Die Schulleitung hat keinen Einfluss auf strategische Ziele – oder vielleicht doch?

Unterschiedliche Settings im Rahmen der Schulleitungsausbildung unterstützen den Kompetenzerwerb um eine Bildungsorganisation führen zu können. Praxisorientierte Ansätze sind dabei u.a. Internship, Coaching, kollegiale Beratung, Good-Practice-Foren, Standortbestimmungen, Peer-Feedback, Learning Journeys, Fallstudien aus der Praxis. Die zuletzt erwähnte Methode hat seine Anfänge in der Hochschuldidaktik der Harvard Business School. Sie ist eine bewährte Methode im Bereich der Führungskräfte-Entwicklung und wird auch im Lehrgang «Führen einer Bildungsorganisation» angewandt.

In einer dreiteiligen Serie illustrieren die Teilnehmenden des CAS «Führen einer Bildungsorganisation» ihre Fallstudie und geben so Einblick in ihre Lösungsansätze. Lesen Sie heute den ersten Teil:

Die Schulleitung hat keinen Einfluss auf strategische Ziele – oder vielleicht doch?

Die Festsetzung von strategischen Zielen ist in der Regel der Planung der opera­tiven Umsetzung vorgeschaltet. In der Führungspraxis einer Schule ist die klare zeitliche und hierarchische Staffelung von Strategie und operativer Führung jedoch meist weder sinnvoll noch praktikabel, wie die folgende Fallstudie illustriert.

Im öffentlichen Schulwesen werden die Legislaturziele von der übergeordneten politischen Behörde festgelegt. Es gibt gewichtige Gründe, diesen Teil der Strate­giearbeit in enger Zusammenarbeit zwischen Schulpflege und Schulleitung zu gestalten:

  • Die Kontinuität im Schulbetrieb ist essentiell
  • Die Schulleitung ist mit dem laufenden Betrieb und dessen Fortschrieb vertraut und von Legislaturperioden unabhängig
  • Die Schulpflege muss sich — insbesondere nach personellen Veränderungen — nach jeder Wahl neu finden und einarbeiten

Dies führt dazu, dass in der Praxis die operative Planung einen nicht unwe­sentlichen Einfluss auf den strategischen Handlungsspielraum der Schulbehörde hat.

In der Fallstudie ging es für die Schulleitung darum, im Auftrag des Schul­präsidiums den Prozess zur Erarbeitung der Legislaturziele zu planen. Dies beinhaltete eine zweitätige Retraite. Die Ausgangslage enthielt ein bestehendes Schulprogramm, eine teilweise neu eingesetzte operative Leitung und eine grösstenteils neu gewählte Schulpflege, welche sich bereits konstituiert hatte.

Durch die Delegation der Organisation und Vorbereitung an die Schulleitung gab das Schulpräsidium bewusst die Zügel aus der Hand, um der gewünschten Kontinuität des Schulbetriebs Rechnung zu tragen.

Bei der Organisation und Vorbereitung dieses strategischen Prozesses muss sich die Schulleitung der Chancen und Gefahren dieser «Führung von unten» bewusst sein. Selbstverständlich liegt es im Interesse der Schulleitung, eine Bestätigung für die eingeschlagene Fahrtrichtung zu erzielen und gleichzeitig die Schulpflege zu befähigen, die Verantwortung und Führung ihrer strategischen Aufgaben zu übernehmen.

Dazu muss umgehend erreicht werden, dass sich Schulpflege und Schulleitung — trotz unterschiedlicher Führungsebene und Flughöhe — als Team zusammen­finden. Im Folgenden sollen kurz einige Programmpunkte für die geplante Retraite skizziert werden.

  • Die Veranstaltung soll mit einem Teambildungsevent (Beispiel Adventure Room) eröffnet werden.
  • Anschliessend geht es darum, alle Beteiligten auf eine gemeinsame Basis bezüglich Ausgangslage, Werte und Erwartungen zu bringen und zu kongruenten Vorstellungen über «gute Schule» allgemein und in Bezug auf die vorliegende Schulgemeinde zu kommen.
  • Damit kann im Interesse aller verhindert werden, dass uninformiert strategische Zielsetzungen gesetzt oder verändert werden, was die Zusammenarbeit und den Schulbetrieb deutlich erschweren könnte.
  • Eine gemeinsam vorgenommene Strukturierung der gewonnenen Erkenntnisse (z.B. hinsichtlich der Ressorts der Schulpflege) befähigt die Behörde, ein Legislaturmotto und Legislaturziele zu formulieren, die den geführten strategischen und operativen Schulbetrieb ermöglichen.

Generell ist die gute Zusammenarbeit und Vernetzung von operativer und strategischer Führung für den gemeinsam getragenen, nachhaltigen Erfolg der Schule essentiell.

Claudio Bischoff, Pascal Cosandey, Martin Huber, Nadine Kuhn, Christine Sager-Kuratli, Franz-Peter Steiner, Teilnehmende CAS «Führen einer Bildungsorganisation»

Wie werden an deiner Schule Legislaturziele entwickelt und implementiert? Schreibe dies kurz als Kommentar – vielen Dank!

3 Gedanken zu „Die Schulleitung hat keinen Einfluss auf strategische Ziele – oder vielleicht doch?“

  1. Die Legislaturziele 2014-18 der Schulpflege Knonau wurden mit Einbezug der Schulleitung erarbeitet und nach Einbezug des Lehrer/innen-Teams verabschiedet: https://www.schule-knonau.ch/public/upload/assets/1652/Legislaturziele.pdf
    Die Ziele für die aktuelle Legislatur wurden soeben im Rahmen einer Klausurtagung entworfen und orientieren sich an dieser bewährten Struktur. Im Sinne unseres neu entwickelten Organigramms (zuoberst stehen die Schüler/innen und ihre Eltern, zuunterst die Schulpflege) sollen die Legislaturziele der Schulleitung den gewünschten Rahmen und die gewünschte Stossrichtung zusprechen um dann wiederum dem Lehrer/innen-Team die idealen Voraussetzungen zu schaffen, um den Unterricht optimal weiterzuentwickeln, so dass unserer Schülerinnen und Schüler optimalste Lernvoraussetzungen für ihre persönliche Entwicklung vorfinden. Die Legislaturziele werden noch in diesem Jahr auf http://www.schule-knonau.ch veröffentlicht.

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