Schnappschuss: exklusiver Text aus dem Schreibwettbewerb 2016

Schreibwettbewerbe laufen im Verborgenen ab. Die Autorinnen und Autoren tappen im Dunkeln. Sie wissen nichts über die Texte der anderen. Sie erfahren nie, ob sie die Preisränge nur knapp verpasst haben oder ob ihr Beitrag das ruhmlosen Schlusslicht der Rangliste war. Nur die Jury kennt alle Texte und entscheidet an einem klandestinen Treffen, wer der Dichterkrone würdig ist.

Exklusiv gewährt die Autorin Joëlle Desole hier einen Einblick in ihren Text, den sie beim Schreibwettbewerb «Schnappschuss» der PH Zürich und der KME Zürich 2016 eingereicht hat.

Viel Vergnügen bei der Lektüre!

start new game – #6

Start_New_Game_cover

Lautes Geschrei vor der Tür. Die Frau schaut sich um, was soll dies nun wieder bedeuten? Der nervöse Jugendliche vor der Türe wird immer nervöser – er zuckt! Er hat nervöse Zuckungen! Die Frau hält nun nichts mehr auf ihrem Barhocker, sie geht zu ihm rüber. «Was ist mit dir los?», fragt sie. Er schaut sie ungläubig an.«Was hast du Alter?» fragt sie wiederholt. «Du siehst nicht sehr gesund aus.» Er raunt sie an: «Du hast keine Ahnung was hier läuft, was? Ich sage nur: FISCH!»
Geschichte Nr. 6 von Carmen Luzi

Wie geht es nun mit der Geschichte weiter? Ganz nach Gusto: Wer erfahren möchten, wie eine Laufmasche vertuscht wird, geht zurück zu Geschichte Nr. 2 von Helen Kaufmann. Wer Zeuge sein will, wie die Frau so erschrocken dreinschaut, dass es ihr die Nackenhaare stellt, blättert zu Geschichte Nr. 32 von Marcel Flütsch. Wer direkt zum Fischknusperli-Schluss will, geht zu Geschichte Nr. 56 von Alexandra Edelmann.
Und so funktioniert das Büchlein, das anlässlich unseres Schreibevents zur Schweizer Erzählnacht 2014 entstanden ist: Eine Autorin beginnt eine Geschichte, ein anderer Schreiber treibt sie weiter und eine dritte führt die Geschichte zu Ende und manch eine zu neuen Ufern. Oder wie in diesem Fall verzweigt und verästelt sich die Geschichte.

Die Ausgangslage ist die folgende: «Samstagabend, eine Bar im Zürcher Kreis 4». Dann wird mit Würfeln Emoticons und Gegenstände gewürfelt und schon flitzten die Geschichten in unterschiedliche Richtungen. Wohin, liest sich in start new game, dem Büchlein, das Geschichten von SekundarschülerInnen, Studierenden und Mitarbeitenden der PH Zürich vereint.

Bereits seit 2009 entsteht so jedes Jahr ein Büchlein. Gedruckte Exemplare aller Jahre können weiterhin zu je CHF 2.– beim Schreibzentrum erworben werden.

Drei Tutoren des Schreibzentrums der PH Zürich blicken zurück auf die Jahrestagung des Forums Deutschdidaktik vom 19. März 2016 in Bern

von Marcel Flütsch, Loris Trentini und Gabriel Mateos Sánchez*

Über 60 kluge Köpfe aus Forschung und Lehre trafen sich zur Tagung des Forums Deutschdidaktik an der PH Bern. Das Thema: Sprachliches Lernen und Modellieren.

FDD_Prof. Dr. Andreas Gold
Prof. Dr. Andreas Gold demontiert Hatties Metaanalysen

Das minimalistische Ambiente an der PH Bern besitzt seinen eigenen rohen Charme. Es war ein erster Frühlingstag. Die Vögel zwitscherten. Doch im ersten Plenumsreferat von Prof. Dr. Andreas Gold endete die Beschaulichkeit: Hattie sei ein Mythos! Denn Hatties Metaanalyse zu Faktoren des Lernerfolgs weisen bei genauerer Betrachtung Mängel auf. So findet die Kategorisierung oft willkürlich statt, die Qualität der einzelnen Metaanalysen ist teilweise zweifelhaft und bei älteren Studien fehlen Kontrollgruppen. Diese Schwierigkeiten führen dazu, dass sich so ziemlich jeder und jede bei Hattie bedienen kann, um den eigenen Standpunkt zu untermauern.

