Es muss gelikt werden

Mit den Wort-Importen ist es so eine Sache. Mal werden sie in Aussprache und Schreibweise den deutschen Sprachgepflogenheiten angepasst, mal wieder nicht. Man darf Exposé oder Exposee schreiben, soll Annonce aber französisch und Anchorman englisch artikulieren. Eine echte Challenge also, wenn nicht gar ein Knock-out, weil den Wörtern auf Anhieb nicht immer anzusehen ist, woher sie kommen und wie sie es gerne hätten.

Auch im Fall von Likes, Fakes, Scans und Timing behalten die Wörter ihren linguistischen Migrationshintergrund. So weit kein Problem, also no problem. Daran haben wir uns als User bereits gewöhnt. Tricky wird es erst, wenn die eingeführten Vokabeln als Verben unsere Sätze aufmischen und korrekt gemanagt werden wollen. Dann muss nämlich gelikt, gefakt, gescannt und getimt werden.

Bevor die aktualisierte Rechtschreibprüfung vorliegt und downgeloadet werden kann, empfiehlt es sich, schon mal das eigene Know-how upzudaten und seine Orthografie frisch zu tunen. Man kann die neue Schreibweise liken oder auch nicht. Wenn man keine anderen Ausdrücke zur Hand hat, gilt vorderhand der Duden, und der wartet punkto Wortbildung beim Eindeutschen mit einer einfachen Überlegung auf: Partizipien schwacher Verben werden im Deutschen prinzipiell aus ge + Wortstamm + t gebildet. Analog zu machen/gemacht heisst es also liken/gelikt, faken/gefakt, managen/gemanagt. Warum es trotzdem designen/designt (und nicht gedesignt) heisst, hat sich mir noch nicht erschlossen.

Wie bei den unenglischen Pluralformen Babys, Ladys und Communitys wird man sich auch hier an das ungewöhnliche Schriftbild gewöhnen (müssen) – und an den Umstand, dass das stumme e bei diesen Verben nicht zum Wortstamm gehört, auch wenn es für die englisch angehauchte Aussprache durchaus eine Hilfe wäre. Aber schliesslich sind wir auch gegen fighten nicht gefeit.

Like it or leave it.

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