Zusammenzeit

von Kim Moser

Jetzt und dann,
vorausgesetzt es gibt ein wann,

werden wir zu zweit,
bis ans Ende der Unendlichkeit,
gemeinsam schreiten
und hierbei Wege bereiten,

uns ins Glücke reiten,
aber auch vor Aufgaben scheitern,
um uns anschliessend aufzuheitern,
weil wir die Gabe haben uns zu begeistern,

zu begeistern für das, was niemand sieht,
für das, was vor den meisten Augen flieht,
für das, was uns beide in den Bann zieht,
das ist uns lieb,

und genau das ist, was uns blieb,
das, was uns zusammenhielt,
während all diesen Jahren,
ist das nicht abgefahren?

Jeder weitere Stein während unserem Sein,
werden wir nicht bestreiten allein,
denn du und ich, wir wissen, du bist mein und ich bin dein,
und das finden wir ganz fein,
denn am Schluss werden wir Berge versetzen,
und uns weiterhin gemeinsam vernetzen. 

(c) Kim Moser

Soirée Lernforum, 16.11.2023, 17-20 Uhr im Lernforum

https://phzh.sharepoint.com/sites/intranet/Seiten/GuK/Lernforum/Veranstaltungen.aspx?accordion=2028&highlight=phzh%20soiree

“Das Lernforum, bestehend aus Schreibzentrum, Digital Learning, Bibliothek, Methodenbüro und Zentrum für Hochschuldidaktik und -entwicklung, zeigt an diesem Abend sein vielfältiges Unterstützungsangebot für Studierende und Mitarbeitende der PH Zürich. Diverse Beratungs- und Kursformate werden vorgestellt. Das Rahmenprogramm besteht aus Apéro, Poetry Slam und Schreibwettbewerb.

Spezifische Angebote der einzelnen Einheiten und Ressorts des Lernforums an diesem Abend:

  • Schreibberatung und KI-Workshop (Schreibzentrum);
  • Bücherturm und Tabletstation mit Lernobjekt (Bibliothek);
  • Walk-in-Methodenberatung und 15-Minuten-Workshops (Methodenbüro);
  • I-Pad-Band, Ausleihe (Digital Learning);
  • Beratungen zu Lehr- und Lernphilosophie (Zentrum für Hochschuldidaktik und -entwicklung).

Zudem können sich Interessierte an den Informationstischen zu den Lernforumsangeboten erkundigen.

17 Uhr Einlass, Apéro

17 Uhr Schreiben mit KI: Mit ChatGPT Ideen finden und weiterverarbeiten (Workshop, Leitung: Alex Rickert)

18.15 Uhr Poetry Slam

19 Uhr Kreatives Schreiben, Anregungen für den Schreibwettbewerb (Workshop, Leitung: Peter Holzwarth)

20 Uhr Ende

Für den Anlass ist keine Anmeldung nötig.”

Medienwirkung

Im Rahmen der Lehrveranstaltung «Medienbildung und Informatik» geht es auch um das Thema Medienwirkung. In diesem Zusammenhang haben Studierende Kurzgeschichten verfasst (vgl. Holzwarth 2022, S. 160-161). Hier der Beitrag eines Studenten.

Was schikt mir dTanja wieder sonen Artikel vo de WOZ? «Wem gehört das Stadtbild», aber buah han doch ghat kei bock zum lese. Aber suscht denkt tanja wieder ich interessier mich ned für politik und bezieh kei stellig, aber sie schickts mer ja au numme zum zeige dass sie list, isch jetzte ja ned so, dass das thema «Stadtbild» mega zu mine interesse ghört. Jä wobie verpassi ja eppis wennis ned lise und vlt hett sis mer ja scho usemene grund gschickt denn luegi doch mal um was es ghat…. Hä was kei werbig ide urbane Öffentlichkeit? Und was isch mitem ganze Geld wo vo de Werbig produziert wird? Und was isch mitem Roger und de Carol wo die Werbe branche schaffet? Aber wie würd denn dStadt usgseh? Wer ja schono cooli vorstellig, irgendwie no schwirig sich zvorstelle. Aber werbig ghat ja ned verlore eh etze wo soviel werbig online isch. Ich han zgfühl ich gseh gar ned so viel werbig, aber vlt fallts mer gar ned uf. Hmm was selli etze de Tanja schicke? Ganz hanni de Artikel ja ned glese? Sie findets sicher voll cool, dass das diskutiert wird aber glaube gitt ja scho au negativi aspekt devo aber wüsst etze au ned ghat welli. Aber wenni etze da degege bin hett sie sgfühl ich bin wieder so antiprogressiv. Aber dWOZ het ja scho reccht. Chan sie mer ned eifach mal es scheiss meme oder es reel schicke, wott doch ned ghat mal kei verwantwortig überneh. Egal etze hett sie eh scho gseh, dassi de link ufgmacht han und wenni ned zruggschriebe denkt sie ich bin voll langsam im lese. Ich schriebe ihre eifach «mega spannend» .