Im zweiten Vortrag zeigte Prof. Dr. Afra Sturm zwei Wege auf, wie Schreibkompetenzen verbessert werden können: durch Modellieren von Schreibstrategien und durch eine individuelle Begleitung. Sturm wollte in den beiden Zugängen keinen Gegensatz sehen, sondern plädierte für einen kombinierten Ansatz.

Nach einem Mittagessen am Buffet und mit den Strahlen der Berner Sonne ging es am Nachmittag in drei verschiedenen Workshops zum Thema Modellieren in unterschiedlichen Domänen weiter. Man hatte sich zu entscheiden zwischen Mündlichkeit (Brigit Eriksson und Stefan Hauser), Lesestrategien (Maik Philipp) und literarischem Lernen (Simone Fässler und Stephan Nänny). Wir entschieden uns für Letzteres und hofften auf etwas Handfestes, auf eine konkrete Idee für den Unterricht. Wir wurden nicht enttäuscht.

Dr. Simone Fässler und Stephan Nänny von der PH Thurgau stellten ihre Methode des literarischen Dialogs lebhaft vor, indem sie die Teilnehmenden miteinbezogen. Diese lasen zuerst einen Text und wählten dann zu zweit eine interessante Stelle aus, die sich zum Imaginieren eignete. Anschliessend dachte sich jeder eine Frage aus, die nur durch das eigene ‚Kopfkino‘ zu beantworten war. Zum Schluss wurden die Antworten miteinander verglichen und diskutiert. Die Methode war zwar nicht ganz unumstritten. Einige Teilnehmende störten sich daran, dass den literarischen Werken etwas hinzugefügt werde, das vom Autor eventuell ganz bewusst weggelassen worden sei. Für den Unterricht scheint uns diese Methode jedoch vielversprechend und ergiebige zu sein.

Den Einblick hinter die Kulissen der Deutschdidaktik fanden wir sehr interessant. Es war spannend zu sehen, dass sich viele Menschen leidenschaftlich dafür einsetzen, dass Schülerinnen und Schüler erfolgreicher Lernen. Abgesehen davon nehmen wir noch eine weitere Erkenntnis mit nach Zürich: In Bern läuft wirklich alles ein bisschen gemütlicher.

*Marcel Flütsch, Loris Trentini und Gabriel Mateos Sánchez sind Sek 1-Studenten an der PH Zürich und Tutoren am Schreibzentrum.

 

start new game – #5

Start_New_Game_cover

Als der Käfer endlich vorbei fährt, kann sie wieder atmen. Für einen Moment hat sie gedacht, dass irgendjemand sie verfolgen wollte. Dann taucht ein roter Fussabdruck wie aus dem Nichts vor ihr auf dem Asphalt auf. Als sie das sieht, schreit sie ihre ganze Angst aus sich heraus, denn…
Geschichte Nr. 24 von Ihab Farhat

Wer erfahren will, was es mit dem Käfer auf sich hat, geht zurück zu Geschichte Nr. 19 von Julia Capol. Wie es weitergeht, offenbart die Geschichte Nr. 27 von Karin Weibel. Wer gerne anstatt eines roten Fussabdrucks merkwürdige Wetterkapriolen erleben will, geht zu Geschichte Nr. 53 von Georgia Skarlatos.
Und so funktioniert das Büchlein, das anlässlich unseres Schreibevents zur Schweizer Erzählnacht 2014 entstanden ist: Eine Autorin beginnt eine Geschichte, ein anderer Schreiber treibt sie weiter und eine dritte führt die Geschichte zu Ende und manch eine zu neuen Ufern. Oder wie in diesem Fall verzweigt und verästelt sich die Geschichte.

Die Ausgangslage ist die folgende: «Samstagabend, eine Bar im Zürcher Kreis 4». Dann wird mit Würfeln Emoticons und Gegenstände gewürfelt und schon flitzten die Geschichten in unterschiedliche Richtungen. Wohin, liest sich in start new game, dem Büchlein, das Geschichten von SekundarschülerInnen, Studierenden und Mitarbeitenden der PH Zürich vereint.

Bereits seit 2009 entsteht so jedes Jahr ein Büchlein. Gedruckte Exemplare aller Jahre können weiterhin zu je CHF 2.– beim Schreibzentrum erworben werden.

Schreibwettbewerb «Schnappschuss» – Einsendeschluss in 14 Tagen

Das Schreibzentrum der PH Zürich veranstaltet zusammen mit der KME Zürich den Schreibwettbewerb «Schnappschuss».
Der Einsendeschluss vom 31. März 2016 rückt näher. Es bleiben also noch 14 Tage, Texte auszuhecken und einzureichen.
Schreibwettbewerb Schnappschuss

Teilnahmeberechtigt
Studierende der PH Zürich und der KME Zürich.

