Komponieren mit Isle of Tune

Isle of Tune ist ein «music sequencer for the modern colonial». Statt Noten auf einem Notenblatt einzutragen, legt man auf seiner Insel Strassen an und versieht sie mit tönenden Häusern, Bäumen und anderen Dingen. Schliesslich bringt man alles zum Klingen, indem man Autos auf den Strassen herumfahren lässt. Neben der kostenlosen Online-Variante ist auch eine iPad-App zu kaufen. Bebaute Inseln lassen sich mit anderen online teilen.

7 Gedanken zu „Komponieren mit Isle of Tune“

  1. Schöne und witzige Spielerei, aber nicht unbedingt mehr! Vor allem hat das ziemlich wenig mit Komponieren zu tun. Gerade in diesem Zusammenhang zeigt sich wie durch die Möglichkeiten des Compis die ursprüngliche Bedeutung von Begriffen verändert wird und wie die Ansprüche nach unten nivelliert werden. Komponieren ist ein komplexer und bewusster Prozess der herzlich wenig mit dem Aufschreiben mit Noten oder auch mit dem zufälligen Kombinieren von vorhandenen Sounds zu tun hat. Am Anfang steht immer eine Idee und es muss Wissen und Können vorhanden sein. Auch der DJ muss der zum Sampeln in erster Linie über ein differenziertes Musikgehör verfügen. GarageBand verspricht auf der Apple-Seite ebenfalls grossmundig, dass jede(r) seinen Hit kompinieren könne. So einfach ist dies aber nicht wie sich das «Klein-Ursli» offenbar vorstellt :-)!

    1. Unbedingt mehr als eine kleine Spielerei! Ich kann den kulturpessimistischen Grundton nicht teilen, denn Isle of Tunes macht Spass und motiviert zum Spielen mit Musik, zum Kombinieren von Tönen, zum Ausprobieren, Anhören, Verwerfen, Überarbeiten und neu Probieren. Dabei gibt es grundlegende musikalische Erfahrungen zu sammeln, die Basis für weitere Lernschritte in der Musik. So ist ein Bass-Loop ein Rundkurs, in dem ein Auto kreist, und wenn zwei Autos mit gleichem Abstand hintereinander her fahren, dann ist das ein Kanon usw.
      Zugegeben, das alles entspricht nicht den hehren Ansprüchen kompositorischer Meisterschaft mit ihrer Komplexität und erhabenen Bewusstheit, die Wissen und Können voraussetzt. Aber diese Anspüche scheinen mir an dieser Stelle ziemlich dröge und beinahe etwas elitär. Verglichen damit macht das Komponieren (ja, ich verwende den Begriff in diesem ihm unwürdigen Zusammenhang) mit Isle of Tunes einfach Freude. Was gibt es Besseres über die Beschäftigung mit Musik zu sagen!

      1. Ich bin schon erstaunt, dass jemand, der die epprechtsche Musikschule (Insider-Bemerkung) durchlaufen hat, die dort vermittelten Werte so wenig hoch hält :-)! Natürlich darf dieses nette Tool Freude machen, dagegen ist wirklich nichts einzuwenden. Es ist auch – soweit ich das auf den ersten Blick beurteilen kann – ausserordentlich sorgfältig und sehr liebevoll programmiert. Wer aber glaubt, dadurch die «Basis für weitere Lernschritte in der Musik» legen zu können, offenbart ein eigenartiges Verständnis von musikalischer Bildung. Es geht ja letztlich auch darum, wie die zur Verfüng stehende Lebens- und Lernzeit eingesetzt werden soll.
        Interessant finde ich aber im Kommentar von Peter Bucher etwas ganz anderes. Ich stelle immer wieder fest, dass die kritisches Auseinandersetzung mit medialen Entwicklungen unerwünscht sind. In fast sektiererisch anmutender Weise wird all denjenigen, welche Tablets und Tools nicht als gates- und jobsgegeben bejubeln und im Rahmen der Schule als Garant für Chancengleichheit sehen, eine «kulturpessimistische» oder gar «elitäre» Grundhaltung angedichtet. Das ist schade und verhindert echte Diskussionen.
        Aber villeicht, lieber Peter, bist du im Gegensatz zu mir der Zeit einfach ein Jahrhundert voraus, ganz im Sinne von Lutz Jäncke, Professor für Neuropsychologie an der Uni Zürich. Er wurde im »Tagblatt der Stadt Zürich» vom 9. November 2011 im Rahmen einer Sondernummer zum Leben im Jahre 2111 darüber befragt, welche Folgen die grosse Bedeutung von Virtual Reality für den Menschen habe. Seine Antwort u.a.: «Es besteht die Gefahr, dass dann viele zwischen der realen und der virtuellen, also fiktiven Welt nicht mehr unterscheiden können. Wir verlieren unsere Selbstdisziplin und mutieren zu passiven Lustwesen. Man macht nur noch das, was einem Spass macht.»

        1. Mit Freude stelle ich fest, dass sich hier eine lebhafte Diskussion entwickelt, etwas von dem wir immer wieder einmal gesprochen und das wir uns gewünscht haben. Vielleicht pendelt sich der Ton mit der Zeit etwas mehr Richtung Versachlichung ein, aber ein wenig Emotionen gehören.

        2. In der Replik finde ich einen wirklich klugen Satz: «Es geht ja letztlich auch darum, wie die zur Verfüng stehende Lebens- und Lernzeit eingesetzt werden soll.» Dies nehme ich mir zu Herzen und verzichte auf weitere Beiträge in diesem Thread.

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