Vergnügungen/Enjoyments international

Im Kontext der International Summer School 2024 kamen Studierende aus China, Taiwan, Griechenland, Frankreich, Italien, Zypern, Schweden, Schottland, England, Wales und der Schweiz an der Pädagogischen Hochschule Zürich zusammen. Im Rahmen der Veranstaltung «Gamification in Education» (Franziska Spring) beschäftigten sich die Studierenden auch mit dem Thema «Life Skills, mindfulness and games». Der spielerische und achtsame Umgang mit Sprache war ebenfalls ein Thema. Das einfach aufgebaute Gedicht «Vergnügungen» von Bertolt Brecht wurde im Sinne eines Remakes adaptiert.

Vergnügungen

Der erste Blick aus dem Fenster am Morgen
Das wiedergefundene alte Buch
Begeisterte Gesichter
Schnee, der Wechsel der Jahreszeiten
Die Zeitung
Der Hund
Die Dialektik
Duschen, Schwimmen
Alte Musik
Bequeme Schuhe
Begreifen
Neue Musik
Schreiben, Pflanzen
Reisen
Singen
Freundlich sein.

(Bertolt Brecht)

Die Teilnehmenden konnten die Sprache frei wählen. Es wurden Gedichte in Griechisch, Mandarin, Italienisch und Englisch vorgetragen. Auch Übersetzungen wurden mitgeliefert. Ein mehrspachiges Gedicht begann auf Französisch und ging dann über in Spanisch und Englisch. Spürbar waren der Stolz auf das eigene Gedicht und eine grosse Wertschätzung der Spachvielfalt. Ein spielerischer Umgang mit Sprache und Wahrnehmung und Wertschätzung der kleinen „Schätze“ im Alltag waren Ziel der Aktivität. Die Studierenden zeichneten sich durch ein extrem hohes Mass an Motivation aus.

Dank geht an Franiska Spring und Eveline Jehle.

In the context of the International Summer School 2024, students from China, Taiwan, Greece, France, Italy, Cyprus, Sweden, Scotland, England, Wales and Switzerland came together at the Zurich University of Teacher Education. As part of the event „Gamification in Education“ (Franziska Spring), the students also dealt with the topic of „Life Skills, mindfulness and games“. The playful and mindful use of language was also a topic. The simply constructed poem „Pleasures“ by Bertolt Brecht was adapted as a remake.

Enjoyments

The first glimpse out of the window in the morning

The rediscovered old book

Enthusiastic faces

Snow, the change of seasons

The newspaper

The dog

Dialectics

Showering, swimming

Old music

Comfortable shoes

Comprehension

New music

Writing, planting

Traveling

Singing

Being friendly

(Bertolt Brecht)

The participants were free to choose the language. Poems were recited in Greek, Mandarin, Italian and English. Translations were also provided. A multilingual poem began in French and then moved on to Spanish and English. The pride in one’s own poem and a great appreciation of language diversity were obvious. A playful use of language and the perception and appreciation of the little „treasures“ in everyday life were the aim of the activity. The students were characterized by an extremely high level of motivation.

Thanks to Franziska Spring and Eveline Jehle.

Linksammlung zu KI und digitalen Phänomenen

Scobel: Diverse Sendungen zu KI

https://www.3sat.de/suche?q=Scobel+ki&synth=true&attrs

Deutschlandfunk: KI Reihe

https://www.deutschlandfunk.de/ki-verstehen-102.html

Kompass: Künstliche Intelligenz und Kompetenz 2023. Einstellungen, Handeln und Kompetenzentwicklung im Kontext von KI

https://www.jff.de/veroeffentlichungen/detail/kompass-kuenstliche-intelligenz-und-kompetenz-2023-einstellungen-handeln-und-kompetenzentwicklung

Erziehungstrends: Was sind die Folgen von Überbehütung?

https://www.srf.ch/play/tv/einstein/video/erziehungstrends-was-sind-die-folgen-von-ueberbehuetung?urn=urn:srf:video:03fd6959-cec4-4215-9419-279d0d27f058

Hype um TikTok – Lieben oder löschen?

https://www.srf.ch/play/tv/dok/video/hype-um-tiktok—lieben-oder-loeschen?urn=urn:srf:video:6b2838d3-7f05-4dc3-897d-dfc68b7430c7

Linksammlung von Mirjam Egloff

https://www.schabi.ch/seite/PHZH-MI

Medienkonsum oder Mediennutzung?

Peter Holzwarth

Immer wieder liest und hört man den Begriff „Medienkonsum“, auch im Zusammenhang mit der Rezeption von Nachrichten („Newskonsum“).

