Ein junger Pfarrer auf Abwegen

Der Beginn des Romans geht so: Leine_244771_MR.indd

 

«Die Witwe ist aus freiem Willen hier hinaufgegangen, niemand hat sie dazu gewzungen. Sie hat die Läuse aus ihren besten Kleidern geklopft und sich dann angezogen, ihr Haar im Urineimer des Gemeinschaftshauses gewaschen und hochgesteckt.»

 

 

Der Roman erzählt vom jungen Pfarrers Morten Falk, der nach katholischen Gesichtspunkten ein grosser Sünder ist. Er sucht das sexuelle Abenteuer mit einem androgynen Jungen, liest lieber in Rousseaus Schriften als in der Bibel, stiehlt und führt Abtreibungen durch. Nichtsdestotrotz ist einem der Pfarrer sympathisch. Getrieben von Lebenshunger und aufklärerischen Idealen reist er als Missionar am Ende des 18. Jahrhunderts von Kopenhagen in eine dänische Kolonie in Grönland, wo alles anders ist, als er es erwartet hatte.

Mit Humor und Tragik erzählt Kim Leine vom Schicksal eines modernen Menschen, dem es unmöglich ist, seine eigene Integrität zu wahren. Das Buch ist ein grosses Lesevergnügen.

Kim Leine: Ewigkeitsfjord (Hanser, 2014, 635 Seiten)

Mit Kim Leine zum Schauplatz des Romans gehen: https://www.youtube.com/watch?v=7t6Csz9XxK0

 

 

«Rauschen» – Schreibwettbewerb des Schreibzentrums, der KME und der EB Zürich

© Kurt Caviezel
© Kurt Caviezel

Teilnahmebereichtigte
Studierende der PH Zürich der KME sowie Teilnehmende der EB Zürich

Text
Text zum Wort «Rauschen»; Textsorte frei (z.B. Kurzgeschichte, Minidrama, Gedicht, Rap).

Textlänge
1000 bis max. 5000 Zeichen

Einsendeschluss
31. März 2014

Text senden an
schreiblesezentrum@eb-zuerich.ch oder an schreibzentrum@phzh.ch

Preise
Büchergutscheine (200/150/100 CHF) zu gewinnen.

Präsentation der Siegertexte (1.–3. Preis)

in der Aula des Bildungszetrums für Erwachsene BiZE im Mai 2014.

Mehr Inormationen: stud.phzh.ch/schreibzentrum oder openkme.kme.ch (SLZ-Angebote) und eb-zuerich.ch/slz

Flyer Schreibwettbewerb (PDF)

«Herdöpfelhochdeutsch» wird salonfähig – der neue Roman von Silvia Tschui

Tschui_JakobsRoss_RZ.inddEine Lesprobe vom Romananfang:

«Ja, wenn das Elsie das Lied vom Blüemlitaler Bauern, wo vor Heimweh in der Fremde verräblet, nur wieder einmal in einem Salong singen und fidlen könnte, anstatt in diesem Finsterseer Chuestall nur das Rösli und das Klärli mit je einer Hampflen Heu in der Schnörre als Publikum zu haben!»

Dicke Post ist es, die hier von Silvia Tschui frisch ab Presse kommt. Die Handlung  ihres viel gelobten Debütromans spielt in den der ländlichen Schweiz vor 150 Jahren und erzählt von Armut, Missbrauch und Gewalt.

Der herbe Dialekt des Buches lässt einen oft schmunzeln. Die Geschichte jedoch ist blutig und tränenreich. In einem deftigen Schweizer Hochdeutsch schildert das Buch die Geschichte der Bauernmagd Elsie, die mit ihrem Gesang alle betört. Sie wird vom Hausherrn geschwängert und mit dem Rossknecht verheiratet. Silvia Tschui schreibt auf berührende Weise von einer jungen Frau, die ihrer Stimme und sich selbst zur Selbstbestimmung verhilft.

Silvia Tschui
Jakobs Ross.
Zürich: Nagel & Kimche, 2014.

Schande

Schande cover«Für einen Mann seines Alters, zweiundfünfzig, geschieden, hat er seiner Ansicht nach das Sexproblem recht gut im Griff.»

