Mittwochswort

Verorten

«Eins von den aufgedunsensten Worten: verorten                                                     (‹Du, ich würde mich eher links verorten…›)» (Droste 2013, 189).

Entfernen Sie Aufgedunsenes und Aufgeblasenes aus Ihren Texten! Das Schreibzentrum hilft Ihnen gerne beim Aufräumen.

Aus: Droste, Wiglaf. 2013. Sprichst du noch oder kommunizierst du schon? Neue Sprachglossen. München: Wilhelm Goldmann.

Freitagstipp

Das Elend mit dem Binde-Strich

«Eines der besonderen Merkmale der deutschen Sprache ist die Fähigkeit, durch Zusammensetzung von Wörtern neue Begriffe entstehen zu lassen. Aus Sport und Platz wird Sportplatz, aus Dampf und Schiff wird Dampfschiff, aus Auto und Bahn wird Autobahn. Das gilt nicht nur für zwei Wortteile, sondern für beliebig viele: Sportplatztribüne, Dampfschifffahrtsgesellschaft, Autobahnraststättenbetreiber. (…) Eine Wortkette aus mehr als 30 Buchstaben erweist sich für das lesende Auge bisweilen als Stolperstein und führt zu Irritationen. Ein sinnvoll gesetzter Bindestrich kann Abhilfe schaffen und den Lesefluss verbessern. So weit – so gut. (…)

Um es bildhaft auszudrücken: Wo ein Bindestrich steht, da holt das Auge gewissermassen Luft. Um bei längeren Wortketten nicht aus der Puste zu kommen oder um ein Element besonders zu betonen, ist das Luftholen eine sinnvolle Sache. Doch in einem Text, in dem Auto-Bombe, Polizei-Einsatz, Verkehrs-Chaos und Rettungs-Massnahmen gekoppelt stehen, fängt das Auge vom vielen Luftholen förmlich zu japsen an. Besonders hässlich ist es, Wörter auseinander zu reissen, die über ein sogenanntes Fugen-s verfügen. Denn dieses ‹s› erfüllt ja bereits die Funktion eines Bindezeichens: Botschaftsgebäude, Regierungskurs, Entwicklungshilfe, Kriegsmaschinerie und Zeitungsente sind Zusammensetzungen, mit denen das Auge spielend fertig wird. Botschafts-Gebäude, Regierungs-Kurs, Entwicklungs-Hilfe, Kriegs-Maschinerie und Zeitungs-Ente erwecken den Eindruck, die deutsche Sprache gehe am Stock. Texte werden nicht lesbarer, sondern verkommen graphisch zu einer trostlosen Strich-Landschaft» (Sick 2004, 71–75).

Mehr Tipps gibt es im Schreibzentrum. Besuchen Sie eine Beratung: Montag bis Donnerstag, 12–14 Uhr, keine Anmeldung erforderlich.

Aus: Sick, Bastian. 2004. Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod. Ein Wegweiser durch den Irrgarten der deutschen Sprache. Köln: Kiepenheuer & Witsch und Hamburg: Spiegel online.

 

 

 

Studierendenporträt

Er studiert, erteilt Privatunterricht, ist Redaktor der Studierendenzeitschrift  RePHlex, schreibt Tagebuch und berät andere Schreibende im  Schreibzentrum der PH Zürich. Kurz: Stillstand gibt es nicht im Leben von Gabriel Mateos Sánchez. Mehr über den umtriebigen Studenten in Heft 4/2016 von Akzente. 

Olivia Rigoni: «Studienporträt» (und als PDF hier).

Mittwochswort

Zielführend

«‹Das ist nicht zielführend›, sagt der Politiker in entschiedenem Ton, und ich wundere mich: Warum sagt er nicht ‹Das führt nicht zum Ziel›? Ist das klare, transparente Prinzip Subjekt – Prädikat  – Objekt jetzt oll und out und verschraubter Partizipialstil wieder modern? Oder geht es um Verkürzung? (…) ‹Zielführend› ist ähnlich argumentfrei, kategorisch und apodiktisch wie die autoritäre Regierungsvokabel ‹alternativlos›: So wird das jetzt gemacht und basta! Wozu noch überzeugen, wenn man ein Dekret verhängen kann: Das ist zielführend und jetzt fragen Sie bitte nicht mehr, ja!» (Droste 2013, 72).

Überlassen Sie die Dekrete dem Mann im Weissen Haus! Schreiben Sie argumentative Texte! Das Schreibzentrum hilft Ihnen gerne dabei.

Aus: Droste, Wiglaf. 2013. Sprichst du noch oder kommunizierst du schon? Neue Sprachglossen. München: Wilhelm Goldmann.

Freitagstipp

Stutzen beim Imperfekt

«Das Imperfekt ist das Tempus der Erzählung, es verweilt in der Vergangenheit. ‹Dann lernte ich Englisch› ist korrekt als Bestandteil eines Lebenslaufs – falls ich auf jede Aussage darüber verzichten will, ob ich heute Englisch kann. ‹Englisch habe ich in Cambridge gelernt› bedeutet: Und nun kann ich es. Jede vergangene Handlung, die in die Gegenwart fortwirkt, verbietet das Imperfekt.                                                        Diese klare Vorschrift der Grammatik kommt, anders als beim Passiv und beim Plusquamperfekt, erfreulicherweise dem Sprachgefühl entgegen: In mündlicher Rede ist das Imperfekt ‹Dann ging ich ins Kino› fast unbekannt, ausser bei den Hilfszeitwörtern: Ich war, ich hatte, ich musste, konnte, sollte» (Schneider 2013, 58).

Mehr Tipps gibt es im Schreibzentrum. Besuchen Sie eine Beratung: Montag bis Donnerstag, 12-14 Uhr, keine Anmeldung erforderlich.

Aus: Schneider, Wolf. 2013. Deutsch fürs Leben. Was die Schule zu lehren vergass. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt.

Mittwochswort

Vorfeld

«Das Militärische schwitzt der Sprache aus allen Poren. Sehr beliebt ist die Epaulettenträgerformulierung ‹im Vorfeld› – die traditionell das Gelände beschreibt, das der eigenen Gefechtsstellung vorgelagert ist. Wenn es aber heisst, ‹im Vorfeld eines EU-Gipfels› sei dieses oder jenes geschehen oder zu erwarten, ist damit ganz simpel ‹vor dem EU-Gipfel› gemeint. Das scheint für die Zwiesprache aus Politik und ihrem Verlautbarungsjournalismus aber zu klein und zu wenig bedeutungssuggestiv zu sein; ‹im Vorfeld› klingt gravitätisch, ‹im Vorfeld› bahnen sich grosse Dinge an, da dröhnt schier schon der Boden. (…)                                                                                                                                  Das ursprüngliche Vorfeld war ein geographisches; ‹im Vorfeld› einer Investition oder einer Wahl et cetera ist dagegen temporär aufzufassen. Die Formulierung ist also nicht nur aufgeplustert, sondern auch schlicht falsch. Das stört aber niemanden, der sich routiniert und gern im Vorfeld gewichtiger Ereignisse bewegt; für Luftpumpenrhetoriker kann es gar nicht genug Vorfelder geben. Und der deutsche Soldat bleibt sowieso für alle Zeiten unbesiegt, zumindest im Vorfelde» (Droste 2013, 69).

Entfernen Sie die Floskeln und Füllwörter aus Ihren Texten! Das Schreibzentrum hilft Ihnen gerne beim Aufräumen.

Aus: Droste, Wiglaf. 2013. Sprichst du noch oder kommunizierst du schon? Neue Sprachglossen. München: Wilhelm Goldmann.