{"id":2937,"date":"2019-04-16T08:00:44","date_gmt":"2019-04-16T06:00:44","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.phzh.ch\/zhe\/?p=2937"},"modified":"2019-06-12T11:21:12","modified_gmt":"2019-06-12T09:21:12","slug":"filmanalyse","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.phzh.ch\/zhe\/filmanalyse\/","title":{"rendered":"\u00abHeidi\u00bb forschend betrachtet \u2013 Filmanalyse an der Hochschule"},"content":{"rendered":"\n<p>Beitrag von <a aria-label=\"Peter Holzwarth (\u00f6ffnet in neuem Tab)\" href=\"https:\/\/phzh.ch\/personen\/peter.holzwarth\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Peter Holzwarth<\/a> <\/p>\n\n\n\n<p>\u00abUnd in der letzten Stunde schauen wir einen Film\u00bb, lautet eine g\u00e4ngige Ank\u00fcndigung von Lehrpersonen. Filme werden den Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern oft als Belohnung und als Spezialstunde vor den Ferien in Aussicht gestellt. Immer h\u00e4ufiger jedoch wird Film auch als Bildungsgegenstand ernst genommen, sowohl in \u00e4sthetischer als auch in thematischer Hinsicht. Wenn sich angehende Lehrpersonen an der Hochschule filmbezogene Kompetenzen aneignen, gelingt es ihnen vielleicht sp\u00e4ter Filmbildungsprozesse in ihrem eigenen Unterricht auf hohem Niveau zu initiieren. Dieser Blog-Beitrag gibt einen Einblick in das Buch <a aria-label=\"\u00abFilme verstehen. Anleitung zur Filmanalyse im Studium am Beispiel des Spielfilms Heidi\u00bb (\u00f6ffnet in neuem Tab)\" rel=\"noreferrer noopener\" href=\"http:\/\/www.kopaed.de\/kopaedshop\/?pg=45&amp;pid=1099\" target=\"_blank\">\u00abFilme verstehen. Anleitung zur Filmanalyse im Studium am Beispiel des Spielfilms Heidi\u00bb<\/a> (2019). Im Fokus steht dabei das dritte Kapitel, die Entwicklung einer geeigneten Forschungsfrage. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"731\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/blog.phzh.ch\/zhe\/files\/2019\/04\/Cover-731x1024.jpg\" alt=\"Filmanalysen f\u00f6rdern diverse Kompetenzen. \" class=\"wp-image-2941\" srcset=\"https:\/\/blog.phzh.ch\/zhe\/files\/2019\/04\/Cover-731x1024.jpg 731w, https:\/\/blog.phzh.ch\/zhe\/files\/2019\/04\/Cover-214x300.jpg 214w, https:\/\/blog.phzh.ch\/zhe\/files\/2019\/04\/Cover-768x1076.jpg 768w, https:\/\/blog.phzh.ch\/zhe\/files\/2019\/04\/Cover.jpg 1383w\" sizes=\"auto, (max-width: 731px) 100vw, 731px\" \/><figcaption>Filmanalysen erm\u00f6glichen \u00e4sthetische und thematische Zug\u00e4nge zum Bildungsgegenstand. <\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Kriterien f\u00fcr Forschungsfragen <\/h2>\n\n\n\n<p>F\u00fcr die Entwicklung einer geeigneten Forschungsfrage gibt es kein allgemeing\u00fcltiges Rezept. Es gibt aber Kriterien, anhand derer sich geeignete und ungeeignete Fragen voneinander unterscheiden lassen. Dies wird nun anhand von vier m\u00f6glichen Fragen f\u00fcr eine Filmanalyse von \u00abHeidi\u00bb (2015) illustriert: <\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Wie heisst die deutsche Stadt, in der Heidi eine Weile lebt? (Es liegt auf der Hand, dass es sich hierbei um keine geeignete Forschungsfrage handelt. Sie wird nur aus didaktischen Gr\u00fcnden und zur Illustration verwendet.) <\/li><li>Inwieweit unterscheidet sich die Zuschauerwirkung des Films  <br>\u00abHeidi\u00bb in der Schweiz und in Deutschland?<\/li><li>Wie h\u00e4ufig wird das film\u00e4sthetische Element \u00absubjektive Kamera\u00bb im Film \u00abHeidi\u00bb zum Einsatz gebracht? <\/li><li>Welche Aneignungsstrategien im Spannungsfeld von Fremdbestimmung und Selbstbestimmung werden durch Heidi im Haus Sesemann zum Ausdruck gebracht?<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Diese Fragen sollten, damit sie sich f\u00fcr eine Filmanalyse eignen, folgende vier Kriterien erf\u00fcllen <a aria-label=\"(Holzwarth u. Maurer 2019, 58) (\u00f6ffnet in neuem Tab)\" href=\"https:\/\/kopaed.de\/kopaedshop\/?pid=1099\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">(Holzwarth u. Maurer 2019, 58)<\/a>: <br><\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Eine Frage sollte so formuliert sein, das sie anhand des Filmmaterials beantwortet werden kann (Kriterium 1).