Einsendeschluss
31. März 2016


Text

Text zum Begriff «Schnappschuss». Textsorte frei (z.B. Kurzgeschichte, Minidrama, Gedicht, Rap, Chat).

Textlänge
1000 bis max. 5000 Zeichen (inkl. Leerzeichen)

Text senden an
schreibzentrum@phzh.ch und an slz_schreibwettbewerb@kme.ch

Es gibt Büchergutscheine (200/100/50 CHF) zu gewinnen.

Die Siegertexte beider Kategorien (1.–3. Preis) werden im Rahmen einer Preisverleihung am 31. Mai 2016 an der KME Zürich präsentiert.

Detallierte Ausschreibung zum Download: Ausschreibung Schreibwettbewerb Schnappschuss 2016.

Weitere Informationen unter: stud.phzh.ch/schreibwettbewerb

start new game – #4

Start_New_Game_cover

Der Käfer wird unerklärlicherweise immer schneller und grösser. Wie zum Teufel ist das möglich? Ich muss zusehen, dass ich hier so schnell wie möglich wegkomme, denn so sterbe ich ganz bestimmt nicht. Ich beschliesse, ganz einfach auf den Käfer zu steigen – wollte schon immer mal wissen, wie sich das anfühlt. Gerade als ich dabei bin, wird es dunkel. Eine dicke Wolke bildet sich über mir. Es fängt an, Hagelkörner zu regnen, aber nicht normale! Die sind übernatürlich gross. Wie Fussbälle. Zum Glück zerstören sie den Käfer. Was für ein Tag, jetzt sogar noch ein Regenbogen! Aber wieso hat das niemand ausser mir gesehen? Als wäre ich der einzige Mensch auf der Welt.
Geschichte Nr. 53 von Georgia Skarlatos.

Wer erfahren will, was es mit dem Käfer auf sich hat, geht zurück zu Geschichte Nr. 19 von Julia Capol. Wem das nicht unheimlich genug ist, der wählt Geschichte Nr. 24.
Und so funktioniert das Büchlein, das anlässlich unseres Schreibevents zur Schweizer Erzählnacht 2014 entstanden ist: Eine Autorin beginnt eine Geschichte, ein anderer Schreiber treibt sie weiter und eine dritte führt die Geschichte zu Ende und manch eine zu neuen Ufern. Oder wie in diesem Fall verzweigt und verästelt sich die Geschichte.

Die Ausgangslage ist die folgende: «Samstagabend, eine Bar im Zürcher Kreis 4». Dann wird mit Würfeln Emoticons und Gegenstände gewürfelt und schon flitzten die Geschichten in unterschiedliche Richtungen. Wohin, liest sich in start new game, dem Büchlein, das Geschichten von SekundarschülerInnen, Studierenden und Mitarbeitenden der PH Zürich vereint.

Bereits seit 2009 entsteht so jedes Jahr ein Büchlein. Gedruckte Exemplare aller Jahre können weiterhin zu je CHF 2.– beim Schreibzentrum erworben werden.

start new game – #3

Start_New_Game_cover

Das Taxi ist ein alter Käfer, der laut knattert. Die Jugendlichen erschrecken und rennen plötzlich weg. Die Frau wird immer trauriger und trauriger und geht weinend dem Strassenrand entlang. Sie hat wohl zu tief ins Glas geschaut und erinnert sich kaum noch an ihren Heimweg. Als sie plötzlich ein Knattern hört, merkt sie, dass ein Käfer sie verfolgt.
Geschichte Nr. 19 von Julia Capol.

Es gibt nun drei Möglichkeiten, wie die Geschichte weitergehen könnte: Mit merkwürdigem Wetter, unheimlichen Ereignissen oder mit Fallschirmspringern.
Und so funktioniert das Büchlein, das anlässlich unseres Schreibevents zur Schweizer Erzählnacht 2014 entstanden ist: Eine Autorin beginnt eine Geschichte, ein anderer Schreiber treibt sie weiter und eine dritte führt die Geschichte zu Ende und manch eine zu neuen Ufern. Oder wie in diesem Fall verzweigt und verästelt sich die Geschichte.

Die Ausgangslage ist die folgende: «Samstagabend, eine Bar im Zürcher Kreis 4». Dann wird mit Würfeln Emoticons und Gegenstände gewürfelt und schon flitzten die Geschichten in unterschiedliche Richtungen. Wohin, liest sich in start new game, dem Büchlein, das Geschichten von SekundarschülerInnen, Studierenden und Mitarbeitenden der PH Zürich vereint.

