Ich sehe sie als eine, die lernt. Nicht nur aus Büchern, sondern aus Gesten, aus Sprache, aus Zurückhaltung. In ihr verbinden sich Bildung und Anstand so selbstverständlich, dass nichts vorgeführt wirkt. Sie geht ihren Weg still, beinahe wie jemand, der sich einer inneren Ordnung verpflichtet weiss.
Mich beeindruckt, wie sorgfältig sie wirkt und zugleich wie schlicht. Wie ernst sie ist, ohne streng zu sein. Wie ruhig, ohne fern zu wirken. Würde scheint bei ihr kein Ziel zu sein, sondern ein Zustand. Schweigen ist für sie kein Rückzug, sondern Ausdruck.
Nichts an ihr wirkt zufällig, nichts absichtlich. Als hätte selbst das Unruhige bei ihr gelernt, Mass zu halten.
In ihrem Gesicht finde ich weder grelle Freude noch erschöpfte Schwermut. Keine Überladung der Gefühle, keine Müdigkeit des Empfindens. Alles ist klar, gesammelt, frei von innerem Lärm. Sie trägt ihre Stimmungen, statt sie zu zeigen.
Sobald ich da bin, verändert sich ihr Schweigen. Es wird feiner, genauer, gedankenvoller, überlegter. Nicht abweisend, nicht offen, sondern suchend. Als würde etwas in ihr plötzlich denken; als würde aus einer entrückten Gestalt für einen Augenblick eine Fragende werden.
Doch sie öffnet sich nicht – nicht mir. Vielleicht nicht einmal sich selbst. Ich stosse an eine Grenze, die nicht hart ist, sondern still. Eine solche Rätselhaftigkeit habe ich selten gesehen. Je näher man ihr kommt, desto mehr bleibt sie bei sich.
Wenn sich alle versammeln, wenn Namen genannt und Wege angeboten werden, tritt sie nicht vor. Sie sucht keine Vorstellung, keine Bühne. Sie bleibt zurück, unbewegt, als wüsste sie, dass Nähe nicht gemacht wird, sondern entsteht.
Und ich bleibe der, der schaut – nicht der, der nimmt.
Qasim A. Khan ist Tutor am Schreibzentrum der PH Zürich.
Dieser Haiku entstand im Kontext des Moduls Medienbildung und Informatik (MI P150) im HS 2024. Studierende schrieben Essays und Gedichte ohne KI-Hilfsmittel und experimentierten vergleichend mit unterschiedlichen ChatGPT-Nutzungsweisen (1:1-Übernahme/Ghostwriting, Feedback auf den selbst geschriebenen Text geben lassen, KI überarbeiten lassen, Textanfang ausgeben lassen und selbst weiterschreiben, sich von ChatGPT Inspirationen für das Schreiben geben lassen).
There are things unfolding now but I lack the courage to lay them bare in front of you.
This past Saturday in Thun, as I was strolling along the lake and watching a boat rhythmically sliced through the mirror-still water, I found myself lost in my memories. With every step along the promenade, I was walking again on the streets in our hometown, the one cradled in snow and sculpted from ice. Then it was all about you. you.
I dedicated every step to remind myself of your eyes, and every breath to recall the time when your hand was in mine. On that bitterly cold morning you once again brought a ghost of warmth into my weary soul.
Z, you must know, I have carried our memory into every season that has followed. But you, it seems, remained behind, forever freeze-framed in a midsummer night. Ever since then with the passing years, your face has grown blurred, then blurrier still. How do I dare claim to miss you? I had long since ceased my reckless hope for your arrival, but my mind surrenders to the persistence of our memory.
I told myself again, again and again: in the years to come, when memories well up in an unending tide, I will silently recite your name countless times like a prayer, and gently, yet firmly, let my heart shed its tears. I offer to bear those scars, so that in the end, I may lie down, bare, in those warm, tear-carved ravines, never to grieve again.
(c) Heyi Wang
Hi E,
It was a summer full of tears, hugs, endless goodbyes and little flying kisses. We exchanged names on a white T-shirt, in rainbow colours. I’m not sure about you but as a grown-up, among those kids, I’m used to saying goodbyes. Are you? But something else happened, right? You and I were sitting in a café at the back of the College, sipping cappuccino and latte. You were making me laugh so hard with your weird dinner recipe, and you praised how good I was at my job. Is it ever possible? To love you and hold you outside of this space? For us to be lovers through another identity, where gender and ethnicity do not matter? The helplessness of knowing that you have a whole life ahead and I am only granted, at best, the briefest chapter, or none. Our temporary encounters and promises we can’t keep.
