Freitagstipp

Synonyme meistens suchen  

«Dreimal machen, dreimal aber in drei Zeilen: Das mag kein Leser. Also sollte der Schreiber das zweite aber ersetzen durch doch, jedoch, dagegen, hingegen, dennoch, indessen, allerdings (und überlegen, ob das dritte nicht zu streichen wäre). (…) Klare Forderung also: die Härte der immergleichen Silben auf engem Raum vermeiden. Dazu eine Chance: Es freut den Leser, wenn er einen knochigen Menschen im Verlauf einer längeren Erzählung auch als untersetzt, klobig, grobschlächtig, ungeschlacht oder vierschrötig kennenlernt, unseren Wortschatz also mit Phantasie und Liebe ausgebeutet findet.                                                                                                         Bis hierher herrscht Einigkeit  unter Germanisten, Journalisten und Sprachfreunden aller Art. Doch nun kommen wir zu den Übertreibungen.                                                 In der Nachrichtensprache ist kein anderer Vorgang so häufig wie der, dass einer etwas gesagt hat. Wer auch dafür Synonyme sucht, betritt ein heisses Pflaster. Denn saubere Synonyme für sagen sind selten, statt dessen Dutzende von unsauberen im Umlauf. Pausenlos liest man, dass Politiker betonen, unterstreichen und bekräftigen – und die Begeisterung vieler Redakteure für diese Schein-Synonyme geht so weit, dass sie mit dem betonen anfangen, ehe der Politiker überhaupt etwas sagen konnte. Das dauernde unterstreichen ist erstens widersinnig (jede Rede enthält vor allem nichtunterstrichene Passagen) und zweitens ein Herausputzen des Redners, wie man es eigentlich sinem Pressesprecher überlassen sollte. (…)                                                               Geeignete Synonyme für sagen sind (…): mitteilen, ankündigen, fortfahren, ausführen, hinzufügen; ausserdem solche Verben, die entweder ein Objekt oder ein dass verlangen: bezeichnete als, bemängelte dass, widersprach ihm, kritisierte das Vorhaben, warnte vor einer solchen Entwicklung.                                                        Aus diesem bescheidenen Vorrat nehme der Schreiber, wenn der Politiker fünferlei gesagt hat, die Verben zwei und vier; beim ersten-, dritten- und fünftenmal kann man ihn getrost etwas sagen lassen» (Schneider 2013, 59f.).

Mehr Tipps gibt es im Schreibzentrum. Besuchen Sie eine Beratung: Montag bis Donnerstag, 12-14 Uhr, keine Anmeldung erforderlich.

Aus: Schneider, Wolf. 2013. Deutsch fürs Leben. Was die Schule zu lehren vergass. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt.

 

Freitagstipp

Das Elend mit dem Binde-Strich

«Eines der besonderen Merkmale der deutschen Sprache ist die Fähigkeit, durch Zusammensetzung von Wörtern neue Begriffe entstehen zu lassen. Aus Sport und Platz wird Sportplatz, aus Dampf und Schiff wird Dampfschiff, aus Auto und Bahn wird Autobahn. Das gilt nicht nur für zwei Wortteile, sondern für beliebig viele: Sportplatztribüne, Dampfschifffahrtsgesellschaft, Autobahnraststättenbetreiber. (…) Eine Wortkette aus mehr als 30 Buchstaben erweist sich für das lesende Auge bisweilen als Stolperstein und führt zu Irritationen. Ein sinnvoll gesetzter Bindestrich kann Abhilfe schaffen und den Lesefluss verbessern. So weit – so gut. (…)

Um es bildhaft auszudrücken: Wo ein Bindestrich steht, da holt das Auge gewissermassen Luft. Um bei längeren Wortketten nicht aus der Puste zu kommen oder um ein Element besonders zu betonen, ist das Luftholen eine sinnvolle Sache. Doch in einem Text, in dem Auto-Bombe, Polizei-Einsatz, Verkehrs-Chaos und Rettungs-Massnahmen gekoppelt stehen, fängt das Auge vom vielen Luftholen förmlich zu japsen an. Besonders hässlich ist es, Wörter auseinander zu reissen, die über ein sogenanntes Fugen-s verfügen. Denn dieses ‹s› erfüllt ja bereits die Funktion eines Bindezeichens: Botschaftsgebäude, Regierungskurs, Entwicklungshilfe, Kriegsmaschinerie und Zeitungsente sind Zusammensetzungen, mit denen das Auge spielend fertig wird. Botschafts-Gebäude, Regierungs-Kurs, Entwicklungs-Hilfe, Kriegs-Maschinerie und Zeitungs-Ente erwecken den Eindruck, die deutsche Sprache gehe am Stock. Texte werden nicht lesbarer, sondern verkommen graphisch zu einer trostlosen Strich-Landschaft» (Sick 2004, 71–75).