 

Ja, es geht um Sex. Und damit zusammenhängend um einen Skandal des  Literaturprofessors und Berufsromantikers David Laurie aus Kapstadt. Aber nicht nur. Den bleibenden Eindruck nach der Lektüre hinterlässt Davids Tochter Lucy. Obwohl das offizielle Apartheid-Regime gestürzt ist, brodeln die Rassenkonflikte unter der Oberfläche weiter. Lucy wird Opfer eines brutalen Überfalls und entwickelt einen ganz eigenen Umgang mit Rassenkonflikten, indem sie – für ihren Vater David unverständlich – den Teufelskreis von Gewalt und Gegengewalt durchbricht.

Mit Schande gewann J.M. Coetzee 1999 zum zweiten Mal den Booker Prize.

Der Roman wurde 2008 von Steve Jacobs verfilmt («Disgrace»).

 

J. M. Coetzee
Schande.
Aus dem Englischen von Reinhild Böhnke.
Frankfurt/M.: S. Fischer, 2000.

Ich lach dich tot!

Flyer Erzählnacht 2013Möchten Sie die peinlichste Geschichte Ihrer Kollegin hören?

Oder wollen Sie Ihre eigene lustige Geschichte loswerden?

Oder Sie möchten Sie diese aufschreiben?

 

Dann kommen Sie an die Events des Schreibzentrums zur Schweizer Erzählnacht 2013. Je nach Anlass gibt es Freibier, Kuchen oder Apéro (im wohl spektakulärsten Raum der PH Zürich).

  • Do 7. Nov. ab 16.30 Uhr: für gute Geschichten: Freibier! An der Therabierbar
  • Mi 13. Nov. 12–14 Uhr: Erzählmittag mit Kuchen. LAA & LAB Eingangsbereich
  • Mo 18. Nov. 18–20 Uhr: Schreibabend mit Apéro und Panoramasicht. LAA N030

Die besten Geschichten schaffen es (mit Einverständnis der Autorinnen und Autoren) ins Büchlein, welches das Schreibzentrum jedes Jahr produziert. Das Büchlein der letztjährigen Erzählnacht finden Sie hier.

Alle Studierenden und Mitarbeitenden der PH Zürich sind herzlich zu den Erzählnacht-Events eingeladen.

Das Schreibzentrum freut sich auf Sie!

 

Abschied von den Eltern

Peter Weiss«Ich habe oft versucht, mich mit der Gestalt meiner Mutter und der Gestalt meines Vaters auseinanderzusetzen, peilend zwischen Aufruhr und Unterwerfung. Nie hab ich das Wesen dieser beiden Portalfiguren meines Lebens fassen und deuten können.»

 

 

Eben habe ich den Roman «Abschied von den Eltern» von Peter Weiss zum zweiten Mal gelesen. Die Erzählung ging mir bei der zweiten Lektüre noch viel näher als bei der ersten. Wenn ich die erste Seite lese, erhalte ich immer noch eine Gänsehaut.

Was im BBuchumschlag «Abschied von den Eltern»uch steht, betrifft wohl jeden auf eine andere Art. Sicher ist aber, dass wir uns alle irgendwann fragen, wie viel von unseren Eltern in uns ist. Im Roman erzählt Peter Weiss von seiner Kindheit und Jugend als Grenzerfahrung zwischen Aufruhr und Unterwerfung. Seine Ablösung von den Eltern war alles andere als einfach. Aber ist es das je?

Wer mehr als die Kostprobe der ersten zwei Sätze haben möchte, der lese zumindest die erste Seite. Wer die gelesen hat, wird das Buch wohl nicht gleich wieder weglegen.

Peter Weiss: Abschied von den Eltern. Suhrkamp, 1961.

Lernforum im Gang – für Studierende und Mitarbeitende der PH Zürich

Kommen Sie vorbei und lernen Sie die Angebote des Lernforums kennen. Erfahren Sie
Wissenswertes über das Schreibzentrum, die Bibliothek und das Digital Learning Center.

2. Oktober 2013, 17.00 Uhr

LAA Bibliothek

An den Infotischen des Schreibzentrums können Sie etwas erleben:

  • Speed Coaching: Sweet or Sour – schnelles Feedback zu eigenen Texten erhalten.
  • Story Cubes: Geschichten würfeln und hintexten.
  • 3×3 des Schreibens: Die moderne Art, das eigene Schreiben zu planen und umzusetzen.
  • Meta-Tisch: Wie das Schreibzentrum arbeitet – wir zeigen, was wir tun.

