Freitagstipp

Zwei von drei Adjektiven streichen

«Adjektive sind die am meisten überschätzte Wortgattung: oft falsch, oft hässlich, oft blosse Rauschgoldengel – und wenn all dies nicht, dann immer noch Weichmacher, eine Bedrohung für Klarheit und Kraft. Folglich sind sie die Lieblinge der Werbetexter (nicht sauber, sondern rein!) – und schon seit dem römischen Rhetor Quintilian für die meisten Stillehrer ein rotes Tuch» (Schneider 2013, 31).

Mehr Tipps gibt es im Schreibzentrum. Besuchen Sie eine Beratung: Montag bis Donnerstag, 12–14 Uhr, keine Anmeldung erforderlich.

Aus: Schneider, Wolf. 2013. Deutsch fürs Leben: Was die Schule zu lehren vergass. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt.

Mittwochswort

Angedacht

«Wer ‹angedacht› hat, ist ein Denkfaulpelz oder ein raffinierter Schlaumeierdummkopf, der andere für sich arbeiten lässt und anschliessend aber eine geistige Urheberschaft für sich reklamiert, für die ihm jegliche Voraussetzung fehlt. ‹Angedacht› kommt von Andenken, und die gibt es im Andenkenladen, auch Souvenir-Shop genannt. Genau da gehört das Vakuum ja auch hin, das sich als ‹angedacht› aufplustert und bläht» (Droste 2013, 9f.).

Entfernen Sie die Floskeln und Füllwörter aus Ihren Texten! Das Schreibzentrum hilft Ihnen gerne beim Aufräumen.

Aus: Droste, Wiglaf. 2013. Sprichst du noch oder kommunizierst du schon? Neue Sprachglossen. München: Wilhelm Goldmann.

Schreibwettbewerb «PH goes Poetry»

Du schreibst gerne und möchtest wissen, wie dein Text wirkt? Dann schreib einen Text zum Thema «Me, Myself and I».

Deinen Text sendest du mit Namen, E-Mail und Telefonnummer bis zum 1. April an: marcelfluetsch@stud.phzh.
Die drei besten Texte sahnen da neben Ruhm und Ehre insgesamt  300.- Franken cash ab! Nach dem Einsendeschluss am 1. April werden eine Auswahl der Texte im Kafi Schnauz am 4. Moosestache Poetryslam vom Donnerstag, 18. Mai vorgetragen. Lampenfieber? Entweder liest du deinen Text selbst vor oder ein erfahrener Poetry-Slammer übernimmt das für dich!

Brauchst du Inspiration beim Schreiben? Komm am Donnerstag, 9. März ins Kafi Schnauz zur allerersten Ausgabe von Schnauz und Feder, einem angeheiterten kreativen Schreibanlass. Von 18 bis 20 Uhr versorgen wir dich mit Bier, Warm-ups und Inputs von erfahrenen Poetry Slammern, um deinen Schreibfluss anzukurbeln

Teilnahmeberechtigt
Mitmachen dürfen alle Studis, Ex-Studis und alle Mitarbeitenden der PH.

Einsendeschluss
1. April 2017

Text

Die Textform ist frei wählbar.

Textlänge
3000 bis max. 5000 Zeichen (inkl. Leerzeichen)

Text senden an
Schick deinen Text mit Namen, E-Mail und Telefonnummer an: marcelfluetsch@stud.phzh.ch (Marcel hilft auch bei Fragen).

www.phzh.ch/poetry, facebook/PH goes Poetry

Tagesgeschichten – #1

Der König der Heringe
Von Julia Rietze

Johanna die gute Böse träumt davon, Königin zu sein. Sie stellt sich vor, niemandem zu gehorchen und über alle zu regieren.

Oft schaut sie sich Horrorfilme an. Sie mag Filme, in denen ein Mensch einen anderen einsperrt und quält. In Wirklichkeit würde Johanna das aber niemals machen, denn dafür ist sie zu gut erzogen. Sie entschliesst sich, ein Haustier anzuschaffen, um wenigstens in ihren vier Wänden über jemanden oder etwas herrschen zu können.
Die Entscheidung gestaltet sich schwierig: Für einen Hund hat sie zu wenig Zeit. Katzen sind unregierbar. Einen Nager in einem kleinen Käfig halten? Das bringt Johanna nicht übers Herz. Ein ausreichend grosses Gehege würde ihren eigenen Lebensraum zu stark einschränken. Am Ende des langen und komplexen Entscheidungsprozesses stehen: Die Heringe.
Einige Arten lassen sich auch im Süsswasser halten. Heringe sind Speisefische und nicht vom Aussterben bedroht – für Johanna ein unverfänglicher Weg, ihre Machtgier auszuüben.

