Wertschätzende Schulführung – nicht nur im Advent

Es sind die kleinen Dinge, die Wertschätzung hervorzaubern. Zwischendurch miteinander Lachen, gemeinsam anspruchsvolle Situationen aushalten und füreinander da sein. Es gibt kein Patentrezept. Was für die eine Person gilt, muss bei der anderen nicht stimmig sein. Beat Schäli und Stephanie Kälin sind sich über wertschätzende Führung in deren Schulen einig.

Beat Schäli, Rektor der Schule Walchwil, erlebte in den vergangenen Jahren in der wertschätzenden Schulführung eine Tugend besonders hilfreich – die Demut: Eine Demut, die sagt, dass es Sachen gibt, die grösser und wichtiger sind als die eigene Person und das Renommee. Diese Tugend hat nichts mit Unterwürfigkeit zu tun, sondern damit, Gegebenheiten zu akzeptieren, ohne sie zu werten. Das hilft im Umgang mit Menschen und im Schulalltag geht es bekanntlich immer um Menschen.

Wertschätzend führen, indem man aufeinander zugeht

Lehrpersonen sind der wichtigste Faktor für erfolgreiches Lernen. Sie verdienen Respekt, Vertrauen und ein offenes Ohr. Durch die Präsenz im Schulhaus und in den jeweiligen Klassenzimmern erhalten diese Worte das notwendige Gewicht. Mindestens einmal die Woche, idealerweise nach dem Wochenende, begrüsse ich die Lehrpersonen persönlich. Man nimmt ihr Wohlbefinden wahr und kann Sorgen und Ängste, aber auch Erfreuliches aufnehmen. Diese Zeit ist für mich eine wichtige Investition, gerade auch für Zeiten, wo es nicht so besinnlich zu und hergeht.

Dieser häufige Kontakt ist wichtig. Es braucht nicht unbedingt das Lob, sondern die Zeit. Die Zeit für Herzlichkeit und echtes Interesse. Kontakt, Wärme und Herzlichkeit sind im Umgang mit Menschen unverzichtbar. Dieses Interesse an der eigenen Schule und an den Menschen, welche hier arbeiten, wie auch an der Bildung allgemein, führt zu einem klaren Profil und zu Wertschätzung.

Mir ist es wichtig, dass ich meine Mitarbeitenden und möglichst auch die Schülerinnen und Schüler kenne und mit ihnen in einen Dialog treten kann. Mein Umgang mit den Kindern oder Menschen allgemein und meine Haltung werden von der Umwelt registriert. Durch mein Vorleben kann ich diese Haltung auch einfordern.

Wertschätzung geht Hand in Hand mit Vertrauen. Wenn das Vertrauen fehlt, wenn kein respektvolles Klima herrscht, dann kann das Führen in meiner Wahrnehmung nicht gelingen. Zieldienlich in der Auseinandersetzung mit Respekt ist jeweils ein Perspektivenwechsel. In die andere Person hineinversetzen und sich mit den möglichen Fragestellungen des anderen auseinandersetzen, kann den eigenen Horizont wohltuend erweitern und neue Lösungsansätze bieten.

So erlaubt mir nun einen kurzen, vorweihnachtlichen Perspektivenwechsel von Iris Macke:

Advent heisst Warten
Nein, die Wahrheit ist
Dass der Advent nur laut und schrill ist
Ich glaube nicht
Dass ich in diesen Wochen zur Ruhe kommen kann
Dass ich mich ausrichten kann auf das, was kommt
Es ist doch so
Dass die Zeit rast
Ich weigere mich zu glauben
Dass etwas Grösseres in meine Welt hineinscheint
Dass ich mit anderen Augen sehen kann
Es ist doch ganz klar
Dass Gott fehlt
Ich kann unmöglich glauben
Nichts wird sich verändern
Es wäre gelogen, würde ich sagen:
Gott kommt auf die Erde!

Nachdem ihr diesen Adventstext von oben nach unten gelesen habt, lest ihn nun bitte von unten nach oben.

Wertschätzende Führung bei offener Bürotür

Die offene Bürotür

Stephanie Kälin, Schulleiterin Schuleinheit Nordstrasse, Quadrakorn, Brüel, legt ebenfalls Wert auf spontanen Kontakt zu ihren Mitarbeitenden: Das Schulleiterbüro befindet sich im Erdgeschoss direkt gegenüber dem Lehrerzimmer. Unser Schulhaus wird gerade aufgestockt und ich hätte die Möglichkeit gehabt, ein neues Schulleiterbüro im 2. Stock zu beziehen. Ich habe mich aber bewusst dagegen entschieden.

Ich glaube, Wertschätzung entsteht durch Beziehung und dafür müssen Kontaktmöglichkeiten auf ganz unkomplizierte Weise ermöglicht werden. Wenn ich keine Besprechung habe, ist meine Bürotür offen. So passiert es ganz oft, dass Lehrpersonen bei mir eintreten und noch kurz etwas Kleines deponieren wollen.

Manchmal sind es wirklich nur Kleinigkeiten. Aber manchmal entpuppen sich eben diese Kleinigkeiten als ganz wichtiges Thema, welches ohne die offene Tür direkt gegenüber dem Lehrerzimmer nicht so schnell auf den Tisch gekommen wären. Dass man sich ohne Termin Zeit nimmt für die Lehrpersonen, ist eine Form meiner Wertschätzung.

Beat Schäli, Rektor Schule Walchwil

Stephanie Kälin, Schulleiterin Schuleinheit Nordstrasse, Quadrakorn, Brüel

Bilder: fauxels auf pexels.com, pixabay.com

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