Student response system für Hochschulen und Volksschulen

Bildquelle: http://www.polleverywhere.com/how-it-works

Im Rahmen eines längeren Mittagessens mit Beat Döbeli zum Themenfeld Studi-Laptops an Pädagogischen Hochschulen haben wir uns gefragt, ob es nicht möglich wäre für Schweizerische Hochschulen und Volksschulen ein einfaches Student response system zu entwickeln. Anders als bei den bestehenden Systemen von Anbietern von Hardware wie SMART oder Promethean oder Systemen wie Poll Everywhere, müsste das System einfach und kostenlos sein. Mögliche Provider wären Swisscom oder Switch. Das System könnte so funktionieren, dass auf dem Netz eine Frage oder Umfrage vorbereitet werden könnte. Diese erhielte eine kurze Buchstabenfolge zugeordnet (Beispiel: xtfr) welche als Erkennungscode für 1 Woche gültig wäre. Die Studierenden könnten dann während der Vorlesung per Laptop, Pad oder Smartphone übers WLAN eine Antwort in Form einer Zahl, eines Worts oder eines Satzes übermitteln, welche von der Dozentin am Beamer in Form einer Tagcloud, eines Balken- oder Tortendiagramms oder in anderer Form gezeigt werden könnte. Es wäre aber auch möglich die Antwort per Handy an eine Gratisnummer per SMS zu übermitteln (SMS an Nummer 1243 / Code xtfr / Antwort).

Ein solches System würde die bestehenden methodischen Möglichkeiten erweitern ohne dass zusätzliche, teure Geräte angeschafft werden müssten.

Didaktisch hat ein Student response system neben der einfachen Aktivierung der Teilnehmer/innen verschiedene Vorteile. Alle Studierende können eine Antwort geben. Für die Beteiligten wird sichtbar, ob sie mit ihrer Antwort zur Mehrheit gehören oder eher zu einer Minderheit. Oft wird ja angenommen, dass die anderen Personen ähnlich denken und fühlen, wie man selbst. Gerade in PHs wäre es schön, wenn den angehenden Lehrpersonen immer wieder bewusst wird, dass es zu einer Frage oft mehrere Antworten und Sichtweisen gibt. Die Antworten können vielleicht auch die Vielfalt von Einschätzungen, die Komplexität eines Themas oder den Irrtum der Mehrheit zeigen.  Weitere Vorteile der Methode könnten sein, dass die Neugier auf ein Thema wächst, wenn vorher Fragen dazu beantwortet werden oder dass die Dozierenden die Möglichkeit haben an Hand der Antworten ihre Inputs besser auf das aktuelle Wissens- und Verstehenslevel der Studierenden einzustellen.

Wir sind dran die Idee weiter zu verbreiten. Es wäre schön, wenn daraus etwas Konkretes Positives entstehen würde.

Siehe  dazu auch die Diskussion auf eduPad unter: http://www.edupad.ch/classroom-response-system-switzerland

7 Gedanken zu „Student response system für Hochschulen und Volksschulen“

  1. «Gerade in PHs wäre es schön, wenn den angehenden Lehrpersonen immer wieder bewusst wird, dass es zu einer Frage oft mehrere Antworten und Sichtweisen gibt.»

    Lieber Peter, lieber Beat
    Bis anhin habe ich noch keine Studentin/keinen Studenten angetroffen, dem das nicht bewusst ist. Finde den Vorschlag schrecklich! Müssen die PHs wirklich auf das Niveau von «Wer wird Millionär» degenerieren?

  2. Liebe Edi
    Nein, PHs müssen nicht auf das Niveau von «Wer wird Millionär?» degenerieren. Falls sie das tatsächlich würden, läge das aber vermutlich nicht an einer zusätzlichen Möglichkeit Teilnehmer und Teilnehmerinnen von Grossgruppenveranstaltungen zu aktiver Mitarbeit zu animieren, sondern eher an fehlender didaktischer Phantasie und Professionalität der Dozierenden.
    Persönlich bin ich der Meinung, dass Vorlesungen mit einer grossen Anzahl Studierenden an der PH Zürich noch nicht überall auf einem Level angelangt sind, dessen Qualität sich nicht noch verbessern lassen würde. Wenn nun zum bestehenden Methodenrepertoire noch eine weitere Möglichkeit der Aktivierung und Beteiligung von Studierenden hinzukommt, die technologiebasiert ist, wird die pädagogische Welt nicht gerade zusammenstürzen. Wir können daneben ja auch weiterhin mit Lehm und Fingerfarben unterrichten.