Für viele Menschen hat der Begriff „Konsum“ eine negative bzw. kulturkritische Konnotation. Nutzende werden als passiv konzipiert. Der Gegenstand des Konsums gilt als eher minderwertig, z. B. „Zuckerkonsum“, „Heroinkonsum“ oder „Drogenkonsum“, bezogen auf Medien „Pornokonsum“ oder „Internetkonsum“.

Medieninhalte, die als kulturell hochwertig gelten, werden selten mit dem Begriff „Konsum“ in Verbindung gebracht, z. B. hört oder liest man kaum: ein Rilke-Gedicht konsumieren, ein Klavierkonzert von Mozart konsumieren, die NZZ konsumieren, ein Kinderbuch konsumieren, einen Hesse-Roman konsumieren oder ein Theaterstück konsumieren.

Viele Mediennutzungsformen können potenziell entwicklungsförderliche und problematische Aspekte beinhalten, je nach Person, Inhalt und Kontext. Es ist wichtig, bei jedem Medienphänomen eine differenzierte Sichtweise einzunehmen in Bezug auf Chancen und Risiken.

Ergebnisse der Mediennutzungsforschung zeigen immer wieder, dass bei rezeptiver Nutzung von Medien durchaus auch aktive Prozesse ablaufen, z. B. Selektion, selektive Aufmerksamkeitszuwendung, Bedeutungskonstruktion, Füllung von Leerstellen, Herstellung intertextueller Bezüge, Abgleich mit der eigenen biographischen Erfahrung, Reflexion über Plausibilität oder Anschlusskommunikation.

Um eine Vorverurteilung zu vermeiden, ist es sinnvoll, neutraler von „Mediennutzung“ zu sprechen und danach differenziert Chancen und Risiken zu analysieren und zu benennen.

Was dürfen Satire und Comedy?

„(…) ich ziele mit meinen Jokes nach oben, ich ziele zu denen Leuten, die mehr Macht haben (…).“ Comedian Michael Elsener, Tagessgespräch, SRF, 13.3.2023

«Ims Schwiiz nach de 22 Uhr dusch ims die Fresse halta, un au nümmes die Frau schlage, au wenn sie schims verdiene.» (Mike Müller in der Rolle des albanischstämmigen Migranten Mergim Muzzaffer, SRF-Comedy-Sendung Giaccobo/Müller, 2011)

Was dürfen Satire und Comedy? Wo gibt es ethische Grenzen in Bezug auf negative Darstellungen von Minderheiten?

Mergim Muzzafer über die Nachtruhe | Giacobbo / Müller | Comedy | SRF

Der Schauspieler und Comedian Mike Müller war am 15. Mai 2023 zu Gast an der Pädagogischen Hochschule Zürich (im Rahmen der Veranstaltung «Studienreise in bewegte und bewegende Regionen Europas (Kosovo)» um über diese Fragen und ein konkretes Video zu diskutieren, in dem er die Figur «Mergim Muzzafer» spielt. Dieser ist ein Einwanderer aus Kosova, der in der Schweiz lebt und seinen Landsleuten Integrationshinweise gibt, damit diese in der Schweiz bleiben können bzw. nicht ins Gefängnis müssen. Dabei werden folgende Klischees bedient: „Kriminalität“, „Tiere in der Wohnung halten“, „schlechtes Deutsch“ und „Frauen schlagen“. Im Rahmen der Diskussion hat sich Mike Müller (selbst-)kritisch mit dem Beitrag auseinandergesetzt und gleichzeitig ein Plädoyer für die Freiheit gehalten.

Es stellen sich folgende Fragen:

  1. Dürfen Comedy und Kunst alles („Kunstfreiheit“)?
  2. Darf Comedy alles, weil es ja „nur Spass“ ist?
  3. Macht es einen Unterschied um welche Ausdrucksform es sich handelt (Comedy, Spielfilm, Roman etc.)?
  4. Darf ein Comedian eine ethnische Gruppe klischeehaft darstellen, wenn es sich um die eigene handelt (z. B. Kaya Yanar Karikatur des Türstehers Hakan)? https://youtu.be/5vcGcFf5y3w?si=vnY1cvrPZylT-8qk
  5. Darf ein Comedian eine andere ethnische Gruppe klischeehaft darstellen, wenn die eigene (in anderen Kontexten) auch klischeehaft darstellt wird? https://www.youtube.com/shorts/Yl9RqMLLTpE („Banker Patenschaften dringend gesucht SRF | Comedy | Giaccobo / Müller | SRF“)
  6. Ist es nur dann legitim, wenn es auf Kosten der „Mächtigeren“ geht?
  7. Ist es immer legitim, wenn es auf die Kosten der „Mächtigen“ geht? Oder gibt es auch in diesem Kontext Grenzen?

