Vor der Integration kommt die Stärkung der Familien

Die Arbeit mit den Eltern kann die Integration von verhaltensauffälligen Schülerinnen und Schülern fördern und einschneidende Interventionen, zum Beispiel der Kesb ersparen.

Wie kann man Schülerinnen und Schüler mit Schwierigkeiten im sozial-emotionalen Bereich integrieren? Nach unserer Erfahrung an der Tagesschule Oberglatt muss man dazu den Blick auf die Familien ausweiten und diese stärken.

Die Tagesschule Oberglatt hat deshalb zusätzlich zur Sonderschule eine Institution für soziale Arbeit geschaffen, die schulnah Erziehungsberatung, Familienbegleitung und Multifamilienarbeit anbietet. Dies hilft die Ursachen für problematische Verhaltensweisen von Schülern zu verstehen und so zu verhindern, dass ein Teufelskreis aus Massnahmen und Fehlverhalten entsteht. Nach unserer Erfahrung sind Verhaltensprobleme oft der Spiegel eines belasteten Elternhauses.

Eine gerade veröffentlichte Studie der Bertelsmann-Stiftung scheint das zu bestätigen. Darin wurden Kinder und Jugendliche in Deutschland gefragt, ob der Satz „In meiner Familie gibt es jemanden, der sich um mich kümmert“ auf sie zutreffe. 5.2 Prozent der 10-Jährigen meinten, dass das auf sie „gar nicht oder nur ein bisschen“ zu treffe, bei den 14-Jährigen sind es sogar fast 10 Prozent.

Diese Probleme bleiben oft unbemerkt, da sich die Eltern schämen und eine Intervention der Kesb befürchten. Die Betroffenen zögern auch deshalb, eine Beratung zum Beispiel beim Kinder- und Jugendzentrum aufzusuchen.

Hat man aber das Vertrauen der Eltern gewonnen, nehmen sie die Unterstützung durch eine schulnahe Stelle gerne an. Dies führt in der Regel und manchmal erstaunlich schnell zu einer Beruhigung der Situation. Gerade die Multifamilienarbeit leistet hier wertvolle Dienste, weil sie die Eltern in der Verantwortung hält, ihre Ressourcen aktiviert und sie mit anderen Eltern in Kontakt bringt.

Quelle: Bertelsmannstiftung. Fragt sie doch selbst! Kinder und Jugendliche als Experten ihrer Lebenswelt. 2019

Infos zur Elternunterstützung der Tagesschule Oberglatt erhalten Sie hier.

Eckart Störmer, Schulleiter Tagesschule Oberglatt

Wie Musik den Schülern hilft und warum es sich lohnt, einen Vollblutmusiker anzustellen, lesen Sie im letzten Artikeln von Eckart Störmer.

Die integrative Kraft des Orchesters – Warum es sich als Schule lohnt, einen Vollblutmusiker anzustellen

An der Tagesschule Oberglatt, einer Schule für Schüler mit Problemen im sozial- emotionalen Bereich, lernt jeder Schüler ein selbst gewähltes Instrument und spielt in einer Band oder einem Orchester. Dies hilft den Schülern, sich wieder als Teil eines Ganzen zu empfinden.

Schüler mit herausforderndem Verhalten sind in unserem Schulsystem oft die, die nicht mitspielen dürfen. Sie befinden sich in einem Misfit in Bezug auf ihr Umfeld. Sie sind aus dem Rhythmus gefallen.

Im Schulorchester können sie selber ihre Rolle auswählen – nicht jeder möchte Flöte spielen – und sich mit ihren Fähigkeiten und ihrem Temperament einbringen. Um dabei zu sein, genügt es am Anfang, im richtigen Moment einen einzigen Ton zu spielen. Die integrative Kraft des Orchesters – Warum es sich als Schule lohnt, einen Vollblutmusiker anzustellen weiterlesen

Das Reallabor – Ein Plädoyer für partizipative Lernraumgestaltung

Würde man 100 Menschen verschiedener Generationen ein Bild von schulischem Lernen skizzieren lassen, sähen wohl viele Exemplare annähernd identisch aus: Ein einheitlich gestaltetes Klassenzimmer, frontale Sitzordnung, monotone und einheitliche Lehrmittel, die grüne Tafel an der Stirnseite, von der Lehrperson in Schreibschrift angekreidet mit dem Unterrichtsstoff eines obligatorischen Lehrplans. Eine Tür und Wände, die das Lernen vor der Aussenwelt verschliessen und verstecken. 

