Technischer First Level Support

Pädagogischer ICT-Support – zentraler Baustein in der Schulentwicklung

PICTS ist die gebräuchlichste Bezeichnung für Personen, welche an ihrer Schule pädagogischen ICT-Support leisten. Dieser soll im Unterschied zum technischen ICT-Support dafür sorgen, dass die teuer beschaffte ICT-Infrastruktur einer Schule sinnvoll im Unterricht eingesetzt wird. Immer öfter wird das Argument genannt, dass Lehrpersonen mit dem Grundlagenkurs Medien und Informatik nun für das Themengebiet ausgebildet seien. Demzufolge sei pädagogischer ICT-Support nicht mehr notwendig. Reto Zürcher, Abteilungsleiter SCHU::COM, geht der Frage nach, ob dem tatsächlich so ist und wie sich die Rolle des PICTS verändern wird.

Wo stehen wir?

Das Modell des pädagogischen ICT-Supports ist in vielen Gemeinden und Städten etwas in die Jahre gekommen und muss zum Teil überarbeitet werden. In der Stadt Winterthur existiert ein Modell aus dem Jahr 2005, welches im Laufe der Zeit nur marginal adaptiert wurde. Nebst einer zentralen Fachstelle leisten rund 40 sogenannte BSC (Beauftragte für Schule und Computer = PICTS) einen wertvollen pädagogischen ICT-Support vor Ort.

PICTS Weiterbildung

Eine Evaluation des bestehenden Modells, basierend auf einer Arbeitszeiterfassung, vertiefenden Gesprächen mit einer Delegation von BSCs aus allen Zyklen sowie einer Diskussion im Plenum der BSC lässt für das Winterthurer Modell folgende Erkenntnisse zu:

  • Eine exakte Arbeitszeiterfassung ist schwierig, weil sich die Arbeit auf viele kleine Zeitgefässe verteilt, welche nur ungenau erfasst werden können.
  • Die zur Verfügung stehenden Stunden für den pädagogischen ICT-Support werden zu einem Grossteil durch den technischen First-Level-Support gebraucht.
  • Das vorhandene Rollenverständnis entspricht zum Teil mehr einem technischen First-Level-Supporter.

Die Kombination dieser drei Faktoren hat die auf den ersten Blick paradoxe Situation zur Folge, dass die verbleibenden Zeitfenster zu gering und zu wenig flexibel sind, um pädagogischen ICT-Support leisten zu können und dass somit in der Arbeitszeiterfassung ein «Minus» resultiert.

Die entscheidende Frage, ob pädagogischer ICT-Support nach wie vor relevant ist, wurde bei diesen Überlegungen noch ausgeklammert. Aufgrund folgender Gegebenheiten gehen wir davon aus, dass der pädagogische ICT-Support auch in den folgenden Jahren von zentraler Bedeutung ist, um sicherzustellen, dass die grossen Investitionen in die ICT-Infrastruktur sinnvoll und nachhaltig investierte Finanzen darstellen:

  • In keinem anderen Fachgebiet verändern sich die Inhalte und die Tools derart rasch. Dies erfordert eine stetige «Kuratierung» durch eine Fachperson vor Ort.
  • Das Modul «Medien und Informatik» im Lehrplan 21 enthält sogenannte «Anwendungskompetenzen», welche keinen Lektionen zugeordnet sind. Die Koordination dieser Inhalte benötigt nebst der Schulleitung eine fachliche Begleitung.

Wo wollen wir hin?

Die Rolle des PICTS beziehungsweise des BSC wird sich verändern müssen. Basierend auf den skizzierten Erkenntnissen und einem Gespräch mit der Fachstelle «Bildung & ICT» des Kanton Zürichs gehen wir von einem sich wandelnden Rollenverständnis aus, welches auf folgenden Eckpfeilern aufbaut:

  • Es werden mehr flexible Ressourcen benötigt, damit ein PICTS seine Ressourcen auch während der Unterrichtszeit im Sinne einer Unterrichtsbegleitung einsetzen kann.
  • Es muss eine klarere Trennung der Pflichtenhefter (pädagogischer vs. technischer First-Level-Support) stattfinden.
  • Die Verknüpfung der Rolle des PICTS mit der Schulleitung muss verbindlicher und intensiver werden.
  • Der Fokus des PICTS soll nicht mehr auf dem Fach «M+I», sondern auf der Koordination der «Anwendungskompetenzen» sowie auf der «Kuratierung» neuer Entwicklungen liegen.

Mit Blick auf die Ausgangsfragestellung lässt sich zusammenfassend festhalten, dass pädagogischer ICT-Support relevant bleiben wird, sofern der Rollenwandel aktiv geplant und mitgedacht wird.

Mit dem CAS Pädagogischer ICT Support werden Teilnehmende zu Expertinnen und Experten für ICT, Medienbildung und Informatik in der Schule. Hier gelangen Sie zur Weiterbildung CAS PICTS.

Zum Autor

Reto Zürcher leitet die Abteilung SCHU::COM (Schule und Computer) im Departement Schule und Sport in der Stadt Winterthur. Gemeinsam mit seinem Team unterstützt er die Volksschulen der Stadt Winterthur mit pädagogischem ICT-Support, begleitet ICT-Projekte und entwickelt Konzepte zuhanden der politischen Entscheidungsträger.

Redaktion: Melina Maerten

Bilder: zVg

2 Gedanken zu „Pädagogischer ICT-Support – zentraler Baustein in der Schulentwicklung“

  1. Es ist eigentlich egal, welche Website welcher Schule man aufschlägt: die Websites haben allesamt mit Lernen im webbasierten Umfeld nichts zu tun – sind Informationsträger, aber keine digitalen Lernumgebungen. Bedeutet: auch diese Aufgabe können die PICTS nicht.

    Klassen haben ein Schulzimmer, verschiedene Kästen mit unterschiedlichen Ordnern, die SchülerInnen haben Lehrmittel und führen Heft – nur im digitalen Umfeld haben sie nichts. Keine persönliche, digitale Lernumgebung. Bedeutet: auch diese Aufgabe können die PICTS nicht.

    1. Sehr geehrter Herr Rüedi,
      Der Zweck einer Schul-Website ist meiner Ansicht nach die Information, denn nichts Anderes wird von aussenstehenden darauf gesucht. Wir haben ganz viele Sinnvolle und tolle Lern- und Abseits-Sites ausserhalb der Website unserer Schule.
      Wenn Sie auf den Schul-Websites also keine Lernumgebung finden ist das absichtlich so. Daraus das „Totalversagen“ der PICT’s abzuleiten, ist ein recht einfacher Ansatz.

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