Ähnliche Diskurse wurden in anderen Kontexten geführt:

Debatte um Erdogan-Gedicht von Jan Böhmermann https://youtu.be/NYY18sP2brM?si=0CRiJuVgi3WljAwW

Lied «Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt» von Danger Dan https://youtu.be/Y-B0lXnierw?si=14xij1GFJ0jrE8Dq

Diskurs um den Film „Nellys Abenteuer“ (Dominik Wessley, Deutschland 2016): Negative Stereotype über Roma vs. positive Darstellung von Einzelpersonen (Holzwarth 2018).

SRF Beitrag von Samuel Lutz vom 8.12.2023: „Worüber darf man noch lachen? Schweizer Comedy-Grössen erzählen“: https://www.srf.ch/kultur/gesellschaft-religion/debatte-um-witz-und-wokeness-worueber-darf-man-noch-lachen-schweizer-comedy-groessen-erzaehlen

Literatur:

Holzwarth, Peter. 2018. „Medienpädagogik, Filmbildung und Migration.“ Migration und Soziale Arbeit (ISSN 1432-6000), Ausgabe 04, Jahr 2018, Weinheim: Beltz Juventa 2018, S. 301-308

„Beautiful German Words“ von „anneliese_leska“ auf Instagram

Achten wir im Alltag auf die Schönheit der eigenen Sprache? Oder finden wir diese nur in Sprachen, die uns fremd sind?

Annelise Leska eröffnet in ihren Instagram-Filmbeiträgen eine persönliche Perspektive auf „Beautiful German Words“, z. B. „Frohnatur“, „Weltschmerz“, „Alptraum“, „Lebensmut“, „beleidigte Leberwurst“, „Schmöker“, „Habseligkeiten“. Hier ein Beispiel:

https://www.instagram.com/reel/CrYtwdjrgQK/?igshid=MzRlODBiNWFlZA%3D%3D

Kann der fremde Blick dazu beitragen, die eigene Sprache neu zu entdecken?

Narrative Kompetenz als Lebenskompetenz?

Im folgenden Zitat von Heiko Ernst kommt zum Ausdruck, dass Menschen über Narrationen biografische Sinnhaftligkeit herstellen können. Möglicherweise profitieren Menschen von literarischen Narrationskompetenzen für ihre umfassendere Biografie- und Identitätsarbeit.

„Erzählungen und Geschichten waren und bleiben die einzigartige menschliche Form, das eigene Erleben zu ordnen, zu bearbeiten und zu begreifen. Erst in einer Geschichte, in einer geordneten Sequenz von Ereignissen und deren Interpretation, gewinnt das Chaos von Eindrücken und Erfahrungen, dem jeder Mensch täglich unterworfen ist, eine gewisse Struktur, vielleicht sogar einen Sinn. […] Zwar sind wir nur in sehr geringem Maße Autoren unserer Geschichte – zu groß ist inzwischen die Macht der Außeneinflüsse und der Abhängigkeit von persönlichen und sozialen Ressourcen, um diese sich selbst überschätzende Rolle durchzuhalten –, aber wir können gute und verständnisvolle Erzähler unserer Geschichte sein und so den nötigen Sinn und Zusammenhang stiften“ (Ernst 1996, S. 202ff.).

Ernst, Heiko. 1996. Psychotrends. Das Ich im 21. Jahrhundert. München: Piper.

How to write an entire book with ChatGPT – Zukunft des Schreibens und Publizierens

Auf Instagram erklärt ein Mann, wie man mit Hilfe von Chat GPT ein ganzes Buch publizieren kann:

https://www.instagram.com/reel/CqmLXPTJk0J/?utm_source=ig_web_copy_link

– Vorschläge für Buchtitel zum gewünschten Thema machen lassen

– Vorschläge für die Titel der Unterkapitel machen lassen

– Grobkonzept für Unterkapitel entwickeln lassen

– Unterkapitel ausführlich ausformulieren lassen

– Alles kopieren und in ein Programm einfügen, das den KI-Charater verschleiert

Wer möchte solche Bücher lesen? Was ist mit Innovation und dem Beschreiten von Neuland? Welche Denk- und Lernprozesse finden bei der Produktion noch statt? Welche Qualitätskriterien braucht es für zukünftige Publikationen? Welche ethischen und rechtlichen Fragen sind zu klären (Autorenschaft, Plagiat, Recht am geistigen Eigentum etc.)?

