«Ufzgi» auf dem Smartphone?

Eine neue Studie unter der Leitung von Klaus Rummler untersucht, wie Schüler und Schülerinnen Medien nutzen, wenn sie ihre Hausaufgaben erledigen.

«Lehrpersonen brauchen keine Angst davor zu haben, dass ihre Schülerinnen und Schüler bei den Hausaufgaben Medien nutzen», sagt Klaus Rummler, Dozent für Medienpädagogik an der PH Zürich. «Wenn sie bei der Hausaufgabenerledigung über ‹WhatsApp› chatten, dann heisst das nicht, dass sie voneinander abschreiben. Es entstehen stattdessen ganz neue Arbeitsformen, die sie bei der gemeinsamen Erarbeitung der Hausaufgaben unterstützen können», führt er aus.

Die Erkenntnis ist Ergebnis zweier Vorstudien, die im Rahmen des vom Schweizerischen Nationalfonds (SNF) geförderten Projekts «Hausaufgaben und Medienbildung» an der PH Zürich durchgeführt wurden. Im Zentrum dieses Projekts steht die Frage danach, wie Schülerinnen und Schüler während der Erledigung von Hausaufgaben Medien nutzen. Die Vorstudien wurden im vergangenen Winter durchgeführt, das Hauptprojekt – vom SNF mit CHF 340.000 unterstützt – startet voraussichtlich im April 2018.

Langjährige Vorarbeiten
Die Vorstudien dienten dazu, nachzuweisen, dass das Thema des Projekts relevant ist und mit den geplanten Theorien und Methoden durchgeführt werden kann. «Das ist ein ganz normales Vorgehen bei Projekten, die vom SNF gefördert werden», erklärt Rummler. «Nachdem der erste Antrag vom SNF abgelehnt wurde, haben wir die Vorstudien durchgeführt. Sie haben uns Anregungen geliefert für Optimierungen und Anpassungen des Projektentwurfs. Die Ergebnisse sind dann in den überarbeiteten zweiten Antrag eingeflossen.» Der zweite Antrag war erfolgreich und wurde vom SNF angenommen. Vom ersten Projektantrag bis zum eigentlichen Projektstart vergingen gut 2 Jahre.

Die Vorbereitungen für das Hauptprojekt laufen nun auf Hochtouren. Das Projekt wird drei Jahre dauern und beginnt, sobald die Mitarbeitenden- und Doktorierendenstellen besetzt sind. «Wir
haben zahlreiche spannende Bewerbungen erhalten», sagt Rummler. «Die grössere Herausforderung wird es allerdings sein, Schulklassen zu finden, die bei dem Projekt mitmachen.»
[Kommentar der Redaktion, 11.04.2018: Mittlerweile wurden die Doktorierendenstelle mit Caroline Grabensteiner und die Post-Doc mit Stelle Colette Schneider Stingelin besetzt.]

Untersuchungsinstrument «Medientagebuch»
Das zentrale Instrument der Datenerhebung sind Medientagebücher, in denen Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe ihre Medienaktivitäten während der Hausaufgaben beschreiben. Nach
zwei Wochen werden die Tagebücher eingesammelt und ausgewertet. «Wir lassen die Schülerinnen und Schüler handschriftlich dokumentieren, wie sie Medien nutzen, damit wir sie nicht beeinflussen und sie nicht gezielt auf ein bestimmtes Medium wie den Computer oder das Smartphone lenken», sagt Rummler. Die Medientagebücher wurden in den beiden Vorstudien bereits getestet. Es konnten insgesamt 105 Tagebücher ausgewertet werden. «Unser Ziel für das Hauptprojekt ist es», so Rummler, «etwa 1.200 Medientagebücher aus neun einwohnerstarken Kantonen der Deutschschweiz zu erhalten.»

Das Smartphone als Primärmedium
Die Auswertung der Vorstudien zeigte: Wichtigstes Werkzeug für die Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe sind das Smartphone und die Anwendung «WhatsApp». Bei «WhatsApp» stehen der Klassen- bzw. Gruppenchat und der 1:1-Chat mit Kolleginnen und Kollegen im Zentrum. Den Computer verwenden die Schülerinnen und Schüler hingegen nur noch für Aufgaben, die durch die Schule vorgegeben sind. Sie nutzen ihn einzig für intensive Internetrecherche, für Aufgaben auf bestimmten Websites sowie für die Anwendungen Word und PowerPoint. Für private Zwecke bzw. zur Unterhaltung spielt der Computer hingegen keine Rolle.

Zeitgemässe Hausaufgaben
Dass das Projekt auf den Bereich der Hausaufgaben fokussiert, hat verschiedene Gründe. «In bisherigen Mediennutzungsstudien stand der Bereich der Hausaufgaben noch nicht im Fokus», sagt Rummler und ergänzt: «Die Lehrpersonen wissen viel zu wenig darüber, wie ihre Schülerinnen und Schüler im Kontext der Hausaufgaben mit Medien handeln.» Genau hier setzt die Studie an: «Unser Ziel ist es, Empfehlungen abzuleiten, wie die Medien bei der Vergabe der Hausaufgaben einbezogen werden könnten beziehungsweise sollten.» Die Ergebnisse der Vorstudie lassen bereits erahnen, in welche Richtung die Empfehlungen gehen werden: «Medien sollten nicht ignoriert werden, wenn Hausaufgaben gestellt und vergeben werden. Hausaufgaben sollten zeitgemäss sein. Und zu einer zeitgemässen Arbeitsweise gehören heute eben auch die Medien.»

[Dieser Artikel erschien erstmalig im «inside», dem Mitarbeitendenmagazin der PH Zürich, Ausgabe 1/18, vom 18. März 2018]