So etwa sähe zumindest das Bild meiner konstruierten Schulzeit sowie auch das vieler unserer Eltern und Grosseltern aus. Und auch die Erinnerungen unserer Kinder sähen zukünftig so aus, wenn wir ihnen alsbald keine andere Vorstellung von Schule ermöglichen werden.

Lernen wird stetig mehr – mehr selbstorganisiert, kompetenzorientiert und selbstbestimmt, mehr individualisiert, personalisiert und massgeschneidert, mehr digital, flexibel, orts- und zeitunabhängig. Aber Lernen wird auch hoffentlich weniger – weniger selektiv und separativ. Für mich gelten dabei drei Thesen, die ich in meinem Alltag predige: Das Reallabor – Ein Plädoyer für partizipative Lernraumgestaltung weiterlesen

Weiterbildung «Fachbegleitung am Arbeitsort»

Die Fachbegleitenden begleiten als erfahrene Lehrpersonen berufseinsteigende Kolleginnen und Kollegen in den ersten beiden Jahren nach Erhalt des Lehrdiploms am Arbeitsplatz. Um Fachbegleitende im professionellen Handeln zu unterstützen, besuchen sie im Auftrag des Volksschulamtes (VSA) eine Weiterbildung an der PH Zürich. Die Weiterbildung verfolgt folgende Ziele:

Doppelte Personalentwicklung

Die Weiterbildung verläuft parallel zur ersten Fachbegleitung der berufseinsteigenden Lehrperson. In zehn Halbtagen setzen sich die Teilnehmenden im ersten Jahr mit den Grundlagen der Fachbegleitung  auseinander (z. B. Rolle, Haltung, Gesprächsführung, Zusammenarbeit). Im zweiten Jahr wählen die Teilnehmenden aus einer Palette von Veranstaltungen zwei aus. Konkrete Fragen aus der Fachbegleitung legen den Roten Faden durch die Weiterbildung. Das gilt für die vermittelten Inhalte genauso wie für Fallbesprechungen unter den Teilnehmenden.

Impulse für die Beratungspraxis

Die Fachbegleitenden sind in ihrer Funktion darin gefordert, eine begleitende Haltung zu entwickeln. Konkret bedeutet dies, sich eine personenzentrierte Gesprächshaltung anzueignen, Berufseinsteigende darin zu unterstützen, ihr eigenes Profil als Lehrperson zu schärfen, sich mit Tipps zurückzuhalten, es sei denn, die berufseinsteigene Lehrperson kommt wirklich nicht mehr weiter, akzeptieren, dass andere Wege zum Unterrichten genauso gut sind wie die eigenen.

Persönliche Beratung

Die Weiterbildung ist bewusst auf zwei Jahre angelegt, damit die Teilnehmenden sich regelmässig mit Kolleginnen und Kollegen treffen und zu aktuellen Fragen austauschen können. Allen Schulleitenden, Fachbegleitenden und Berufseinsteigenden steht zudem die Programmleiterin «Fachbegleitung am Arbeitsort» bei Fragen zur Verfügung.

Mirjam Beglinger, Dozentin Zentrum Person und Profession, PH Zürich

Haben Sie den ersten Teil verpasst? Hier können Sie ihn lesen.

Auswahl der Fachbegleitenden

Berufseinsteigende Lehrpersonen werden in den ersten zwei Jahren nach Erhalt des Lehrdiploms an ihrem Arbeitsort von einer erfahrenen Lehrperson begleitet. Es ist Aufgabe der Schulleitenden, dieses obligatorische Angebot einzurichten und eine geeignete Lehrperson für die Fachbegleitung zu finden. Jörg Berger dazu im Gespräch mit der Programmleiterin der Weiterbildung «Fachbegleitung am Arbeitsort»:

Berger: Wer kann eine Fachbegleitung übernehmen?

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Zusammenarbeit nach Plan?

Als Schulleiter einer Tagessonderschule begrüsse ich den neuen Berufsauftrag, weil er Zusammenarbeit als wesentliche Aufgabe von Lehrpersonen anerkennt und ihr Zeit einräumt. Zusammenarbeit oder Kooperation – eine Mega-Aufgabe unserer Zeit. Auch im Lehrplan 21 ist sie deshalb ein wichtiger Lerninhalt. Hilft der neue Berufsauftrag, angemessen zusammenzuarbeiten oder schränkt er unnötig ein?

Mir gefällt dazu die Unterscheidung von blauer und roter Kooperation von André Woodtli. Blaue Kooperation wirkt bei Prozessen, deren Lösungen im Prinzip bekannt sind. Je genauer die einzelnen Schritte vorher beschrieben werden, um so besser die Lösung. Die Schule kennt eine Unzahl blauer Prozesse, vom Lehrplan bis zur Schulordnung.

