Mit Büchern Gutes tun

Steckst du auch im Dilemma? Raclette im Lehrerinnen- und Lehrerzimmer kannst du vergessen, den gemütlichen Brunch mit dem Team anlässlich des Schulsilvesters ist abgesagt. Was noch bleibt, ist Glühwein mit abgepackten Guetzli – draussen und mit Abstand wohlverstanden. Doch die letzten Monate haben uns gelehrt, anders zu denken. Weshalb an alten Mustern festhalten? Wie wäre es mit einem Buch als Geschenk für alle Mitarbeitende? Buchtipps von Jörg Berger.

Poetisch soll es sein, mitten aus dem Herz geschrieben, einnehmend und erfrischend frech. Selbstverständlich soll es nicht ein beliebiges Buch sein. Es soll eine Botschaft transportieren. Im besten Fall eine im Sinne des dringend benötigten Lernkulturwandels an unseren Schulen und ohne theoretisch zu wirken. Drei Bücher dieser Art stelle ich euch vor.

«Frau Honig und die Schule der Fantasie»

Mit Frau Honig geht dir das Herz auf. Diese kleine Geschichte handelt von Elsa Honig, die versehentlich als Stellvertreterin vor einer Schulklasse steht. Da sie aber ihre freie Woche hat, nimmt sie diese Herausforderung an und freut sich darauf, einmal den Lehrplan ein wenig nach ihren Vorstellungen umzustricken. Doch wo ist das Fach Glück geblieben? Und auch Spass steht nicht auf dem Stundenplan. Und wie soll man ein Gedicht schreiben, wenn man auf einem Stuhl im Klassenzimmer sitzt? Frau Honig agiert so unverblümt, herzlich, aufrichtig und unvoreingenommen, dass ich als Leser ebenfalls in eine Art kindliches Träumen verfiel. Träumen kann so schön sein!

Bohlmann, Sabine: Frau Honig und die Schule der Fantasie, Planet Verlag 2020, ISBN 978 3 522 50679 3

Vielen Dank für diesen super Buchtipp Rahel Tschopp!

«Der tanzende Direktor»

Die Autorin Verena Friederike Hasel erlebte bei der Einschulung ihrer beiden Töchter in Neuseeland ein Déjà-vu: Sie war Mitte zwanzig und mit einer Freundin auf Weltreise, als sie in Neuseeland viel zu weit und zu lange Auto fuhren und in der Dunkelheit irgendwo ihr Zelt aufschlugen. Was sie am nächsten Morgen erblickten, war der schönste Ort, den sie sich vorstellen konnten. Zwei Tage vergingen, dann hatten sie begriffen: In Neuseeland sieht alles so aus.

Hasel bringt ihre Tochter das erste Mal in die Schule und beginnt zu ahnen, dass sie in Neuseeland die Schönheit nicht nur in der Natur finden wird. Sie beginnt andere Schulen zu besuchen, in wohlhabenden und armen Gegenden, sitzt im Unterricht mit grossen und kleinen Kindern, und ihre Erfahrung vom Campingtripp mit ihrer Freundin wiederholt sich: Was ihr anfangs wie ein Glücksgriff vorkam, entpuppt sich als typisch für Neuseeland. Es scheint, als habe sich in diesem Land, das geografisch so isoliert liegt, nicht nur eine seltene Pflanzenwelt, sondern auch ein einzigartiges Bildungssystem entwickelt.

Beim Lesen dieser bereichernden Schilderungen von Schulen, welche sich als Teil der Gesellschaft verstehen, humanistische Werte verinnerlicht haben und in und mit der Natur arbeiten, fühlte ich mich oft an die schönen Begegnungen mit den neuseeländischen Bildungsvertreterinnen und Bildungsvertreter am International Congress for School Effectiveness an Improvement (ICSEI) zurückversetzt. Etwas weniger gut gefiel mir das pauschale Schwarz-Weiss-Denken der Autorin, wenn sie deutsche Schulen mit jenen aus Neuseeland vergleicht. Trotzdem ist dieses Buch ein Fundus an Beispielen zeitgemässer Schulen und wie wir Schulleiterinnen und Schulleiter wirken können.

Hasel Verena Friederike: Der tanzende Direktor – Lernen in der besten Schule der Welt, Kein & Aber Verlag, 3. Auflage 2020, ISBN 978 3 0369 5800 2, auch als E-Book erhältlich

Herzlichen Dank an Lisa Lehner. Das Buch ist, wie du gesagt hast: spitze!

«Fish! – Ein ungewöhnliches Motivationsbuch»

Dieses Buch erhielt ich selbst von meinem Vorgesetzten geschenkt und lässt mich seither nicht mehr los. Schauplatz der Handlung ist der weltberühmte Pike-Place-Fischmarkt in Seattle. Die Geschichte zeigt, wie unglaublich wichtig es ist, eine positive Lebenseinstellung zu haben. Das Autorenteam gibt der Leserin und dem Leser vier schlichte Handlungsmaximen mit auf den Weg, welche die eigene Arbeits- und Lebenseinstellung revolutionieren. Denn wer beschliesst, alles was man ohnehin tun muss, mit Freude zu tun, motiviert sich selbst und kann ein ganzes Team erfolgreich zu Spitzenleistungen bringen.

Dieser Klassiker unter den Motivationsbüchern lässt sich wie die Geschichte von Frau Honig im Hui verschlingen. Stefanie Hutter hat das Buch erstmals für diese deutsche Ausgabe aus dem Englischen übersetzt. Mir als Leser blieb dennoch ein wenig Übersetzungsarbeit, um die amerikanische «Go-big-or-go-home-Mentalität» in unseren Kulturkreis zu transferieren.

Lundin Stephen C., Paul Harry und Christensen John: Fish! – Ein ungewöhnliches Motivationsbuch, Goldmann Verlag, 7. Auflage 2015, ISBN 978 3 442 17591 8

Grossen Dank an Niels Anderegg!

Ich wünsche viel Spass beim Lesen, Verschenken und Träumen!

Zum Autor

Jörg Berger ist verantwortlich für den Blog Schulführung. Er arbeitet in der Lehrgangsleitung des CAS Digital Leadership in Education, als Schulleiter an der Schule Knonau und in der Geschäftsleitung des Fachverbandes Schulleiterinnen und Schulleiter Schweiz VSLCH.

Redaktion: Jörg Berger

Titelbild: Jörg Berger

2 Gedanken zu „Mit Büchern Gutes tun“

  1. Toller Beitrag, Jörg, vielen Dank! Und «Fish!» lässt mich auch nicht mehr los… Hohe Kunst der Führung, mit symbolischen Geschenken Menschen berühren und Botschaften transportieren!

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