Projekt Making Kreativdepot

«Making» im Unterricht – ein (digitales) Basteln, Erforschen und Tüfteln

Die Digitalisierung und die damit verbundene Veränderung der Arbeitswelt erfordern Kompetenzen: vom (digitalen) Gestalten über die Aneignung einer flexiblen und informatischen Denkweise bis hin zur Affinität zu Tools und Medien. Freies Entdecken, offene Lehrräume und problembasierte Aufgaben bilden die Voraussetzung für «Making» im Unterricht. Nicht selten erfordert dies Veränderungen im Lehrprozess. Um zukünftig Lehrpersonen mit dem nötigen Rüstzeug für diese Art des Unterrichtens auszustatten, entwickelt und erprobt das Team der PH Zürich am Zentrum für Medienbildung und Informatik im Rahmen des Innovationsprogrammes der Digitalisierungsinitiative der Zürcher Hochschulen «Making»-Module für die Weiterbildung.

«Making» – ein simples «Machen», ein «Selbermachen», ein «Tüfteln» und «Experimentieren» im Unterricht sieht auf der einen Seite eine hohe Freiheit im Lern- und Lehrprozess vor. Auf der anderen Seite bietet es die Gelegenheit, motivierenden und fächerübergreifenden Projektunterricht anzubieten und kann den Erwerb von informatischen Kompetenzen (en. Computational Thinking Skills/CT) fördern. Making soll dabei Angebote rund um Einplatinen-Computer, Sensoren und Aktoren, visuelle Programmiersprachen, Trickfilmerstellung, Elektronik oder Robotik wie auch das Arbeiten mit technischen Werkzeugen, Textilien und Bastelmaterial bündeln.

Im Zusammenspiel mit naturwissenschaftlichen Fächern wie Biologie (Abbildung 1) oder in Gestalten (Abbildung 2), können fächerverbindende Angebote entstehen. Technisches Verständnis, kreatives Problemlösen und handwerkliches Geschick sollen dabei ebenso geschult werden – ganz nach einem Zitat von Jesper Juul: «Kinder sind mehr Forscher:innen als Schüler:innen. Sie müssen experimentieren und daraus ihre eigenen Schlüsse ziehen.»

Ein neues «Mindset» für die Schule

Eigene Ideen sollen umgesetzt und in Projekten in mehreren Evaluationszyklen innovativ verwirklicht werden. Making soll in Form von multilateralem Projekt genutzt werden und unterschiedliche Fachbereiche und Expertisen vernetzen. Wichtig sind eine aktive Teilnahme, Wissensaustausch und Zusammenarbeit der Lernenden durch eine offene Erkundung und kreatives Nutzen von Technologie zu fördern. Eine prozessorientierte Beurteilung, die Anpassung der Rolle der Lehrperson zum Coach beziehungsweise zur Lehrbegleitung und eine angstfreie Fehlerkultur schliesst dies zwingend mit ein.

Doch was bedeutet all das für die Schulentwicklungspraxis? Welche zeitlichen, personellen oder materiellen Ressourcen sowie methodisch-didaktischen Konzepte benötigt das Lernen in einem Maker Space? Und wie verändern sich Aufgaben und das Rollenverständnis der Lehrperson? Des Weiteren stellt die Zusammenarbeit von Fachbereichen eine weitere Herausforderung in personeller wie auch räumlicher Hinsicht dar. Ein Maker-Mindset vermag daher Schulprozesse per se zu verändern. Schulentwicklung als agiler, ko-kreativer, vernetzter und explorativer Prozess und damit verbunden ein anderes Führungsverständnis könnte eine Folge davon sein.

Module für TTG
Abbildung 2: Module für Design und Technik (TTG) mit der programmierbaren Stickmaschine
INFOBOX

Gemeinsam mit der Universität Zürich/Institut für Pflanzen- und Mikrobiologie, dem Creative Lab Zürich und dem Schulamt der Stadt Zürich soll im Projekt «Making im Unterricht» der Fokus auf die Schaffung einer sicheren, offenen und gendersensiblen Lernumgebung für Making gelegt werden. Ab dem Herbstsemester 2022 werden Weiterbildungsmodule über die PH Zürich allen interessierten Lehrpersonen (Z2/Z3) offenstehen.

Ein erstes Grundlagenmodul für Making soll Anfang 2022 gemeinsam mit Lehrpersonen der Stadt Zürich im Unterricht getestet werden. Bei Interesse zur kostenlosen Teilnahme am Projekt melden Sie sich bitte unter: Alexander Mayer (Stadt Zürich), Telefon: +41 44 413 88 92, E-Mail: Alexander.Mayer2@zuerich.ch

Zur Pressemitteilung PH Zürich

Zum Projekt DIZH

Erste Einblicke ins DIZH-Projekt «Making im Unterricht» bieten zwei Schnupperkurse im Mai/Juni 2022:

Making im Unterricht: Wie kann das gelingen?  
Making im Unterricht: Designen, Programmieren, Sticken

Zu den Autorinnen und Autoren: Das Team an der PH Zürich am Zentrum für Medienbildung und Informatik (ZMI)

Bernadette Spieler

Bernadette Spieler ist seit 2021 Professorin für Informatische Bildung an der PH Zürich und unter anderem am ZMI tätig. Mit dem Projekt “Making im Unterricht” verfolgt sie das Ziel, verschiedene OER (Open Educational Resources, frei zugängliche Materialien) für Making zu entwickeln und Making als Konzept für den Unterricht zu erforschen.

Thomas Staub

Thomas Staub ist Dozent im Zentrum «Medienbildung und Informatik» der PHZH. Er hat 23 Jahre als Lehrer und pädagogischer ICT-Support an der Sekundarschule Andelfingen gearbeitet. Nun unterstützt er Schulen mit Beratungen, Weiterbildungen und Referaten im Umgang mit dem digitalen Wandel.

Daniel Jung

Daniel Jung ist als Wissenschaftlicher Mitarbeiter/Dozent an der PHZH am ZMI tätig (Ausbildung & Weiterbildung). Thematisch liegt sein Interessensschwerpunkt in der Entwicklung digitaler Lernunterstützung. Daneben führt er mit «Living Visuals» ein Unternehmen im 3D-Grafik-Bereich. 

Tobias Schifferle

Tobias M. Schifferle ist Erziehungswissenschaftler und Primarlehrer mit Hang zur Informatik. Als Dozent am ZMI arbeitet er in verschiedenen Funktionen an Angeboten und Kooperationen der Aus- und Weiterbildung. Als Didaktischer Leiter unterstützt er das MINT-Förderungsprojekt mint & pepper der ETH. 

Redaktion: Melina Maerten

Titelbild: Zentrum ZMI
Bilder Lauftext: Zentrum ZMI
Bildcredit Bernadette Spieler: Ulf Thausing

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