  3. Ich finde das eine absolut prüfenswerte Idee und werde gerne mitdenken /-machen. An diversen Hochschulen macht man sich dazu bereits Gedanken und entwickelt Umsetzungsmöglichkeiten. Aktuell z.B. hier: http://www.htw-berlin.de/Service/eLearning/Foerderprogramm_eLearning/projekte_2011.html.

    Die Bedienung des Systems sollte möglichst einfach sein, gleichzeitig aber viele verschiedene Einsatzszenarien ermöglichen. Keine ganz einfache Sache. Aus meiner Sicht besteht auch bei vielen der verfügbaren kommerziellen Systeme in Bezug auf die Usability grosser Optimierungsbedarf.

    Eine „Degenierung der Hochschule das Niveau von «Wer wird Milionär»“ befürchte ich überhaupt nicht. Hochschullehrkräfte, welche solche System bereits im Einsatz haben berichten vielmehr von „Aha-Erlebnissen“ von Lehrenden und Lernenden. Auch dieser Artikel der ETH Zürich betont die positiven Erfahrungen: http://www.ethlife.ethz.ch/archive_articles/081027_clicker/index/0

  4. Ich begrüsse eine solche Initiative, denke aber, dass wir vorher dringendere Problemfelder angehen müssten. Auch ein «einfaches» Response System fordert Dozierende, resp. deren medientechnische Kompetenzen.
    Ich habe meinerseits an Veranstaltungen gute Erfahrungen mit http://www.eclicker.com gemacht. Ich empfinde dessen Bedienung als «einfach». Soll es noch einfacher sein? Andere Funktionalitäten? Und sooo teuer ist das System auch nicht: Die App für iPhone und iPad kostet unter Fr. 10.– NUR für die dozierende Person. Die Studierenden nutzen den Dienst kostenlos, sei es über die App oder einfach die Host-Adresse im eigenen Browser eintippen und abstimmen. Fragen können die Studierenden damit allerdings nicht posten.

  5. Wir arbeiten im PINGO Projekt (Peer Instruction for very large groups) an der Universität Paderborn gerade an genau solch einer Software. Wir befinden uns gerade in den Betatests in Veranstaltungen der Wirtschaftsinformatik mit etwa 500 bis 800 Teilnehmern pro Veranstaltung und haben bisher sehr positives Feedback bekommen.

    Die Software wird im Sommer fertig implementiert sein und ich würde mich freuen, wenn Sie und Beat Döbeli diese dann mal testen würden.

    Mehr Informationen zum PINGO-Projekt und dem Peer Instruction Ansatz gibt es auf http://wiwi.uni-paderborn.de/dep3/winfo2/forschung/projekte/peer-instruction-for-very-large-groups/

  6. Wir haben an der TH Mittelhessen das TED-System „ARSnova“ entwickelt und stellen es allen interessierten Hochschulen kostenlos zur Verfügung: https://ars.thm.de/

    Eine Beschreibung von ARSnova gibt es bei e-teaching.org: http://www.e-teaching.org/news/eteaching_blog/et_showComments?entryid=blogentry.2012-03-15.7150830125

    Weitere Details kann man den Folien einer ARSnova-Präsentation an der Goethe-Uni Frankfurt entnehmen: https://scm.thm.de/redmine/documents/16

  7. Das oben von Wolfgang Reinhardt angesprochene System PINGO ist mittlerweile „live“ und steht allen Dozentinnen und Dozenten von Bildungseinrichtungen als hostet Service kostenlos in einer deutschen und einer englischen Version zur Verfügung (Spanisch ist in Kürze verfügbar). Wir haben bereits Nutzerinnen und Nutzer von mehr als 120 Hochschulen. Gerne mal reinschauen und ausprobieren: http://pingo.upb.de bzw. Registrierung unter http://pingo.upb.de/users/sign_up

    Wir freuen uns sehr über Feedback.

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