Lehrpersonen auf Social Media

Lehrpersonen auf Social Media – Job oder Hobby?

Die Community der Lehrpersonen auf Social Media wächst und mit ihr ein reichhaltiger Fundus an Unterrichtsideen. Lehrpersonen sind begeistert und lassen sich von dieser Welle aus Inspiration, Motivation und Teamgeist anstecken. Fleissig wird geteilt und kommentiert. Die Fragen nach dem Datenschutz und den rechtlichen Vorgaben schwingen dabei konstant mit. Man wisse ja inzwischen, auf was man alles schauen müsse, ist oft zu hören. Ist dem wirklich so? Wer übernimmt die Verantwortung, wenn doch etwas schief geht? Der Leitfaden von Lena Aerni gibt Antworten.

Schaut man die Auswertung der im November 2020 durchgeführten Umfrage zum Thema Lehrpersonen auf Social Media bei knapp 700 Schulleitungen, Lehrpersonen, Schülerinnen und Schülern, Eltern und Schulpflegemitgliedern an, wird schnell klar, ein gemeinsamer Nenner ist schwer zu finden. Die Meinungen und Erwartungen gehen bereits bei Grundsatzfragen massiv auseinander.

Austausch führt zu Lernen

Lehrpersonen, welche sich aktiv auf Social Media bewegen, bilden sich konstant weiter und sind gut vernetzt. Durch den Austausch mit anderen Lehrpersonen gar über die Landesgrenze hinaus werden Haltungen diskutiert, gemeinsame Ideen generiert und Innovationen weiterentwickelt. Diese Lehrpersonen möchten teilen, Ideen und Material weitergeben, gemeinsam Projekte entwickeln und Schwarmwissen generieren. Mehrfach zeigt sich in der Praxis, wie sehr sie ein Gewinn für jedes Team und jede Schulleitung sein können.

Pauschalisierung ist nicht möglich

Insgesamt manifestierte sich in der Umfrage, dass die Erwartungen nicht den einzelnen Interessensgruppen zugeordnet werden, sondern dass sie pro Person sehr unterschiedlich sind. Ergänzt man diese Erkenntnis zusätzlich mit den rechtlichen Grundlagen wie Datenschutz, Recht am eigenen Bild/Wort, Urheberrecht, Arbeitsrecht, zeigt sich ein komplexes Konstrukt. Die Tatsache, dass jede Schule auf ihre Weise einzigartig ist, was sich in der Arbeitsweise der Organisation und den beteiligten Personen widerspiegelt, führt zur Einsicht, dass keine allgemein verbindlichen Grundsätze im Umgang mit Lehrpersonen auf Social Media für alle Schulen definiert werden können.

Diskussionsgrundlage für Mitarbeitergespräche (MAG)

Für Schulen ist es unter Beachtung der rechtlichen Vorgaben empfehlenswert, eigene Grundsätze im Umgang mit Social Media zu definieren. Diese müssen mit den Verantwortlichen (Schulleitung und Lehrperson) an den MAG immer wieder neu diskutiert und situativ angepasst werden. Anstatt allgemeingültige Grundsätze machen möglicherweise Fragestellungen, welche zusätzlich auf die rechtlichen Aspekte hinweisen, mehr Sinn. Diese könnten als Grundlage für MAG genommen werden, sofern Lehrpersonen beabsichtigen, beruflich auf Social Media präsent zu sein.

Fragestellungen MAG

Ein Leitfaden mit Verweisen zur Gesetzgebung, welche für die MAG verwendet werden kann, ist zurzeit in Bearbeitung und wird im Sommer 2021 veröffentlicht. Folgende Fragestellungen bilden die Grundlage dafür:

  • Soll es sich um ein Privat- oder ein Lehrpersonenprofil handeln?
  • Welche Personendaten dürfen publiziert werden, welche nicht?
  • Wie und wann wird die Einwilligung der Eltern abgeholt?
  • Wie und wann wird die Einwilligung der Schüler:innen abgeholt?
  • Wie wird mit Interaktion auf Social Media durch Eltern und Schüler:innen umgegangen?
  • Wie wird mit Werbeangeboten von externen Organisationen umgegangen?
  • Inwiefern sollen/dürfen Unterrichtsideen und -materialien weiterverbreitet werden?
INFOBOX

Wir bleiben bei digitalen Themen: Für viele Schulen gilt (trotz teils grosszügiger IT-Infrastruktur): Sie sind optimal ausgerüstet für den Unterricht von gestern, punktuell noch für denjenigen von heute, aber nicht für die Schule von morgen, wie Michael Oettli in seinem Beitrag sagt. Hier lesen Sie mehr über Digitalstrategie.

Zur Autorin

Lena Aerni

Lena Aerni ist Primarlehrerin an einer altersdurchmischten Mittelstufe im Zürcher Weinland. Sie unterstützt ihre Kolleginnen und Kollegen als technische und pädagogische ICT-Supporterin und hat den Posten der Fachleitung Medien & Informatik in ihrer Schulgemeinde inne. Als aktive Lehrperson auf Social Media erlebt sie tagtäglich den schmalen Grat zwischen «Sharing is caring» und Datenschutz, weshalb sie ihr Abschlussprojekt im CAS Digital Leadership in Education diesem Thema widmete. Durch ihre Arbeit als Co-Präsidentin der Zürcher Kantonalen Mittelstufe (ZKM) und in der Geschäftsleitung des Zürcher Lehrerinnen- und Lehrerverbandes weiss sie um den Stellenwert einer guten Vernetzung unter Lehrpersonen.

Twitter: @l3na_4

Instagram: @lehrerin_mit_stil

Link zum Breakoutroom der Abschlussarbeit

Redaktion: Melina Maerten

Titelbild: Lewis Odgen (2018, Social Media Icons – Pencil Crayons)

Ein Gedanke zu „Lehrpersonen auf Social Media – Job oder Hobby?“

  1. LehrerInnen sollten sich sehr wohl auch in den asozialen Medien tummeln – einfach nicht in ihrer Funktion als Lehrperson.
    Irgendwann einmal führt jede Klasse und damit jede Schülerin und jeder Schüler eine orts-, zeit- und lernpartner-unabhängige Lernumgebung (PLE) – und dann beginnt die vielbeschworene Transformation

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