Lernen international: Vaduz / Malbun – Tallinn – Amsterdam

Eine Binsenwahrheit für Pädagoginnen und Pädagogen: Lernen hat auch damit zu tun, Bekanntes loszulassen und Platz für neue Eindrücke zu schaffen. Die Reisen nach Vaduz / Malbun, Tallinn und Amsterdam, welche im Rahmen des «CAS Pädagogische Schulführung» oder separat als «Schulführung und -entwicklung international» gewählt werden können, bieten solche Lernchancen.

Zu erfahren, wie andere Länder mit Trends oder Bildungsreformen umgehen, welche Rolle die Schulführung dabei spielt und wie sich Schulsysteme diesbezüglich unterscheiden, eröffnet neue Perspektiven für den eigenen Berufsalltag und sind ein zentrales Ziel dieser Reisen.

Darüber hinaus «leben» die Studienaufenthalte von persönlichen Begegnungen, kulturellen Differenzen, von Neugierde und Offenheit. Und auch von der Überzeugung, dass das Verlassen der eigenen Komfortzone als Motor für das eigene Lernen dient und eine positive Wirkung auf die eigene Arbeit haben kann.

Das Gewinnen von Eindrücken rund um Schulführung und Schulentwicklung steht bei diesem Programm im Fokus. Ein Teilnehmer schildert dies wie folgt:

«Wir haben in Tallinn eine Reformschule besucht. Die Schule – sie umfasst nur 2 oder 3 Klassen – ist in einem Gebäude einer russischen Schule untergebracht. Wir mussten als Besuchende mucksmäuschenstill durch das Gebäude laufen. Als wir flüsterten, wurden wir vom Hauswart entsprechend instruiert und zurechtgewiesen.

Die Reformschule habe ich als chaotischen Haufen erlebt und mich zuerst gefragt, ob es bereits Reformpädagogik ist, wenn die Kinder einfach machen können, was sie wollen. Dann wurde mir wieder einmal bewusst, dass die Vorstellung davon, was eine Reform ist, auch sehr stark vom Kontext abhängt.

Ich dachte darüber nach, ob wir uns – bei aller Reformrhetorik – nicht eher fragen sollten, welche Wirkung eine pädagogische Ausrichtung für das Lernen der Schülerinnen und Schüler hat. Meine Gedanken wanderten zur Debatte, welche momentan über die Digitalisierung an Schulen geführt wird. Gut ist, was neu ist, und es ist gut, weil es neu ist. Das Alte ist schlecht.»

Eine andere Teilnehmerin beschreibt eine Situation aus der Arbeit im Seminar in Malbun:

«In einer Arbeitsgruppe mit Mitgliedern aus den Niederlanden und Estland hatten wir den Auftrag, uns für einen gesellschaftlichen Trend zu entscheiden, der die Zukunft der Bildung prägen wird. Wir entschieden uns für Inklusion.

Ich war total überrascht, wie vehement eine Kollegin aus Estland versuchte, uns als Gruppe zu überzeugen, dass Inklusion nicht zu den Zukunftsthemen zählt. Die Diskussion endete damit, dass einige Mitglieder der Gruppe sich perplex zurückgezogen haben. Erst als die Situation offen auf den Tisch kam und die befremdlichen Eindrücke angesprochen wurden, kamen wir wieder ins Gespräch.

Erstaunt haben wir festgestellt, dass Inklusion zwar in allen beteiligten Ländern ein Thema ist, dass deren Bedeutung und Umsetzung im Schulalltag vor dem Hintergrund von Geschichte und Kultur des jeweiligen Landes sich grundlegend unterscheidet. Niemand von uns hatte das in dieser Unterschiedlichkeit erwartet. Und ganz beiläufig wurde mir klar, dass die Arbeit in Gruppen seine Tücken haben kann, wenn man Differenzen nicht anspricht.»

Letzte Runde eines mehrjährigen Programms

Dieses Jahr bietet sich zum letzten Mal die Möglichkeit, das über mehrere Jahre hinweg erprobte und laufend optimierte Konzept dieser Studienreise zu erleben und von den Erfahrungen der involvierten Länder zu profitieren. Ab 2020/2021 wird das Format der Studienreise grundlegend neu konzipiert. Das von Erasmus+ unterstützte und als «Good Practice Example» ausgezeichnete Projekt ermöglicht uns, diese Reisen äusserst günstig anzubieten. Das spielt bei internationalen Kooperationen eine wichtige Rolle.

Die Aufenthalte dauern, inklusive Hin- und Rückreise, jeweils zwischen drei oder vier Tagen. Sowohl die Teilnehmenden als auch das Leitungsteam sind international zusammengesetzt. Sie haben somit die seltene Gelegenheit, in nationenübergreifenden Lerngruppen (CH, LI, EST, NL) über Schulführungs- und Schulentwicklungsthemen nachzudenken, Schulbesuche unter lokaler Begleitung durchzuführen und internationale Zusammenarbeit zu erleben.

Die Kooperation zwischen den Hochschulen garantiert, dass Sie Erkenntnisse aus dem europäischen Raum zu Schulführung und -entwicklung praxisnah kennenlernen. Dazu gehört, dass die internationalen Sequenzen in englischer Sprache durchgeführt werden. Die Erfahrung zeigt, dass sich die Befürchtungen, sprachlich nicht zu genügen, nach kurzer Zeit auflösen. In allen beteiligten Ländern ist Englisch eine Fremdsprache, im Zentrum steht die inhaltliche Auseinandersetzung mit den Themen und alle helfen sich gegenseitig.

Reto Kuster, Dozent Zentrum Management und Leadership, PH Zürich
Frank Brückel, Dozent Zentrum Schule und Entwicklung, PH Zürich

Weitere Informationen:

Studienaufenthalte in Kooperation der Pädagogischen Hochschule Zürich mit dem Schulamt des Fürstentums Liechtenstein, der Hogeschool van Amsterdam und der Universität Tallinn.

Studienreisen integriert im CAS PSF hier ansehen.

Studienreisen separat als Schulführung und -entwicklung international hier klicken.

Zum Artikel von Niels Anderegg, Leiter Zentrum Management und Leadership, PH Zürich, über das zweite Modul vom CAS Pädagogische Schulführung in Amsterdam.

Bild: zvg

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