Schottisch über Mittag

Unsere Tutorin Karin Weibel hält Rückschau auf einen besonderen Event des Schreibzentrums:

«Schreibberatung made in Scotland – und so funktioniert’s: An britischen Universitäten sind die Beratenden nicht Studierende wie bei uns, sondern Autoren und Autorinnen mit Rang und Namen, Fellows des Royal Literary Funds. Solche Fellows sind auch die in der Schweiz aufgewachsene und nun auf Englisch publizierende Regi Claire und der schottische Schriftsteller Ron Butlin, welche uns dieses Fellowship-System vorstellten. Die beiden arbeiten an zwei verschiedenen Universitäten in Schottland, wobei sie ihr Salär nicht von der Uni, sondern direkt vom Royal Literary Fund erhalten. Der Royal Literary Fund sponsert somit die Schreibberatung an den Universitäten und schlägt zwei Fliegen mit einer Klappe: Die Autoren und Autorinnen erhalten ein regelmässiges Gehalt und die Studierenden kommen in den Genuss einer professionellen Schreibberatung. Die Vor- und Nachteile dieses Systems, Erinnerungen an aussergewöhnliche Beratungsgespräche und ultimative Essay-Tipps – all dies und noch vieles mehr brachten uns Regi und Ron auf witzige und spannende Art näher.»

Im anschliessenden Schreibworkshop, weiterhin mit Regi Claire und Ron Butlin, entstanden verschiedenste englische Texte. Unter anderen dieser, Gedicht und Songtext zugleich, von unserem Tutor Lukas Ramseier:

IN PIECES

I used to be completed
One whole when I arrived
They managed to destroy me when
They tried to take my life

My life so poor of beauty
But not because of fate
They didn’t know my body was
A prison for my hate

My hate that now defines me
And makes me so much more
They’ll never understand I’ll be
In pieces and at war

Wolf und Haas, Anfänger und Hasardeur

Wolf Haas: Komm, süsser Tod_cover«Jetzt ist schon wieder was passiert.
Aber ein Tag, der so anfängt, kann ja nur noch schlechter werden. Das soll jetzt nicht irgendwie abergläubisch klingen. Ich gehöre bestimmt nicht zu den Leuten, die sich fürchten, wenn ihnen eine schwarze Katze über den Weg läuft. Oder ein Rettungsauto fährt vorbei, und du musst dich sofort bekreuzigen, damit du nicht der nächste bist, den der Computertomograph in hunderttausend Scheiben schneidet.
Und Freitag der Dreizehnte sage ich auch nicht. Weil es ist Montag der 23. gewesen, wie der Ettore Sulzenbacher mitten in der Pötzleinsdorfer Strasse gelegen ist und zum Steinerweichen geheult hat.»

Es gibt Leute, die mögen es nicht, wenn sie von Wildfremden geduzt werden. Denen würde ich Wolf Haas nicht empfehlen, denn der duzt jeden, der seine Krimis liest! Andererseits ist das ja vielleicht nur ein Pseudonym, das mit dem Wolf und dem Haas, ich meine, tönt doch irgendwie verdächtig. Wie dem auch sei, empfehlen tue ich ihn trotzdem, unbedingt sogar, nur schon deshalb, weil er ein blutiger Anfänger ist. Blutig, versteht sich von selbst für einen Krimi, aber Anfänger, nicht so wie Sie jetzt vielleicht meinen, nein, wirklich, der kann anfangen, da hört alles auf.
Ein Haas-Krimi beginnt in der Regel so: «Jetzt ist schon wieder etwas passiert.» Gut, gefällt vielleicht nicht jedem. Aber ich mag so was, umso mehr als ich mich in der Regel schwertue mit Anfängen und deshalb nicht ungern in eine Geschichte reingeritten werde. Und wenn ich mal drin bin, bleibe ich auch gern und schaue genüsslich zu, wie der Haas Wolf mit der Sprache herum schwadroniert, sie solange biegt, bis sie bricht und ein Aufschrei durch die Feuilletons geht: Gebrochene Sprache, kaputte Grammatik!

Wolf Haas: Komm, süsser Tod. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 2000. 224 Seiten.