Bereits seit 2009 entsteht so jedes Jahr ein Büchlein. Gedruckte Exemplare aller Jahre können weiterhin zu je CHF 2.– beim Schreibzentrum erworben werden.

start new game – #2

Start_New_Game_cover

«Wer hat hier ein Taxi bestellt?», ruft ein junger Mann mit Kapitänsmütze durch die Tür. Die beiden schauen sich schnell an, er murmelt: «Bienenstich, Bierschäumchen …», hängt sich bei ihr ein und so verlässt das dreibeinige Paar das Lokal. Vor der Tür werden sie aber von den Jugendlichen aufgehalten, der Rothaarige hält den Taxiführer fest, streckt die Kapitänsmütze der Frau entgegen und brüllt sie wütend an:
Geschichte Nr. 11 von Erik Altorfer

Was sie brüllt, das wissen wir aus Geschichte Nr. 58 von Helen Kaufmann. Was es mit dem dreibeinigen Paar auf sich hat, erfahren wir in Geschichte Nr. 20 von Marcel Flütsch.
Und so funktioniert das Büchlein, das anlässlich unseres Schreibevents zur Schweizer Erzählnacht 2014 entstanden ist: Eine Autorin beginnt eine Geschichte, ein anderer Schreiber treibt sie weiter und eine dritte führt die Geschichte zu Ende und manch eine zu neuen Ufern.

Die Ausgangslage ist die folgende: «Samstagabend, eine Bar im Zürcher Kreis 4». Dann wird mit Würfeln Emoticons und Gegenstände gewürfelt und schon flitzten die Geschichten in unterschiedliche Richtungen. Wohin, liest sich in start new game, dem Büchlein, das Geschichten von SekundarschülerInnen, Studierenden und Mitarbeitenden der PH Zürich vereint.

Bereits seit 2009 entsteht so jedes Jahr ein Büchlein. Gedruckte Exemplare aller Jahre können weiterhin zu je CHF 2.– beim Schreibzentrum erworben werden.

start new game – #1

Flyer Vernissage «start new game»

«Verdammt noch mal, viel länger hätte ich ihn nicht mehr festhalten können. Was habt ihr denn so lange da drin gemacht?»
Geschichte Nr. 58 von Helen Kaufmann

Wer wissen will, wer das sagt und warum in aller Welt, geht zurück zu Geschichte Nr. 11 von Erik Altorfer. Denn nach der Geschichte von Helen Kaufmann ist «game over» und es geht zurück zum Start. Und so funktioniert das Büchlein, das  anlässlich unseres Schreibevents zur Schweizer Erzählnacht 2014 entstanden ist: Eine Autorin beginnt eine Geschichte, ein anderer Schreiber führt sie weiter und manch eine Geschichte zu neuen Ufern.

Die Ausgangslage ist die folgende: «Samstagabend, eine Bar im Zürcher Kreis 4». Dann wird mit Würfeln Emoticons und Gegenstände gewürfelt und schon flitzten die Geschichten in unterschiedliche Richtungen. Wohin, liest sich in start new game, dem Büchlein, das Geschichten von SekundarschülerInnen, Studierenden und Mitarbeitenden der PH Zürich vereint.

Bereits seit 2009 entsteht so jedes Jahr ein Büchlein. Die Vernissage des aktuellen Werks start new game wurde von Amanda Wong und Lukas Ramseier moderiert und fand am 2. Dezember 2015 statt. Gedruckte Exemplare aller Jahre können weiterhin zu je CHF 2.– beim Schreibzentrum erworben werden.

Vernissage «Schreiben und Reflektieren»

Jetzt ist die Publikation «Schreiben und Reflektieren» da.
Sie führt in die Theorie und Praxis des Reflektierens ein und eröffnet Studierenden wie Dozierenden Zugangsweisen zum Schreiben, Reflektieren und Lernen an Hochschulen.

schreibenundreflektieren_314
Schreiben und Reflektieren: Denkspuren zwischen Lernweg und Leerlauf.
Hrsg. v. M. Honegger, D. Ammann u. T. Hermann. Bern: hep-verlag, 2015. 144 Seiten.

Folgen wir also ihren Denkspuren zwischen Lernweg und Leerlauf und feiern am Mittwoch, 2.12.2015 im Rahmen einer Doppelvernissage (zusammen mit dem Büchlein «start new game») ihr Erscheinen.

Zeit: 17–18 Uhr (18–19 Uhr Vernissage von start new game)
Ort: Mitarbeiterfoyer der PH Zürich (LAA-N010)

Alle Interessierten sowie Autorinnen und Autoren sind herzlich eingeladen. Es gibt eine Lesung, Snacks und Unterhaltung.