreibzentrum erworben werden.

Reisen macht sprachlos

«Wenn einer eine Reise tut, so kann er nichts erzählen: Dies fiel mir schon ziemlich früh auf.»Cover Aichinger

Auf diese Provokation von Ilse Aichinger in den ersten Buchzeilen ist man geneigt zu kontern: Sind es nicht gerade die Begegnungen mit dem Fremden, die einem die Augen öffnen? Zugestanden: Nicht jeder Autor gewinnt dem Reisen so viel ab wie ein Christoph Ransmayr. Charles Baudelaire zum Beispiel scheiterte gründlich. Als er im 19. Jahrhundert per Schiff nach Indien wollte, um auf andere Gedanken zu kommen, hielt er es nur bis La Réunion aus. Er nahm dort das nächstbeste Schiff zurück in seine Pariser Heimat. Die ihm bekannten Wege inspirierten ihn weit mehr als alles Fremde.

Auch Isle Aichinger geht immer wieder die gleichen Wege. Konkret: jenen zwischen ihrer Wohnung in einem Wiener Hochhaus und dem Café «Demel». Dort findet sie ihre Geschichte(n). Die Aufzeichnungen beginnen am 11. September 2001 mit dem Attentat auf New York und enden mit der Verleihung des Nobelpreises für Literatur an Elfriede Jelinek. Man darf gespannt sein, wie weit Aichinger mit ihren Reiseutensilien – Papier und Bleistift – kommt.

Ilse Aichinger
Unglaubwürdige Reisen
Frankfurt am Main: Fischer, 2005. 187 Seiten

FAQ – Evergreens aus der Schreibberatung – #17

FAQHäufig gestellte Frage: «Was sind die wichtigsten Änderungen, die mit der neuen Zitierweise einhergehen?»

Unsere Antwort: Wie schon im letzten FAQ-Beitrag geschrieben, wird die offizielle Zitierweise an der PH‏ Zürich ab FS 15 dem Chicago Manual of Style folgen. Im Vergleich zur Arbeit mit dem Leitfaden gibt es neben einigen kleineren auch drei grössere Änderungen:

  • Neu hast du die Wahl, ob du mit dem Autor-Jahr-System (Kurzbeleg im Text) oder mit dem Fussnoten-System arbeiten willst. Unser Tipp: Entscheide dich für eines der Systeme und bleibe dabei. Grundsätzlich sind die beiden Systeme ähnlich, die Darstellungsform, z. B. die Position der Jahreszahl im Literaturverzeichnis, ist allerdings etwas unterschiedlich.
  • Im Literatur- und Quellenverzeichnis wird neu unterschieden zwischen selbständigen und unselbständigen Publikationen. Beispiel einer unselbständigen Publikation ist ein Artikel in einem Sammelband oder einer Zeitschrift. Die Titel selbständiger Publikationen schreibst du neu kursiv, die Titel unselbständiger Publikationen hingegen nicht, dafür in Anführungszeichen.
  • Im Literatur- und Quellenverzeichnis werden die Vornamen neu zwingend ausgeschrieben. (Wurde bisher nur empfohlen.)

Chicago_Leporello_cover_webDie neuen Regeln werden niemanden überfordern. Aber sie müssen zur Kenntnis genommen, vielleicht etwas eingeübt und schliesslich angewendet werden. Genauere Infos dazu findest du

Von Menschen und Schwänen

Foto: © Hans-Peter Klauser / Fotostiftung Schweiz
Foto: © Hans-Peter Klauser / Fotostiftung Schweiz

Fotos erzählen Geschichten, im vorliegenden Fall zum Beispiel diese: Ein grosser weisser Schwan ging mit seinen grauen Schwanenkindern an Land, um Menschen anzusehen. Da trafen sie auf einen grossen schwarzen Mann mit vielen kleinen Menschlein. «Da schaut her», sagte der Schwan, «das sind Männedorfer. Sie leben in Häusern. Im Sommer kommen sie auf den See. Die Menschenkinder machen viel Lärm und spritzen wild um sich. Menschen schwimmen nicht so ruhig wie wir Schwäne.»
Der Lehrer seinerseits dürfte seinen Schülerinnen und Schülern auf dem naturkundlichen Streifzug zum Seeufer analoge Informationen über die Schwäne mit auf den Weg gegeben haben. Er überragt die Kinderschar, und seine Körperhaltung steht im Kontrast zur Ehrfurcht, der Neugierde und der Belustigung, die seine Schülerinnen und Schüler ausstrahlen. Er doziert und ist im Element.
Das Bild hat der Fotograf Hans-Peter Klauser 1936 in Männedorf aus der Schwanenperspektive aufgenommen. Es überrascht durch die Gegenüberstellung von Schwan und Lehrer, die sich auf Augenhöhe zu begegnen scheinen. Die Kinder und die jungen Schwäne mustern einander und bilden zwei konzentrische Halbkreise. Der Junge mit dem Fahrrad ist wie der Fotograf ein Aussenstehender. Er scheint vom Landgang der Schwäne fasziniert zu sein. Der Fotograf erkennt den Charme der Szene, bannt sie auf Film und erzählt uns so seine eigene kleine Geschichte.