Mehr Tipps gibt es im Schreibzentrum. Besuchen Sie eine Beratung: Montag bis Donnerstag, 12–14 Uhr, keine Anmeldung erforderlich.

Aus: Sick, Bastian. 2004. Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod. Ein Wegweiser durch den Irrgarten der deutschen Sprache. Köln: Kiepenheuer & Witsch und Hamburg: Spiegel online.

 

 

 

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Stutzen beim Imperfekt

«Das Imperfekt ist das Tempus der Erzählung, es verweilt in der Vergangenheit. ‹Dann lernte ich Englisch› ist korrekt als Bestandteil eines Lebenslaufs – falls ich auf jede Aussage darüber verzichten will, ob ich heute Englisch kann. ‹Englisch habe ich in Cambridge gelernt› bedeutet: Und nun kann ich es. Jede vergangene Handlung, die in die Gegenwart fortwirkt, verbietet das Imperfekt.                                                        Diese klare Vorschrift der Grammatik kommt, anders als beim Passiv und beim Plusquamperfekt, erfreulicherweise dem Sprachgefühl entgegen: In mündlicher Rede ist das Imperfekt ‹Dann ging ich ins Kino› fast unbekannt, ausser bei den Hilfszeitwörtern: Ich war, ich hatte, ich musste, konnte, sollte» (Schneider 2013, 58).

Mehr Tipps gibt es im Schreibzentrum. Besuchen Sie eine Beratung: Montag bis Donnerstag, 12-14 Uhr, keine Anmeldung erforderlich.

Aus: Schneider, Wolf. 2013. Deutsch fürs Leben. Was die Schule zu lehren vergass. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt.

Freitagstipp

Zwei von drei Adjektiven streichen

«Adjektive sind die am meisten überschätzte Wortgattung: oft falsch, oft hässlich, oft blosse Rauschgoldengel – und wenn all dies nicht, dann immer noch Weichmacher, eine Bedrohung für Klarheit und Kraft. Folglich sind sie die Lieblinge der Werbetexter (nicht sauber, sondern rein!) – und schon seit dem römischen Rhetor Quintilian für die meisten Stillehrer ein rotes Tuch» (Schneider 2013, 31).

Mehr Tipps gibt es im Schreibzentrum. Besuchen Sie eine Beratung: Montag bis Donnerstag, 12–14 Uhr, keine Anmeldung erforderlich.

Aus: Schneider, Wolf. 2013. Deutsch fürs Leben: Was die Schule zu lehren vergass. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt.

Muss ich Duden? (Q&A #11)

Nein, der Duden ist ein Basis-Hilfsmittel und muss deshalb nicht zitiert werden. Anders sieht es aus, wenn in einem Text auf einen substanziellen Eintrag in einem einschlägigen Handbuch oder Fachlexikon verwiesen werden soll. Dann kann dieser wie ein Artikel aus einem Sammelband belegt werden.

Wie sehen die Angaben zu einem Lehrmittel oder zum Lehrplan 21 aus? Was bedeutet eigentlich «graue Literatur»? Braucht es bei einem Blockzitat Anführungszeichen? Wie zitiere ich aus dem Volksschulgesetz oder aus einer Broschüre, die ich im Internet gefunden habe? Darf ich auch Fussnoten verwenden, wenn ich nach dem Autor-Jahr-System arbeite?

Antworten auf solche Fragen und Beispiele, an denen Sie sich orientieren können, finden Sie im öffentlich zugänglichen «A–Z des wissenschaftlichen Schreibens» oder (als Studierende) auf den Zitierseiten und dem «Zitierkompass» im passwortgeschützten Studierendenportal der PH Zürich.

[Beitrag aktualisiert 24.12.2023]

Apostroph oder Katastroph’

Taste_Apostroph_9In seinem Blog «Magoria» nimmt Daniel Ammann Fährte auf. Er spürt dem Apostroph auf seinem klandestinen Weg von der heimischen Weglassung wie zum Beispiel  «’s is ’ne Krux mit dem Apostroph» hin zum englischen Genitiv- und Plural-s nach und überführt das Kundenzentrum der Post und sogar die NZZ der «Apostropherei». Am Ende bleibt die Frage, ob er auf seinem Siegeszug noch aufzuhalten ist, der Apostroph.

