Neuer Berufsauftrag – (Sinn) -voll umgesetzt

An jeder Schule sollte seit dem 1. August 2017 im ganzen Kanton Zürich der neue Berufsauftrag für Lehrerinnen und Lehrer auf eine lokal sinnvolle Weise umgesetzt werden. Es ist spannend, wie unterschiedlich das gemacht worden ist. Bereits hört man viele Stimmen, die schon wieder eine Abschaffung fordern – und dies, bevor überhaupt flächendeckend ausprobiert, evaluiert oder auf Gesetzesebene angepasst worden ist. 

Es ist richtig, dass Schulleitungen mit der Umsetzung des Berufsauftrages mehr Arbeit erhalten haben und es ist auch korrekt, dass dafür mehr Arbeitszeit vom Kanton berechnet wurde. Zwei kritische Fragen in dieser Sache stellen sich aber dennoch für viele Schulleitungen:  

Bringt der effektive Aufwand den entsprechenden Ertrag?  

Soll man alle Mitarbeitenden gleich behandeln? 

Ich habe an meiner Schule den neuen Berufsauftrag so umgesetzt, dass er in die reguläre Personalentwicklung miteinfliesst und sie ergänzt. Meine Lehrpersonen erfassen ihre Zeit – entweder ganz oder nur die vorgeschriebenen Tätigkeiten – und ich schaue sie mir im Rahmen des MAG Mitte des Schuljahres und am Ende des Schuljahrs an.

Einen Teil der Tätigkeiten neben dem Unterricht ist bereits von mir erfasst und definiert worden – zum Beispiel Teamsitzungen oder kommunale Weiterbildungen – der Rest wird von den Lehrpersonen erfasst nach effektivem Zeitbedarf.

Ich habe zudem beantragt in meiner Schulgemeinde, dass mit dem NBA keine Personalkosten eingespart werden (Hausämtli/zusätzliche Altersferien). Meine Lehrpersonen erhalten immer bis Ende März ihr Pensum für das nächste Jahr und vor den Sommerferien bespreche ich mit ihnen, wie ihre Tätigkeiten neben dem Unterricht im Detail etwa aussehen, an welchen Sitzungen und Weiterbildungen sie teilnehmen müssen, etc.

Vieles davon habe ich mit dem Team und mit meinen Co-Schulleitungen besprochen und definiert im Konsens.

Somit ist für mich der neu entstandene Aufwand nicht übertrieben und kann lokal in einem vernünftigen Rahmen gehalten werden.
Für mich ist klar, dass Lehrpersonen individuell behandelt werden müssen – analog zu unseren Schülerinnen und Schülern – aber gleichzeitig auch einen einheitlichen und konsequent fairen Führungsstil erwarten dürfen von ihrer Schulleitung. Der neue Berufsauftrag schafft Transparenz und ermöglicht Nachteilsausgleiche bei der Mitarbeiterführung. 

Sarah Knüsel, Schulleiterin Flaachtal und Präsidentin VSLZH (Verband der Schulleiterinnnen und Schulleiter Kanton Zürich) 

Hier geht’s zum nBa-Artikel von Schulleiter Michael Jud: Oh du fröhliche VZE-Planung

2 Gedanken zu „Neuer Berufsauftrag – (Sinn) -voll umgesetzt“

  1. Man kann den neuen Berufsauftrag als weiteren Schritt in Richtung einer Professionalisierung des Lehrberufes sehen, die grundsätzlich zu begrüssen ist. Er soll ‘Klarheit über die Erwartungen’ und ‘Schutz vor Ansprüchen, die über die festgelegten Pflichten hinausgehen’ bieten. Unter anderem wird Zeit für die Zusammenarbeit eingeräumt, die ja Quelle von Belastungen sein kann. Hier gilt es zu beachten, dass eine allzu klare Abgrenzung der Aufgabenbereiche durchaus hinderlich für eine gelingende Zusammenarbeit sein kann. Tatsächlich sind die Zuständigkeiten z.B. bei familiären Problemen oft nicht so klar geregelt. Dies führt dann gerade nicht zu Kohärenz, also dem Gefühl, die Zusammenhänge zu verstehen und selbstwirksam handeln zu können.

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