Was helfen diese aber, wenn Chaled sichtlich erregt vor mir steht und “Ich hasse Sie!” schreit? Hier sofort eine Massnahme zu verhängen, wie es der Massnahmenkatalog vorsieht, kann ziemlich daneben liegen.

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Forschungsprojekt zur Schulentwicklung von Primarschulen: 100 Primarschulen in der Deutschschweiz gesucht

Wie arbeiten Sie und Ihr Team konkret im Schulalltag, um die eigene Schule und den Unterricht weiterzuentwickeln? Wie gelingt es Ihnen, Ihre Schülerinnen und Schüler optimal zu fördern? Diesen und weiteren Fragen geht die Studie „School Improvement Capacity for Academic Learning“ am Institut für Erziehungswissenschaft der Universität Zürich nach und sucht dazu 100 Primarschulen.

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Blikk för läring – das Augenmerk aufs Lernen richten

Buggeland Skole ist typisch norwegisch: sympathisch, naturverbunden, qualitätsbewusst und klever. 420 Schülerinnen und Schüler besuchen die Schule – von der 1. bis zur 10. Klasse. Noten gibt’s erst ab der 8. Klasse, selektiert wird erst nach der 10. – wie in ganz Norwegen. Doch Buggeland Skole hat noch viel mehr zu bieten.

Der Wind von der nahegelegenen Westküste bläst mir eisern ins Gesicht. Ich bemühe mich freundlich zu lächeln, als sich Martine, eine 6.-Klässlerin vorstellt und mir mitteilt, dass sie für diesen Tag mein Guide sei. Sie werde mir die gesamte Schule zeigen und mit mir die 40-minütige Pause verbringen – spielend und draussen im Sturm wohlverstanden. Norwegen legt grossen Wert auf Natur und Wetter und stellt diese in der Bildung ins Zentrum. Ganz nach dem Motto: Es gibt kein schlechtes Wetter – bloss schlechte Kleidung.

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Fallstudien: Churermodell und Einmalzulage

Fünf ausgewählte Schulleitungen aus der Praxis bereiten ein Setting vor, das Einblicke in komplexe Herausforderungen von Schulführung bietet. Teilnehmende des CAS Führen einer Bildungsorganisation stellen sich den Aufgaben und präsentieren ihre Lösungsansätze und Gedanken – heute im dritten und letzten Teil:

Ist die Bündner Gerstensuppe noch heiss?

Ein erfolgreich gestartetes Schulmodell brachte grosses Interesse und sogar einen Schulpreis hervor. Trotzdem stellt sich heute die Frage: Wie geht es weiter? 

An der Primarschule Otelfingen wird nach dem Churermodell unterrichtet. Das Schulteam hat in einem langfristigen Prozess auf die Umsetzung des Modells vorbereitet und die wichtigsten Ziele im pädagogischen Fussabdruck (Leitbild) festgehalten.

Aus Sicht des Schulleiters droht jetzt, nach dem ersten schwungvollen Hype, die Begeisterung der Lehrpersonen für das Modell abzuflachen.

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Fallstudien: Schule der Zukunft und Ressourcenverteilung Sonderpädagogik

Ausgerüstet mit einer Toolbox, die Basis für die Analyse und Erarbeitung von Problemstellungen bietet, lösen Teilnehmende des Lehrgangs «Führen einer Bildungsorganisation» an rund fünf verschiedenen Schulen die damit verbundenen Fragestellungen. Sie erarbeiten kriteriengeleitet Klärungsversuche und Lösungen, die dann der Schulleitung vor Ort präsentiert und diskutiert werden. Dabei geht es um Thematiken wie prozedurale Architektur, Prozessdesign, systemische Sichtweise, Partizipation, Gerechtigkeit, Rolle der Schulleitung, Schule der Zukunft, neue Formen der Unterrichtsgestaltung und vieles mehr.

Die dreiteilige Serie gibt Einblick in die Lösungsansätze. Lesen Sie heute den zweiten Teil:

Die Schule der Zukunft – in Dietlikon!

Als Träger des Schulpreises 2017 wird die Schule Dietlikon für ihre stimmige, hochentwickelte und umfassende Schulorganisation gelobt. Diese Entwicklung zum heutigen Ist-Zustand wurde laut Schulleiter der Sekundarschule, Reto Valsecchi, vor neun Jahren mit einem Visionstag angestossen – mit dem Ziel, dass sich schliesslich schulinterne Veränderung und Entwicklung auf den Unterricht auswirken und für die Lernenden spürbar werden.

Wie wird eine solche Entwicklung möglich? Fallstudien: Schule der Zukunft und Ressourcenverteilung Sonderpädagogik weiterlesen