Einer für alle und alle für einen – Multiprofessionalität auf Augenhöhe

Vom 21. bis 23. März 2019 zog es wieder über 2’500 Schulleitungen aus dem deutschsprachigen Raum nach Düsseldorf an den 8. Deutschen Schulleiterkongress.

Aus einer Fülle von über 100 Vorträgen und Workshops galt es eine Auswahl für zweieinhalb Tage zu treffen. Es finden sich wie jedes Jahr für fast alle Aktualitäten an der eigenen Schule passende Angebote.

Einer für alle und alle für einen – Multiprofessionalität auf Augenhöhe weiterlesen

Facetten von Schulleitungshandeln

Am 18.03.2019 durften wir das Forschungsprojekt „Von den Besten lernen – Schulleitungshandeln an lernwirksamen Schulen“ beim Forum Schulleitung in Winterthur vorstellen und erste Ergebnisse präsentieren.

Das von der Robert-Bosch-Stiftung geförderte Forschungsprojekt Forscherteam unter der Leitung von Prof. Dr. Michael Schratz an der Universität Innsbruck, Institut für Schulforschung sowie Lehrerinnen- und Lehrerbildung, durchgeführt. Es geht der Frage nach, wie sich Schulleitungshandeln an lernwirksamen Schulen zeigt und hat sich zum Ziel gesetzt, Erkenntnisse für die Professionalisierung von Schulleiterinnen und Schulleitern und für die Begleitung von Schulentwicklungsprozessen fruchtbar zu machen.

Facetten von Schulleitungshandeln weiterlesen

Vor der Integration kommt die Stärkung der Familien

Die Arbeit mit den Eltern kann die Integration von verhaltensauffälligen Schülerinnen und Schülern fördern und einschneidende Interventionen, zum Beispiel der Kesb ersparen.

Wie kann man Schülerinnen und Schüler mit Schwierigkeiten im sozial-emotionalen Bereich integrieren? Nach unserer Erfahrung an der Tagesschule Oberglatt muss man dazu den Blick auf die Familien ausweiten und diese stärken.

Die Tagesschule Oberglatt hat deshalb zusätzlich zur Sonderschule eine Institution für soziale Arbeit geschaffen, die schulnah Erziehungsberatung, Familienbegleitung und Multifamilienarbeit anbietet. Dies hilft die Ursachen für problematische Verhaltensweisen von Schülern zu verstehen und so zu verhindern, dass ein Teufelskreis aus Massnahmen und Fehlverhalten entsteht. Nach unserer Erfahrung sind Verhaltensprobleme oft der Spiegel eines belasteten Elternhauses.

Eine gerade veröffentlichte Studie der Bertelsmann-Stiftung scheint das zu bestätigen. Darin wurden Kinder und Jugendliche in Deutschland gefragt, ob der Satz „In meiner Familie gibt es jemanden, der sich um mich kümmert“ auf sie zutreffe. 5.2 Prozent der 10-Jährigen meinten, dass das auf sie „gar nicht oder nur ein bisschen“ zu treffe, bei den 14-Jährigen sind es sogar fast 10 Prozent.

Diese Probleme bleiben oft unbemerkt, da sich die Eltern schämen und eine Intervention der Kesb befürchten. Die Betroffenen zögern auch deshalb, eine Beratung zum Beispiel beim Kinder- und Jugendzentrum aufzusuchen.

Hat man aber das Vertrauen der Eltern gewonnen, nehmen sie die Unterstützung durch eine schulnahe Stelle gerne an. Dies führt in der Regel und manchmal erstaunlich schnell zu einer Beruhigung der Situation. Gerade die Multifamilienarbeit leistet hier wertvolle Dienste, weil sie die Eltern in der Verantwortung hält, ihre Ressourcen aktiviert und sie mit anderen Eltern in Kontakt bringt.

Quelle: Bertelsmannstiftung. Fragt sie doch selbst! Kinder und Jugendliche als Experten ihrer Lebenswelt. 2019

Infos zur Elternunterstützung der Tagesschule Oberglatt erhalten Sie hier.

Eckart Störmer, Schulleiter Tagesschule Oberglatt

Wie Musik den Schülern hilft und warum es sich lohnt, einen Vollblutmusiker anzustellen, lesen Sie im letzten Artikeln von Eckart Störmer.