<\/li><li>Die Antwort auf die Frage darf zu Beginn noch nicht feststehen (Kriterium 2). <\/li><li>Die Beantwortung der Frage erfordert einen Theoriebezug (Kriterium 3). <\/li><li>Die Frage l\u00e4sst zu, dass die Ergebnisse in einen gr\u00f6sseren gesellschaftlichen Zusammenhang gebracht werden k\u00f6nnen<font style=\"background-color: transparent\"> (Kriterium 4). <\/font><\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Nun gilt es, die Beispielfragen anhand dieser vier Kriterien zu \u00fcberpr\u00fcfen. <\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">\u00dcberpr\u00fcfung der Beispielfragen<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Frage <em>Wie heisst die deutsche Stadt, in der Heidi eine Weile lebt?  <\/em>kann man zwar anhand der Analyse des Filmmaterials beantworten (Kriterium 1 erf\u00fcllt), die Antwort \u00abFrankfurt\u00bb steht aber bereits nach der ersten Visionierung des Films fest (Kriterium 2 nicht erf\u00fcllt). Es ist kein weiterer Theoriebezug n\u00f6tig, um die Frage zu beantworten (Kriterium 3 nicht erf\u00fcllt). Ausserdem l\u00e4sst sich das Ergebnis \u00abFrankfurt\u00bb nicht ohne Weiteres in einen sinnvollen gesellschaftlichen Zusammenhang bringen (Kriterium 4 nicht erf\u00fcllt) <a aria-label=\"(ebd. 59) (\u00f6ffnet in neuem Tab)\" href=\"https:\/\/kopaed.de\/kopaedshop\/?pid=1099\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">(ebd. 59)<\/a>. <\/p>\n\n\n\n<p>Die Fragestellung <em>Inwieweit unterscheidet sich die Zuschauerwirkung des Films \u00abHeidi\u00bb in der Schweiz und in Deutschland? <\/em>ist gehaltvoll und erfordert einen mehrperspektivischen<em> <\/em>Theoriebezug (Filmaneignung, Medienwirkung, interkulturelle Gemeinsamkeiten<em> <\/em>und Unterschiede). Es ist n\u00f6tig, die Wirkungsaspekte zun\u00e4chst theoretisch zu fassen und<em> <\/em>auf den Film herunterzubrechen (Kriterium 3 erf\u00fcllt). Die Ergebnisse lassen sich problemlos in einen weiterf\u00fchrenden Diskurs \u00fcber interkulturelle Unterschiede<em> <\/em>etc. einbinden (Kriterium 4 erf\u00fcllt). Und das Ergebnis steht zu Beginn noch nicht<em> <\/em>fest (Kriterium 2 erf\u00fcllt). Letztlich ist es aber unm\u00f6glich, die Frage alleine<em> <\/em>durch die Analyse des Films zu beantworten (Kriterium 1 nicht erf\u00fcllt) <a href=\"https:\/\/kopaed.de\/kopaedshop\/?pid=1099\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">(ebd.)<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Frage <em>Wie h\u00e4ufig wird das film\u00e4sthetische Element \u00absubjektive Kamera\u00bb im Film \u00abHeidi\u00bb zum Einsatz gebracht? <\/em>l\u00e4sst sich anhand des Films beantworten<em> <\/em>(Kriterium 1 erf\u00fcllt). Die Antwort ist erst nach erfolgter Analyse m\u00f6glich<em> <\/em>(Kriterium 2 erf\u00fcllt). Daf\u00fcr ist die Aufarbeitung des Konzepts \u00absubjektive Kamera\u00bb<em> <\/em>erforderlich (Kriterium 3 erf\u00fcllt). Allerdings l\u00e4sst sich das quantitative Ergebnis nicht so einfach in weiterreichende gesellschaftliche<em> <\/em>Zusammenh\u00e4nge einbinden (Kriterium 4 nicht erf\u00fcllt) <a href=\"https:\/\/kopaed.de\/kopaedshop\/?pid=1099\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">(ebd.)<\/a>.<br><\/p>\n\n\n\n<p>Die Frage <em>Welche Aneignungsstrategien im Spannungsfeld von Fremdbestimmung und Selbstbestimmung werden durch Heidi im Haus Sesemann zum Ausdruck gebracht? <\/em>erfordert eine theoretische Auseinandersetzung mit dem Konzept \u00abAneignung\u00bb (dadurch sind die Kriterien 3 und 2 erf\u00fcllt). Die Analyse bezieht sich auf die Filmpassagen, in denen Heidi im Hause Sesemann verweilt (Kriterium 1 erf\u00fcllt). Auch das Kriterium 4 ist abgedeckt, da die M\u00f6glichkeiten der Aneignung im Spannungsfeld von Fremdbestimmung und Selbstbestimmung eine urmenschliche Grundfrage darstellen, die sich in zahlreichen Kontexten zeigt (Migration, Schule, Familie etc.) <a href=\"https:\/\/kopaed.de\/kopaedshop\/?pid=1099\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">(ebd. 59f.)