Horrorszenario Massenkündigung

Schlagzeilen wie diese machen betroffen und lösen Fragen aus. Wer trägt die Schuld? Ist es zulässig, dass die Presse Namen der Schule und der Schulleitung öffentlich macht? Wie lassen sich solche Horrorszenarien vermeiden?

Experte Otto Bandli nimmt zur letzten Frage Stellung:

Eine Kündigung oder in diesem Falle eine Kündigungswelle, ist Ausdruck dafür, dass die letzte Eskalationsstufe eines Konfliktes erreicht ist. Die Beteiligten haben dann das Vertrauen zueinander verloren, sind voneinander enttäuscht und desillusioniert und haben den Glauben verloren, den Konflikt noch lösen zu können. Merkmale dieser Phase sind, dass vielseitige und komplexe Situationen nur noch simplifiziert wahrgenommen werden, der Blick auf die wahre Person des Gegenübers verloren geht und es zu grosser Wut, Entrüstung und Empörung kommt. Immer mehr festigt sich der Gedanke: Es gibt keinen Weg mehr zurück!

Was heisst dieses Eskalationsbeispiel für Schulleitungen?

Ein Konflikt wird nicht unbemerkt allmählich intensiver. Eine Eskalation erfolgt immer Schritt für Schritt. Eskalationsprozesse nehmen einen langsamen Verlauf. Ich mache die Erfahrung, dass Konfliktsituationen oft zu spät angesprochen werden und dass die Werkzeugkiste der Schulleitungen für konstruktive Konfliktlöseprozesse nicht immer gut gefüllt sind.

Es braucht das Etablieren einer Team-Konfliktkultur, die frühzeitig das Ansprechen von Problemen, Konflikten und Irritationen ermöglicht. Diese effiziente Konfliktkultur muss von der Schulleitung als eine wesentliche Facette der Schulhauskultur gewollt und getragen werden.
Ein erster Schritt ist, zweimal im Jahr ein sogenanntes «Kulturgespräch», also ein Gespräch zur Zusammenarbeit Team – Schulleitung durchzuführen. Diese regelmässige kritische Reflexion dient dazu, Pannen, Unklarheiten oder falsche Erwartungen frühzeitig zu identifizieren und zu klären, bevor Konflikte entstehen.

Mögliche Fragen:

Wie wird die Stimmung in der Zusammenarbeit bezüglich Atmosphäre, Umgangston, Anerkennung, Würdigung, Wertschätzung, Fairness und Verbindlichkeit eingeschätzt?

Tiefschläge: Welche zwischenmenschliche Pannen oder Irritationen gab es im letzten halben Jahr?

Höhepunkte: Welche Herausforderungen wurden im letzten halben Jahr gemeinsam bravourös gemeistert?

Offen und direkt unterschiedliche Anliegen, Erwartungen, Gefühle, Vorstellungen, Ideen, Ziele und Wünsche anzusprechen ermöglicht es, den Brennpunkt auf Bedürfnisse und Interessen und nicht auf Positionen zu legen. Der Weg zur Lösung eines Konfliktes führt immer über das Herausarbeiten der Bedürfnisse aller Beteiligter.

Otto Bandli, Dozent Zentrum Management und Leadership, PH Zürich

2 Gedanken zu „Horrorszenario Massenkündigung“

  1. Guten Morgen
    Das erwähnte „Kulturgespräch“ interessiert mich sehr. Gibt es dazu irgendwo genauere Infos? Im Netz finde ich dazu keine Infos.

  2. Lieber Aaron,
    ich gebe Schulleitungen folgendes «Frageblatt» ab:

    Kulturgespräch:
    A.) Höhepunkte
    • Welche Situationen haben wir gemeinsam gut gemeistert?
    • Was hat Spass gemacht?
    • Was ist gut in der Zusammenarbeit Team-Schulleitung und soll so bleiben?
    B.) Tiefschläge
    • Welche zwischenmenschlichen Pannen oder Irritationen in der Zusammenarbeit Team-Schulleitung gab es?
    • Was hat mich geärgert oder enttäuscht?
    • Was sollten wir daraus lernen?
    C.) Stimmung
    Wie ist die Stimmung/Atmosphäre im Team bezüglich Umgangsformen, Zusammenarbeit und Kommunikation?
    • Wertschätzung?
    • Anerkennung?
    • Umgang mit Konflikten?
    • Fairness?
    • Verbindlichkeit?
    • Umgangston?

    Es ist für die Mitarbeitenden selbstverständlich ungemein wertschätzend, dass sich die Schulleitung nicht nur dafür interessiert was, sondern wie mit ihr zusammengearbeitet wurde. Es lohnt sich bestimmt.

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