Hörspiel-Tipp: Biss ins Gewissen

In meinem Hals steckt eine Weltkugel (CD-Cover)In Gerhard Meisters Hörspiel ist die Welt ein Ekel. Auf der einen Hälfte ersticken fette Zyniker im Überfluss, auf der andern setzen Notleidende ihre Arbeit «in einer Kruste von Erbrochenem» fort. Im Stück besprechen vier Stimmen, wie man sich in dieser Welt verhalten soll: «Soll ich auf mein Handy verzichten, weil ich weiss, unter welchen Bedingungen in Afrika Koltan abgebaut wird?» An Themen wie Organhandel oder Wohlstandsstress werden moralische Dilemmata beurteilt und zwingen einen zu einer Haltung irgendwo zwischen Gleichgültigkeit, Mitgefühl und Aktion. Das ist ein starkes Stück. Die Zuspitzungen führen aber auch zu Pauschalisierungen: Hier reich und narzisstisch, dort arm und bedürftig. Kurzatmig getaktete Redebeiträge verstärken die bedrohliche Stimmung, die mit dunklen Bässen und Hintergrundtönen erzeugt wird. Tipp: Zum Hörspiel gibt es bei «Éducation 21» ein Begleitdossier für den Unterricht.

Hörprobe:

Gerhard Meister. In meinem Hals steckt eine Weltkugel. Ein Hörspiel.
Mit Peter Brombacher, Katja Reinke, Sebastian Rudolph, Bettina Stucky. Musik: Martin Schütz. Regie: Erik Altorfer. Technik: Mirjam Emmenegger. Dramaturgie, Redaktion: Fritz Zaugg. Illustration, Layout: Luca Schenardi. Produktion Hörspiel: SRF 2012.
Luzern: Der gesunde Menschenversand, 2013. Audio-CD, 52 Min.

Das Hörspiel wurde nominiert für den Prix Europa 2013 und den Grand Prix Nova 2014. Die Gestaltung des CD-Covers von Luca Schenardi wurde nominiert für Die Besten 2014 (Hochparterre) Kategorie Design.

(Medientipp von Alex Rickert aus der Zeitschrift Akzente 4 (2014): S. 34.

Schulklasse in Sambia

Foto: © Usula Schwarb, 2014
Foto: © Usula Schwarb, 2014

Unser erster Blick auf das Bild wird vom Kind im Vordergrund erwidert. Schauen wir genauer hin, stellen wir fest, dass gleich mehrere Augenpaare auf uns gerichtet sind. So lassen wir uns von Fotos gerne täuschen, denn die Kinder blicken ja nicht uns an, sondern die Fotografin. Wir nehmen ihre Perspektive beim Betrachten unweigerlich ein und fühlen uns vom Bild direkt angesprochen.

Die Fotografin Ursula Schwarb hat im Sommer 2014 im Rahmen eines Freiwilligeneinsatzes fünf Wochen lang in einer Schule in der Stadt Livingstone in Sambia gearbeitet. Dabei hat sie die Klassenlehrerin beim Unterrichten und die Kinder beim Lernen unterstützt. Wandtafel und Kinderzeichnungen wirken im Gegensatz zum Schulzimmer vertraut. Tatsächlich befinden sich die Kinder in einer Turnhalle, in der gleichzeitig zwei weitere Klassen unterrichtet werden. Wir können uns vorstellen, wie eine solche Lernumgebung manchmal zur Lärmumgebung wird. Ordnung ist deshalb besonders wichtig. Ursula Schwarb setzt diese Ordnung ins Bild. Sie nimmt die im Quadrat sitzenden Zweitklässlerinnen und Zweitklässler über eine Diagonale auf. Die linke Seite des Quadrats läuft auf die Wandtafel mit dem Schulstoff hin, die rechte Seite auf die offene Türe und das Licht. Die Klassenlehrerin steht als Dreh- und Angelpunkt des Unterrichts auf der Mittelachse des Bildes.

(Fotografisches Fundstück von Thomas Hermann aus der Zeitschrift «Akzente» 4 (2014): S. 38.)