Literatur- und Linksammlung zum Thema KI und Schreibprozesse

„Ohne zu schreiben, kann man nicht denken; jedenfalls nicht in anspruchsvoller, anschlussfähiger Weise.“ (Niklas Luhmann, Universität als Milieu, 1992)

Viele Menschen beschäftigt das Thema KI und Schreibprozesse an Schulen und Hochschulen. „ChatGPT“ wird in vielen medialen Kontexten diskutiert. Wird es am Ende so sein, wie bei der Einführung des Taschenrechners? Werden sich schriftliche Aufträge verändern müssen? Wird sich die Logik von schriftlichen Arbeiten und Qualifikationsarbeiten grundlegend verändern müssen? Geht es um Verbote und Kontrolle oder eher um einen klugen Einsatz, der gewährleistet, dass Nutzenden wichtige Lernprozesse nicht vorenthalten werden? Oder je nach Kontext beides? Die folgende Link- und Literatursammlung liefert Hintergundinformation, um eine Haltung zu finden.

Döbeli Honegger, Beat. 2023. ChatGPT & Schule. Einschätzungen der Professur „Digitalisierung und
Bildung“ der Pädagogischen Hochschule Schwyz.
https://mia.phsz.ch/pub/MIA/ChatGPT/2023-chat-gpt-und-schule-v117.pdf

Holzwarth, Peter. 2023. «KI und Schreibprozesse an Schulen/Hochschulen.» Medienpädagogik Praxis-Blog. 17.1.2023. https://www.medienpaedagogik-praxis.de/2023/01/19/ki-und-schreibprozesse-an-schulen-hochschulen/

Minor, Liliane. 2023. «Naht das Ende des Aufsatzes?» Tages-Anzeiger. 5.1.2023, S. 15 https://www.tagesanzeiger.ch/sind-textroboter-das-ende-des-schulaufsatzes-639949763011?fbclid=IwAR3ugBuX5zLBRRxVANE-jk1vH1sWEpuZB9t4HCbaG1p3L3fpQdvBMs60Lo8

Otsuki, Grant Jun. 2020. «OK computer: to prevent students cheating with AI text-generators, we should bring them into the classroom. The Conversation.» 23.1.2020. https://theconversation.com/ok-computer-to-prevent-students-cheating-with-ai-text-generators-we-should-bring-them-into-the-classroom-129905

Rickert, Alex. 2022. «Nehmen uns Maschinen das Schreiben ab?» akzente 4/2022. Pädagogische Hochschule Zürich, 25.11.2022. https://blog.phzh.ch/akzente/2022/11/25/nehmen-uns-maschinen-das-schreiben-ab/#more-8065

Stokel-Walker, Chris. 2022. «AI bot ChatGPT writes smart essays — should professors worry? The bot is free for now and can produce uncannily natural, well-referenced writing in response to homework questions.» nature, 9.12.2022. https://www.nature.com/articles/d41586-022-04397-7?fbclid=IwAR3e8SKJpoNtV2vgpGy6WWiJKisJEI41ciIIckZj7v9SOKowfNLpXywJnzI

Wacker, Valérie. 2023. «ChatGPT stellt Lehrpersonal vor neue Herausforderungen.» SRF. 11.2.2023 https://www.srf.ch/news/schweiz/ki-im-klassenzimmer-chatgpt-stellt-lehrpersonal-vor-neue-herausforderungen?ns_source=mobile&srg_sm_medium=fb&fbclid=IwAR2iXMxmbQMz-Pgk0TokkuwXxjgd8i9qXqryAd2Spk46WnG-SjuXsC6mZ_E

Wampfler, Philippe. 2022. «Betrug, Verbote oder Nutzung: Was GPTChat für die Schule bedeutet. Schule Social Media.» https://schulesocialmedia.com/2022/12/08/betrug-verbote-oder-nutzung-was-gptchat-fur-die-schule-bedeutet/

Weßels, Doris. 2023. «Muss man künstliche Intelligenz in der Schule verbieten?» Martin Spiwak im Interview mit Doris Weßels. Die Zeit Nr. 4. 19.1.2023, S. 28

Weßels, Doris. 2022. «Hochschullehre unter dem Einfluss des KI-gestützten Schreibens.» https://hochschulforumdigitalisierung.de/de/blog/Hochschullehre-KI-gestuetztes-Schreiben

Weßels, Doris (2022): «Chat GPT ist erst der Anfang.» https://hochschulforumdigitalisierung.de/de/blog/ChatGPT-erst-der-anfang

Linksammlung von Mirjam Egloff: https://www.schabi.ch/seite/KI-und-Schule