Seit 2009 schreiben die Tutorinnen und Tutoren des Schreibzentrums schon für das Magazin Akzente der PH Zürich. In der Studikolumne der Februar-Ausgabe (1/2022, S. 25) berichtet unsere Tutorin Lisa Thwaini von ihrer Faszination für starke Raubtiere und ihrer Schwäche für grausame Gute-Nacht-Geschichten.
Mein Leben begann am Sonntagabend in der Nähe von Riazzino, TI. Einer dieser komischen Menschen hat mich ins Leben gerufen – wie unfair, dass es diese waren, die mich dann auch wieder auslöschen wollten! Doch Fairness, soviel steht fest, spielt in diesem schönsten aller Spiele nicht die geringste Rolle.
Der Spaziergänger rauchte in aller Ruhe eine Zigarette, genoss jeden einzelnen Zug. Ich konnte von meiner Spitzenposition aus sehen, wie er zufrieden an der Zigarette saugte und einfach im Moment lebte. Das fand ich schön, jedoch hat er die Glut einmal zu fest abgestossen, sodass ich mich aufteilte und nun leise schwelend auf dem Boden lag. Anfangs dachte ich, dass ich nun da verglühen werde, aber die Trockenheit des Bodens war so lecker, dass ich einfach zubeissen musste. Da ein dürrer Strohhalm und dort eine gestresste Tanne. Die sind die schmackhaftesten, denn die ätherischen Öle munden mir und sind leicht entzündlich. Was für die Menschen eine Windbö, ist für mich wortwörtlich ein Lebenshauch. Inzwischen hatte der nichtsahnende Spaziergänger die Zigarette fertig geraucht, und nun konnte ich mich auf das Festessen im trockenen Wald konzentrieren. Herrliche Bedingungen, die man doch nutzen muss: trockener Frühherbst. Laubblätter am Boden als Garnitur, Tannen und viel totes Holz. Ich frass mich also in aller Ruhe durch den Wald am steilen Hang und wurde immer voller, weshalb ich mehr Platz brauchte.
Dann hörte ich einen Helikopter, der am Lago Maggiore seinen Kessel füllte: man hatte mich entdeckt. In freier Wildbahn werden ich und meinesgleichen nicht gern gesehen. Ich hörte nun auch Sirenen näherkommen und so versuchte ich, himmelwärts zu gehen. Aber von oben kam der Helikopter und vor mir schlängelte sich einer meiner Feinde: der Bach. Für mich ein unüberwindbares Hindernis, wenn er breit genug ist. Der Helikopter bombardierte mich mit Wasser, die Soldaten schossen mit Schaum und Löscher und versuchten mich einzukreisen. Nach einem langen und anstrengenden Kampf liess ich sie gewinnen. Ich hatte meinen Spass gehabt, war gesättigt für eine längere Zeit.
Als die Feuerwehrleute mir immer näherkamen, säte ich meine Sprösslinge überlegt aus, sodass manchmal eine Stelle wieder zu brennen begann, während andere Brandherde erloschen. Ich nenne das scherzhaft Streiche, denn eigentlich gibt es für diese Ausleger kaum Chancen zu überleben, aber den Menschen wird dennoch mulmig zumute – ein herrliches Ablenkungsmanöver! Gegen Montagnachmittag war ich aber definitiv umzingelt und hatte nur noch ein bisschen Boden zur Verfügung, der mir schliesslich ganz entzogen wurde. Es war ein kurzes, aber schönes Wachsein.
Nun schlafe ich, bis ich wieder ins Leben gerufen werde.
Lawrence Beriger studiert an der PH Zürich und ist Tutor am Schreibzentrum
Gerne berichte ich Ihnen an dieser Stelle weiterhin von meinen Eindrücken und Erfahrungen, nun aber nicht mehr wie gewohnt als Studentin der PH Zürich, sondern als junge Berufseinsteigerin.