Doctorows Piratenkino

Pirate CinemaAutor, Blogger und Internetaktivist Cory Doctorow ist ein begnadeter Erzähler, der seine Anliegen auch in packenden Jugendromanen zum Thema macht. In seinem jüngsten Werk geht es um Filmkunst, Kreativität und Copyright im digitalen Zeitalter.
Der 16-jährige Ich-Erzähler Trent McCauley ist so etwas wie ein cineastischer DJ. Sämtliche Streifen seines Filmidols lädt er aus dem Netz herunter und montiert die Clips liebevoll zu neuen Abenteuern. Die Mashups finden eine schnell wachsende Fangemeinde, aber den mächtigen Filmstudios und ihren politischen Vasallen sind solche Machwerke ein Dorn im Auge. Selbst Teenager wandern hinter Gitter, wenn sich auf ihren Festplatten Songs und Filme finden, für die sie nicht bezahlt haben.
Der junge Remix-Künstler Trent sagt den Grosskonzernen auf kreative Weise den Kampf an und demonstriert der Welt, dass man auch ohne Kamera gute Filme produzieren kann.

Cory Doctorow
Pirate Cinema.
Aus dem Amerikanischen von Oliver Plaschka.
München: Wilhelm Heyne, 2014. 510 Seiten. Ab 14 Jahren.

Die ganze Rezension finden Sie in «Bücher am Sonntag» vom 7.12.2014, S. 14.

WARTESCHLEIFE – der Schreibwettbewerb

Das Schreibeztrum der PH Zürich veranstalten zusammen mit der KME Zürich, der EB Zürich und dem Careum Bildungszentrum den Schreibwettbewerb «Warteschliefe».

©Jürgen Schrepfer

Teilnahmeberechtigt
Studierende der PH Zürich, der KME, Teilnehmende der EB Zürich und Studierende des Careum Bildungszentrums.

Einsendeschluss
31. März 2015

Text
Text zum Begriff «Warteschleife». Textsorte frei (z.B. Kurzgeschichte, Minidrama, Gedicht, Rap, Chat).

Kategorie
Texte können bei einer der folgenden zwei Kategorien eingereicht werden:
Hope: Für schnelle, impulsiv geschriebene Texte.
Glory:  Für elaborierte, mehrfach überarbeitete Texte.
Bitte Kategorie angeben bei Texteingabe.

Textlänge
1000 bis max. 5000 Zeichen (inkl. Leerzeichen)

Text senden an
schreibzentrum@phzh.ch

Es gibt Büchergutscheine (200/100/50 CHF) zu gewinnen.

Die Siegertexte beider Kategorien (1.–3. Preis) werden im Rahmen einer Preisverleihung im Mai 2015 an der PH Zürich präsentiert.

Detalierte Ausschreibung zum Download:  Ausschreibung-Schreibwettbewerb-«Warteschleife».pdf

Weitere Informationen unter: stud.phzh.ch/schreibwettbewerb

FAQ – Evergreens aus der Schreibberatung – #19

FAQHäufig gestellte Frage:  «Kann ich morgen nochmals vorbeikommen?»

Unsere Antwort: Eigentlich gibt es keine Beschränkung, wie oft du die Dienste des Schreibzentrums in Anspruch nehmen kannst – vorausgesetzt du bist Member. Allerdings: Das Schreibzentrum will Hilfe zur Selbsthilfe bieten. Eine Beratung soll dir deshalb ermöglichen, selbstständig an deinem Text weiterzuarbeiten. Bei grösseren Arbeiten ist ein Coaching über mehrere Sitzungen  hinweg aber möglich und sinnvoll, der Abstand zwischen den einzelnen Beratungen sollte jedoch mehr als nur einen Tag betragen. Meistens machen eine bis zwei Wochen Abstand Sinn, vielleicht brauchst du aber auch mal mehr Zeit, um an deinem Text zu arbeiten. Deshalb unsere Empfehlung: Komm in einem möglichst frühen Stadium mit deinem Text ins Schreibzentrum.