Evamaria Brigitta Kaiser

5 Fragen an Evamaria Brigitta Kaiser, Schulleiterin Kindergarten und Primarschule Davos Platz

In der Rubrik «5 Fragen an…» interviewt Schulleiter Stefan Ruppaner die Schulleiterin Evamaria Brigitta Kaiser zu ihrer Erfahrung im Beruf und reicht den Stafetten-Stab weiter:

Evamaria Brigitta Kaiser, was bewegt Sie, eine solche Schule zu besuchen?

Mein Beweggrund, hierher zu kommen und ganz grundsätzlich Lehrerin, Medienpädagogin und nun Schulleiterin zu werden, ist der, dass ich Bildung mitgestalten möchte. In unterschiedlichen Funktionen und Schulentwicklungsgremien weltweit durfte ich bedeutende Erfahrungen sammeln, die mir ein klares Bild einer Schule der Zukunft mit Leitbild und Haltung vermittelt haben. Dass ich nun an dieser Schulführung teilnehmen darf, ist ein Wink des Schicksals, denn die gelebte Praxis des selbstverantwortlichen Lernens, getragen von der Gemeinschaft und den zugehörigen Interessensgruppen entspricht mir voll und ganz.

Welchen Eindruck haben Sie von der Alemannenschule Wutöschingen?

Die Alemannenschule Wutöschingen wirkt einladend, ruhig, klar strukturiert und verbindlich-vorbildlich organisiert. Lernpartner:innen (im geläufigen Sprachgebrauch Schüler:innen) leben und lernen in altersgemischten Lerngruppen und gestalten ihren individuellen Weg auch im Coaching mit ihrer Lernbegleiter:in (in herkömmlichen Schulen Lehrperson).

Individualisierung und Gemeinschaftsbildung bauen auf die Vision und das Leitbild der Schule auf, welche alle Beteiligten der Schulgemeinschaft auswendig kennen und danach handeln. Gibt es einen Verstoss, kommt das Graduierungssystem zum Zug (Kürzung von erarbeiteten Privilegien in Form von weniger selbstverantwortlich organisiertem Lernen mit Wahlmöglichkeiten von Ort und Zeit), sowie einem DiLer-Eintrag (digitale Lernplattform, einsehbar für die jeweiligen Eltern).

Wie ändert sich das Schulwesen Ihrer Meinung nach in den kommenden fünf bis zehn Jahren?

Diese Entwicklung ist institutions-, orts- und personenabhängig. Die Gelingensbedingungen und Voraussetzungen für das im englischsprachigen Raum genannte «21st century learning» mit den 4cs oder 4Ks (Kommunikation, Kollaboration, kritisches Denken, Kreativität) sind sehr unterschiedlich. Die Diskrepanz von wissenschaftlichen Erkenntnissen und Verfassung einer Schule mit ihrer Lernumgebung umfassen teilweise mehrere Jahrzehnte. So haben sich hierzulande als bekannte «Drittweltländer» in vielen Bereichen einen grossen Handlungs- und Denkvorsprung verschafft, was gerade die Digitalkultur mit hybriden Lernarrangements, zeit- und ortsunabhängigem Lernen sowie die Vernetzung der Bereiche Wirtschaft, Industrie, Politik und Bildung angeht. Gerade die Arbeit an den Schnittstellen zum Gesundheitswesen bieten grosses Potenzial, um zukunftsrelevante Herausforderungen als Chance und Innovationsmotor für Schulentwicklungsprozesse zu nutzen.

Demnach kann diese Frage lediglich jeweils auf eine spezifische Schule, Schulgemeinde und deren Schulträgerschaft beantwortet werden. Meines Erachtens wird sich die Schere der sozioökonomischen Kluft dort vergrössern, wo zeitgemässen Lernarrangements keine Rechnung getragen wird. Dort, wo (Medien)pädagog:innen und daran interessierte Entscheidungsträger Schulentwicklungsprozesse massgeblich mitgestalten dürfen sowie Lehr- und Lernarrangements mit räumlichen und strukturellen Entwicklungsprozessen von der Planung bis zur Umsetzung eng begleiten, sind die Erfolgschancen der Erreichung einer Lern- und Lebenslandschaft gemäss den ISTE Standards (International Standards for Technology in Education) sowie den nationalen und internationalen Curricula, in welchen zunehmend Wert auf die überfachlichen und interdisziplinären Kompetenzen gelegt wird, gross.

Was von der Haltung dieser Schule wird an Ihrer Schule umgesetzt?

Viele Schüler:innen, Lehrpersonen, Eltern, externe Fachpersonen und auch Entscheidungsträger:innen, welche wertvolle Beiträge zum Gelingen des Schulalltages beitragen, vertreten eine Haltung, wie ich sie bei Ihnen in Wutöschingen erlebe. Dies entspricht mir sehr. Auch wurde ich aufgrund meines Hintergrundes als gelernte Primarlehrerin, Medienpädagogin und Präsidentin der in Liechtenstein registrierten NGO «just1smile» von der Schulträgerschaft und der Regierung für dieses Amt gewählt, da ich die Basisarbeit in privaten und staatlichen Schulen in Kanada, Südafrika, Indien, Singapur sowie in europäischen Ländern direkt im Schulwesen mitgestaltete und nun als Mediaconsultant begleite.

Als Schulleiterin in Graubünden und noch dazu in der Weltstadt Davos wirken zu dürfen ist bestärkend, um sich gemeinsam und gut vernetzt auf den Weg zur Schule der Zukunft zu machen. Gemeinsam sind wir stark! Dies erlebe ich gerade in meiner Familie, welche seit einigen Generationen auf unterschiedlichen Ebenen im Bildungswesen sowie in der Politik, Landwirtschaft, Privatwirtschaft und dem Gesundheitswesen tätig ist, immer wieder aufs Neue.

Glauben Sie, reicht die Haltung, um in einer Digitalkultur Schule zu machen oder ist ein Konzept notwendig?

Grundsätzlich reicht meines Erachtens die Haltung mit einem klar definierten Leitbild, wie es an Ihrer Schule alle Beteiligten auswendig kennen. Ein Konzept kann dem allgemeinen Verständnis dienen. Wenn darauf aufbauend räumliche und strukturelle Arrangements sowie adäquate Hard- und Softwarelösungen zum Einsatz kommen, so können Lernpartner:innen und ihre Lernbegleiter:innen optimal auf aktuelle und vor allem Herausforderungen der Zukunft vorbereitet werden.

Ich habe es bereits erlebt und bin überzeugt davon, dass dementsprechend lokal verwurzelt und global vernetzt gemeinsam mit Eltern, Lehrpersonen, Schulträgern und weiteren Interessensgruppen in kurzer Zeit international wettbewerbsfähige Bildungsstandorte geschaffen werden können: Am Anfang steht die Schulkultur, welche von einer klaren Vision mit Haltung und Leitbild getragen wird, wie es an Ihrer Schule erlebbar ist.

Zum Autor

Schulleiter Stefan Ruppaner


Stefan Ruppaner arbeitet als Schulleiter an der Alemannenschule Wutöschingen.

Redaktion: Melina Maerten

Titelbild: zVg

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