Mit meinen 24 Jahren und einer Körpergrösse von 1.60 Meter kann es schon einmal passieren, dass man mich im Gewimmel der Schülerschaft als eine von ihr verwechselt. Umso peinlicher ist die Situation, wenn man sich dann gegenüber anderen Lehrerkolleginnen und Kollegen rechtfertigen muss, weshalb man die Lehrertoilette benutzt. Die Tatsache, dass mein halbes Gesicht durch eine Maske bedeckt wurde, trug anfangs nicht unbedingt dazu bei, dass man sich dieses im Team besser einprägen konnte. Mittlerweile können wir darüber lachen, womit die erste Hürde geschafft sein sollte. Um meine Arbeitskolleginnen und Kollegen in Schutz zu nehmen: Auch Auswärtige auf Schulreisen brauchen immer einen Moment, um zu realisieren, dass sie es gerade mit der Klassenlehrperson und nicht mit einer übereifrigen und erstaunlich reifen Schülerin zu tun haben. Dieser «Schülerinnen-Effekt» kommt zum guten Glück immer nur dann vor, wenn ich mit einem Haufen Jugendlicher unterwegs bin. Sollte diese Verwechslung eines Tages aufhören, werde ich vielleicht sogar ein bisschen Wehmut verspüren.
Womit ich als Berufseinsteigerin ebenfalls nicht gerechnet habe, zumindest nicht so schnell, ist, wie wenig Zeit ich brauchen werde, um mich von meinem Leben als Studentin zu verabschieden und das neue (Berufs-)Leben als Lehrerin zu verinnerlichen. Ich nehme das als gutes Zeichen dafür, dass ich mich nicht nur für den richtigen Beruf, sondern auch für die richtige Schule und somit das passende Umfeld entschieden habe. Auf dieses Gefühl vertraue ich, besonders deshalb, weil man als Berufseinsteigerin mit einer Vielzahl an Aufgaben und Pflichten beschäftigt ist, weshalb nicht immer Raum bleibt, alles im Detail zu analysieren.
Auf den Zeitpunkt, wo ich auf dieses intensive erste Jahr zurückblicken und selbst darüber staunen kann, wie viel ich gemeistert und dazugelernt habe, freue ich mich jetzt schon wie ein kleines Kind. Oder sollte ich sagen, wie eine junge Schülerin?
Antonia Rakita war Tutorin am Schreibzentrum der PH Zürich und schloss 2021 ihre Ausbildung zur Sekundarlehrerin ab. Sie unterrichtet an der Berufswahlschule Bülach. Der Text ist erschienen als Kolumne im Magazin für die Mitarbeitenden der PH Zürich, inside 3/2021, S. 21.
Es ist mein sechsundzwanzigster Januar und wohl der leichteste bisher. Die Wolken hängen nicht so tief und lassen dem Himmel Raum zum Atmen. Die tiefstehende Sonne taucht die karge Landschaft in warme Pastelltöne. Wenn ich meine Hand in ihre Strahlen halte, dann glaube ich wirklich daran – dass auch dieses Jahr dem Winter ein Frühling und dem Frühling ein Sommer folgt. Und dann schmerzt mich die Gewissheit weniger – über den Herbst nach dem Sommer und den Winter nach dem Herbst.
In meinem Zimmer ist gutes Wetter und manchmal gehe ich sogar freiwillig raus. Zwar treibt mir die Kälte auch dieses Jahr das Wasser in die Augen und das Rot in die Nasenspitze, aber es ist okay. Mein sechsundzwanzigster Januar ist okay.
Valérie Rust ist Student*in an der PH Zürich und Textildesigner*in
Seit 2009 schreiben die Tutorinnen und Tutoren des Schreibzentrums schon für das Magazin Akzente der PH Zürich. In der Novemberausgabe (4/2021, S. 25) denkt unsere Tutorin Laura Bachmann in der Kolumne auf der Studierendenseite übers Älterwerden, neue Verantwortungen und die Metamorphose von Leichtsinn zur Ernsthaftigkeit nach.
Manchmal im November, wenn bleich mir der Nebel kommt, sitze ich trübe am Fenster.
Welchen Sinn macht es, frage mich, täglich neu Sinn zu behaupten? Wo doch: Rings frisst ihn die Welt – schneller als Deutsche Dogge Pizza.