Q&A Zitieren #10: Internetquellen

Bei Anfragen rund ums Zitieren geht’s immer wieder um Quellen aus dem Internet. Vielfach stehen formale Finessen oder Details im Fokus, für die sich mit etwas Kreativität und in Anlehnung an ähnliche Beispiele auf der Zitierseite ohne Weiteres eine Lösung finden liesse. Oft wird dabei die Frage ausser Acht gelassen, ob die Inhalte den fachlichen Ansprüchen der Arbeit genügen.

Es empfiehlt sich eine genauere Prüfung der Internetseite hinsichtlich Qualität, aber auch Vertrauenswürdigkeit, Aktualität und Verifizierbarkeit.

Unter der Rubrik «A–Z» entsteht im Studiweb ein kleines Nachschlagewerk zu Spezialfällen und häufigen Fragen des wissenschaftlichen Zitierens, so auch zum Thema «Internetquellen».

Q&A Zitieren #9: Muss ich Gesetzestext?

paragrafSie müssen nicht, aber Sie dürfen. Im Text selber können Gesetzestexte in vereinfachter Form belegt werden, im Literaturverzeichnis kann auf eine Nennung verzichtet werden.

Unter der Rubrik «A–Z» entsteht im Studiweb ein kleines Nachschlagewerk zu Spezialfällen und häufigen Fragen des wissenschaftlichen Zitierens.

Wie sehen die Angaben zu einem Lehrmittel aus? Was ist eigentlich «graue» Literatur? Muss ich alle 15 Autorenangaben aufführen? Braucht es bei einem Blockzitat Anführungszeichen? Wie zitiere ich aus dem Volksschulgesetzt oder einem Modulskript der PH Zürich? Was bedeutet et al. und wo wird die Abkürzung verwendet? Darf ich auch Fussnoten setzen, wenn ich nach dem Autor-Jahr-System arbeite? Weitere Beispiele zu Internetquellen, Kursivsetzung und Selbstplagiaten folgen.

Q&A Zitieren #8: Testen Sie Ihre Zitierkompetenz

Zitieren nach dem Chicago Manual of Style ist keine Hexerei. Hat man das Grundprinzip einmal verstanden, ist das Belegen von Literaturquellen um einiges einfacher als die deutsche Rechtschreibung. Wesentlich anspruchsvoller und wichtiger ist es, beim wissenschaftlichen Schreiben sorgfältig zu recherchieren, Erkenntnisse aus der Fachliteratur mit der eigenen Argumentation zu verknüpfen und lesefreundlich zu formulieren. Das braucht Zeit und einiges an Übung. Halten Sie sich also nicht zu sehr mit formalen Details oder komplizierten Literaturverwaltungsprogrammen auf. Analog zu den Beispielen im Studiweb lassen sich fünf oder sieben Seiten Bibliografie mit wenig Aufwand in einem eigenen Dokument erfassen und können dann bei Bedarf im Text für Kurzbelege herangezogen werden. Mit der Kommentarfunktion oder als ausgeblendeten Text können Sie in der Literaturliste zudem festhalten, aus welcher Bibliothek Sie ein Buch ausgeliehen oder wo Sie im Netz auf einen Artikel gestossen sind – für den Fall, dass Sie noch weitere Angaben benötigen oder die Quelle noch einmal konsultieren müssen.

Wenn Sie sich auf der Zitierseite mit den wichtigsten Regeln vertraut gemacht haben, können Sie Ihre Expertise gleich mal mit einem Actionbound-Quiz auf die Probe stellen.

1. Falls Sie die kostenlose App Actionbound noch nicht besitzen, laden Sie diese im AppStore auf Ihr Smartphone oder Tablet.

2. Öffnen Sie Actionbound und wählen Sie «Code scannen», um den folgenden QR-Code einzulesen. (Sie finden den Code auch hier.)

actionbound-zitieren

3. Los geht’s mit «Start». In zehn Multiple-Choice-Fragen können Sie Ihr Wissen testen.

Q&A Zitieren #7: Darf ich Wikipedia?

Wikipedia mag für eine erste Übersicht oder rasche Orientierung gut sein, aber für mehr nicht. Was so viel bedeutet wie: ganz ohne Mühsal geht’s nicht. Es muss Fachliteratur recherchiert, verglichen und ausge­wertet werden. Für Vertiefungs- und Masterarbeiten heisst das, sie sollten sich auf verbürgte Literatur stützen und nicht einfach aus Tertiär­quellen und Nachschlage­werken zitieren, auch wenn diese noch so zuverlässig sind. Da könnte sonst leicht der Eindruck entstehen, der Verfasser oder die Verfasserin sei zu bequem gewesen, der Materie auf den Grund zu gehen.

Weitere Infos finden Sie im A–Z zum Zitieren.