Darum braucht es Schulleitungen!? (2)

Zusammen mit einem Schulpräsidenten und einer Schulleiterin hatten wir eine Informationsveranstaltung zum Lehrplan 21 für Eltern. Während ihrem Referat berichtete die Schulleiterin von ihren Lehrpersonen im Team. Dabei unterschied sie zwischen drei Typologien von Lehrpersonen, welche sie in ihrem Schulhaus hat:

Die ersten sind die motiviert Davonschreitenden. Sie freuen sich auf den Lehrplan und sind bereits intensiv am Planen und Umsetzen.

Die zweiten sind eher vorsichtig. Sie gehen schrittweise voran und das, was sie tun, ist wohlüberlegt und von hoher Qualität.

Die dritte Kategorie sind diejenigen, welche gar nichts machen. Sie haben den Lehrplan bereits umgesetzt, weil sie zum Beispiel an der PH bereits nach Lehrplan 21 ausgebildet wurden oder schon viele individuelle Weiterbildungen besucht haben.

Beim Zuhören habe ich gestaunt, denn mir fehlte mindestens noch die Kategorie von Lehrpersonen, welche sich für den Lehrplan 21 gar nicht interessiert. Schliesslich waren sie schon vor dem Lehrplan an der Schule und geniessen Aciennität.

Fehlt diese Kategorie, weil die Schulleitung gute Personalentwicklung macht und diese Lehrpersonen nicht mehr an der Schule sind? Oder weil sich die Schule schon lange stetig weiterentwickelt und die Umsetzung des Lehrplans keine Hexerei, sondern Schulalltag ist? Oder weil die Schulleiterin gutes Marketing betreibt? Ich muss sie das nächste Mal fragen. Auf jeden Fall hat es mit der Schulleiterin zu tun.

Niels Anderegg, Zentrumsleiter Management und Leadership, PH Zürich

Vor einem Jahr ist Niels Andereggs erster Blogbeitrag «Darum braucht es Schulleitungen!?» mit dem wanderlustigen Lehrer und der fahrradfreudigen Schulleiterin erschienen. Hier geht es zum Blogbeitrag «Darum braucht es Schulleitungen!?»)

Die integrative Kraft des Orchesters – Warum es sich als Schule lohnt, einen Vollblutmusiker anzustellen

An der Tagesschule Oberglatt, einer Schule für Schüler mit Problemen im sozial- emotionalen Bereich, lernt jeder Schüler ein selbst gewähltes Instrument und spielt in einer Band oder einem Orchester. Dies hilft den Schülern, sich wieder als Teil eines Ganzen zu empfinden.

Schüler mit herausforderndem Verhalten sind in unserem Schulsystem oft die, die nicht mitspielen dürfen. Sie befinden sich in einem Misfit in Bezug auf ihr Umfeld. Sie sind aus dem Rhythmus gefallen.

Im Schulorchester können sie selber ihre Rolle auswählen – nicht jeder möchte Flöte spielen – und sich mit ihren Fähigkeiten und ihrem Temperament einbringen. Um dabei zu sein, genügt es am Anfang, im richtigen Moment einen einzigen Ton zu spielen. Die integrative Kraft des Orchesters – Warum es sich als Schule lohnt, einen Vollblutmusiker anzustellen weiterlesen

Das Reallabor – Ein Plädoyer für partizipative Lernraumgestaltung

Würde man 100 Menschen verschiedener Generationen ein Bild von schulischem Lernen skizzieren lassen, sähen wohl viele Exemplare annähernd identisch aus: Ein einheitlich gestaltetes Klassenzimmer, frontale Sitzordnung, monotone und einheitliche Lehrmittel, die grüne Tafel an der Stirnseite, von der Lehrperson in Schreibschrift angekreidet mit dem Unterrichtsstoff eines obligatorischen Lehrplans. Eine Tür und Wände, die das Lernen vor der Aussenwelt verschliessen und verstecken. 

So etwa sähe zumindest das Bild meiner konstruierten Schulzeit sowie auch das vieler unserer Eltern und Grosseltern aus. Und auch die Erinnerungen unserer Kinder sähen zukünftig so aus, wenn wir ihnen alsbald keine andere Vorstellung von Schule ermöglichen werden.

