Tutorinnen und Tutoren schreiben für «ph akzente»: Die Studierenden-Kolumne

Titel_phakzente13-3_webSchon seit 2009 schreiben die Tutorinnen und Tutoren des Schreibzentrums für «ph akzente». Im aktuellen Heft zum Thema «entdecken» denkt Karin Weibel auf Seite 45 über die Landsgemeinde und Europa nach.

Ausstudiert – die Studierenden-Kolumne:
Karin Weibel: «Ist die Landsgemeinde ein Modell für Europa?»

Tatsachen als Roman

«Der kleine Ort Holcomb liegt in der Weizenhochebene von West-Kansas, einer abgeschiedenen Gegend, die selbst Einheimische als ‹hinterm Mond› empfinden. Mit seinem harten, blauen Himmel und der wüstenklaren Luft gemahnt der gut siebzig Meilen östlich der Grenze zu Colorado gelegene Landstrich eigentlich eher an den Wilden als an den Mittleren Westen. Der Akzent, den man hier spricht, ist der näselnde Singsang der Prärie, der Viehtreiber und Rancharbeiter, und die meisten Männer tragen Frontier Trousers – die derben, schmal geschnittenen Baumwollhosen der Pioniere –, einen Stetson und spitze Stiefel mit hohen Absätzen. Das Land ist flach, und man hat nach allen Seiten einen herrlich weiten Blick; Pferde, Rinderherden, eine Gruppe weißer Getreidesilos, schlank und anmutig wie griechische Tempel, sind für den Reisenden bereits von weitem zu erkennen.»

Truman Capote: Kaltblütig (Orig. In Cold Blood; in der Übersetzung von Thomas Mohr).
Zürich: Kein & Aber, 2007. / München: Goldmann, 2009.

Gleich zwei sehenswerte Filme haben sich  mit der Entstehungsgeschichte dieses ersten «Tatsachenromans» befasst und zeigen Capote und Harper Lee bei ihren Recherchen in der Provinz.

  • Capote. USA 2005. Regie: Bennett Miller. Nach der Biografie Capote: A Biography von Gerald Clarke. Mit Philip Seymour Hoffman (Truman Capote), Catherine Keener (Harper Lee), Clifton Collins jr. (Perry Smith), Chris Cooper (Alvin Dewey).
  • Infamous. USA 2006. Regie: Douglas McGrath. Nach der Biografie Truman Capote: In Which Various Friends, Enemies, Acquaintances and Detractors Recall His Turbulent Career von George Plimpton. Mit Toby Jones (Truman Capote), Sandra Bullock (Nelle Harper Lee), Daniel Craig (Perry Smith), Jeff Daniels (Alvin Dewey).

 

 

Tutorinnen und Tutoren schreiben für «ph akzente»

Schon seit 2009 schreiben die Tutorinnen und Tutoren des Schreibzentrums für «ph akzente». Im aktuellen Heft zum Thema «Scheitern» erzählt Johannes Fuchs auf Seite 45 von seiner Reiselust.

Ausstudiert – die Studierenden-Kolumne:
Johannes Fuchs: «Das Leben eines Weltenbummlers.»

10 Gebote für gute Texte – #9

Nebensätze lieber anhängen.

«Der klassische Nebensatz – nach der Logik, nach der Eleganz, nach der Häufigkeit sowieso – ist der angehängte: erst die Hauptsache, dann die Nebensache; erst die Handlung, dann die näheren Umstände» (Wolf Schneider, Deutsch fürs Leben: Was die Schule zu lehren vergass).

It was a dark and stormy night

«It was a dark and stormy night; the rain fell in torrents — except at occasional intervals, when it was checked by a violent gust of wind which swept up the streets (for it is in London that our scene lies), rattling along the housetops, and fiercely agitating the scanty flame of the lamps that struggled against the darkness.»

Unter dem Titel Bulwer-Lytton Fiction Contest wird jährlich ein Wettbewerb um den grässlichsten Romananfang ausgetragen. Geehrt wird damit der viktorianische Autor Edward George Bulwer-Lytton, dessen Roman Paul Clifford (1830) mit den Worten «Es war eine dunkle und stürmische Nacht» beginnt. – Snoopys Romane fangen übrigens auch immer so an: «It was a dark and stormy night.»

Mit einem Knalleffekt beginnen

«Zuerst will ich von dem Raubüberfall erzählen, den meine Eltern begangen haben. Dann von den Morden, die sich später ereigneten.»

In diesem Romananfang stecken vier Wochen Arbeit. «Ich mag Bücher, die mit einem Knalleffekt beginnen», sagt der Autor in der Druckfrisch-Sendung vom 28.10.2012. «Wenn man das macht, stellt man einen Wechsel aus. Den muss man dann später auch einlösen.»

Richard Ford: Kanada. Aus dem amerikanischen Englisch von Frank Heibert. Berlin: Verlag Hanser Berlin, 2012. 464 Seiten.