Die Krönung

Nadia Gsell

Der Stab erhebt sich, das letzte Gemurmel verstummt, und für eine Millisekunde ist es mucksmäuschenstill. Nach dem hörbaren Einatmen der Musiker erklingt eine Fanfare, die meine Augen schliessen lässt. Die ersten Klänge ziehen mich sofort mit in ihre Traumwelt, die sich fern von meiner Wirklichkeit befindet. Plötzlich sehe ich mich inmitten eines Schlosses, bei dem die Krönung der angehenden Königin im Gange ist. Alle Bürger strahlen vor Freude, jubelnd und gratulierend stehen sie in den Mengen. Die Trompeten oben auf den Rängen spielen die majestätischen Töne, welche abgestimmt mit den Schritten der Königin sind. Doch schlagartig ändert sich die Szenerie und drei maskierte Männer kommen anzurennen. Die Musik wird schneller, mein Puls rast. Es herrscht Panik, Chaos und alle Bürger fürchten um ihr Leben. Ein lauter Schrei hallt durch den Raum und ich sehe, wie die Königin zusammenbricht. Ihr Gesicht schmerzverzehrt, aber nicht durch einen körperlichen Angriff. Vielmehr fällt ihr Blick auf die Diebe, die mit ihrem über Generationen weitergegebenen Mantel verschwinden. Mit einem Mal wird es ruhiger, die Menschen schauen auf und aus dem Tor kommt ein Ritter. Ein Ritter in strahlender Rüstung und einem Pferd, welches das beeindruckendste Fell hat, das ich je gesehen habe. Hörbar wird die Musik wieder friedlicher, majestätischer und hoffnungsvoller. Der Ritter geht in moderatem Tempo, hilft der zusammengebrochenen Königin und gibt ihr das Versprechen, die Diebe zu finden.
Jubeln der Bürger ertönt, Hoffnung blüht auf und der Ritter reitet im Galopp aus dem Schloss hinaus. Die Musik wird angenehm, ich fühle mich, als wäre ich der Ritter. Reitend durch die schönsten Landschaften, über Felder, Berge und endlose Weiten. Hie und da höre und sehe ich unterschiedliche Tiere. Doch plötzlich verstummt die Musik, meine innere Traumwelt verdunkelt sich und ich höre nur noch das erleichterte Atmen der Musiker. Ich schlage die Lider auf, sehe wie der Dirigierstab sich senkt. Tosender Applaus füllt meine Ohren und ein kleiner Tropfen schwappt aus meinem Auge über die Wange. Danke Musik.

Nadia Gsell ist Studentin der Sekundarstufe I.

Medienwirkung

Im Rahmen der Lehrveranstaltung «Medienbildung und Informatik» geht es auch um das Thema Medienwirkung. In diesem Zusammenhang haben Studierende Kurzgeschichten verfasst (vgl. Holzwarth 2022, S. 160-161). Hier der Beitrag von Lea Widmer.

«Mama, Mama guck mal!», kreischt Charlotte und Mama Nina schaut – durch die Kamera. Die Bilder– mal mit Quatsch im Kopf, mal frustriert, wie ein Kind eben ist, im Schwimmbad, zuhause, im Spiel, im Alltag. Die Bilder auf Insta – gelikt und kommentiert von Opa der nun endlich einen Grund hat, sich ‘das mit dem Handy’ beizubringen, von Götti und Gotte, die sich freuen über ihr liebstes Charlottelinchen. Von den Nachbarn, und deren Freunde, deren Arbeitskollegen und denen, das werden wohl Bekannte von jenen sein, oder einfach Menschen, denen der Algorithmus halt die Bilder vorschlägt. Menschen die Kinder mögen, es lieben, die süssen Bilder der Kleinen zu sehen. Und die, die kleine Kinder lieben.
30% der Bilder auf einer der grössten Kindsmissbrauchsdarstellungs-seiten stammen von Insta und Facebook. Charlotte weiss davon noch nichts. Nina auch nicht, nicht, naja, nicht wirklich. Und hey, es ist 2023 und wir betreiben kein Opferblaming mehr. Wir nehmen die Täter in die Verantwortung und die Opfer brauchen sich nicht zu schämen.
Nicht schämen. Nicht schämen. Denkt Charlotte später. Jahre später. In der Oberstufe und tut ihr Bestes, in ihrem Kopf das Kichern und Flüstern auszublenden. Das ist noch bevor Charlotte zum ersten Mal auf diese Seiten geraten wird, diese Seiten wo die Fotos kommentiert sind, mit genauen Beschreibungen, was die lieben Onkel mit der kleinen Maus zu tun gedenken.

