Schulkultur

IMG_24302-620x413

Wir sehen den Eingangsbereich einer Primarschule. Alexander Schiess, Student an der PH Zürich, hat das Foto aufgenommen. Es ist Teil einer Fotodokumentation, die er für seine Vertiefungsarbeit zum Thema «Visuelle Schulkulturen: Sichtbare Ausprägung von Werten und Normen an der Schule» gemacht hat. Ausgehend von einem Verständnis von Schulkultur als Zusammenspiel von nicht beobachtbaren Grundhaltungen, von gemeinsamen Leitideen und von beobachtbarem Verhalten untersucht Schiess die Innen- und Aussenräume sowie die Schulwebsite nach sichtbaren Manifestationen von Schulkultur. Viele Details auf diesem Foto lassen Rückschlüsse auf gelebte oder an- gestrebte Werte und Normen zu.

Die in farbigen Lettern formulierte Aufforderung zur Freundlichkeit wird untermalt durch Zeichnungen zum «Grüssen». Miteinander Kontakt aufnehmen ist wichtig für eine Kultur gegenseitiger Wahrnehmung. Die Glastür vom Entree ins Treppenhaus signalisiert Offenheit und Transparenz. Wir fühlen uns willkommen. Die drei Steinskulpturen sind Arbeiten von Schülerinnen und Schülern, wohl das Resultat einer Projektwoche. Wie bei den Zeichnungen rechts an der Wand zeugen sie von der Mitwirkung der Kinder bei der Gestaltung der Innenräume. Die Vogelsilhouette deutet auf einen achtsamen Umgang mit der Natur hin, und die Pet-Sammelbox ist Ausdruck eines ökologischen Bewusstseins. Ob diese Zeichen als Indizien für gelebtes Verhalten im Schulhaus gedeutet werden können, ist eine andere Frage – aber als Absichtserklärungen sind sie ernst zu nehmen.

(Fotografisches Fundstück von Thomas Hermann aus der Zeitschrift «Akzente» 3 (2015): S. 38.)

FAQ – Evergreens aus der Schreibberatung – #20

FAQHäufig gestellte Frage:  «Da ich noch nie eine wissenschaftliche Arbeit verfasst habe, hat mich meine Betreuerin mit dem Theorieteil meiner Vertiefungsarbeit zu Ihnen geschickt, um ein Feedback einzuholen. Ist das ok?»

Unsere Antwort: Klar, deine Vertiefungsarbeit so wie auch andere Arbeiten (schriftliche Leistungsnachweise, Portfolio, Masterarbeiten etc.) coachen wir gern – vorausgesetzt du bist Member. Allerdings: Das Schreibzentrum hat rein beratende Funktion: Wir begleiten deinen persönlichen Schreibprozess und unterstützen dich beim Planen, Schreiben und Überarbeiten deines Textes. Die inhaltliche Betreuung und Beurteilung liegt bei der zuständigen Fachperson (also den Dozierenden, Mentorinnen und Mentoren etc.). Welchen Kriterien deine wissenschaftliche Arbeit zu genügen hat, muss deine Betreuerin vorgeben. Diese Vorgaben – sprich der Kriterienkatalog – müssen bekannt sein. Ist das nicht der Fall, darfst du sie einfordern. Wenn eine Vorgabe nicht ganz klar ist, kannst du auch selber Vorschläge machen und damit proaktiv werden.
Übrigens: Du entscheidest selber (und nicht deine Betreuerin), ob du unsere Dienstleistungen (Coaching, Workshops) in Anspruch nehmen willst. Unsere Angebote sind völlig freiwillig und unverbindlich.

Neue Pfade im alten Dickicht

Deadline_Constantin_SeibtGewöhnlich gibt’s bei Schreibratgebern nicht viel zu lachen. Bei Constantin Seibts Deadline ist das anders. Obwohl es auch ums Schreiben geht, um Kolumnen ganz genau, lacht es sich ständig. Vielleicht weil’s nicht ums wissenschaftliche Schreiben geht oder weil Seibt es einfach kann, das Schreiben. Jedenfalls ist sein Ratgeber ein seltener Genuss in der Schreibberatungslandschaft und das nicht nur sprachlich. Nur, ist Genuss auch für wissenschaftliches Schreiben statthaft oder verdirbt Populärwissenschaftliches den akademischen Charakter? Vielleicht beantwortet sich diese polemische Frage am besten mit Augustinus, dem Kirchenvater, der gesagt haben soll: «Mensch lerne tanzen, sonst wissen die Engel im Himmel nichts mit dir anzufangen.» Schreiben als Tanz, lassen wir das mal als Bild so stehen.

Bleibt die Gretchenfragen, was Seibt ausser sprachlichem Tanz noch liefert. Für die Schreibberatung nicht wirklich Neues, dafür aber Altes neu geschrieben. Das ist dann auch Seibts Credo: «Die guten Geschichten sind so gut wie nie völlig neue Geschichten: sie sind nur neu erzählt.» Die Welt muss nicht neu erfunden, nur nach neuen Pfaden im alten Dickicht gesucht werden. Das entlastet und stimmt versöhnlich. Trotzdem, wie soll das gehen? Ganz einfach: Fragen stellen. Fragen nach dem Warum und dem Wie-genau und zwar so, dass nicht die Antworten die Fragen gebären, sondern aus Neugier Fragen werden. Dieser Gedanke ist zwar auch nicht wirklich neu, dafür aber nicht weniger bestechend, wie auch der folgende aus der seibtischen Rhetorikkiste: «Die Schwierigkeit ist nur, auf abgegrastem Feld die richtigen Fragen zu finden.» Wer sich schon in der Kunst der Fragestellung wissenschaftlicher Arbeit versucht hat, weiss: Das hat was. Noch plakativer kommt Seibts Empfehlung daher, die eigene Inkompetenz nicht zu überspielen, «denn dadurch verpassen Sie die eigene Verblüffung, die besten Fragen und die gute Story.»

Zum Glück lässt Seibt Ratsuchende mit diesen hochtrabenden Empfehlungen – so viel Neugier und Ehrlichkeit – nicht im Regen stehen, sondern spannt mit pragmatischen Schreibtipps einen Schirm. So empfiehlt er, im Zweifelsfall halbgute Ideen zu verwenden. Es geht also auch ohne Originalität, das beruhigt. Oder noch einfacher: Schreibende holen sich originelle Gedanken bei andern, in Form von Zitaten. Zitate, die für Seibt Senf an der Bratwurst sind. Hier mache ich einen Punkt. Nur so viel sei verraten: Senf gibt’s noch einigen in seinem Buch und auch Pfeffer, wenn’s zum Beispiel um Ratteninseln und Schwanzbeisser geht.

Constantin Seibt
Deadline.
Zürich: Kein und Aber Pocket, 2014. 320 Seiten.

Tutorinnen und Tutoren schreiben für «Akzente»: Die Studi-Kolumne 3/15

3_2015_cover_websiteSeit 2009 schreiben die Tutorinnen und Tutoren des Schreibzentrums für das Magazin der PH Zürich. In Heft 3/2015 von «Akzente» zum Thema «Fremdsprachen – Unterrichten in der Lebenswelt der Kinder» fragt sich Alexandra Edelmann auf Seite‎ 25, ob ein Leben in der von Kriegen verschonten Schweiz nicht zu mehr Verantwortung gegenüber weniger Privilegierten verpflichtet.

Ausstudiert – die Studierenden-Kolumne:
Alexandra Edelmann: «Ein unglaubliches Privileg» (und als PDF hier).