Dummfug und Wirrsinn überrollen mich: Das Tier kriegt Diabetes. Der Arzt nennt es Zucker – vom Fett will nicht wissen. Gibt ihm Medikamente. Die hält es für Smarties. Geht vor den Hund, der Hund.
Menschen laufen zum falschen Gleis. Könnten gerade noch. Aber.
Kinder seh ich lachend rennen, schreien, schrammen und flennen.
Aus der Zeitung flattern faltrige Motten. Kobolde sind’s. Gespenster. Jage sie durch die Luft mit Besen. Treff ich – bloss: werden’s drei. Applaudieren eins dem andern und höhnen laut und frei.
Auf Knien – verzweifelt – raffe all die Dinge zusammen, die heruntergefallen sind. Mehr, denn je kann halten. Entgleiten mir immer neu.
Wenn nicht bald jemand, denke. Aber niemand. So klar in trüber Suppe seh gewiss.
Verstecken vielleicht? Endlos im weiten Weiss? Tauchen in die Herbstdämmerung? Ohne Zweck! Findet dich. Und dann.
Denn «wir gehen nicht unter in den Niederlagen, sondern in den Kämpfen, die wir nicht führen».
Seh’s, aber sehnt’, es nicht zu sehn. Ertrage zu tragen ohne Fragen – wozu, kann mir eh keiner sagen. Bloss: Wie lange, möcht wissen, muss noch das leichte Lichte ich missen?
Und wenn dann denk, keine Lust mehr hab, seh mich selbst: Schatten in weissen Schwaden. Moosfeuchter Finsterbaum. Hart noch, sich daran den Kopf zu stossen. Morsch genug, dereinst zu fallen.
Liegen dann im Schnee. Wie hinein in schon so manchen Frühling. Mit diesem aber zeitlos vergehn. Zwischen den ersten Blumen verwehn …
Und wenn jetzt grad so schön meinen Frieden gemacht hab, rufen sie von unten zum Essen und der Tisch ist noch nicht gedeckt und wo nicht sollte, liegt Zeug herum und es gibt unerledigte Dinge zu erledigen und schnatternd Nebensächliches zu besprechen und ursächlich Sachliches zu berechnen und alles ist und wird nun wieder: wild-wind-wirbliger Wiedersinn. Aber halt doch: Lebens-Zugewinn!
Ich bin, sage mir.
Verwundbares Tier. Mutig durstige Lebensgier.
Klagen, aber wagen wir!
Peter Alexander Kaiser ist Autor, Sekundarlehrer und Tutor am Schreibzentrum der PH Zürich
«Primus inter pares» ist nicht nur eine Bezeichnung, die in der Politik benutzt wird. Auch im Finale des Schreibwettbewerbs 2021 war es keineswegs einfach, einen Winner aus einer unglaublich gelungenen Sammlung an Siegertexten zu küren. Im diesjährigen Finale gab es nämlich gleich 5 Poet:innen, die sich einen Podestplatz sicherten.
Durch den Abend begleitet haben uns die Poetry-Slam-Ikonen Joël Perrin und Lukas Becker, die dem Finale immer einen besonderen Hauch von Spannung und Spass verleihen. Zum Thema «Spiel mir das Lied» hatten sich die Finalisten und Finalistinnen an die Arbeit gemacht und ich freue mich, euch heute noch einmal die Gewinnertexte ein wenig näherzubringen.
Obwohl es vor einem Jahr nur knapp aufs Podest gereicht hat, war es dieses Jahr Peter Kaiser, der als Sieger gefeiert wurde. «Too fast to live, to young to die» wäre bei seinem Text auch ein guter Titel gewesen, denn das schnelle und aufregende Leben wurde gezeigt, und er brachte uns die Idee näher, unsere Existenz ein bisschen langsamer anzugehen und anzusehen und vielleicht auch so ein bisschen «mehr zu leben». Etwas mehr piano, bitte.
Hingegen könnte man sagen, dass das Forte von Bruce Achermann auf dem zweiten Platz sich sicherlich in der fast wörtlichen Interpretation des Themas «Spiel mir das Lied» zeigte. Das Leben und dessen Höhen und Tiefen konnte er uns in einer rhythmisch und melodischen Performance darlegen und zeigen, dass man auch in einer mässigen Sammlung die guten Platten nicht vergessen darf. Eine Leidensgeschichte, die unvollendet bleibt.