(Fotografisches Fundstück von Thomas Hermann aus der Zeitschrift «Akzente» 3 (2014): S. 38.)

Tutorinnen und Tutoren schreiben für «Akzente»: Die Studi-Kolumne 3/2014

Akzente 3/2014: «Elternarbeit»Seit 2009 schreiben die Tutorinnen und Tutoren des Schreibzentrums für das Magazin der PH Zürich (neu: «Akzente»). In Heft 3/2014 zum Thema «Elternarbeit» denkt Carmen Luzi auf Seite‎ 25 über gute Vorsätze nach.

Ausstudiert – die Studierenden-Kolumne:
Carmen Luzi: «Und nächstes Mal … wird alles anders!»

Ich lach dich tot – #1: Ein ganz normaler Tag in Simbabwe

Ich lach dich tot«Mein Chef stellte früh morgens fest, dass heute der letzte Tag war, um unsere Auto-Vignetten zu erneuern. Ja, das gehört zu meinen Augaben. «Ich gebe dir die nötigen Unterlagen mit und du gehst zur Post. Dort wirst du alles finden!» rief er aus seinem Auto. «Ja, aber…?» Zu spät. Bis ich meine Frage ausgesprochen hatte, war er schon weg. Ich schaute verwirrt die Papiere an und dachte: «Naja, es wird ja wohl nicht so schwierig sein, diese Vignette zu bekommen.»»

An einem milden Novemberabend wurden die Besucherinnen und Besucher der Therabierbar an der PH Zürich animiert, aus dem Stegreif eine Geschichte zu erzählen. Es folgten zwei Anlässe, an denen weitere Geschichten, Anekdoten und Gedichte gesammelt wurden. Das daraus entstandene Büchlein enthält ausgewählte heitere und makabere Beiträge, die schnell gesprochen und flott geschrieben wurden.

Bereits seit 2009 entsteht so jedes Jahr ein Büchlein. Gedruckte Exemplare aller Jahre können weiterhin zu je CHF 2.– beim Schreibzentrum erworben werden.

Also …

«Also, es fängt damit an, dass ich bei Fisch-Gosch in List auf Sylt stehe und ein Jever aus der Flasche trinke.»

FaserlandWelche Geschichte wird uns die Person wohl erzählen? Der Buchtitel Faserland und die  Kapitelüberschrift «Eins» helfen nicht weiter. Wir wissen einzig: «Es» fängt jetzt an. Die Frage ist was? Möglicherweise ist «es» die Anekdote, die man einem Kumpel erzählen würde. Vielleicht beginnt hier auch eine Reise. Die Person befindet sich ja auf Sylt und trinkt ein Bier.

Einen zusätzlichen Hinweis liefert eines der Referenzzitate vor Romanbeginn:
«Give me, give me – pronto – Amaretto»
(The Would-Be-Goods)

So viel soll verraten sein: Die Person ist ein steinreicher Schnösel mit grossem Durst. Zwischen Partys und Hoffnungslosigkeit reist er von Sylt bis nach Kilchberg an den Zürichsee. Beim Erscheinen des Buches 1995 erntete es von den Feuilletons 90 Verrisse und nur 2 lobende Rezensionen. Mittlerweile hat das Buch Kultstatus und wurde in acht Sprachen übersetzt. Zu seinen Verehrern gehören unter anderem Daniel Kehlmann und Harald Schmidt, der den Autor Christian Kracht auch mal in seine Late Night Show eingeladen hat.

Christian Kracht
Faserland.
Köln: Kiepenheuer & Witsch, 1995. 166 Seiten.