Kategorie: Aufgelesen
Textpassagen, Fundstellen, Zitate zum (reflexiven) Schreiben
Wort des Tages
Wort des Tages

(Daniel Ammann)
Wort des Tages

(Karl A. Herrmann)
ArtOrt Hörspiel / Das weisse Lauschen
Sendungshinweis: Mittwoch, 25.3.2015, 20.00 Uhr, Radio SRF 2 Kultur
Im bewohnten Gebiet der Schädelhöhle
von Gerhard Meister
Wo steckt die Seele? Wo hockt das Ich? Zwischen den Ohren! Das findet der Autor Gerhard Meister. Und lädt nun ein: Setzen Sie die Kopfhörer auf, und erleben Sie ein lustvolles Experiment. Denn: Was Hirnforschung kann, kann das Hörspiel schon lang.
1 Milliarde Euro investiert ein EU-Förderprogramm in das «Human Brain Project»: Damit soll an der ETH Lausanne das menschliche Hirn nachgebaut werden — digital und voll funktions-fähig. Zehn Jahre lang wird geforscht. Der Hörspielautor Gerhard Meister hingegen braucht keine Stunde, um das Ich im Hirn zu suchen. Ein akustisches Experiment, das Fragen stellt, den Hirnlappen kitzelt und unterhält.
Im bewohnten Gebiet der Schädelhöhle ist Gerhard Meisters drittes Hörspiel, das er im Auftrag von Radio SRF geschrieben hat. Hatte er im Hörspiel Naturkunde für Altweltaffen mit der Evolutionstheorie Darwins auseinandergesetzt, so sind es jetzt die Gehirnforschung und die Frage nach dem Bewusstsein, die zum Thema werden. Wie produziert das Gehirn Bewusstsein und wozu? Ist Bewusstsein etwas, das nur in Gehirnen entsteht oder tritt es vielleicht auch anderswo auf? Sagt uns die Beschäftigung mit dem Gehirn etwas darüber, wer wir sind? Und warum haben die alten Ägypter beim Mumifizieren ausgerechnet das Gehirn als einziges Organ einfach weggeworfen? In diesem Hörspiel versucht das Gehirn sich selber auf die Spur zu kommen und begibt sich damit auf einen Trip, auf dem sich die Wirklichkeit Stück für Stück immer weiter auflöst.
Im bewohnten Gebiet der Schädelhöhle.
Regie: Erik Altorfer. Musik: Martin Schütz. Technik: Franz Baumann. Regieassistenz: Myriam Zdini. Produktion: SRF 2015. Dauer: 54 Min.‘
Mit Mareike Hein (Die narzisstisch Gekränkte), Sebastian Rudolph (Der Neuromane), Stefan Kurt, Anne Ratte-Polle, Katja Reinke, Siggi Schwientek und Jirka Zett als Radiostimmen.
Q&A Zitieren #2: «Wer hat’s erfunden?»
In einem Lexikon, auf einer Webseite oder in einem Zeitschriftenartikel stossen Sie auf das Zitat eines Schriftstellers, einer Politikerin oder Philosophin. Wie müssen Sie vorgehen, wenn Sie die Textstelle in Ihre Arbeit übernehmen möchten? Reicht da die Angabe des Lexikons, der Internetseite oder ein Hinweis auf den Sternstunde-Moderator? – Wo denken Sie hin!
Autorschaft: Vom Genie zu Copy-and-paste?
Autorinnen und Autoren saugen sich nicht alles aus den Fingern. Sie stützen sich auf Vorarbeiten von anderen, beziehen sich auf existierende Texte und schreiben auch mal wörtlich ab. Was sagt uns der Blick hinter Zitierregeln und Plagiatsvorwürfe über den Begriff der Autorschaft?, fragt Aurel Jörg in seinem Radiobeitrag «Autorschaft: Vom Genie zu Copy-and-paste?» in der Sendung Reflexe auf Radio SRF 2.
Im Gespräch: Philipp Theisohn, Professor am Deutschen Seminar der Universität Zürich, der immer wieder als Sachverständiger zu Wort kommt, wenn es um Plagiate und literarisches Eigentum geht.
- Aurel Jörg, Aurel. «Autorschaft: Vom Genie zu Copy-and-paste?» Reflexe. Radio SRF 2 Kultur, 12. Februar 2015. 23 min. (Oder direkt im SRF Player)
- Siehe auch «Ist das Urheberrecht am Ende?» zu Philipp Theisohns Buch Literarisches Eigentum in diesem Blog.
«Was wird wohl euer Vers sein?» (Whitman, Keating und das iPad)
In Dead Poets Society (USA 1989; Regie: Peter Weir) fordert der unkonventionelle Lehrer John Keating seine Schüler immer wieder zum Lesen und zum Schreiben auf. «Wozu nützt dieses Leben?», fragt er mit Walt Whitman in einer der eindringlichsten Szenen des Films. – Sie ist derzeit im TV-Werbspot für das iPad Air zu hören, mit Robin Williams’ Synchronsprecher Peer Augustinski:
Wir lesen und schreiben Gedichte, weil wir zur Spezies Mensch zählen. Und die Spezies Mensch ist von Leidenschaft erfüllt. Und Medizin, Jura, Wirtschaft und Technik sind zwar durchaus edle Ziele, und auch notwendig, aber Poesie, Schönheit, Romantik, Liebe sind die Freuden unseres Lebens. Ich möchte an dieser Stelle Whitman zitieren: «Ich, und mein Leben, die immer wiederkehrenden Fragen, der endlose Zug der Ungläubigen, die Städte voller Narren. Wozu bin ich da? Wozu nützt dieses Leben?
Die Antwort: Damit du hier bist. Damit das Leben nicht zu Ende geht, und deine Individualität. Damit das Spiel der Mächte weiter besteht und du deinen Vers dazu beitragen kannst.»
Damit das Spiel der Mächte weiter besteht und du deinen Vers dazu beitragen kannst. Was wird wohl euer Vers sein?
Siehe auch den Beitrag von Michael Prusse:
«‹Macht euer Leben aussergewöhnlich!›» ph akzente 3 (2012): S. 22–23.
Wir brauchen Literatur!

