start new game – #3

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Das Taxi ist ein alter Käfer, der laut knattert. Die Jugendlichen erschrecken und rennen plötzlich weg. Die Frau wird immer trauriger und trauriger und geht weinend dem Strassenrand entlang. Sie hat wohl zu tief ins Glas geschaut und erinnert sich kaum noch an ihren Heimweg. Als sie plötzlich ein Knattern hört, merkt sie, dass ein Käfer sie verfolgt.
Geschichte Nr. 19 von Julia Capol.

Es gibt nun drei Möglichkeiten, wie die Geschichte weitergehen könnte: Mit merkwürdigem Wetter, unheimlichen Ereignissen oder mit Fallschirmspringern.
Und so funktioniert das Büchlein, das anlässlich unseres Schreibevents zur Schweizer Erzählnacht 2014 entstanden ist: Eine Autorin beginnt eine Geschichte, ein anderer Schreiber treibt sie weiter und eine dritte führt die Geschichte zu Ende und manch eine zu neuen Ufern. Oder wie in diesem Fall verzweigt und verästelt sich die Geschichte.

Die Ausgangslage ist die folgende: «Samstagabend, eine Bar im Zürcher Kreis 4». Dann wird mit Würfeln Emoticons und Gegenstände gewürfelt und schon flitzten die Geschichten in unterschiedliche Richtungen. Wohin, liest sich in start new game, dem Büchlein, das Geschichten von SekundarschülerInnen, Studierenden und Mitarbeitenden der PH Zürich vereint.

Bereits seit 2009 entsteht so jedes Jahr ein Büchlein. Gedruckte Exemplare aller Jahre können weiterhin zu je CHF 2.– beim Schreibzentrum erworben werden.

Q&A Zitieren #6: Kann ich auch das Zitat vom Zitat?

Lieber nicht. So genannte Sekundärzitate – also Textstellen, die schon der Verfasser aus einer anderen Quelle zitiert hat – sollten tunlichst vermieden werden. Es sieht dann bald mal nach Bequemlichkeit aus. Besser ist es in jedem Fall, die Originalquelle aufzutreiben und direkt daraus zu zitieren. Das bringt Freude und fördert die Recherchekompetenz.

Weitere Infos finden Sie im A–Z zum Zitieren.

Zeischwerische Dumbesbahn

ZDB_coverWieder hat Wolf Allemann zugeschlagen, wieder nimmt er sich eine schweizerische Transportikone vor. Nach seinen Romanen Sisswair und Sopt knöpft er sich diesmal die SBB vor und schüttelt die Schweiz ordentlich durch. So heisst dann sein neuer Roman auch Zeischwerische Dumbesbahn. Der Titel ist Programm: Allemann, ein Wortverdreher aus dem zurzachischen Lengnau, würfelt so eine ganz neue Schweizer Geographie zusammen. Der Zug fährt dann von Rebn über Loten und Ogenherzseebuch nach Rüzich, notabene mit Stellwerkstörung im Dankworf.

Für Knobler sind seine Schüttelworte ein gefundenes Fressen, für die Geschichte selbst eher tranig. Ansonsten ist die Geschichte gut strukturiert, Allemann ist ein Systematiker, wie er im Interview der Lengnauer Gewerbe- und Fischereizeitung verrät. So beschreibt er beispielsweise zuerst nur Bänke und Fenster, dann ganze Abteile und schliesslich Landschaften oder lässt am Anfang vor allem Männer in den Abteilen sitzen und in der zweiten Hälfte Frauen.

Solche Beschreibungen spiegeln sich in seiner Sprache wieder, so wie zum Beispiel im Brückengleichnis: Da donnert der Zug über die Brücke der Avi Lama, während sie endlich über den Abgrund ihrer Liebe hinweg tunselt, oder es brettert die Bahn durch den Nebel des Eselandes, während ein rotes Hemd durch seine Langeweile hanst. Wenn getunselt, genödelt oder gehanst wird, sind wir bei einer weiteren Spezialität allemannischen Sprachschaffens: der Wortschöpfung oder, wie es der Autor gerne ausdrückt, der Wortschröpfung. Ein wenig wie bei Hohlers Totenmügerli erschliesst sich vieles, anderes bleibt im Dunkeln und klumpt dann zäh an der Geschichte: «Schwer betottelt schworkt der Hähner im schwarzen Anzug der Toilette zu, ohne dabei zu borken oder zu knären.»