Man würde sagen, das Ende vom Podest hat die Person auf dem dritten Platz, doch hier kommt erst die Spannung auf! Den dritten Platz teilen sich nämlich Martina Meienberg, Kelly Vass und Laura Bachmann! Martina berichtet von verschiedenen Tunes, die das Leben prägen, vom Klang des Radios über die Gesänge des Ausrufers bis hin zum Corona-Blues. Impressionen und Vibes, und jede Melodie öffnet einen neuen Einblick in eine eigene Welt der Klänge.
Das Lied des Lebens, das uns die Stärke gibt, weiterzumachen und zu lieben und zu geniessen, soll gehört werden. So bringt uns Kelly Vass weg von der Party-Mucke und mehr in die Musik der Seele, so wie sie das Hier und Jetzt wahrnimmt und schätzt. Alltägliches, das ein Ensemble an Gefühlen und Impulsen auslöst und zum Erblühen bringt. Es sind die kleinen Dinge im Leben, die Verse und die Töne, die die wunderschöne Melodie ausmachen.
Wenn wir die Melodie als das Ziel betrachten, sieht Laura Bachmann sicherlich die Komposition als Weg. Wir sind geprägt von unserer Sozialisation und unseren Erfahrungen. Was Heimat ist, ist eine komplizierte Frage. Und wo man sich zu Hause fühlt, ist genauso schwierig zu beantworten.
An diesem schönen Septemberabend wurde zudem die Vernissage der neuen Publikation des Schreibzentrums gefeiert – die Sieger:innentexte des letztjährigen Schreibwettbewerbs «Das Meer zwischen uns / The Sea between Us». Eine Zusammenarbeit mit ISEAHZ, der Universität in Zaghouan / Tunesien und SINAN. Autor:innen schrieben Deutsch, Arabisch, Französisch, Englisch und im Thurgauer Dialekt – die drei preisgekrönten Text könnt ihr hier lesen – und via QR-Codes die Videos der Performances aus Zaghouan und Zürich schauen.
Wir gratulieren den Gewinnerinnen und den Gewinnern des diesjährigen und des letztjährigen Wettbewerbs herzlich zum erfolgreichen Schreiben und zum wohlverdienten Sieg! Vielen Dank auch an alle weiteren Autor:innen, die ihre Texte eingereicht und mit Leidenschaft daran gearbeitet haben.
Und grossen Dank an das DLE für die mediale Unterstützung, an das Kafi-Schnauz-Team für die Gastfreundschaft – und an den Rektor Heinz Rhyn für die Spende und Überreichung des legendären Siegerwhiskys: PH Goes Poetry!
In letzter Zeit denke ich viel über Freundschaft nach. Das hängt wahrscheinlich damit zusammen, dass ich gerade durch eine kleine Krise torkle und sehr dankbar bin für die Unterstützung, die ich auf meinem Weg erhalte. Ich staune manchmal über die Macht, die Freundschaft hat: Mir geht es ausnahmslos immer besser in Gesellschaft meiner Freundinnen. Wie krass, dass man im Laufe seines Lebens Menschen findet, die diese Wirkung auf einen haben, nicht? Wie kommt es, dass man solche Menschen um sich sammeln kann?
War es Zufall, dass genau eine meiner besten Freundinnen am ersten Tag im Gymnasium neben mir sass? Und dass wir uns eigentlich schon vorher hätten kennen sollen, weil unsere Eltern sich kannten?
War es Schicksal, dass es nicht nur mich, sondern auch eine andere Freundin aus dem Gymi ohne rationalen Grund nach Basel zog? Wollte uns das Schicksal wenigstens ein bekanntes Gesicht in dieser damals fremden Stadt bereithalten?
Und war es einfach Glück, dass da jemand war, die zuerst nur ein Hobby mit mir teilte, bevor sie zu einer nicht mehr wegdenkbaren Bereicherung meines Lebens wurde? Ein Mensch, der so oft so ähnlich und doch so anders tickt als ich?