“Beautiful German Words” von “anneliese_leska” auf Instagram

Achten wir im Alltag auf die Schönheit der eigenen Sprache? Oder finden wir diese nur in Sprachen, die uns fremd sind?

Annelise Leska eröffnet in ihren Instagram-Filmbeiträgen eine persönliche Perspektive auf “Beautiful German Words”, z. B. “Frohnatur”, “Weltschmerz”, “Alptraum”, “Lebensmut”, “beleidigte Leberwurst”, “Schmöker”, “Habseligkeiten”. Hier ein Beispiel:

https://www.instagram.com/reel/CrYtwdjrgQK/?igshid=MzRlODBiNWFlZA%3D%3D

Kann der fremde Blick dazu beitragen, die eigene Sprache neu zu entdecken?

Vergnügungen

Celina Sulger (Remake zu Bertholt Brecht)

der erste Blick aus dem Fenster am Morgen

müde Gesichter, aus der Traumwelt erwachen

Vogelgezwitscher, Energie versprühen

erhellend, kraftvoll

fröhlich, federleicht

Kontrast, Abwechslung

Neustart, doch wann

lebendig, real

eintönig, doch bequem

den grauen Alltag einfärben

Wärme, Vertrautheit

flauschiges,

liebenswertes Tier

klägliches Miauen

Gebrauchtwerden

sinnstiftend, den Traum leben

dankbar sein.

Das Gedicht entstand im Rahmen des Workshops “Kreatives Schreiben leicht gemacht: Das motivierende Prinzip «Remake»” (FS 2023)

Vgl. Blogbeitrag “Kreatives Schreiben und Life Skills” (Holzwarth 2023)

bygone

Kim A. Moser

Is there anything as sweet to remember as a bygone holiday? And I mean really remember, with all its vivid details. The delightful local food you ate, the chilly water embracing your sun-kissed body, heated up by the gentle rays of sunshine. Floating as the waves carry you, far away into the vast ocean. Carried away by the waves of the salty water, which form a smile at the corners of your mouth. That feeling of lightness and sense of pleasure carries you further. Far, far away into the wild, wide, expansive ocean. More water than your eyes can gather, neither your brain can process, nor your lungs can’t fathom the infinity. Way too much, way too big. That feeling of weightlessness is following you into your dreams. You’ll never forget the delicious local food you nourished your belly with and all the sweets that delighted your heart, with your eyes closed and taste buds dancing in delight. The memories of meandering through foreign streets, the scent of freshly washed laundry, drying and flying in the breezy, salty wind underneath the searing heat of the divine sun and still protected by the paradisical trees from the divinity. The laundry is surrounded by pure heavenliness. This feeling stays with you even in your deepest dreams, as you lie in your bed, wrapped in freshly laundered sheets carrying the aroma of the sea of flowers, while you are being carried off into the dreamland of your treasured bygone holiday. Whether it was a holiday from last week, last month, last year, or a lifetime ago. You’ll always hold those memories close to your heart. The bygone time is inconsequential; every bit of those cherished moments will remain etched in your mind forever and you will always remember at least a fragment of your bygone holidays as if you’re reliving them all over again. As if you were forever on holiday.

Kim A. Moser ist Tutorin im Schreibzentrum und Studentin Sekundarstufe

Narrative Kompetenz als Lebenskompetenz?

Im folgenden Zitat von Heiko Ernst kommt zum Ausdruck, dass Menschen über Narrationen biografische Sinnhaftligkeit herstellen können. Möglicherweise profitieren Menschen von literarischen Narrationskompetenzen für ihre umfassendere Biografie- und Identitätsarbeit.

“Erzählungen und Geschichten waren und bleiben die einzigartige menschliche Form, das eigene Erleben zu ordnen, zu bearbeiten und zu begreifen. Erst in einer Geschichte, in einer geordneten Sequenz von Ereignissen und deren Interpretation, gewinnt das Chaos von Eindrücken und Erfahrungen, dem jeder Mensch täglich unterworfen ist, eine gewisse Struktur, vielleicht sogar einen Sinn. […] Zwar sind wir nur in sehr geringem Maße Autoren unserer Geschichte – zu groß ist inzwischen die Macht der Außeneinflüsse und der Abhängigkeit von persönlichen und sozialen Ressourcen, um diese sich selbst überschätzende Rolle durchzuhalten –, aber wir können gute und verständnisvolle Erzähler unserer Geschichte sein und so den nötigen Sinn und Zusammenhang stiften” (Ernst 1996, S. 202ff.).

Ernst, Heiko. 1996. Psychotrends. Das Ich im 21. Jahrhundert. München: Piper.