Lernen wird stetig mehr – mehr selbstorganisiert, kompetenzorientiert und selbstbestimmt, mehr individualisiert, personalisiert und massgeschneidert, mehr digital, flexibel, orts- und zeitunabhängig. Aber Lernen wird auch hoffentlich weniger – weniger selektiv und separativ. Für mich gelten dabei drei Thesen, die ich in meinem Alltag predige: Das Reallabor – Ein Plädoyer für partizipative Lernraumgestaltung weiterlesen

«Everyone can create» – kreativer Einsatz digitaler Medien im Unterrichtsalltag

Eine Gruppe interessierter Schulleitenden und PICTS besuchten im Januar 2019 die ACS Hillingdon und die Tormead School in London. An beiden Schulen werden Schülerinnen und Schüler von vier bis achtzehn Jahren unterrichtet. Wir erhielten einen spannenden Einblick in ihren Schulalltag und ihren Umgang im Einsatz digitaler Medien im Unterricht.

«Everyone can create» – kreativer Einsatz digitaler Medien im Unterrichtsalltag weiterlesen

Zusammenarbeit nach Plan?

Als Schulleiter einer Tagessonderschule begrüsse ich den neuen Berufsauftrag, weil er Zusammenarbeit als wesentliche Aufgabe von Lehrpersonen anerkennt und ihr Zeit einräumt. Zusammenarbeit oder Kooperation – eine Mega-Aufgabe unserer Zeit. Auch im Lehrplan 21 ist sie deshalb ein wichtiger Lerninhalt. Hilft der neue Berufsauftrag, angemessen zusammenzuarbeiten oder schränkt er unnötig ein?

Mir gefällt dazu die Unterscheidung von blauer und roter Kooperation von André Woodtli. Blaue Kooperation wirkt bei Prozessen, deren Lösungen im Prinzip bekannt sind. Je genauer die einzelnen Schritte vorher beschrieben werden, um so besser die Lösung. Die Schule kennt eine Unzahl blauer Prozesse, vom Lehrplan bis zur Schulordnung.

Was helfen diese aber, wenn Chaled sichtlich erregt vor mir steht und “Ich hasse Sie!” schreit? Hier sofort eine Massnahme zu verhängen, wie es der Massnahmenkatalog vorsieht, kann ziemlich daneben liegen.

Zusammenarbeit nach Plan? weiterlesen

Blikk för läring – das Augenmerk aufs Lernen richten

Buggeland Skole ist typisch norwegisch: sympathisch, naturverbunden, qualitätsbewusst und klever. 420 Schülerinnen und Schüler besuchen die Schule – von der 1. bis zur 10. Klasse. Noten gibt’s erst ab der 8. Klasse, selektiert wird erst nach der 10. – wie in ganz Norwegen. Doch Buggeland Skole hat noch viel mehr zu bieten.

Der Wind von der nahegelegenen Westküste bläst mir eisern ins Gesicht. Ich bemühe mich freundlich zu lächeln, als sich Martine, eine 6.-Klässlerin vorstellt und mir mitteilt, dass sie für diesen Tag mein Guide sei. Sie werde mir die gesamte Schule zeigen und mit mir die 40-minütige Pause verbringen – spielend und draussen im Sturm wohlverstanden. Norwegen legt grossen Wert auf Natur und Wetter und stellt diese in der Bildung ins Zentrum. Ganz nach dem Motto: Es gibt kein schlechtes Wetter – bloss schlechte Kleidung.

Blikk för läring – das Augenmerk aufs Lernen richten weiterlesen

Neuer Berufsauftrag – (Sinn) -voll umgesetzt

An jeder Schule sollte seit dem 1. August 2017 im ganzen Kanton Zürich der neue Berufsauftrag für Lehrerinnen und Lehrer auf eine lokal sinnvolle Weise umgesetzt werden. Es ist spannend, wie unterschiedlich das gemacht worden ist. Bereits hört man viele Stimmen, die schon wieder eine Abschaffung fordern – und dies, bevor überhaupt flächendeckend ausprobiert, evaluiert oder auf Gesetzesebene angepasst worden ist. 

Es ist richtig, dass Schulleitungen mit der Umsetzung des Berufsauftrages mehr Arbeit erhalten haben und es ist auch korrekt, dass dafür mehr Arbeitszeit vom Kanton berechnet wurde. Zwei kritische Fragen in dieser Sache stellen sich aber dennoch für viele Schulleitungen:  

Bringt der effektive Aufwand den entsprechenden Ertrag?  

Soll man alle Mitarbeitenden gleich behandeln? 

Neuer Berufsauftrag – (Sinn) -voll umgesetzt weiterlesen