Wie eine Nadel mit Faden zieht Allemann seine Geschichte durch die Züge der SBB aus den letzten fünfzig Jahren, fädelt dabei allerlei Kurz- bis Mikroepisoden auf und verknüpft sie am Ende zu einer schillernden Kette. Ähnlich einem Road-Movie sprengt die Geschichte durch Zeit und Schweiz, mit ständig wechselnden Figuren und Landschaften, von Coupé zu Coupé, bis sie sich irgendwo am Nuja-Pass im Nieselregel verleiert.

Wolf Allemann
Zeischwerische Dumbesbahn
Lengnau: Krüxi, 2016.
222 Seiten

Klassenfoto

4_15_Akzente_FundstueckDas Klassenfoto ist die häufigste fotografische Darstellung von Schule. Es funktioniert als eine Art Kippfigur: Wir sehen einerseits ein Kollektiv, andererseits eine Anzahl von Individuen. So unterstützt das Klassenfoto die Sozialisation einer Schülerin in die Klassengemeinschaft und verleiht zugleich der Klasse als Ganzes ein Gesicht.
Identitätsstiftende Funktionen sind allen Gruppenbildern eigen, ob es sich um Fotos von Familien, Fussballteams oder Firmen handelt. Deshalb hat die PH Zürich bei ihrer Gründung vor 13 Jahren das ganze Kollegium auf der Freitreppe vor dem damaligen Hauptgebäude an der Rämistrasse 57 zum «Klassenfoto» aufgereiht. Die meisten waren zuvor Angehörige eines Lehrerinnen- und Lehrerseminars und wurden von einem Tag auf den anderen zu Hochschulangestellten. Viele der auf dem Bild versammelten Kolleginnen und Kollegen sind heute noch im Amt. Andere sind in Pension gegangen, haben die PH Zürich verlassen oder sind verstorben. Institutionen überdauern Menschen. Diese Tatsache ist sowohl tröstlich wie schmerzlich. Sie trifft auf alle zu, auf die Verwaltungsassistentin wie auf den Rektor. Womit wir bei einem weiteren Aspekt des Gruppenbilds sind: Es macht alle gleich. Damit täuscht es einerseits über die soziale oder hierarchische Wirklichkeit hinweg, in der manche «gleicher als die anderen» sind. Auf der anderen Seite sagt es uns, dass eine Institution alle Mitarbeitenden braucht, und es erinnert daran, dass jede und jeder Einzelne ersetzbar ist.

(Fotografisches Fundstück von Thomas Hermann aus der Zeitschrift «Akzente» 4 (2015): S. 38.)

start new game – #2

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«Wer hat hier ein Taxi bestellt?», ruft ein junger Mann mit Kapitänsmütze durch die Tür. Die beiden schauen sich schnell an, er murmelt: «Bienenstich, Bierschäumchen …», hängt sich bei ihr ein und so verlässt das dreibeinige Paar das Lokal. Vor der Tür werden sie aber von den Jugendlichen aufgehalten, der Rothaarige hält den Taxiführer fest, streckt die Kapitänsmütze der Frau entgegen und brüllt sie wütend an:
Geschichte Nr. 11 von Erik Altorfer

Was sie brüllt, das wissen wir aus Geschichte Nr. 58 von Helen Kaufmann. Was es mit dem dreibeinigen Paar auf sich hat, erfahren wir in Geschichte Nr. 20 von Marcel Flütsch.
Und so funktioniert das Büchlein, das anlässlich unseres Schreibevents zur Schweizer Erzählnacht 2014 entstanden ist: Eine Autorin beginnt eine Geschichte, ein anderer Schreiber treibt sie weiter und eine dritte führt die Geschichte zu Ende und manch eine zu neuen Ufern.

Die Ausgangslage ist die folgende: «Samstagabend, eine Bar im Zürcher Kreis 4». Dann wird mit Würfeln Emoticons und Gegenstände gewürfelt und schon flitzten die Geschichten in unterschiedliche Richtungen. Wohin, liest sich in start new game, dem Büchlein, das Geschichten von SekundarschülerInnen, Studierenden und Mitarbeitenden der PH Zürich vereint.

Bereits seit 2009 entsteht so jedes Jahr ein Büchlein. Gedruckte Exemplare aller Jahre können weiterhin zu je CHF 2.– beim Schreibzentrum erworben werden.