Johanna hat jetzt eine Badewanne voller Fische und sie ist von nun an die Königin der Heringe.

An der letzten Erzählnacht schrieben Studierende, Mitarbeitende und Dozierende Texte zu Schlagzeilen aus Zeitungen und Newsportalen eines bestimmten Tages – des 3. Novembers 2015. Darunter waren Schlagzeilen wie «Ich bin eine Lusche, und das ist auch gut so» oder «Wenigstens einmal rülpsen, bitte!».
Entstanden sind zwei Newsfeeds, die das Tagesgeschehen trashig (Story des Tages) oder gehoben (Tagesgeschichten) als Ticker zu Papier bringen.

Bereits seit 2009 entsteht jedes Jahr eine Erzählnachtbroschüre. Die Vernissage des aktuellen Werks Tagesgeschichten / Story des Tages fand am 8. November 2016 statt. Gedruckte Exemplare aller Jahre können weiterhin zu je CHF 2.– beim Schreibzentrum erworben werden.

Den Shit-Detektor trainieren

«So wie Affen manchmal von den Bäumen fallen, greifen auch Experten beim Schreibstil hin und wieder daneben.» Das sagt Alex Rickert in Heft 4/2016 von Akzente und empfiehlt den Shit-Detektor von Hemingway. Um die Sprache schlank zu halten, werden damit Wortdreimaster wie Gesamtteamsitzungstraktandum oder Rahmenlehrplanvernehmlassungsverfahren versenkt. Versenkt, weggespült und schon ist der Text schlank und rank.

Alex Rickert: «Shit-Detektor trainieren» (und als PDF hier).

 

Unsichtbare Fesseln

Für den Blog schrieb Dario Venutti einen tagträumerischen Text über die Angst vor dem grossen Sprung.

«Spriiiing», schrien die zwei Dutzend Zuschauer, während Peter alle Schritte bis zum Ende des Sprungbrettes und die eingeplanten Verrenkungen in der Luft noch einmal durchging. «Spriiiing» wirkte durch das langgezogene i wie ein Verstärker. Als seien nicht nur Peters Eltern und ein paar Kumpels aus dem Verein im Hallenbad zugegen. «Spriiiing» kam aus 1000 Kehlen.

Peter machte drei langsame und zwei schnelle Schritte, hundertfach eingeübt in Trainings vor dieser Schweizer Meisterschaft. Mit acht Jahren begann er mit Turmspringen, fasziniert von den Weltbesten, die er an Olympia im Fernsehen gesehen hatte. Der freie Fall hatte es ihm angetan, die drei Sekunden vom 10-Meter-Brett bis zur Wasseroberfläche, während denen man Kunststücke zeigen konnte: Seine Spezialität ist eine Schraube, gefolgt von einem doppelten Rückwärtssalto. «Spriiiing», rief das Publikum, und Peter zog das linke Knie an, bereits an der Brettkante angelangt.

Als kleiner Junge quengelte Peter so lange, bis ihn seine Eltern selbst zum entferntesten Hallenbad fuhren. Kaum im Verein, entdeckten die Trainer sein Talent. Um an Olympia teilzunehmen, musste er diese Meisterschaft gewinnen.

«Spriiiing», hallte es erneut vom Bassinrand. Doch 10 Meter weiter oben bewegte sich nichts mehr. Einer Staute gleich stand Peter auf dem Brett, von unsichtbaren Fesseln am Sprung gehindert.

«Laufen Sie endlich», weckte ihn eine mürrische Stimme aus dem Tagalbtraum, nachdem die Tramtüre einige Augenblicke offen gestanden war und Peter auf die drei Stufen gestarrt hatte.

Dario Venutti, Tutor im Schreibzentrum

 

Politische Lindgren

«Der Frieden bietet keine grosse Geborgenheit, die Atombombe wirft ihren Schatten auf ihn.» Diese fast schon seherische Aussage aus dem Jahr 1945 stammt aus Astrid Lindgrens Tagebuch. Mehr über das politische Denken der Kinderbuchautorin ist im Medientipp von Martina Meienberg in Heft 4/2016 von Akzente zu erfahren

Martina Meienberg: «Politische Lindgren» (und als PDF hier).