But you and I, is it ever possible?
Forgive me, please, I’m still learning all different kinds of goodbyes, and your presence provides yet another possibility. But the beauty of this, at the end of the summer in 2025, I am completely, and incandescently in love with you. That I would carry this love to my next journey, learn about myself and try to be the best I could. And so will you.
And when we meet again, is it ever possible for us to be friends? Nothing else but friends.
(c) Heyi Wang
Heyi (Ivy) Wang war 2025 Erasmus Austauschstudentin an der PHZH. Sie studiert am University College London (BA Education Studies).
Peter Kaiser (ehemaliger Tutor des Schreibzentrums) und Nadia Gsell (Studentin der PH Zürich) präsentierten ihre eindrücklichen Texte zum Thema „Was uns bleibt“.
Alex Rickert – Leiter des Schreibzentrums – lud im Anschluss alle Teilnehmenden ein, sich am Schweibwettbewerb des Schreibzentrums 2026 zum Thema „Ausser mir und nebenan“ zu beteiligen.
«Schreiben kann man nicht schnell, Schreiben ist etwas Langsames.»
«Witze sind das Kleingeld des Geistes.»
Am 16.12.2025 war der bekannte Schriftsteller, Kabarettist und Liedermacher Franz Hohler zu Gast an der Pädagogischen Hochschule Zürich. Ältere und jüngere Zuhörende genossen Kurzgeschichten, Gedichte, Witze und Anekdoten.
Im Dialog mit Nathalie Vital und Carolina Luisio Meyer sprach er über Gemeinsamkeiten und Unterschiede des Schreibens für Kinder und für Erwachsene.
Er präsentierte Dankesbriefe und Remakes von Schülerinnen und Schülern und den Comic einer Schulklasse aus Biel, der von der Geschichte «Der Verkäufer und der Elch» inspiriert wurde.
Hohler gab Einblicke in seinen Schreibprozess. Das am Laptop Geschriebene wird ausgedruckt und handschriftlich kommentiert: „Wichtig ist, dass man anfängt.“
Es ging auch um die ethische Frage, was man Kindern an ernsten Themen zumuten kann – auch Gewalt und Umweltprobleme? – „Sobald ich es mache, darf man es.“ so Hohler.
Bereits zum 10. Mal laden wir dazu ein, Worte, Bilder, Gedanken und Geschichten zu einem gemeinsamen Thema in Bewegung zu setzen.
In diesem Jahr öffnen das Schreibzentrum der PH Zürich, die PH Graubünden und erstmals auch die Eidgenössische Hochschule für Berufsbildung EHB den Raum für alle, die Lust haben, poetisch, literarisch oder experimentell zu diesem Motto zu schreiben:
Ausser mir und nebenan | Al di fuori di me e accanto | Ord mamez e dasperas
Wie weit reicht das eigene Ich? Wo beginnt das Andere, das Fremde, das Vertraute? Was verbindet uns und was verschiebt sich, wenn wir die Perspektiven wechseln? Wir übergeben euch die Bühne der Interpretation: Zwischen Innenwelt und Aussenraum, Nähe und Distanz gibt es unzählige Geschichten, die nur darauf warten, erzählt zu werden.
Auch in der Jubiläumsausgabe werden die eingereichten Texte in Juryrunden in Chur und Zürich diskutiert: Slam-Profis, Studierende und Dozeirende der drei beteiligten Hochschulen wählen die Finalist:innen für den Slam im Herbst 2026 im «Kafi Schnauz» zum Finale an. Wer dort im Live-Voting überzeugt, holt sich einen der drei Plätze auf dem Podest. Die Texte der Nominierten werden im Anschluss auf edition-schreibzentrum.ch publiziert.
Teilnahmebedingungen: – Alle Textarten sind zugelassen. – Einreichungen sind möglich auf Deutsch, Italienisch, Rätoromanisch, Französisch oder Englisch. Weitere Sprachen dürfen gern einfliessen; die Bedeutung sollte sich aus dem Kontext erschliessen. – Textlänge: 3000–5000 Zeichen. – Teilnahmeberechtigt sind eingeschriebene und ehemalige Studierende sowie aktive und ehemalige Mitarbeitende der drei Hochschulen sowie Teilnehmende des CAS-Moduls «Literarisches Schreiben». – Preisgeld: 150, 100 und 50 Franken für die ersten drei Ränge. – Wer nicht selber auf der Bühne stehen mag oder verhindert ist, kann den eigenen Text gern von einem Slammer, einer Slammerin oder jemand anders lesen lassen.