Von Kaffeeplantagen, Plagen und langen Tagen

hasler_Ibicaba_cover_web«Dieser Traum, Barbara, von der Veredelung des Menschen. Schau dir diese Fracht an, eine Arche Noah der Elenden: Ausgezehrte, von der Maschine Kaputtgemachte, Waisen, Kranke. Ein Blödsinniger aus Matt, zwei Blinde aus dem Kanton Aargau, ein Lahmer aus dem Zürcher Oberland.»

(Eine Rezension von Amanda Wong)

Nachdenklich richtet sich Lehrer Davatz mit diesen Worten an seine junge Hausangestellte Barbara, die daraufhin nur zu schweigen vermag.

Auf einer Arche Noah nicht mit Tierpärchen, sondern mit von der Gesellschaft ausgespuckten Schweizern wie ihresgleichen beladen, gleiten sie Ibicaba entgegen, das bescheidenen Wohlstand und einen Neuanfang verspricht. Haben sie nicht alle die berauschenden Berichte aus den Auswandererzeitschriften über dieses Paradies in Brasilien gelesen, in sich aufgesogen und sich ein Bild davon gemacht! Ibicaba. „I-bi-ca-ba“, so mag es wohl ausgesprochen werden.

In dieser neuen Kolonie soll Thomas Davatz das Amt des Lehrers bekleiden. Ausgerüstet mit Schreibfeder, Reisetagebuch und mit scharfer Beobachtungsgabe muss er jedoch bald nach Ankunft feststellen, dass sich ihr gemeinsamer Traum von einem neuen Leben zu einem Alptraum entwickelt, aus welchem schnelles Aufwachen nicht möglich sein wird.

Eveline Hasler nimmt sich einem Stück Schweizer Auswanderungsgeschichte an, das sich in der Mitte des 19. Jahrhunderts abspielt. Basierend auf Thomas Davatz’ Original-Reisedokumenten, vereint sie historische Tatsachen mit Fiktivem zu einem Leseerlebnis, das von Spannung, Mitgefühl, Unglaube und auch Ekel lebt.

Eveline Hasler
Ibicaba – Das Paradies in den Köpfen. 
München: dtv, 1988.
288 Seiten

start new game – #1

Flyer Vernissage «start new game»

«Verdammt noch mal, viel länger hätte ich ihn nicht mehr festhalten können. Was habt ihr denn so lange da drin gemacht?»
Geschichte Nr. 58 von Helen Kaufmann

Wer wissen will, wer das sagt und warum in aller Welt, geht zurück zu Geschichte Nr. 11 von Erik Altorfer. Denn nach der Geschichte von Helen Kaufmann ist «game over» und es geht zurück zum Start. Und so funktioniert das Büchlein, das  anlässlich unseres Schreibevents zur Schweizer Erzählnacht 2014 entstanden ist: Eine Autorin beginnt eine Geschichte, ein anderer Schreiber führt sie weiter und manch eine Geschichte zu neuen Ufern.

Die Ausgangslage ist die folgende: «Samstagabend, eine Bar im Zürcher Kreis 4». Dann wird mit Würfeln Emoticons und Gegenstände gewürfelt und schon flitzten die Geschichten in unterschiedliche Richtungen. Wohin, liest sich in start new game, dem Büchlein, das Geschichten von SekundarschülerInnen, Studierenden und Mitarbeitenden der PH Zürich vereint.

Bereits seit 2009 entsteht so jedes Jahr ein Büchlein. Die Vernissage des aktuellen Werks start new game wurde von Amanda Wong und Lukas Ramseier moderiert und fand am 2. Dezember 2015 statt. Gedruckte Exemplare aller Jahre können weiterhin zu je CHF 2.– beim Schreibzentrum erworben werden.

Tutorinnen und Tutoren schreiben für «Akzente»: Die Studi-Kolumne 4/15

04_Akzente_2015_Cover.pdfSeit 2009 schreiben die Tutorinnen und Tutoren des Schreibzentrums für das Magazin der PH Zürich. In Heft 4/2015 von «Akzente» zum Thema «Lernen – die verschiedenen Formen gezielt anwenden» erzählt Selina Schneider, wie lachsrosafarbene Hanteln und mit ihnen der Fitnesswahn in ihrer Wohnung Einzug halten.

Ausstudiert – die Studierenden-Kolumne:
Selina Schneider: «Dem Fitnesswahn ausgeliefert» (und als PDF hier).