Einer für alle und alle für einen – Multiprofessionalität auf Augenhöhe

Vom 21. bis 23. März 2019 zog es wieder über 2’500 Schulleitungen aus dem deutschsprachigen Raum nach Düsseldorf an den 8. Deutschen Schulleiterkongress.

Aus einer Fülle von über 100 Vorträgen und Workshops galt es eine Auswahl für zweieinhalb Tage zu treffen. Es finden sich wie jedes Jahr für fast alle Aktualitäten an der eigenen Schule passende Angebote.

Das Thema Zusammenarbeit und Kooperation in multiprofessionellen Teams hat mich angesprochen, sind an unseren Schulen doch immer mehr Professionen – mit einem grossen Fachwissen – unter einem Dach vereint. Dr. Stephan Kielblock und Frau Johanna Gaiser von der Universität Giessen führten dann auch durch einen kurzweiligen Nachmittag.

Der Workshop, während welchem interessiert diskutiert wurde, stellte folgende Aussage ins Zentrum:

«Verschiedene Professionen an einer Schule ermöglichen verschiedene Blickwinkel auf ein Kind und bedeutet damit eine Qualitätssteigerung in Bezug auf die ganzheitliche Förderung eines Kindes.»

Dieser Aussage wird kaum jemand widersprechen, doch wie gelingt eine gewinnbringende Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Beteiligten?

Kielblock und Gaiser, die seit 10 Jahren im Bereich der Ganztagesschulforschung arbeiten, stellen 6 Aspekte vor, die zur Stärkung von multiprofessionellen Teams beitragen.

  1. Der Kontext
    Es braucht Rahmenbedingungen von Seiten der Behörden und den Schulleitungen
  2. Die Akteure
    Die Schulleitung als Vorbild
    Eine positive Einstellung des Personals gegenüber anderen Professionen
  3. Schnittstellen
    Die Schaffung von Raum und Zeit für Teamarbeit – gemeinsame Räume, Ziele und Zeitgefässe
  4. Routinen
    Routineabläufe und definierte Handlungsketten für alle Beteiligten
    Gemeinsame Abmachungen zur Kommunikation (wann und wo?)
  5. Schriftliche Vereinbarungen
    Die Rollen- und Aufgabenklarheit sind schriftlich fixiert
  6. Pädagogische Arbeit im Team
    Am Ist-Zustand anknüpfen und eingeschliffene Kooperationspraktiken hinterfragen
    Eine gemeinsame Vision zum pädagogischen Handeln mit Blick aufs Kind entwickeln

Noch immer besteht ein grosses Gefälle zwischen den Lehrpersonen und den restlichen Professionen, wie dem Fachpersonal Betreuung, den Sozialpädagogen, den Schulsozialarbeitenden und teilweise auch gegenüber Fachlehrpersonen.

Dieses Gefälle gilt es zu überwinden, so dass sich alle Beteiligten auf Augenhöhe bewegen. Doch wie kann dies erreicht werden?
Laut Kielblock ist neben der sozialen Eingebundenheit vor allem das Erleben der eigenen Kompetenz und deren Wahrnehmung durch die anderen Professionen zentral.

Was nehme ich nun als Schulleiterin mit zurück in die Schweiz? Und welchen ersten Schritt gehe ich mit meinem Team?

Wichtig ist mir – wie in vielen anderen Bereichen auch – ein Vorbild zu sein. Das heisst, dass ich mir selber den vielfältigen Kompetenzen der verschiedenen Professionen bewusst bin und dann gemeinsam mit meinem Team, also allen Mitarbeitenden, die Rollen definiere. Danach kann der nächste Schritt angegangen werden.

Simone Augustin, Schulleiterin Aeugst am Albis

Hier gelangen Sie zum letzten Beitrag von Simone Augustin zum Thema: «Everyone can create» – kreativer Einsatz digitaler Medien im Unterrichtsalltag.

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2 Gedanken zu „Einer für alle und alle für einen – Multiprofessionalität auf Augenhöhe“

  1. Vielen Dank für den Bericht!
    Auch ich sehe eine klare Qualitätssteigerung durch multiprofessionelle Teams. Den sechs Punkten stimme ich zu. Mir fehlt aber ein ganz wesentlicher Punkt, der die Aufgaben- und Rollenklärung ergänzt: Der Blick aufs Ganze. Rollenklärung kann dazu führen, dass am Ende niemand verantwortlich ist. Gerade bei Schülern mit besonderen Bedürfnissen und kann genau das das Ergebnis sein. Dies hat damit zu tun, dass oft nicht so klar ist, was genau das Problem ist, so dass jeder im Team den Eindruck bekommt, dass jemand anders zuständig sei. Zum Ziel kommt man aber nur, wenn man zu einer gemeinsamen Sicht findet und dann ein gemeinsames Vorgehen beschliesst, in dem unter Umständen, die Rollen nicht vollständig eingehalten werden, da man gemeinsam erkennt, dass eine bestimmte Aufgabe, nicht so klar einer Rolle zugeordnet ist.
    Für uns gut ausgebildete Professionelle ist es sozusagen eine Pflicht, immer wieder aus der eigenen Rolle zu treten und das Ganze zu sehen.

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