Natürlich, definitive Antworten auf diese Fragen gibt es nicht. Ich als sehr unreligiöse, nicht gläubige Person kann nicht viel mit Schicksal anfangen – und tendiere eher dazu, alle grossen und kleinen Begebenheiten des Lebens als Zufälle zu sehen. Zufälle, die entweder zu etwas Neuem führen oder völlig spurlos durch unser Leben ziehen. Diese Freundschaften, sie haben wohl mit zufälligen Begegnungen begonnen und sind mit zufälligen Ereignissen tiefer geworden – und jetzt kann ich mir nicht mehr vorstellen, wie mein Leben ohne diese Aneinanderreihung von Zufällen aussehen würde. Und ich bin unglaublich dankbar dafür, dass wir gemeinsam lachen, essen, weinen, diskutieren, reisen, tanzen und einfach sein können. Wie krass, dass manche Zufälle zu solch tiefen Verbindungen führen können.
Seit 2009 schreiben die Tutorinnen und Tutoren des Schreibzentrums schon für das Magazin der PH Zürich. Heuer gibt es sogar ein Jubiläum zu feiern: In der Augustnummer von Akzente (3/2021, S. 25) ist es bereits die 50. Kolumne!
Diesmal widmet sich unsere Tutorin Janine Eberle auf der Studierendenseite den Fragen rund um die Familienplanung … und wundert sich, dass so ein persönliches Thema zum Gegenstand von Smalltalk wird.
Tutor Nicolas Schmid
(Illustration: Elisabeth Moch)
Sie kennen mich nicht und ich kenne Sie nicht, aber keine Panik! In meinen nächsten Kolumnen werde ich einiges mit Ihnen aus meinem Leben teilen: Beobachtungen aus der Welt und der Menschen, Gedanken über grundlegende Fragen des Lebens, Erfahrungen und Erkenntnisse aus dem Studium und vieles mehr. Ich bin angehender Primarlehrer, gelernter Koch, Bildungscoach, Schreibzentrumsmitarbeitender, Musiker, Möchtegernkünstler, Sportler und Sommerliebhaber. Apropos Sommerliebhaber:
Sommer ist doch wirklich etwas Schönes, oder nicht? Mal angenommen, es regnet nicht andauernd. Das Wetter ist warm und schön, die Tage sind hell und lang. Morgens jeweils mit Sonnenstrahlen im Gesicht aufwachen, hochmotiviert aus dem Bett springen, in der Sonne frühstücken und sich für den Tag stärken. Tagsüber keine lästige Jacke mit herumtragen, stets die Sonnenbrille auf der Nase und abends lange draussen sitzen – was will man mehr?
Wenn die Sonne scheint, dann ist die Welt ein bisschen weniger scheisse. Eigentlich ist sie dann sogar super gut – sofern man denn zumindest ein bisschen was davon hat. Aber selbst wenn wir Student:innen den ganzen Tag zu Hause am Bildschirm rumsitzen, wenn die Sonne scheint, ist man besser gelaunt, als wenn es draussen regnet. Spüre ich den Frühsommer, werde ich aktiver – Vitamin D sei Dank! –, und ist ein Schönwettertag, so will ich schöne Dinge tun – Hauptsache alles andere als lernen. Wie oft schon habe ich guten Willens meine Bücher zum Lernen mit nach draussen genommen, um abends dann festzustellen, dass sie nahezu unberührt in der Tasche liegen geblieben sind? Läuft. Und auch wenn es Momente gibt, in denen ich umfallen könnte, weil ich noch einen riesigen To-do-Berg vor mir habe, gibt es eben auch diese Momente, in denen ich sage: «Scheiss drauf, ich hab auch noch ein Leben!» Liebe Sonne, du zwingst mich dazu, öfter mal genau das zu sagen. Man muss eben Prioritäten setzen. Liebe Dozentinnen und Dozenten, könnten Sie das bitte in Ihrer Benotung berücksichtigen?
Nicolas Schmid studiert an der PH Zürich und arbeitet als Tutor im Schreibzentrum. Der Text ist erschienen als «Gastspiel»-Kolumne im Magazin für die Mitarbeitenden der PH Zürich, inside 2/2021, S. 21.