<\/a>.<br><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"576\" src=\"https:\/\/blog.phzh.ch\/zhe\/files\/2019\/04\/Grafik-Forschungsfrage-1024x576.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-2965\" srcset=\"https:\/\/blog.phzh.ch\/zhe\/files\/2019\/04\/Grafik-Forschungsfrage-1024x576.png 1024w, https:\/\/blog.phzh.ch\/zhe\/files\/2019\/04\/Grafik-Forschungsfrage-300x169.png 300w, https:\/\/blog.phzh.ch\/zhe\/files\/2019\/04\/Grafik-Forschungsfrage-768x432.png 768w, https:\/\/blog.phzh.ch\/zhe\/files\/2019\/04\/Grafik-Forschungsfrage.png 1027w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption>Mit Hilfe dieser Tabelle kann die Forschungsfrage einer Filmanalyse \u00fcberpr\u00fcft werden.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Fazit <br><\/h2>\n\n\n\n<p>Die vierte Beispielfrage, die alle Kriterien einer geeigneten Forschungsfrage erf\u00fcllt, zeigt nur eine von vielen M\u00f6glichkeiten und Perspektiven, einen Spielfilm zu analysieren. Welche Frage sich letztlich tats\u00e4chlich anbietet, h\u00e4ngt immer vom Film, aber auch von den Interessen und der Motivation desjenigen ab, der die Analyse macht. Fest steht: Eine passende Frage zu finden, ist anspruchsvoll. Die Suche braucht einige Zeit und ist unverzichtbarer Bestandteil einer Filmanalyse <a href=\"https:\/\/kopaed.de\/kopaedshop\/?pid=1099\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">(ebd. 73f.)<\/a>. Ist sie gefunden, kann das Analysieren und Forschen \u2013 und damit das Abenteuer \u2013 losgehen. Wie das gelingen kann, zeigt das hier vorgestellte Buch anhand eines Analysebeispiels aus einer Masterarbeit, die sich ebenfalls auf die Heidi-Verfilmung von 2015 bezieht. Das Konzept ist auf verschiedene Hochschulkontexte und -anforderungen adaptierbar (z. B. Seminararbeit, Masterarbeit).  <\/p>\n\n\n\n<p>Wer sich einmal im Leben intensiver mit einer Filmanalyse besch\u00e4ftigt hat, wird fortan mit einem anderen Blick im Kino oder vor dem Bildschirm sitzen. Mehr sehen und mehr verstehen, stellt eine Bereicherung f\u00fcr den Filmgenuss dar \u2013 auch in der Freizeit.<br><\/p>\n\n\n<h3 id=\"Ulrike Hanke\">Zum Autor\u00a0<\/h3>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-3014\" src=\"https:\/\/blog.phzh.ch\/zhe\/files\/2019\/04\/Portr\u00e4t-Peter-Holzwarth.jpg\" alt=\"Peter Holzwarth\" width=\"78\" height=\"104\" \/><a href=\"https:\/\/phzh.ch\/personen\/peter.holzwarth\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Peter Holzwarth<\/a> ist Dozent f\u00fcr Medienp\u00e4dagogik an der <a href=\"https:\/\/phzh.ch\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">PH Z\u00fcrich<\/a>. Er leitet das Fachteam Medienp\u00e4dagogik, arbeitet im <a href=\"..\/..\/de\/Dienstleistungen\/digital-learning\/\">Digital Learning<\/a> (DLE) und in der Abteilung <a href=\"https:\/\/phzh.ch\/de\/Dienstleistungen\/ipe\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Internationale Bildungsentwicklung<\/a> (IB). Ausserdem ist er Berater bei der <a href=\"https:\/\/phzh.sharepoint.com\/sites\/intranet\/phzh\/gremien-und-kommissionen\/stelle-f%C3%BCr-personalfragen-step?highlight=beratung\">Stelle f\u00fcr Personalfragen<\/a> (SteP).\u00a0<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Redaktion: Martina Meienberg<\/p>\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Beitrag von Peter Holzwarth \u00abUnd in der letzten Stunde schauen wir einen Film\u00bb, lautet eine g\u00e4ngige Ank\u00fcndigung von Lehrpersonen. Filme werden den Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern oft als Belohnung und als Spezialstunde vor den Ferien in Aussicht gestellt. 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