«Ohne Fächer wie Literatur und Geschichte gibt es keinen Fortschritt», sagt Drew Faust im Interview mit der NZZ am Sonntag (7.2.2014, S. 27). Die Präsidentin der Harvard University bricht eine Lanze für die Geisteswissenschaften: «Sie lehren uns, die richtigen Fragen zu stellen. Sie helfen uns, die Welt zu verstehen.» In einer auf wirtschaftlichen Erfolg und technischen Fortschritt getrimmten Welt hören wir das gerne. «Literatur erlaubt uns, in die Köpfe anderer Menschen zu sehen und zu verstehen, wie sie die Welt sehen.»
Die Frage ist also nicht, ob Literatur einen unmittelbaren wirtschaftlichen Nutzen bringt, sondern ob und wie sie unser Zusammenleben und Fortkommen in der Welt bereichert. «Die entscheidende Fähigkeit, die uns die Geisteswissenschaften lehren, ist, etwas zu interpretieren, etwas einen Sinn zu geben. Wir werden heute mit Informationen bombardiert. Aber wie trennen wir die wertvollen von den unnützen? Es geht in unserer Welt eben nicht nur um Fakten, sondern auch darum, was sie bedeuten.»
Reflexives Schreiben für Skikönige
Seit Patrick Küngs Lauberhornsieg wissen wir, dass Erfolg nicht nur mit österreichischen Trainern zu haben ist, sondern auf reflexives Schreiben zurückzuführen ist. Im NZZ-Beitrag «Das Buch Küng» erfahren wir, dass Küng regelmässig ein Renntagebuch führt:
„Nach alter Väter Sitte schrieb er nieder, was es bei dieser und jener Piste zu berücksichtigen gilt, handschriftlich, nicht auf dem Computer, «das ist viel zu schwierig». Erstes Training, zweites Training, Rennen – stets machte er Notizen, «die ich ein Jahr später hervorholen konnte, damit ich wieder wusste, welche Passagen mir Mühe bereitet hatten». Zudem verewigte er, welchen Ski er gefahren war, welchen Schuh, mit welcher Abstimmung.“ (NZZ 20. Januar 2014).
Vielleicht brauchen Spitzensportler/innen neben technisichem Support auch einen Schreibcoach zur Seite?

