Eine Schwierigkeit in der Schulführungsforschung ist die Frage, wie es gelingt, möglichst nahe an den Berufsalltag und an die Erfahrungen von Schulleitungen zu kommen. Wenn eine wissenschaftliche Studie herausfindet, dass Schulleitungen stark mit administrativen Aufgaben beschäftigt sind, dann ist damit noch nicht viel gewonnen.
Einerseits werden viele Schulleitungen beim Lesen dieses Resultats laut auflachen und meinen, dass sie dies auch schon vor der Studie gewusst haben. Andererseits kann man mit dem Resultat als Erkenntnis wenig anfangen.
Warum beschäftigen sich Schulleitungen vorwiegend mit administrativen Aufgaben? Weil sie die Prioritäten so setzen, weil sie vor allem verwaltungsaffine Menschen Schulleitungen werden, weil Administration bequemer ist, als beispielsweise Schulentwicklung, etc.? Möglichst nah dran sein meint, den Berufsalltag von Schulleitenden möglichst gut erfassen zu können, um daraus mögliche Erkenntnisse herauslesen zu können.
Eine Methode, welche ich in meiner Forschung verwende, sind Vignetten (Schratz, Schwarz, and Westfall-Greiter 2012). Vignetten sind kurze, prägnante Texte, welche ich als Forscher während der teilnehmenden Beobachtung schreibe und in einer Forschungsgruppe intersubjektiv validiere.
Sie haben den Anspruch der Prägnanz als eine andere Form von Genauigkeit (Gabriel 2010), um damit mehr als nur das kognitiv sichtbare darzustellen. So spielen in Vignetten die Stimme und der leibliche Ausdruck der Personen, aber auch die Stimmung im Raum und andere Elemente eine wichtige Rolle.
Letzte Woche durfte ich an der europäischen Erziehungswissenschaftskonferenz (ECER) an der Universität Hamburg eine Vignette vorstellen und an ihr die Frage nach dem Führungsbegriff veranschaulichen. Gerne möchte ich euch im Rahmen dieses Blogs die Vignette und meine Gedanken dazu präsentieren.
Darf ich dich kurz was fragen? weiterlesen