Q&A Zitieren #6: Kann ich auch das Zitat vom Zitat?

Lieber nicht. So genannte Sekundärzitate – also Textstellen, die schon der Verfasser aus einer anderen Quelle zitiert hat – sollten tunlichst vermieden werden. Es sieht dann bald mal nach Bequemlichkeit aus. Besser ist es in jedem Fall, die Originalquelle aufzutreiben und direkt daraus zu zitieren. Das bringt Freude und fördert die Recherchekompetenz.

Weitere Infos finden Sie im A–Z zum Zitieren.

Zeischwerische Dumbesbahn

ZDB_coverWieder hat Wolf Allemann zugeschlagen, wieder nimmt er sich eine schweizerische Transportikone vor. Nach seinen Romanen Sisswair und Sopt knöpft er sich diesmal die SBB vor und schüttelt die Schweiz ordentlich durch. So heisst dann sein neuer Roman auch Zeischwerische Dumbesbahn. Der Titel ist Programm: Allemann, ein Wortverdreher aus dem zurzachischen Lengnau, würfelt so eine ganz neue Schweizer Geographie zusammen. Der Zug fährt dann von Rebn über Loten und Ogenherzseebuch nach Rüzich, notabene mit Stellwerkstörung im Dankworf.

Für Knobler sind seine Schüttelworte ein gefundenes Fressen, für die Geschichte selbst eher tranig. Ansonsten ist die Geschichte gut strukturiert, Allemann ist ein Systematiker, wie er im Interview der Lengnauer Gewerbe- und Fischereizeitung verrät. So beschreibt er beispielsweise zuerst nur Bänke und Fenster, dann ganze Abteile und schliesslich Landschaften oder lässt am Anfang vor allem Männer in den Abteilen sitzen und in der zweiten Hälfte Frauen.

Solche Beschreibungen spiegeln sich in seiner Sprache wieder, so wie zum Beispiel im Brückengleichnis: Da donnert der Zug über die Brücke der Avi Lama, während sie endlich über den Abgrund ihrer Liebe hinweg tunselt, oder es brettert die Bahn durch den Nebel des Eselandes, während ein rotes Hemd durch seine Langeweile hanst. Wenn getunselt, genödelt oder gehanst wird, sind wir bei einer weiteren Spezialität allemannischen Sprachschaffens: der Wortschöpfung oder, wie es der Autor gerne ausdrückt, der Wortschröpfung. Ein wenig wie bei Hohlers Totenmügerli erschliesst sich vieles, anderes bleibt im Dunkeln und klumpt dann zäh an der Geschichte: «Schwer betottelt schworkt der Hähner im schwarzen Anzug der Toilette zu, ohne dabei zu borken oder zu knären.»

Wie eine Nadel mit Faden zieht Allemann seine Geschichte durch die Züge der SBB aus den letzten fünfzig Jahren, fädelt dabei allerlei Kurz- bis Mikroepisoden auf und verknüpft sie am Ende zu einer schillernden Kette. Ähnlich einem Road-Movie sprengt die Geschichte durch Zeit und Schweiz, mit ständig wechselnden Figuren und Landschaften, von Coupé zu Coupé, bis sie sich irgendwo am Nuja-Pass im Nieselregel verleiert.

Wolf Allemann
Zeischwerische Dumbesbahn
Lengnau: Krüxi, 2016.
222 Seiten

Klassenfoto

4_15_Akzente_FundstueckDas Klassenfoto ist die häufigste fotografische Darstellung von Schule. Es funktioniert als eine Art Kippfigur: Wir sehen einerseits ein Kollektiv, andererseits eine Anzahl von Individuen. So unterstützt das Klassenfoto die Sozialisation einer Schülerin in die Klassengemeinschaft und verleiht zugleich der Klasse als Ganzes ein Gesicht.
Identitätsstiftende Funktionen sind allen Gruppenbildern eigen, ob es sich um Fotos von Familien, Fussballteams oder Firmen handelt. Deshalb hat die PH Zürich bei ihrer Gründung vor 13 Jahren das ganze Kollegium auf der Freitreppe vor dem damaligen Hauptgebäude an der Rämistrasse 57 zum «Klassenfoto» aufgereiht. Die meisten waren zuvor Angehörige eines Lehrerinnen- und Lehrerseminars und wurden von einem Tag auf den anderen zu Hochschulangestellten. Viele der auf dem Bild versammelten Kolleginnen und Kollegen sind heute noch im Amt. Andere sind in Pension gegangen, haben die PH Zürich verlassen oder sind verstorben. Institutionen überdauern Menschen. Diese Tatsache ist sowohl tröstlich wie schmerzlich. Sie trifft auf alle zu, auf die Verwaltungsassistentin wie auf den Rektor. Womit wir bei einem weiteren Aspekt des Gruppenbilds sind: Es macht alle gleich. Damit täuscht es einerseits über die soziale oder hierarchische Wirklichkeit hinweg, in der manche «gleicher als die anderen» sind. Auf der anderen Seite sagt es uns, dass eine Institution alle Mitarbeitenden braucht, und es erinnert daran, dass jede und jeder Einzelne ersetzbar ist.

(Fotografisches Fundstück von Thomas Hermann aus der Zeitschrift «Akzente» 4 (2015): S. 38.)