Der langweiligste Romananfang der Literaturgeschichte

Die Rede ist von Theodor Fontanes Effi Briest. Wer sich den ersten Satz antun will, hier bitte:

In Front des schon seit Kurfürst Georg Wilhelm von der Familie von Briest bewohnten Herrenhauses zu Hohen-Cremmen fiel heller Sonnenschein auf die mittagsstille Dorfstrasse, während nach der Park- und Gartenseite hin ein rechtwinklig angebauter Seitenflügel einen breiten Schatten erst auf einen weiss und grün quadrierten Fliesengang und dann über diesen hinaus auf ein grosses, in seiner Mitte mit einer Sonnenuhr und an seinem Rande mit Canna indica und Rhabarberstauden besetzten Rondell warf.

 

Doch Achtung: Man lasse sich nicht vom schnörkelhaften Einstieg täuschen. Wir haben es hier mit einem der bedeutendsten Romane einer Epoche zu tun, der vor Sprengkraft nur so strotzt. Die Ehetragödie entlarvt die scheinheilige Moral der damaligen preussischen Gesellschaft.

Fontane verwendet eine hochtrabende Sprache und verschachtelt Teilsätze. Dadurch ergeben sich vielschichtige Aussagen, die wohl nur Theodor Fontane so zu Papier bringen kann. Laienschriftsteller sollten die Finger von dieser Technik lassen.

 

Theodor Fontane: Effi Briest. dtv.

 

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