Am 20.11.2025 war der aus der SRF-Tagesschau bekannte Journalist Florian Inhauser zu Besuch an der Pädagogischen Hochschule Zürich. „News, Fake News and Democracy” war das Thema des Austauschs zwischen ihm, Studierenden und Dozierenden.
SRF-Tagesschau
Die Einladung erfolgte im Kontext eines englischsprachigen Moduls«Media Education: Creative and Critical Perspectives» für Austauschstudierende der PH Zürich und im Zusammenhang mit dem Fachteam Medienpädagogik und der Subgruppe Informatik.
Inhauser berichtete über seine Arbeit als Journalist und Nachrichtenmoderator, über Auslandseinsätze in Mali, Haiti, Indonesien und Israel, über den Umgang mit emotional belastenden Ereignissen und über Konzepte zur Bekämpfung von Fake News und Fehlinformationen.
Auch der Umgang mit KI-generierten Fotos in journalistischen Kontexten war Thema. Wir befinden uns historisch an einem Punkt, an dem Fotografien und Filme mit einer Wirklichkeitsreferenz nicht mehr von KI-generiertem Material unterschieden werden können. Dies stellt eine grosse Herausforderung für bildbasierten Journalismus dar.
Eine weitere Frage war, wie junge Generationen für Qualitätsjournalismus gewonnen werden können. Ein möglicher Ansatz kam aus dem Publikum: Man kann als Lehrperson spezielle Nachrichtenformate für Kinder und junge Menschen in den Unterricht integrieren (https://www.srf.ch/kids/srf-kids-news; https://www.logo.de/).
Studierende und Dozierende konnten Fragen stellen und Ausstauschstudierende berichteten über die jeweiligen Situationen in ihren Ländern.
Eine Studentin fragte, warum nicht mehr über die Südhalbkugel berichtet würde, wie zum Beispiel über den Sudan. Die Antwort lautete, dass häufig lokale Themen viel Raum und Ressourcen beanspruchen, dass aber auch das öffentliche Interesse oft gering ist, vor allem, wenn es sich – wie beim Sudan – nicht um ein touristisch relevantes Land handelt.
Im Zusammenhang mit der Forderung nach kritischen und informierten Bürgerinnen und Bürgern für eine lebendige Demokratie zitierte Florian Inhauser: „We cannot take democracy for granted. We have to fight for it every day.“
On November 20, 2025, Florian Inhauser, a journalist known from the SRF Tagesschau news program, visited the Zurich University of Teacher Education. The topic of the exchange between him, students, and lecturers was „News, Fake News, and Democracy.“
The invitation was in the context of an English-language module, „Media Education: Creative and Critical Perspectives,“ for exchange students at the Zurich University of Teacher Education and also in context of „Fachteam Medienpädagogik“ and „Subgruppe Informatik“. Inhauser spoke about his work as a journalist and news anchor, his assignments abroad in Mali, Haiti, Indonesia, and Israel, how he deals with emotionally challenging events, and strategies for combating fake news and misinformation.
The use of AI-generated photos in journalistic contexts was also discussed. We are at a historical juncture where photographs and films with a reference to reality can no longer be distinguished from AI-generated material. This poses a major challenge for image-based journalism.
Another question was how to engage younger generations with quality journalism. One possible approach came from the audience: Teachers can integrate special news formats for children and young people into their lessons (https://www.srf.ch/kids/srf-kids-news; https://www.logo.de/).
Students and lecturers were able to ask questions, and exchange students reported on the situations in their respective countries. One student asked why there isn’t more reporting on the southern Hemisphere, such as Sudan. The answer was that local issues often demand a lot of space and resources, and that public interest is often low, especially when—as in the case of Sudan—the country is not a tourist destination.
In connection with the call for critical and informed citizens for a living democracy, Florian Inhauser quoted: “We cannot take democracy for granted. We have to fight for it every day.”
I am a wanderer between two worlds, drifting through the streets under night’s veil. Only to wake, suddenly, at dawn in my homeland, heart lingering on London’s streets at dusk.
On Oxford Street, where the star lights blaze without rest, I find myself aching for the scent, and the taste of home.
I will always stand at the edge of each world, watching you find your place in the soil you belong to. While I remain adrift. But I believe, still: Not all those who wander are lost.
This poem was created as a videopoem in context of the course «Media Education: Creative and Critical Perspectives», Peter Holzwarth, Zurich University of teacher education, October 2025.