Sammlungen Pestalozzianum – Kulturerbe wird digital

Die Arbeiten am Erhalt und der Nutzbarmachung der Sammlungen Pestalozzianum sind in vollem Gange. Zum einen wurden die Berichte über die Verhandlungen der Zürcherischen Schulsynode digitalisiert und sind über E-Periodica recherchierbar. Zum anderen tauchen während der Restaurierung und Erschliessung immer wieder interessante Fundstücke zur Bildungsgeschichte auf; einige werden hier vorgestellt.

Digitalisierung und Restaurierung zentraler Quellen zur Schulgeschichte

Eine zentrale bildungshistorische Quelle des Kantons Zürich ist nun digital verfügbar: Die Berichte über die Verhandlungen der Zürcherischen Schulsynode dokumentieren jährlich stattfindende Versammlungen der Volks- und Mittelschullehrpersonen, an denen Aushandlungen über Unterrichtsgestaltung ebenso stattfanden wie Debatten um schulpolitische Entwicklungen. Diese serielle Quelle erlaubt vertiefte Einblicke in das bildungspolitische Geschehen seit Gründung der modernen Zürcher Volksschule 1832.

Ordnung über die tütschen Schulen. Manuskript (Copia). (Bonstetten), 1638.

Neben der Lehrmittelsammlung werden in diesem Jahr auch Nachlässe Zürcher Pädagogen sowie zentrale Dokumente zur Zürcher Schulgeschichte restauriert. Briefkorrespondenzen von Pestalozzi und seinem Umfeld gehören ebenso dazu wie Schulordnungen. Schulordnungen aus dem 16. und 17. Jahrhundert etwa sind zur Erforschung der Entwicklung der Schule weit vor Beginn des modernen Schulwesens von zentraler Bedeutung.

Glasdias veranschaulichen die Geschichte des Unterrichts

Leysin. 23. 1. Nr. 9

Der Gegensatz könnte wohl kaum grösser sein: Hier die alten Häuser von Leysin, dort die neu erbauten, riesigen Sanatorien und Hotels für Gäste, die sich hier seit Ende des 19. Jahrhunderts bis etwa 1946 Höhenkuren und Heliotherapien unterzogen. Zwischen der Jahrhundertwende und 1931 wurden dafür 277 Gebäude neu erbaut. Diese vermutlich in den 1920er Jahren aufgenommene Fotografie stammt aus einer Sammlung von Glasdiapositiven des im Jahr 1911 gegründeten Vereins Schweizerischer Geographielehrer (heute: Verein schweizerischer Geografielehrpersonen VSGg).

Teile der Sammlung des VSGg befinden sich heute im Besitz der Stiftung Pestalozzianum, zusammen mit über 500 Serien bzw. gut 17‘000 Glasdias anderer Hersteller aus den Jahren 1920 bis 1950. Diese für Unterrichtszwecke konzipierten Diaserien zur Geographie der Schweiz und des Auslands, zur Geschichte, den Naturwissenschaften, über die Gewinnung und Verarbeitung von Nutzpflanzen, zur Technik und zum Verkehrswesen sowie über Industriebetriebe sollen im Rahmen des Projekts «Sammlungen Pestalozzianum» digitalisiert, formal sowie inhaltlich erschlossen und zugänglich gemacht werden.

Kinderzeichnungen als Zeitzeugen

Junge, 8, «BEATELS», Pestalozzi-Kalender-Wettbewerb, 1966

Im Jahr 2018 werden verschiedene Jubiläen und Anlässe gefeiert, die auch in den Kinderzeichnungen der Stiftung Pestalozzianum ihren Ausdruck finden: Vor 110 Jahren ist der Pestalozzi-Kalender, ein Schülerkalender der ursprünglich aus Bern stammt, zum ersten Mal erschienen. Von 1912 bis 1984 veranstaltete er Zeichenwettbewerbe wie den Wettbewerb «Zeichnen nach eigener Phantasie». Die Zeichnungen geben nicht nur Einblick in Zeichensujets und -techniken, sondern auch in die kindliche Wahrnehmung etwa von Alltag, Politik, Geschichte quer durch das 20. Jahrhundert. Jährlich lag der Schülerkalender, der Wissenswertes etwa aus Bereichen der Wissenschaft anschaulich vermittelte, auf dem weihnachtlichen Gabentisch und begleitete seine Leserschaft über viele Jahre.

2018 begeht auch die 1968er-Bewegung ihren 50. Jahrestag. In einer aktuellen Publikation zu den 1968er-Jahren sind zwei Bilder aus den Zeichenwettbewerben des Pestalozzi-Kalenders enthalten und vermitteln das Lebensgefühl dieser Zeit aus kindlicher Perspektive:

Hebeisen, Erika, Hürlimann, Gisela, und Schmid Keeling, Regula (Hrsg.), Reformen jenseits der Revolte. Zürich in den Langen Sechzigern, Mitteilungen der Antiquarischen Gesellschaft in Zürich, Bd. 85, Zürich: Chronos, 2018.

Schliesslich ist das Jahr 2018 auch dem europäischen Kulturerbe gewidmet. Die Kinderzeichnungen zeigen Darstellungen zum Schweizer Weltkulturerbe wie beispielsweise der Rhätischen Bahn. Gleichzeitig sind die Sammlungen Pestalozzianum selbst als kulturelles Erbe der Schweiz zu verstehen. In diesem Sinne betreibt die Stiftung Pestalozzianum mit ihrem Lotteriefondsprojekt «Sammlungen Pestalozzianum» aktiv den Kulturgüterschutz.

Ausstellung ausgewählter Kinder- und Jugendzeichnungen

Gerne weisen wir Sie auf die Ausstellung «Studio. Eine Phantastik» in der Shedhalle in Zürich hin. Die Ausstellung ist noch bis am 29. Juli 2018 geöffnet.

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