Ausserdem:

Slam-Poetry mit Lena Schneppat um 17.45 Uhr mit anschliessendem Apéro.

Das Schreibzentrum, die Bibliothek und das Digital Learning Center freuen sich, Sie zu sehen!

Plakat Lernforum im Gang

stud.phzh.ch/schreibzentrum

stud.phzh.ch/lernforum

Schreibwettbewerb «Blindgänger» – die Siegertexte

Es war ein Mittwochabend im Mai 2013 im obersten Stockwerk der PH Zürich. Die Preisträger des Schreibwettbewerbs 2013 lasen ihre Texte. Jurymitglieder ehrten die Gewinner und trugen Laudationes vor. Im Hintergrund spielte die Band «November’s Fall».

Das war die Preisverleihung des diesjährigen Schreibwettbewerbs des Schreibzentrums der PH Zürich, des SchreibLeseZentrums der KME und der EB Zürich.

Die Siegertexte inklusive Laudationes können hier heruntergeladen werden:

1. Preis: Joerg Roos (Laudatio Stefanie Grob)

2. Preis: Regine Beeg (Laudatio Fritz Keller)

3. Preis: Katrin Furler (Laudatio Magdalena Fröhlich Zbinden)

Die Jury setzte sich zusammen aus: Stefanie Grob (Autorin), ein Tutor und ein wissenschaftlicher Mitarbeiter des Schreibzentrums der PH Zürich, zwei Mitarbeitende des SLZ der KME und zwei Mitarbeitende des SLZ der EB.

Der langweiligste Romananfang der Literaturgeschichte

Die Rede ist von Theodor Fontanes Effi Briest. Wer sich den ersten Satz antun will, hier bitte:

In Front des schon seit Kurfürst Georg Wilhelm von der Familie von Briest bewohnten Herrenhauses zu Hohen-Cremmen fiel heller Sonnenschein auf die mittagsstille Dorfstrasse, während nach der Park- und Gartenseite hin ein rechtwinklig angebauter Seitenflügel einen breiten Schatten erst auf einen weiss und grün quadrierten Fliesengang und dann über diesen hinaus auf ein grosses, in seiner Mitte mit einer Sonnenuhr und an seinem Rande mit Canna indica und Rhabarberstauden besetzten Rondell warf.

 

Doch Achtung: Man lasse sich nicht vom schnörkelhaften Einstieg täuschen. Wir haben es hier mit einem der bedeutendsten Romane einer Epoche zu tun, der vor Sprengkraft nur so strotzt. Die Ehetragödie entlarvt die scheinheilige Moral der damaligen preussischen Gesellschaft.

Fontane verwendet eine hochtrabende Sprache und verschachtelt Teilsätze. Dadurch ergeben sich vielschichtige Aussagen, die wohl nur Theodor Fontane so zu Papier bringen kann. Laienschriftsteller sollten die Finger von dieser Technik lassen.

 

Theodor Fontane: Effi Briest. dtv.

 

BLINDGÄNGER – Preisverleihung zum Schreibwettbewerb 2013

«Blindgänger» ist das Stichwort des diesjährigen Schreibwettbewerbs des Schreibzentrums der PH Zürich, des SchreibLeseZentrums der KME und der EB Zürich.

Die drei SiegerInnentexte werden an der Preisverleihung vorgelesen. Die Jurymitglieder halten Laudationes. Dazu gibt es Musik, Preise und einen Apéro. Man darf gespannt sein auf Texte, die es in sich haben!

22. Mai 2013    17–18 Uhr

PH Zürich, Lagerstrasse 2, Zürich 

Mitarbeiterfoyer N030,       Gebäude LAA

 

Rangliste

1. Joerg Roos

2. Regine Beeg

3. Katrin Furler

 

Die Jury setzte sich zusammen aus: Stefanie Grob (Autorin), ein Tutor und ein wissenschaftlicher Mitarbeiter des Schreibzentrums der PH Zürich, zwei Mitarbeitende des SLZ der KME und zwei Mitarbeitende des SLZ der EB.

 

Die SiegerInnentexte und die Laudationes werden nach der Preisverleihung an dieser Stelle veröffentlicht.